Vom Wert der Werte. Oder: Gehört die besinnliche Zeit abgeschafft?

  • Als nicht religiöser Mensch halte ich es trotzdem für sinnvoll, kulturelle Werte und Traditionen, die unsere Gesellschaft geprägt haben, in Schule zu vermitteln und mit einzubeziehen, dazu gehört auch die Weihnachtszeit. Aber es muss halt immer adressatengerecht sein. Wenn die eigenen SuS es nicht schaffen, sich in einer Großgruppe dem Anlass entsprechend zu verhalten, mache ich halt nichts in der Großgruppe.

    Viele SuS bringen von zuhause nicht mehr die nötigen Voraussetzungen mit, um sich bei bestimmten Aktionen angemessen zu verhalten. Dann muss man kleiner und eger geführt planen. Es ganz sein zu lassen, vergrößert das Problem mittel- und langfristig nur. Dann lernen sie es nicht nur zu Hause nicht, sondern genau so wenig in der Schule.

    Es ist ärgerlich, dass Schule mehr und mehr die Erziehungsaufgaben des Elternhauses übernehmen muss, es nicht zu tun, ist aber erst recht keine Lösung.

    Ich finde, da muss man zwischen religiösem und säkularem "Weihnachten/Advent" unterscheiden.

    Für den religiösen Teil fühle ich mich nicht zuständig. Für mein Empfinden müssten das Relilehrer übernehmen, ist doch auch ihr Anliegen solche Riten zu vermitteln. Diese Woche sitze ich aber trotzdem wieder in einem Schulgottesdienst. Ich weiß auch schon jetzt, welches Kind links und welches Kind rechts neben mir wird sitzen müssen, und wen ich ggf. nach draußen führen muss. Da würde ich lieber unterrichten.

    Wie begründet man das säkulare Weihnachten? Vielleicht als Bespaßung und Beziehungspflege, aber vermissen würde ich ohne Singen (wollen die meisten Kinder eh nicht), Klassenadventskalender, Lichterkette und co. auch nichts. Den Konsum könnte man thematisieren, das wäre aber auch wieder scheinheilig.

  • Am 28.12. ist erst einmal das Fest der unschuldigen Kinder. ...


    Daraus:

    "...Die Reformation schaffte diesen Brauch ab, in den meisten katholischen Gegenden Deutschlands starb er im 18. Jahrhundert aus. Allerdings hält sich bis heute in Teilen Österreichs der Brauch, Kinder an diesem Tag die Erlaubnis zu erteilen, den Erwachsenen durch Rutenschläge Glück und Gesundheit fürs kommende Jahr zu wünschen. Beim Schlagen, genannt „Schappen“, sagen dabei die Kinder Verse auf und erhalten als Dank von den gesegneten Erwachsenen kleine Geschenke oder Geld. In der Steiermark und in Kärnten sind folgende Verse gebräuchlich:

    „Frisch und g’sund, frisch und g’sund,

    Lang leben und g’sund bleibe

    und a glücklichs Neujahr!

    Frisch und g’sund, frisch und g’sund

    long lebm und g’sund bleibm

    nix klunzn und nix klogn

    bis i wieda kum schlogn!“

    oder im Klagenfurter Raum...:"

    Hand aufs Herz, liebe Christ*innen, denkt ihr niemals auch nur einen Augenblick darüber nach, ob es eine größere Bedeutung hat, Leute am Soundsovielten in der Steiermark mit der Rute zu schlagen und Pumperlgsundheit zu wünschen oder stattdessen am Soundsovielten in Schwäbisch-Gmünd Wichtel zu verstecken?

  • Als nicht religiöser Mensch halte ich es trotzdem für sinnvoll, kulturelle Werte und Traditionen, die unsere Gesellschaft geprägt haben, in Schule zu vermitteln und mit einzubeziehen, dazu gehört auch die Weihnachtszeit. Aber es muss halt immer adressatengerecht sein. Wenn die eigenen SuS es nicht schaffen, sich in einer Großgruppe dem Anlass entsprechend zu verhalten, mache ich halt nichts in der Großgruppe.

    Viele SuS bringen von zuhause nicht mehr die nötigen Voraussetzungen mit, um sich bei bestimmten Aktionen angemessen zu verhalten. Dann muss man kleiner und eger geführt planen. Es ganz sein zu lassen, vergrößert das Problem mittel- und langfristig nur. Dann lernen sie es nicht nur zu Hause nicht, sondern genau so wenig in der Schule.

