Ich bin seit über anderthalb Jahren Seiteneinsteigerin (vielerorts auch Quereinsteigerin genannt) und würde den Weg so nicht noch einmal gehen.
Ich hatte damals die Wahl zwischen dem Referendariat und dieser Variante. Weil an einer Schule in meiner Nähe Bedarf bestand und ich mich von der Schulbehörde verheizen ließ, habe ich mich dazu überreden lassen. Ein böser Fehler. Aus heutiger Sicht würde ich in jedem Fall den Vorbereitungsdienst machen.
Anbei schildere ich euch warum:
Das erste Problem beginnt damit, dass man von Anfang an vor einer Klasse steht. Man wird direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich durfte weder hospitieren, noch an den Fortbildungen teilnehmen, die mir zum Einstieg zugestanden hätten. Es hieß, man würde mich brauchen und man hätte die Zeit nicht noch einmal für die Fortbildung auf mich zu verzichten.
Zum Glück hatte ich an anderen Schulen in den Jahren davor schon als Vertretungslehrkraft gearbeitet, denn ich war mir komplett selbst überlassen. Man zeigte mir weder wie man ein Klassenbuch führt, noch wo und wie man die Noten einträgt. Ich fand das alles per Mund zu Mund Propaganda heraus.
Weiter ging es damit, dass sich kaum jemand für mich zuständig fühlte. Ich hatte durch Zufall eine gute Mentorin, die für mich Abminderungsstunden bekam, aber die eigentliche Verantwortliche meiner Ausbildung kümmerte sich im ersten Jahr gar nicht um mich. Ich begriff sehr schnell, dass es nicht darum geht, ob ich es auf Dauer an der Schule schaffe, sondern eher darum, dass man mich auf Dauer verheizen wollte. Das Motto: Hauptsache der Unterricht wird abgedeckt. Sie stieg auch nicht wirklich durch, was der Unterschied zum Referendar war und schmiss alle in einen Topf.
Als ich dann länger aufgrund eigener Erkrankung und einem Todesfall fehlte, war man nicht mehr so freundlich. Jetzt müssen wir erstmal schauen, wie es mit Ihnen weitergeht hieß es von der Schhulleitung. Zum Glück hatte ich einen unbefristeten Vertag, weshalb man mich nicht rausschmeißen konnte.
Ich wurde regeros ausgebrannt und obwohl ich selbst nur in Teilzeit arbeitete für mehr Stunden eingesetzt. Von Seiten der Ausbildung gab es schwammige Aussagen. Auch was meine Abminderungsstunden für die begleitende Fortbildung betraf. Mal hieß es ich hätte 3, mal 6 Abminderungsstunden. Die Fortbildungstage dauerten aber 8 Stunden. Gleiches Spiel mit meinem Stundeneinsatz. Plötzlich sollte ich 17 Stunden geben, obwohl ich teilzeitbeschäftigt war. Ich bekam die unmöglichsten Stundenpläne wie alle anderen Seiteneinsteiger. Teilweise gab man uns 8 Stunden am Stück. Oder die erste und die achte Stunde mit 7 Freistunden.
Durch diese heftige Belastung ist mit der Zeit ein Seiteneinsteiger nach dem anderen weggebrochen, sodass irgendwann nur noch ich und eine Kollegin übrig waren. Wir hatten allein 3 Kündigungen in einem Jahr an der Schule, was auch der Tatsache geschuldet war, dass man 8 Stunden pro Woche in der Fortbildung saß und zusätzlich (bei Vollzeit) noch über 20 Stunden vorbereiten sollte. Ehen gingen kaputt und ich habe so manchen Kollegen erlebt, der sich in der Zeit trennte und aus der gemeinsamen Wohnung auszog. Viele Familienväter wurden vor die Entscheidung gestellt, ob sie sich für den Job oder ihre Kinder entschieden.
Mit dem Wechsel der Schulleitung wurde es für mich dann richtig heftig. Hinzu kam, dass auch die Verantwortliche für die Ausbildung wechselte. Nun hatte ich keine Verantwortliche für die Ausbildung, der ich egal war sondern das Gegenteil, was dann so aussah, dass ich für alles verantwortlich gemacht wurde.
Ich sollte mir alle Zwischenprüfungstermine selbst organisieren (wofür ich bei 2 Schulen, da ich noch an einer anderen Einrichtung war allein 3 Monate brauchte) und wurde für alles und jeden zur Verantwortung gezogen. Mittlerweile waren an allen Abspachen über 8 Leute beteiligt, wobei nahe liegt, dass dann irgendwo und bei der Vielzahl an Menschen zwangsläufig Kommunikationsprobleme auftreten.
Scheinbar war niemandem klar, dass ich mich noch im Lernprozess befinde und nie klassisch Lehramt studiert hatte.
Offensichtlich war das auch vielen Kollegen ein Dorn im Auge, denn im Lehrerzimmer wurden regelmäßig Witze über Seiteneinsteiger gerissen und
Der neuen Schulleitung war ich aus mir bis heute nicht ersichtlichen Gründen ein Dorn im Auge. Hospitationen wurden einen Tag vorher am Abend angekündigt und er versuchte mir permanent eins reinzuwürgen. Es gab vorhaltende Gespräche und permanente Schikanen.
Wie genau möchte ich hier nicht schildern. Irgendwann erfuhr ich durch meine Seminarleitung, dass er gebeten hatte aufgrund meiner langen Krankheitszeiten meine Ausbildung zu verlängern, damit er mich noch länger schikanieren konnte.
Eine Schikane sah dann so aus, dass ich fortan eine Kollegin in den Unterricht bekam, die jede Stunde bei mir saß und die das Salz in der Suppe suchte.
Ich kannte konstruktive Kritik von meiner Mentorin, für die ich dankbar war, aber das hier hatte nichts mehr mit sachlicher Kritik zu tun.
Es fielen permanente Beleidigungen wie "So wird das nie was" oder "Sie kommen jetzt bald ins zweite Jahr. Haben Sie überhaupt die Fortbildung besucht?"
Da war für mich der Kanal endgültig voll und ich wandte mich an den Referenten meiner Schulform und an meine Schulbehörde, die plötzlich reges Interesse zeigte.
Plötzlich hatte man reges Interesse für mich und meine mittlerweile 14 Seiten Beschwerden und dann ging alles recht schnell und mir wurde vorgeschlagen die Schule zu wechseln, was ich nun auch machen werde, obwohl es für mich mit Verlängerung und weiteren Anfahrtswegen verbunden ist.
Ob es nur an meiner Schule lag und ich extremes Pech hatte und jetzt besser wird, kann ich noch nicht beurteilen und da bin ich auch recht vorsichtig.
Fakt ist, dass ich auch in der begleitenden Fortbildung wie ein Referendar behandelt wurde und es keinerlei Abstriche gab.
Nicht bei den Unterrichtsbesuchen und auch nicht bei der Zwischenbenotung. Im Gegenteil. Es fiel oftmals der Kommentar, dass ich ja im Referendariat wäre und dieses oder jenes ein Lernprozess ist. Ich habe dann dementsprechend verdutzt geschaut und meinen Gegenüber vom Seminar (diese Kommentare kamen auch von Fachleitern) vorsichtig darauf verwiesen, dass es zwischen mir und dem Referendar schon einige Unterschiede gibt. Gefühlt möchte das nämlich niemand sehen.