Wolfgang Autenrieth : Grundsätzlich gibt es auch in anderen Fächern allerlei Wettbewerbe - Vorlesewettbewerb, Mathe-Olympiade, Jugend forscht, etc. Die Grundidee ist gut und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene wichtig. Leider, und da gebe ich dir Recht, gelingt es uns als Gesellschaft immer noch zu wenig, Wettbewerb so zu gestalten, dass die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Sachgegenstands im Vordergrund steht.
Spaßolympiade / Alternative Bundesjugendspiele / Bewegte Schule
-
-
Wolfgang Autenrieth : Grundsätzlich gibt es auch in anderen Fächern allerlei Wettbewerbe - Vorlesewettbewerb, Mathe-Olympiade, Jugend forscht, etc. Die Grundidee ist gut und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene wichtig. Leider, und da gebe ich dir Recht, gelingt es uns als Gesellschaft immer noch zu wenig, Wettbewerb so zu gestalten, dass die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Sachgegenstands im Vordergrund steht.
Bei anderen Wettbewerben besteht keine Pflicht, keiner wird unter Gelächter vorgeführt.
-
Gelächter geht gar nicht. Ich hatte schon vereinzelt Fälle, bei denen Schüler (m/w/d) über die Aussprache von Mitschülern (m/w/d) im Fach Französisch lachten. Je nach Vorgeschichte klärte ich dann entweder auf oder verurteilte das Verhalten entschieden. Es gab noch keine extremen Fälle aber im Notfall würde ich auch zu weitergehenden Erziehungsmaßnahmen greifen. Dasselbe erwarte ich auch von den Sportkollegen (m/w/d).
-
Der Wettbewerb in Mathe heißt Klassenarbeit, der Titel der Teilnehmerurkunde ist "mangelhaft". Ich verstehe das Herumhacken auf den Bundesjugendspielen nicht, wir bewerten in jedem Fach. Weiter vorne kam ein "aber da wurde direkt mein Körper bewertet". In welcher Welt ist das schlimmer als Schülern über Noten ob direkt wie früher oder indirekt wie heute das Gefühl zu geben "du bist dumm". Und man kann da als Lehrer noch so feinfühlig mit umgehen und noch so viel supporten, wenn jemand in der fünften Klasse in Mathe mehrere 5en in Folge hatte, dann packt er die Arbeit ungesehen ein.
Und ausgerechnet im Sport ist der Leistungsgedanke dann problematisch?
P.S.: die deutsche Nationalmannschaft war auch in der Gruppenphase schon schlecht, der Gruppensieg ist allein Infantinos Erweiterung der WM zu verdanken gewesen. Argentinien ist mit furchtbarem Fußball bis ins Finale gekommen. Gut sein und beliebt sein, hängt nicht immer direkt zusammen...
-
SwinginPhone : Eines deiner Fächer ist Physik. Wie würdest du reagieren, wenn du einen Schüler (m/w/d) in deiner Klasse hättest, der sich sehr schwer in dem Fach tut und analog zu deinen Ausführungen würdest du immer leichtere Aufgaben stellen und die Mitschüler (m/w/d) würden daraufhin mit zunehmendem Gelächter reagieren?
Ich würde das Aufgabenniveau nicht plakativ absenken (und damit auch kein Gelächter provozieren). Das war das Problem damals, nicht, dass meine Mit-SuS gelacht haben.
-
OK, verstehe. Ich weiß nicht, ob das mehrfach hintereinander ausgeführte Herabsenken des Aufgabebniveaus in der Sportdidaktik üblich ist oder ob hier eine Sportlehrkraft eigenhändig entschieden hat, eine (zugegebenermaßen fragwürdige) Methode zur Leistungsmessung anzuwenden.
-
Der Unterschied zwischen dem Sportunterricht und den meisten anderen Fächern war aber, dass einem nichts beigebracht wurde. Im Sportunterricht wurde immer nur der Stand abgefragt. Nie wurde mir gezeigt, wie ich besser werden konnte.
In Französisch wurde ich damals auch vorgeführt; allerdings nur von einer Lehrerin, die zweite hat immerhin versucht, mir Wege aufzuzeigen.
-
Ich wage einfach mal zu behaupten, dass sich Sportunterricht weiterentwickelt hat (Stichwort Kompetenzorientierung), auch wenn es auch hier sicherlich auch noch genug schwarze Schafe in Kollegien gibt.
-
Ich wage einfach mal zu behaupten, dass sich Sportunterricht weiterentwickelt hat (Stichwort Kompetenzorientierung), auch wenn es auch hier sicherlich auch noch genug schwarze Schafe in Kollegien gibt.
Ich habe vor kurzem einen Sportkollegen bei einem Sportfest erlebt, bei dem ich zweifle.