    Es ist ärgerlich, dass Schule mehr und mehr die Erziehungsaufgaben des Elternhauses übernehmen muss, es nicht zu tun, ist aber erst recht keine Lösung.

    Das verstehe ich und das habe ich bis vor kurzem auch so gesehen. Aber irgendwann ist Schluss damit, so viele Aufgaben neben dem Unterricht übernehmen zu müssen. Die aktuellen Erstklässler können nicht mal mehr alle allein zur Toilette.

    Um es kurz zu fassen: Die Kinder verbinden mit Weihnachten nichts Sinnliches und sie erwarten höchstens Geschenke (Zeit der Erwartung und Buße - Fehlanzeige). Der Gottesdienst ist sehr lebendig und ihr würdet unseren Pfarrer lieben. Er steht vorne mit der Gitarre, verkleidet sich, ist witzig, macht alle Kapriolen und trotzdem muss man dauernd den Dompteur spielen. Ein bisschen mehr könnte man schon von den Kindern erwarten. Es ist halt bei mir so, dass ich mich selbst am liebsten davor drücke und anbiete, die Nichtreligiösen zu beaufsichtigen, weil es mir nichts bringt und mich nur verärgert.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Als nicht religiöser Mensch halte ich es trotzdem für sinnvoll, kulturelle Werte und Traditionen, die unsere Gesellschaft geprägt haben, in Schule zu vermitteln und mit einzubeziehen, dazu gehört auch die Weihnachtszeit.


    Da muss ich auch fragen: welche Werte? Traditionen ist klar, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, das wird mit Pollern verteidigt bis in alle Ewigkeit aber Weihnachtswerte?

    Mir scheint, dass sich viele Leute einfach wünschen, dass sich Weihnachten so magisch anfühlen möge wie früher, aber wir sind halt keine 5 mehr.

  • Wenn in der Grundschule (!) ein evangelischer Predigtgottesdienst gefeiert wird, dann verstehe ich, dass die Kinder nicht so lange ruhig sitzen können. Das fiele mir auch schwer.

    Der Gottesdienst ist evangelisch und es gibt gar keine Predigt. Ich finde es sehr schade, dass man viele Kinder in Schach halten muss, trotz der abwechslungsreichen Gestaltung. Manchmal habe ich den Eindruck, allein der Ort Kirche löst bei den Pappenheimern was aus.

    Wir haben 3 Gottesdienste im Schuljahr, die sind freiwillig. Die meisten Eltern wollen aber, dass die Kinder in den Weihnachtsgottesdienst mitgehen(obwohl manche der Kinder es selbst gar nicht wollen), denn dann können die Eltern das an Weihnachten schon mal abhaken.

    Auch in die anderen Gottesdienste sollen manche Kinder von Elternseite aus gehen, weil sie außerhalb der Schule da sonst nie hinkommen. Soll die Schule denn die komplette religiöse Erziehung übernehmen?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Da muss ich auch fragen: welche Werte? Traditionen ist klar, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, das wird mit Pollern verteidigt bis in alle Ewigkeit aber Weihnachtswerte?

    Mir scheint, dass sich viele Leute einfach wünschen, dass sich Weihnachten so magisch anfühlen möge wie früher, aber wir sind halt keine 5 mehr.

    Weihnachtswerte sind für mich: besondere Tage an denen das Haus geschmückt ist, man nimmt sich Zeit für aufwendiges Essen, verbringt Zeit mit lieben Menschen, muss (hoffentlich) nicht arbeiten, man schaut "Weihnachtsfilme" wie Kevin allein Zuhaus, die hard oder Harry Potter, beschenkt sich gegenseitig, kommt allgemein aus dem Rhythmus raus.

  • Weiß ich nicht. Bin kein so Freund davon, Gottesdienste zu humoresken Inszenierungen zu machen. Vielleicht nehmen es die SuS auch deshalb wenig ernst?

    Nein, es ist nicht humoresk. Es ist toll, aber nicht langweilig. Der Pfarrer ist ja höchstens mal ein Schaf oder ein Hirte und gibt sich ernst.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Die Frage ist, ob das eigentlich alles noch zeitgemäß ist. Wer liest an Weihnachten seinen Kindern die Weihnachtsgeschichte vor? Die meisten essen hier Wienerle mit Kartoffelsalat ( warum bloß) an Heilig Abend und verteilen Massen an Geschenken.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Weil das Essen schnell bzw. mit Vorlauf gemacht ist und sich auf Heiligabend niemand lange zum Kochen hinstellen muss.

