On Topic : Mir fiel in diesem Zusammenhang ein, dass in meiner Schulzeit (kath. Mädchengymnasium 70er) ein Film über die Befreiung der KZs durch die Amis angesehen werden musste.
War bei mir in der 10. Klasse und ich fand es echt heftig, hat mich nachhaltig beeindruckt und auch meine ethische und politische Haltung mitgeprägt.
Es gab bei uns keine, die das wegen eines Traumas getriggert hätte, aber wir waren auch ganz gut vorbereitet. Gleichwohl war es doch sehr verstörend, viele haben geweint und manche mussten den Raum verlassen.
Umgang mit (Abi-)Pflichtlektüren (Anlass: Deutsch-Abitur NRW, aber egal)
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Ich habe lange überlegt, ob ich schreiben soll, weiß vom Unverständnis meiner Deutschkolleginnen, wenn ich es anspreche, mich hat ein Buch in der Schule verstört, es war Krabat, dass auch heute noch bei uns in der 6. Klasse gelesen wird. Ich konnte wochenlang nicht alleine schlafen, hatte Alpträume, mein Vater musste auf die Couch im Wohnzimmer ausweichen, ich schlief neben meiner Mutter im Ehebett und habe sie mehrmals geweckt. Mein Deutschlehrer hat es nie erfahren, meine Eltern waren zwar wütend, wie ich später erfuhr, aber sie rannten nie zum Lehrer (andere Zeiten).
Warum ich jetzt schreibe, ihr steckt nicht drinnen, wisst nicht, wie einzelne reagieren. Oliver Twist im selben Schuljahr gelesen hat mich auch beeindruckt, genau wie der genannte Film von der Befreiung Ausschwitz (da war ich 4 Jahre älter). Aber mein Vater durfte in seinem Bett schlafen.
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Wie oft hattest du diese Fälle schon im schulischen Kontext? Ein dissoziativer Anfall ist so selten, das haben vermutlich die meisten Psychologen noch nie gesehen, wenn du möchtest frage ich bei meinen ehemaligen Kollegen nach, die jetzt eine Praxis haben. Du spinnst hier an den Haaren etwas herbei was passieren könnte. Wenn man das für alle Möglichkeiten macht, die passieren könnten, dann darf meine Klasse auch keine Wasserschlacht mit Wasserpistolen auf dem Schulhof machen, irgendwem könnte ins Auge geschossen werden oder irgendwer hat ein Flashback in die Ukraine. Meine zwei ukrainischen Jungs hatten das jetzt nicht, aber irgendwer könnte das ja haben. Genau so haben wir in Geschichte mal den Film 300 mit Thukydides verglichen und uns angeschaut wie die Perser dargestellt werden (grenzwertig rassistisch in Antike und Moderne). Nie was passiert. Das Schulbuch hingehen hat Mal in Jahrgangsstufe 9 ein syrisches Mädchen zum Weinen gebracht, als es um Giftgas ging, weil Familienmitglieder noch in Syrien waren und das gerade durch die Medien ging damals. Interessehalber: bist du in dem Bereich besonders qualifiziert, so dass du damit auch in Schule häufiger zu tun hast?
Quittengelee : Ich bin mir ziemlich sicher, dass das andere Ansätze sind, als das was man im deutschen zu "traumasensibel" findet
Wenn das für dich spinnen ist, bitte.
Flashbacks schon gehabt, z.B. an Warntagen.
Und Dissoziation ist jetzt grundsätzlich auch nicht so selten, sondern ein Spektrum und grundsätzlich auch erstmal nichts gefährliches oder schlimmes. Wenn jemand dadurch "nur" abwesend wirkt und selbst nach einiger Zeit wieder "da" ist, fällt es uns allen im Unterricht vermutlich nichtmal sonderlich auf, insbesondere wenn wir nicht davon wissen.
Ich bin Beratungslehrkraft mit der entsprechenden Weiterbildung in NRW und bekomme dadurch vermutlich schon einiges mehr mit. Abgesehen davon kenne ich mich aus anderen Gründen mit dem Thema Trauma und Co. relativ gut aus.
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Quittengelee : Ich bin mir ziemlich sicher, dass das andere Ansätze sind, als das was man im deutschen zu "traumasensibel" findet
Du hattest geschrieben, dass das grundsätzlich unwissenschaftlich ist und dem ist offenbar nicht so.
Zum Thema Dissoziation: das ist so außergewöhnlich nicht, man sieht es halt nicht von außen.
M.E. wird hier auch gerade viel miteinander vermengt, nicht jeder, der ein schlimmes Erlebnis hatte, leidet unter einer PTBS. Und nicht jede Darstellung von Gewalt ist im ursprünglichen Sinne ein "Trigger" für Menschen mit PTBS. Man weiß es aber halt nicht vorher.
Zum Umgang mit der Shoah im Unterricht: Die Pädagog*innen des Yad Vashem gehen sehr vorsichtig mit der visuellen Darstellung der Grausamkeiten um. Fotografien werden eingeordnet, Perspektiven erklärt, Absichten der Fotografen erläutert. Dass man historische Quellen einordnen muss ist grundsätzlich natürlich klar, aber es geht auch speziell darum, dass Schockeffekte emotional überfordern, statt Jugendlichen ein vertieftes historisches Verständnis zu vermitteln. In Schulbüchern sind bewusst keine Fotos von Leichenbergen mehr zu finden.
