Anfangsunterricht Englisch - und native speaker Kind in der Klasse

  • Wie kommst du zu der Aussage? Selbstverständlich haben die Kinder A1 am Ende der Grundschule (außer die 4er/5er, die nicht in allen Bereichen, gibt es aber selten).

    Ich spreche mit Kolleg*innen der Englisch-Fachschaft und habe ab und zu schon Vertretungsstunden bzw. Stunden in der 5. Klasse, in denen sie Hausaufgaben machen.
    da sind 80% der SuS SEHR WEIT davon entfernt, "kurze Texte" zu schreiben (die grammatikalisch richtig wären), wenn ich unter "kurz" auch eine Drittel Seite zählen darf und gerne eine Verbkonjugation bzw. Artikel voraussetzen darf.
    Darf natürlich gerne an unserer Schüler*innenschaft liegen, wir bekommen sie aus 10 Grundschulen "geliefert", mit großem Schwerpunkt auf ca. 5-6 Schulen, deren Schulsozialindex nicht so hoch ist.

  • (Ach: NIE NIE NIEMALS führe ich diese Lücken auf die Lehrkräfte!!
    Anfangsunterricht bei den so heterogenen Gruppen und bei so vielen Schüler*innen, die gerade mal auf Deutsch alphabetisiert sind, finde ich schon eine super krasse Leistung und ich kann mir gut vorstellen, dass sehr viele SuS grundsätzlich ihr Hirn zurückschalten, wenn sie sehen, dass es wieder von Anfang geht ...

  • Ich habe eher die Vermutung, dass das in dem Ausmaß dann ein spezielles Problem einiger Schulen ist. Seid ihr in einer Region mit Lehrermangel an Grundschulen, sodass dann Quereinsteiger Englisch erteilen oder es fachfremd erteilt wird, obwohl das in NRW eigentlich nicht vorgesehen ist? Ist jedenfalls so generalisiert nicht richtig und der Lehrplan spricht auch von A1. Ich habe zu meinen letzten Jahrgängen allerdings auch beide Male erfreulicherweise die Rückmeldung bekommen, dass sie noch ein Stück fitter wären als die 5er, die von anderen Schulen kamen.

  • In der Didaktik im Studium habe ich gelernt, dass das Potenzial solcher Lernenden unbedingt genutzt werden sollte und für alle Beteiligten - Lehrer, Mitschüler und sie selber, ein reiner Gewinn ist. Man könnte z. B. Einheiten von den Natives abhalten lassen. Das ist u. U. eine Entlastung für dich als Lehrkraft, die Schüler hören ggf. interessierter zu und die Natives haben "etwas zu tun", werden auch "gefordert", und ggf. übertragen sie ihr Wissen auch noch in der Sprache, die die Schüler besser verstehen.

    Literaturempfehlung: Begabungsförderung. Individuelle Förderung und Inklusive Bildung (2019), Christian Fischer (Hrsg.), Band 7

  • Ist jedenfalls so generalisiert nicht richtig und der Lehrplan spricht auch von A1.

    Joa, mein Lehrplan spricht auch von B1.
    Ich behaupte, weit über die Hälfte hat nicht mal A2+.
    (Aber damit sage ich nicht, dass ihr nicht A1 hättet. Ja, es kann stark an meinem Umfeld liegen, ich weiß es zwar nicht genau, wie die Leute da ausgebildet sind, aber wir werden wohl nicht aus Spass angefragt, ob wir abordnen können. Ironie des Schicksals: Englisch ist auch bei uns eins der größten Mangelfächer)

  • Das ist wirklich traurig... Vor allem sollte das nach der weiterführenden Schule doch eigentlich möglich sein (nach 7 Jahren!), dass das Niveau B1 drin ist. Wir erreichen jedenfalls definitiv A1 als Mindestniveau - und haben fast keine fördernden Elternhäuser (aber seeehr viele mehrsprachig aufwachsende Kinder), das ist für Fremdsprachenlernen auch immer eine besondere Ressource, finde ich.

    Wenn ich mir aber anschaue, dass eine D/Ge Lehrkraft vom GY selbst hier in der Region an einer anderen Grundschule auch mal eben in Englisch in der Grundschule eingesetzt wurde, ohne ansatzweise in der Lage zu sein, einsprachig Englisch zu unterrichten, wundert es mich nicht, dass man dann die Lehrplanziele nicht erreicht. Man muss die Zielsprache schon selbst gut beherrschen und fließend sprechen im Unterricht, damit die SuS sich daran gewöhnen.

  • genau.
    Eine an die GS abgeordnete Kollegin hat auch zwei Jahre lang nur eins ihrer Fächer unterrichtet und sonst eine Menge fachfremd gemacht (denn Überraschung: selbst dieses Fach ist auch kein Mangelfach an der Schule). Inklusive Englisch.

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