Nutzt ihr im Unterricht gendergerechte Sprache?

  • Das lässt sich noch toppen: Kürzlich war in einer Radiosendung von "anrainenden Staaten" die Rede. Albernheit muss wohl grenzenlos sein.

    Was ist jetzt daran albern? "anrainen" bedeutet doch ganz einfach "angrenzen". Siehe auch: anrainen ▶ Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft ▶ Duden .

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Aber ist das Wort Anrainerstaaten nicht üblicher?

    Klar ist es das. Aber nichtsdestotrotz finde ich es befremdlich, wenn die Formulierung "anrainende Staaten" als "Albernheit" bezeichnet wird, obwohl sie vollkommen richtig ist. :weissnicht:

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich finde es total schwierig, wenn jemand die Variante Lehrer:innen im mündlichen Sprachgebrauch verwendet. Egal bei welchem Wort. Ich bin dann immer einen Moment irritiert, warum denn Männer ausgeschlossen werden.

    Die Aussprache sollte schon etwas unterschiedlich sein, näherungsweise "Lehre-rinnen" (Lehrerinnen) und "Lehrer-innen" (Lehrer:innen).

  • Ich weiß. Aber entweder klappt das bei den Sprechenden doch nicht, oder ich habe es einfach noch nicht drauf, den Unterschied zu hören. Bis vor einem Jahr war das meines Erachtens im Radio auch noch nicht üblich.

    Wer sich dem nicht bewusst verweigert, wird sich aber daran gewöhnen.

  • Ich finde es total schwierig, wenn jemand die Variante Lehrer:innen im mündlichen Sprachgebrauch verwendet. Egal bei welchem Wort. Ich bin dann immer einen Moment irritiert, warum denn Männer ausgeschlossen werden.

    Beim Leser ist es natürlich kein Problem, aber beim Hören bevorzugen ich alles andere: generischen Maskulin, Lehrkräfte, Lehrerinnen und Lehrer,...

    Hmm

    So geht es mir manchmal, wenn von Lehrern die Rede ist, ich fühle mich ausgeschlossen.

    Liegt vielleicht auch daran, dass ich anfangs die einzige Frau war, in Chemie-Seminaren, in Mathe- und Chemiefachschaften, Lehrer meinte damals wirklich nur die männliche Form. Noch an meiner 2. Schule schlossen sich die wenigen Lehrerinnen, alle anderen hatten Sprachen oder Musik, waren aber auch allein oder zumindest deutlich in der Minderheit, zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

    Kurz, ich freue mich, wenn jemand nicht nur von Lehrern spricht.

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  • Lustig, wie unterschiedlich die Schwellen positioniert sind. Bei Vorsitzenden oder Kulturschaffenden ist die Form problemlos, bei Lehrenden aber albern?

    Ja. Weil man noch nie Vorsitzer oder Kulturschaffer gesagt hat, sondern diese Wörter schon immer überlicherweise so verwendet werden. Jedenfalls ist mir nichts andere bekannt.

  • Absurd fand ich neulich, als ich in Unterrichtsmaterial über "Arbeitgebende" statt Arbeitgeber und "Unternehmende" statt Unternehmer gestolpert bin. Für mein Empfinden ist das die Schwelle, an der es hochgradig albern wird. Aber nun gut.

    Das geht mir auch so. Das Problem ist, dass es dadurch zu einer Verarmung der Sprache kommt und die Sprache an Präzision verliert.

    Beispiel, das gerne in den Nachrichten benutzt wird:

    'Forschende' das ist etwas anderes als 'ein Forscher' oder meinetwegen 'eine Forscherin'. Ersteres impliziert eine aktuell aktive Tätigkeit

  • Wurde das verordnet oder hat sich dieser Wandel natürlich entwickelt?

