Der Gang in die Dienstunfähigkeit

  • Hallo in die Runde,

    ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll, was mich eigentlich auch direkt zu meinem Anliegen führt:

    Ich suche jemanden für einen persönlichen Austausch, eine Person, die in einer ähnlichen Situation wie ich ist oder war.

    Und was ist meine Situation? Ich bin auf Lebenszeit verbeamteter Lehrer und hatte noch nie Ausfälle wegen meiner Psyche und war auch noch nicht wirklich in Behandlung. Ich habe lediglich von einem Psychiater ein leichtes Mittel gegen Ängste bekommen, was mir aber wenig nützt.

    Ich weiß, ich halte diesen Job nicht mehr viel länger aus und suche auch, bisher erfolglos, nach einer Therapie. Mich wegen Psyche mal vom Hausarzt einige Wochen krankschreiben zu lassen ist für mich ein schrecklicher Gedanke, weil ich da erstens keinen langfristigen Nutzen sehe und zweitens mir die Rückkehr unangenehm wäre. Nein, wenn ich entscheide, dass es nicht mehr geht, dann will ich ganz raus sein und nicht mehr zurück. Für eine anderweitige Verwendung wäre ich offen, weiß aber, dass das selten ist.

    Und bitte nicht falsch verstehen, es ist nicht einfach so, dass ich „keinen Bock“ mehr habe, ich habe Depressionen, Angstzustände, mitunter selbstverletzendes Verhalten und Konzentrationsprobleme, was mich meine Arbeit auch immer schlechter machen lässt. Eine Verdachtsdiagnose auf Autismus habe ich auch, aber eine Diagnostik finden ist auch schwierig und bisher konnte ich mit Masking auch gut durch kommen...aber die Kraft dafür schwindet rapide.

    Also!… Ich würde mich über einen Austausch freuen.

    Gerne auch aus Berlin, ist aber kein Muss.

    Ich denke einfach, dass man durch solche Sachen besser gemeinsam kommt und sich gegenseitig gut unterstützen kann!

    Freue mich auf Rückmeldung :)

  • Wenn für dich Psychotherapie per Video in Frage kommt, solltest du schnell fündig werden. Probatorische Sitzungen kannst du ohne Genehmigungsverfahren in Anspruch nehmen und dich währenddessen mit Beihilfe und PKV auseinandersetzen, um die Behandlung genehmigt zu bekommen.

    Mittlerweile ist die Abrechnung per GOÄ profitabler als bei gesetzlich Versicherten und du kannst auch Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung in Anspruch nehmen und hast somit bessere Aussichten auf eine zeitnahe Behandlung.

    Krankschreibungen bei psychischen Erkrankungen können viele Wochen bis Monate sein und sorgen dafür, dass du auch wirklich "raus" bist aus dem System, was bei einer Krankschreibung von bsw. 1-2 Wochen meist nicht der Fall ist, weil man immer noch das Gefühl hat, erreichbar sein zu müssen.

    Auch, wenn du dich entscheidest, den Job aufzugeben: Du bist auf Lebenszeit verbeamtet und du bist krank. Nutze die Zeit und die Sicherheit, um dich behandeln zu lassen und dir im Rahmen von Therapie/Behandlung Gedanken um deine Zukunft zu machen, als sie jetzt im Krankheitszustand voreilig zu fällen.

    Als Erstes würde ich dir raten, einen Termin bei einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu machen. Bis dahin kannst du dich über den Hausarzt krankschreiben lassen. Jedoch ist es sinnvoll, die weitere Behandlung und Diagnostik über den entsprechenden Facharzt laufen zu lassen.

    Der Psychiater/Psychiaterin verschreibt ja nicht nur Medikamente und stellt eine AU aus, sondern kann dich auch bei deiner weiteren Behandlung beraten und beispielsweise auch eine Krankenhauseinweisung ausstellen zur stationären oder auch teilstationären Behandlung.

    Bzgl. der Autismusdiagnose im Erwachsenenalter: Dies am besten auch mit dem Psychiater besprechen. Es gibt auch Ärzte in der BRD, die sich auf eben solche Fälle spezialisieren - häufig auch per Videosprechstunde und Privatabrechnung per GOÄ, die du ja über PKV/Beihilfe bezahlt bekommst.

    Um's kurz zu fassen: Erst die AU, die Diagnostik und Behandlung und dann erst entscheiden, wie es weitergeht.

  • Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass Hausärzte nicht mehr allzu lange krankschreiben dürften, zumal sie keine wirklichen Fachärzte sind und unser Bundeskanzler gemäß einer gewissen Äußerung auch alles dafür tun würde, dass Betroffene nicht allzu lang krankgeschrieben sind, um das Gesundheitssystem nicht zu belasten. Was er damit im Ernstfall anrichten könnte, möchte ich mir gar nicht ausmalen....