M.a.W. ich würde im Unterricht keinen Film mit einer Vergewaltigung zeigen, um zu schockieren, auch wenn ein Schüler provokant unangemessene Gesten, Witze oder gar Zustimmung zur Straftat signalisiert.
Aber: auch wenn das Zeigen historischer Quellen etwas anderes ist als die Präsentation künstlerischen Materials, gibt es m.E. auch Gemeinsamkeiten. Man versucht, die Interpretation dessen nachzuvollziehen, der das Werk geschaffen hat. Der Dokumentarfilmer und die Schriftstellerin haben einen Weg gewählt, anderen etwas zu übermitteln und je mehr man darüber weiß, desto angemessener kann man es wiederum mit SuS besprechen.
Ich bin jedenfalls froh darüber, dass selbst erfahrene Lehrkräfte sich so viele Gedanken zu ihren SuS machen.
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Dissoziationen an sich sind super häufig, da fallen schon Tagträume oder intensives Lesen drunter. Dissoziative Störungen (ICD-10 F44) (es ging ja weiter vorne darum, dass ich jemanden reorientieren können soll) haben eine Inzidenz von 1:10.000, nur mal als Vergleich, Depressionen sind um den Faktor 500 häufiger. Ich bleibe bei der Aussage, dass die meisten Psychiater und Psychologen in ihrem Berufsleben niemanden reorientieren müssen. Wenn man eine deutliche dissoziative Episode mitbekommt, dann ruft man den Notruf, allein schon aufgrund der ganzen potentiellen neurologischen Differenzialdiagnosen.
Ich bin zwar keine Beratungslehrkraft, aber reicht der Abschluss in Psychologie als Qualifikation dafür, dass ich weiß wovon ich rede? Das ist wieder der Punkt, der mich so ärgert. Beratungslehrkräfte sind in NRW im Bereich systemische Beratung und Coaching weitergebildet, ungefähr im Umfang eines Übungsleiter-C in Sport, das entspricht 4-5 SWS im Studium und nicht ein Inhalt da drin qualifiziert im geringsten im Bereich psychologischer Diagnostik (Fortbildungsdetails). Wenn eine Lehrkraft einen begründeten Verdacht auf eine psychologische Störung hat (und die Eltern nix machen), holt euch Profis. Die probatorischen Sitzungen bekommt man bei Schülern auch gut über die Erziehungsberatungsstellen der Städte vermittelt.
Die Todesmühlen sinnig aufarbeiten geht am Besten in der Q2, da kannst du dann auch gleich noch Re-Education mit behandeln, in der SI schicke ich aus persönlichem Stilempfinden immer vorab eine Elterninformation raus, mit der man sein Kind da rausnehmen lassen kann, da kamen aber bisher nie negative Rückmeldungen, weil ich es da immer nur dann nutze, wenn in der Klasse vorher Nazischeiße gelaufen ist. Der Film hat übrigens kein FSK-Problem, zu alt und dann auch noch eine Dokumentation im schulischen Kontext, da ist man auch rechtlich auf der sicheren Seite.
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Wenn eine Lehrkraft einen begründeten Verdacht auf eine psychologische Störung hat (und die Eltern nix machen), holt euch Profis.
Was meinst du damit?
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Keine Sorge ich stelle keine Diagnosen und habe auch nicht vor so etwas in meinem Leben zu tun, sondern leite entsprechend weiter, wenn das was in Beratungen auftaucht unsere Kompetenz überschreitet.
Und bezüglich der anderen Dinge weiß ich aus eigener Betroffenheit durchaus wovon ich rede.
Aber egal.
Mir ging es lediglich um das Bewusstsein und die Tatsache, dass der Ansatz "Was mir nicht geschadet hat wird anderen wohl auch nicht schaden" vielleicht nicht immer so der angebrachteste ist.
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Was meinst du damit?
Falls die Eltern kooperativ sind (Regelfall bei uns): unterstützen bei der Suche nach psychologischer Hilfe
Wenn die Eltern unkooperativ sind: Ab 15 Jahre können Jugendliche ohne Wissen der Eltern psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, geht realistisch aber nur in der GKV. Die Erziehungsberatungsstellen helfen da auch bei der Vermittlung. Bei jüngeren Kindern muss man übers Jugendamt gehen, ist Gott sei Dank selten, die sind so überlastet und haben für so "Kleinigkeiten" selten viel Zeit.
Meer es geht nicht um "hat mir nicht geschadet", sondern um "schadet mit >99% niemandem hier im Klassenraum" (und hat für die meisten einen positiven Nutzen). Das ist vermutlich eine bessere Quote als regulärer Mathematikunterricht in den 90ern. Du kannst nicht alle retten und um alle vor allem zu beschützen manche Dinge nicht mehr machen. Das ist eher eine ethische Frage, ob man auf alles Rücksicht nehmen sollte...
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