    Seit wann dürfen Frauen eigentlich wählen? Hat sich das natürlich entwickelt. Also, es gibt doch auch Grenzen. Und es ist absolut absurd. Zudem entsteht auch eine Verarmung der vernünftigen Entscheidungsmöglichkeit bei Wahlen. Und es fühlt sich einfach falsch an.🤣

  • Seit wann dürfen Frauen eigentlich wählen? Hat sich das natürlich entwickelt. Also, es gibt doch auch Grenzen. Und es ist absolut absurd. Zudem entsteht auch eine Verarmung der vernünftigen Entscheidungsmöglichkeit bei Wahlen. Und es fühlt sich einfach falsch an.🤣

    Ja, nicht mehr prügeln der Kinder, nicht mehr vergewaltigen der Ehefrauen haben sich auch natürlich entwickelt.

    Es wird immer Menschen geben, die Gesetze als unnötig und einschränkend sehen, und sich nicht daran halten.

    Mir ist übrigens kein Gesetz über die Pflicht zum gendern bekannt. Allerdings verändert sich Sprache, wer immer noch auf den Gebrauch von Mohrenkopf und Neger besteht, kommt halt nicht mehr positiv bei den meisten Mitmenschen an.

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  • Das geht mir auch so. Das Problem ist, dass es dadurch zu einer Verarmung der Sprache kommt und die Sprache an Präzision verliert.

    Beispiel, das gerne in den Nachrichten benutzt wird:

    'Forschende' das ist etwas anderes als 'ein Forscher' oder meinetwegen 'eine Forscherin'. Ersteres impliziert eine aktuell aktive Tätigkeit

    Also verwendet man weiter Begriffe wie Neger, Zigeuner, Mohrenkopf und Zigeunerschnitzel? Um der Verarmung der Sprache vorzubeugen?

    Ich hatte andere Ursachen bei Verwendung der Begriffe Forschende und Forschern vermutet. Der Unterschied zwischen Angst und Furcht ist heute auch nicht mehr allen bekannt. Und da liegt es sicher nicht am gendern.

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  • Im Singular geht's sowieso nicht, wenn die Intention das Gendern ist.

    Der/die Vorsitzende ist doch ebenfalls Singular. Im Unterrichtsmaterial ging es um "der Arbeitgebende" und "der Unternehmende", auch Singular. Vielleicht wirkte es auf mich da auch besonders unpassend, weil es bei Unternehmen und Arbeitgebern ja nichtmals direkt um Personen geht, sondern um eher abstrakte Begriffe.

  • Seit wann dürfen Frauen eigentlich wählen? Hat sich das natürlich entwickelt. Also, es gibt doch auch Grenzen. Und es ist absolut absurd. Zudem entsteht auch eine Verarmung der vernünftigen Entscheidungsmöglichkeit bei Wahlen. Und es fühlt sich einfach falsch an.🤣

    Immer dann, wenn große Kriege beendet werden, wird das Frauenwahlrecht eingeführt (um 1918 und 1945). Und wer sich nicht an einem Krieg beteiligt, kriegt lange kein Frauenwahlrecht (siehe Schweiz und Liechtenstein). Ausnahmen gibt es auch, aber die Häufung ist interessant.

  • Der/die Vorsitzende ist doch ebenfalls Singular. Im Unterrichtsmaterial ging es um "der Arbeitgebende" und "der Unternehmende", auch Singular. Vielleicht wirkte es auf mich da auch besonders unpassend, weil es bei Unternehmen und Arbeitgebern ja nichtmals direkt um Personen geht, sondern um eher abstrakte Begriffe.

    Du kannst ein Adjektiv auch im Singular nominalisieren, das ist kein Problem. Der Grund, weshalb manche Leute nominalisierte Adjektive (und das Partizip Präsens ist nichts anderes als ein Adjektiv) für geschlechtergerechte Sprache verwenden liegt darin, dass die grammatische Kategorie des Genus im Deutschen im Plural nicht ausgedrückt wird. Einem Adjektiv liegt anders als einem Substantiv kein inhärentes Genus zugrunde, weshalb es nominalisiert und im Plural tatsächlich genusfrei ist. Wenn ich von "Die Arbeitgebende" spreche, dann lässt sich kein Genus festmachen und damit aus Sicht mancher auch kein Sexus. Eine Form im Singular wie "Der Arbeitgebende" ist allerdings genauso ein generisches Maskulinum wie "Der Arbeitgeber".

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