-
Der Wettbewerb in Mathe heißt Klassenarbeit, der Titel der Teilnehmerurkunde ist "mangelhaft". Ich verstehe das Herumhacken auf den Bundesjugendspielen nicht, wir bewerten in jedem Fach. Weiter vorne kam ein "aber da wurde direkt mein Körper bewertet". In welcher Welt ist das schlimmer als Schülern über Noten ob direkt wie früher oder indirekt wie heute das Gefühl zu geben "du bist dumm". Und man kann da als Lehrer noch so feinfühlig mit umgehen und noch so viel supporten, wenn jemand in der fünften Klasse in Mathe mehrere 5en in Folge hatte, dann packt er die Arbeit ungesehen ein.
Und ausgerechnet im Sport ist der Leistungsgedanke dann problematisch?
P.S.: die deutsche Nationalmannschaft war auch in der Gruppenphase schon schlecht, der Gruppensieg ist allein Infantinos Erweiterung der WM zu verdanken gewesen. Argentinien ist mit furchtbarem Fußball bis ins Finale gekommen. Gut sein und beliebt sein, hängt nicht immer direkt zusammen...
Du liest die Noten laut vor? Machst Bemerkungen wie, der blickt es nie? Amüsiert dich über Aussehen (meine Oberweite wurde angesprochen)? Schaust bei Mobbing weg und sagst, die soll sich mehr anstrengen, selber schuld?
Noch einmal, ich war in Latein schlechter, aber das wurde nicht 45 Minuten pro Schulstunde betont, es wurde nicht gesagt, der nächste Satz ist so einfach, das schafft auch Kris und grinsend zugesehen.
Und Schüler verhielten sich anders. Bei schlechter Leistung in Latein wurde nichts thematisiert, in Sport ständig.
-
Die Frage ist, was soll Sportunterricht leisten, die Freude an Bewegung und Gesundheit fördern oder der Leistungsgedanke? Beides geht nicht. Ich glaube, das ist vielen Sportkollegen nicht klar.
Und Mitschüler verhalten sich gegenüber unsportlichen anders als in anderen Fächern wenig Begabten.
-
Mein Lateinlehrer hat den Notenspiegel angeschrieben und dann die nach Note sortierten Klassenarbeiten von sehr gut an rückwärts zurückgegeben. Bei Vokabelabfragen mussten alle aufstehen und sobald man eine richtig hatte, durfte man sich setzen, die letzten fünf die standen haben Extraaufgaben bekommen. Das Problem ist nicht das Fach, sondern wie Lehrer damit umgehen. Und Bemerkungen über Leistung von Kollegen gibt es auch heute immer noch, zumindest hat die Zahl der Beschwerden darüber durch Schüler nicht nachgelassen.
Und auch heute noch sind Schüler sehr investigativ unterwegs um rauszufinden wer besonders gute oder besonders schlechte Noten hat.
-
Es gibt auch andere Wettbewerbe wie z.B. Big Challenge für Englisch, Känguru der Mathematik und Informatik-Biber, die an manchen Schulen nicht freiwillig sind. Und zumindest bei den letzten beiden gibt es Urkunden für alle, auch für diejenigen, die nur Teilgenommen haben.
Im Unterschied zu den Bundesjugendspielen wird die Leistung aber wie in Klassenarbeiten ohne Zuschauer, die beim Schreiben auf das Blatt schauen, erbracht, daher mscht das einen Riesenunterschied.
Ich kann mich zum Glück nicht an problematischen Sportunterricht erinnern, und habe nur einmal an Bundesjugendspiele in der Grundschule teilgenommen, wenn das überhaupt welche waren. Ein guter Sportlehrer lässt ein Auslachen aber nicht zu und berücksichtigt, so gut es ihm möglich ist, auch die Weiterentwicklung der Leistung.
Aber auch im Mathematikunterricht erwarte ich bei manchen Dingen, dass schwache Schüler zu Hause weiter üben. Im Sportunterricht habe ich dieses Üben bisher nur bei guten Schülern erlebt, die sehr gut werden wollen
Ich brauche keine Sportleistungsnoten. Ob wir bzw. unsere Sportlehrer bei z.B. 8. Klässler ohne Noten diejenigen, die sich zu Hause nicht viel bewegen, eher dazu bringen können, es im Sportunterricht zu tun, bezweifle ich aber auch.
-
[...] with Gemini [...]
2. Die US-amerikanische „PE Memory Study“ (Ladwig et al., 2018)
Eine vielbeachtete Studie der Iowa State University untersuchte die Langzeitfolgen von Erinnerungen an den Schulsport (Physical Education):
- Langzeitauswirkungen: Erwachsene, die an ihren Schulsport überwiegend negative, peinliche oder demütigende Erinnerungen hatten, wiesen im Erwachsenenalter eine deutlich inaktivere Lebensweise auf.