    Wir kochen alle gemeinsam und das ist für mich Weihnachten. Wir wichteln und jeder muss nur 1 Geschenk besorgen und bekommt auch nur 1 Geschenk. Der Abend gehört den Spielen, dem Kaminfeuer und Schnulzen (Liebe braucht keine Ferien und so). Also religiös ist da leider auch nix.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Da muss ich auch fragen: welche Werte? Traditionen ist klar, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, das wird mit Pollern verteidigt bis in alle Ewigkeit aber Weihnachtswerte?

    Mir scheint, dass sich viele Leute einfach wünschen, dass sich Weihnachten so magisch anfühlen möge wie früher, aber wir sind halt keine 5 mehr.

    Ich bin ja nun komplett nichtgläubig und kann auch mit Kirche nicht viel anfangen. Dennoch, an den kirchlichen Schulen, an denen ich gearbeitet habe, fand ich die Adventszeit sehr schön und stimmungsvoll. Auch die Gottesdienste. Da war viel Innehalten, viel Miteinander, Wohltätigkeitsaktionen - und all das hat auch nichtreligiöse, "menschliche" Werte, denen man sich am Jahresende ruhig mal verstärkt zuwenden kann.

    Ich finde traurig, was ihr schreibt. Hin und wieder mal ein ruhiges Miteinander in schöner Atmosphäre tut uns doch eigentlich allen gut, ob man nun religiös ist oder nicht. Dass Jugendliche ab einer gewissen Altersstufe da vorübergehend keinen Sinn für haben, kann ich verstehen, aber gerade Grundschulkinder sollten doch in der Lage sein, sich darauf einzulassen. Schade, wenn das nichtmals mehr im Weihnachtskontext funktioniert.

    Die zunehmende Unfähigkeit mal still zu sitzen und zuzuhören finde ich ganz furchtbar.

  • Das Essen ist das Beste.

    Mir würde Würstchen und Kartoffelsalat reichen - bei Heiligabend geht es mir um das Zusammensein mit meinen Eltern und der Familie. Nicht um ein größeres Essen.

    Aber so sieht es jeder anders. Ist doch schön so.

    Schule ist schön ... und macht Spaß.

  • Die zunehmende Unfähigkeit mal still zu sitzen und zuzuhören finde ich ganz furchtbar.

    Da muss ich sagen, dass das meines Erachtens vor ein paar Jahren noch besser war, obwohl ich sonst eigentlich nicht denke, dass Kinder früher mehr konnten. Sie konnten andere Dinge und stillsitzen und zuhören oder überhaupt ein Gefühl für "Geheimnisvolles" zu haben würde ich dazu zählen.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Mir würde Würstchen und Kartoffelsalat reichen - bei Heiligabend geht es mir um das Zusammensein mit meinen Eltern und der Familie. Nicht um ein größeres Essen.

    Aber so sieht es jeder anders. Ist doch schön so.

    Ich bin Saarländerin und da sitzt man stundenlang zusammen am Tisch und schlemmt. Das war schon bei meiner Oma so, bei meinen Eltern und ich kenne das nicht anders.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Da muss ich sagen, dass das meines Erachtens vor ein paar Jahren noch besser war, obwohl ich sonst eigentlich nicht denke, dass Kinder früher mehr konnten. Sie konnten andere Dinge und stillsitzen und zuhören oder überhaupt ein Gefühl für "Geheimnisvolles" zu haben würde ich dazu zählen.

    Ich hab irgendwo mal die Theorie gelesen, dass Stillsitzen und angemessenes Verhalten bei "Veranstaltungen" früher ganz automatisch beim Kirchengang erlernt und durch die Eltern anerzogen wurde. Fand ich plausibel. Das spielt heute natürlich überhaupt keine Rolle mehr und viele Kinder müssen ja nichtmals mehr ordentlich am Tisch sitzen bleiben.

  • Weil das Essen schnell bzw. mit Vorlauf gemacht ist und sich am Heiligabend niemand lange zum Kochen hinstellen muss.

    Heiligabend ist DER Tag, wo man sich zum Kochen hinstellt und mächtig aufgetischt wird.

    Dieser schreckliche Kartoffelsalat mit Würstchen ist für mich das traurigste, was ich mir an Heiligabend vorstellen könnte und glücklicherweise war das bei mir nie so.

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