• Dem stimme ich durchweg zu. Das Problem ist aber, dass der ganze Vorlauf mit den schriftlichen Rügen ewig lange dauert. Allein bis die Post vom Klassenlehrer durch die Verwaltung durch ist und bei den Eltern ankommt vergehen 1-2 Wochen. Anschließend mußt du noch dem Schüler 2 Wochen Zeit geben sich zu bessern. ... Also dauert ein Durchlauf mindestens einen Monat, eher 1,5 bis 2 Monate... dann kommen noch die Ferien dazwischen. ...

    Wenn man nicht spätestens im Oktober mit dem ganzen Bums anfängt, schafft man es nicht das ganze Verfahren bis zum Ende des Schuljahres abzuarbeiten.

    Das kann ich bei uns nicht so bestätigen.

    Briefe dauern max 2 Tage bis sie in der Post sind. Ich kann bei vielen Dingen aber auch die Eltern direkt über unseren Messenger anschreiben, dann ist die Nachricht direkt da.

    Zusätzlich kann ich über das elektronische Klassenbuch den Eltern ein Kommentar zur Stunde hinterlegen (macht gut mit, macht nicht mit, hat keine Hausaufgaben....).

    Und das Lesen bei uns viele der Eltern und gleichzeitig ist es eine Art der Dokumentation.

  • Briefe dauern max 2 Tage bis sie in der Post sind. Ich kann bei vielen Dingen aber auch die Eltern direkt über unseren Messenger anschreiben, dann ist die Nachricht direkt da.

    Zusätzlich kann ich über das elektronische Klassenbuch den Eltern ein Kommentar zur Stunde hinterlegen (macht gut mit, macht nicht mit, hat keine Hausaufgaben....).

    Und das Lesen bei uns viele der Eltern und gleichzeitig ist es eine Art der Dokumentation.

    Problematische Schüler haben fast immer problematische Eltern. Wenn ich versuche Eltern aus meiner Klasse telefonisch zu erreichen, gehen sie in 2/3 der Fälle nicht ans Telefon bzw. geben schon im Vorfeld ganz bewusst falsche Nummern an, eben damit sie für die Lehrer nicht erreichbar sind. Ein Workaround ist häufig das Kind zu bitten die Eltern mit ihrem Handy anzurufen. Die dummen Kinder machen das und dann bekommt man die Eltern an die Strippe. Häufig kann man dann aber auch nur mit dem Onkel/Tante/ältere Schwester, usw. reden, weil die Eltern kein Deutsch verstehen (wollen). Mit denen darf man aber eigentlich nichts besprechen. Dann muss für ein Elterngespräch erst ein Übersetzer vom Schulträger gestellt werden, der spezifische kurdische Dialekt ist dann aber nicht kurzfristig verfügbar, bzw. es stellt sich im Termin heraus, dass man sich doch nicht versteht.

    Einige Kinder haben für den Fall, dass man die Eltern über sie erreichen möchte auch dieselbe falsche Nummer eingespeichert, die die Eltern uns gegeben haben, und tun dann ganz überrascht, dass sie ihre Eltern leider nicht erreichen können. Briefe kommen übrigens auch häufig zurück, weil Scheinadressen bei der Anmeldung angegeben wurden.

    Also unterm Strich: Wenn die Eltern konstruktiv mitarbeiten, bekommt man jedes problematische Kind auf die rechte Bahn. Wenn nicht, ist Hopfen und Malz verloren und man kann sich die Arbeit sparen und direkt aufgeben. Das Kind wird dann später in die Sozialhilfe oder Kriminalität entlassen, entweder zum Schulabschluss oder irgendwann in der 7./8 Klasse, wenn es einfach nicht mehr in der Schule auftaucht und nur noch auf dem Papier Schüler der Schule ist. Ist schlimm, ist aber leider so.

  • Selbst Ordnungsmaßnahmen helfen oft nicht und sind mit riesigem Aufwand verbunden.

    Was sollen denn überforderte Eltern mit einem beratungsresistenten Pubertier machen?

    Und wenn die Kinder erstmal begriffenen haben, dass Ordnungsmaßnahmen kein Problem oder sogar cool sind, ist alles verloren.


    Wir am BK haben es da sehr einfach. Spielst du nicht mit, musst du gehen.

  • Je kleiner die Kinder, desto lieber gehen sie in die Schule. Man müsste Grundschulen viel besser ausstatten, damit hier die richtige Weichen für eine erfolgreiche Schullaufbahn gestellt werden können. Wenn die Kinder in der GS schon durchs Raster fallen, ist später nicht mehr viel zu machen.

  • Und das Jugendamt hat in solchen Fällen keine Handhabe?

    Doch, theoretisch schon. Aber wenn das Kind nicht unmittelbar in Gefahr zu sein scheint physisch Schaden zu nehmen, tun die nichts, denn die haben genug Fälle, wo das der Fall ist. Damit sich das Jugendamt kümmert, muss es halb tot auf der Straße gefunden werden oder jemand anderen ernsthaft physisch verletzt haben. Da reicht es nicht, wenn es in der Schule (auch wiederholt) auffällig wird, oder auch gewalttätig unter der Grenze, wo man es noch irgendwie mit viel gutem Willen bagatellisieren kann. Es ist eine Ressourcenfrage. Die Probleme der Kinder werden von allen Seiten so lange ignoriert, bis es zu spät ist.

  • Mit der aktuellen Gesetzgebung macht es sicher Sinn, dass sich das Jugendamt dahingehend abgrenzt bzw. sich nur um Fälle kümmert, bei denen die Kinder, wie von dir beschrieben, bereits halb tot sind.

    Es bleibt aus meiner Sicht Kindeswohlgefährdung, bei der der Staat bewusst wegschaut. Da kann ich nicht einmal einer einzelnen Person die Schuld geben, du hast ja erklärt, wie lang die Schule oft noch dran bleibt, obwohl es praktisch aussichtslos ist - es ist am Ende wohl auch Systemversagen.

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