    Zunächst einmal ist es wichtig, nicht zu einem Psychologen zu gehen, da dieser kein Arzt ist und auch nicht krankschreiben könnte. Er könnte allenfalls dem Hausarzt zuarbeiten. Es bliebe nur ein Psychiater, der aber sicherlich in heutigen Zeiten (nach Corona) lange Wartenzeiten aufweist. Es bliebe noch ein Neurologe, der meist gleichzeitig Psychiater und ggf. noch Gutachter ist und der Privatpatienten vielleicht schnell einen Termin geben könnte. Einfach mal diese Kombi in deinem Umfeld googeln....

    Immerhin scheinst du schon Kontakt zu einem Psychiater gehabt zu haben. Der könnte dich vorerst weiter behandeln und krankschreiben. Stehen deine Probleme wirklich nur im Zusammenhang mit der Verdachtsdiagnose "Autismus" oder gibt es zudem objektiv belastende Faktoren bei deinen Arbeitsbedingungen in Berlin ?

    Ich hoffe, dir geholfen zu haben und wünsche dir von Herzen alles Gute !

    P.S. Es ist ansonsten heutzutage wirklich nicht ehrenrührig, (als Lehrkraft) psychisch zu erkranken und einen Seelenarzt aufzusuchen.

  • Ich weiß, ich halte diesen Job nicht mehr viel länger aus und suche auch, bisher erfolglos, nach einer Therapie. Mich wegen Psyche mal vom Hausarzt einige Wochen krankschreiben zu lassen ist für mich ein schrecklicher Gedanke, weil ich da erstens keinen langfristigen Nutzen sehe und zweitens mir die Rückkehr unangenehm wäre. Nein, wenn ich entscheide, dass es nicht mehr geht, dann will ich ganz raus sein und nicht mehr zurück. Für eine anderweitige Verwendung wäre ich offen, weiß aber, dass das selten ist.

    Und bitte nicht falsch verstehen, es ist nicht einfach so, dass ich „keinen Bock“ mehr habe, ich habe Depressionen, Angstzustände, mitunter selbstverletzendes Verhalten und Konzentrationsprobleme, was mich meine Arbeit auch immer schlechter machen lässt. Eine Verdachtsdiagnose auf Autismus habe ich auch, aber eine Diagnostik finden ist auch schwierig und bisher konnte ich mit Masking auch gut durch kommen...aber die Kraft dafür schwindet rapide.

    Also: So kann es aber nicht funktionieren, auch sicher nicht in Berlin.

    Aus gesundheitlichen Aspekten:
    - Lass dich vom Hausarzt krankschreiben (er kann aber maximal 4 Wochen am Stück krankschreiben)
    - Nutze die Zeit, um dich beraten zu lassen. Als PKV-Patient kommst du deutlich schneller an Termine, nutz die Möglichkeit des Privatarztes. Wenn der Druck auch so hoch ist, kannst du dich von einer Minute zur anderen in eine Klinik einweisen lassen. Privatkliniken nehmen auch in der Regel schnell auf, bzw. Privatpatienten bekommen auch innerhalb von ein paar Wochen Termine und Plätze in öffentlichen Kliniken, wenn es indiziert ist.

    Und genau das sollst du erstmal klären. Deine Diagnosen klingen leicht nach Selbstdiagnose (was auch okay ist, denn es ist oft der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung). Ab zum Psychiater, ein neues Mittel bekommen und eine Diagnostik machen.
    Kein Amtsarzt dieser Welt würde dich zur Ruhe setzen, wenn du "nicht mal" eine erste Krankheitsphase mit Gesundungsversuch hattest. Und es ist ja auch nicht in deinem Interesse.

    Sowas wie "wenn ich entscheide (sic!), dass es nicht mehr geht", "komme ich nicht zurück", gibt es nicht.
    In deinem Interesse ist es auch nicht.
    Abgesehen davon, dass keiner erfährt, WARUM du ausgefallen bist: Kliniken sind voll von Menschen (darunter vielen Lehrern) mit psychischen Problemen, die zum Ausfall führen. Und das soll dann einem unangenehm sein?

    Ich schließe mich k_19 ' Fazit voll umfänglich an.

  • Also erstmal ein aufrichtiges Danke für die Antworten und die Mühe die dahinter steckt.

    Was ihr mir sagt, ist mir ja alles klar. Mir geht es ja vor allem darum, jemanden für einen persönlichen Austausch, einen Leidensgenossen zu finden, jemanden der/die das alles schon durch hat oder in einer ähnlichen Lage wie ich steckt.

  • Sofern es hier Leidensgenossen oder -genossinen geben sollte, empfehle ich den Austausch über PN und nicht hier im Thread. Je nach Nickname und den Infos, die hier bereits geflossen sind, ist man womöglich erkennbar. Das muss ja nicht öffentlich werden.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

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