Da würde ich aber doch eher nur eine Korrelation (gemeinsame Ursache) als eine Kausalität annehmen.
-
Die Disziplinen der "Bundesjugendspiele" sind Relikte [...]
Bundesjugendspiele können außer in Leichtathletik auch in Turnen oder Schwimmen durchgeführt werden.
-
Mein Lateinlehrer hat den Notenspiegel angeschrieben und dann die nach Note sortierten Klassenarbeiten von sehr gut an rückwärts zurückgegeben. Bei Vokabelabfragen mussten alle aufstehen und sobald man eine richtig hatte, durfte man sich setzen, die letzten fünf die standen haben Extraaufgaben bekommen. Das Problem ist nicht das Fach, sondern wie Lehrer damit umgehen. Und Bemerkungen über Leistung von Kollegen gibt es auch heute immer noch, zumindest hat die Zahl der Beschwerden darüber durch Schüler nicht nachgelassen.
Und auch heute noch sind Schüler sehr investigativ unterwegs um rauszufinden wer besonders gute oder besonders schlechte Noten hat.
Ja, viel liegt am Lehrer, aber Mitschüler behandeln schlechte Leistungen in Sport anders und grausamer als in Latein oder Mathe. Da wurde ich nie fertig gemacht.
Und das Verhalten der von dir beschriebenen Lehrer geht gar nicht. Ich sage zu Beginn immer und wiederhole es, wenn es nötig ist, dass die Note persönlich sei und niemand den anderen danach fragt. Wenn jemand es weiter sagen möchte, in Ordnung, wenn nicht, auch in Ordnung. Das verstehen alle. Ich möchte nicht Schuld sein, dass jemand vorzeitig die Schule verlässt oder gar Suizid begeht.
-
Bundesjugendspiele können außer in Leichtathletik auch in Turnen oder Schwimmen durchgeführt werden.
Bundesjugendspiele können außer in Leichtathletik auch als Spaßolympiade durchgeführt werden!
BTW: BJS in Turnen oder Schwimmen habe ich in meiner gesamten Lehrertätigkeit nie erlebt. Ich stelle mir auch gerade 400 Schüler beim Wettkampf im Schwimmbad vor... welch ein Spaß für die Kolleginnen und Kollegen! Insbesondere mit >20% Nichtschwimmern.
-
Insbesondere mit >20% Nichtschwimmern.

Vielleicht sollten wir da mal ansetzen.
-
Vielleicht sollten wir da mal ansetzen.
Gerne, nur wer ist wir?
Zur Erinnerung, in Baden-Württemberg ist ein Lehrer pro Klasse mit bis zu 32 Schülern vorgesehen. Der Schwimmunterricht ist zeitlich begrenzt und an vielen Schulen mangels erreichbaren Schwimmbad gar nicht möglich. Gemeinden müssen die Bäder schließen, weil die Kosten nicht mehr tragbar sind. Unsere Schule bietet eine Schwimm-AG für Nichtschwimmer an, sie muss im Laufe des Schuljahres fast immer beendet werden, weil sonst Pflichtunterricht ausfallen müsste, also was tust du?
-
Ich tue nichts, da ich keine Sportlehrkraft bin. Was wir gesamtgesellschaftlich mal offen diskutieren müssen, ist ob die Organisation von Schwimmenlernen Aufgabe von Schule oder doch von Eltern ist. Ich habe mir mal aus Neugier das Curriculum zu "Bewegung im Wasser" der Klassen 1/2 abgeschaut. Wenn das konsequent umgesetzt wird, dürfte es entweder nach Klasse 2 keine Nichtschwimmer (m/w/d) geben oder fehlende Kompetenzen würden entsprechend (negativ) bewertet werden. Ich gehe aber auch mal davon aus, dass nicht ein ganzes Halbjahr lang Schwimmunterricht gemacht wird, sodass fehlende Schwimmkompenzen mit guten Leistungen bei anderen Sportarten ausgeglichen werden.
Die Alternative wäre, dass Eltern privat die Vermittlung von Schwimmkompetenzen zu organisieren haben, entweder indem sie es selbst machen oder indem sie kommerzielle Angebote nutzen (öffentliche Badeanstalten). Und dann wäre eine bewusste Verweigerung dessen bis sagen wir mal bis zum 10. Lebensjahr, ohne medizinischen Nachweis, dass die Schwimmkompetenz aus gesundheitlichen Gründen nicht erworben werden kann (z.B. Vorliegen komolexer Behinderungen), rechtlich gleichzusetzen mit anderen Verstößen gegen die elterliche Erziehungspflicht via Grundgesetz.
-
Werbung