Unterrichtsgestaltung ohne Arbeitsblätter

  • Sollte es wirklich mal so schlecht laufen, und ich würde es nicht einmal ausschließen bei der Ausstattung einiger Schulen im Staat, würde ich den Kontakt mit der Schulleitung suchen und mitteilen, dass ohne dieses und jenes Hilfsmittel die Umsetzung des Curriculums nicht möglich ist. Sollte diese dann nicht in der Lage sein, den Missstand zu beheben, würde ich gegenüber den Eltern mit offenen Karten spielen und ihnen mitteilen, dass ich die curricularen Vorgaben aufgrund der lokalen Voraussetzungen so nicht umsetzen kann. Was diese dann wiederum daraus machen, liegt dann außerhalb meines Einflussbereichs, aber ich finde, wir müssen da im Ernstfall auch transparent gegenüber den Eltern sein. Und klar, nur weil die Schule etwas nicht finanziert, heißt das nicht, dass ich dafür zum privaten Geldbeutel greife.

  • Wie haben an der Ex-Ex-Schule in den Fachkonferenzen besprochen und protokollarisch festgehalten, welche Teile des Curricuculms ausstattungsbedingt nicht umsetzbar sind, fertig. Braucht man sich darüber hinaus auch keinen großen Kopf drum machen und unnötig Zeit und Energie verplempern.

  • Die Eltern sollten das aber schon wissen. Ich finde es schon wichtig, dass, wenn ein gewisses Vertrauen in uns als Lehrkräfte, und damit Repräsentanten (m/w/d) des Staates, entgegengebracht wird, wir im Gegenzug so ehrlich sind und mitteilen, dass wir aufgrund von Gründen, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen (Diese muss man natürlich nicht den Eltern erläutern, sondern nur dass es so ist.), die elterliche Erwartung, dass wir die staatlichen Anforderungen an schulische Bildung umfänglich umsetzen, nicht einhalten können.

    Da reagiere ich an der Stelle mal als Privatperson: Wenn ich weiß, dass mein Kind an Schule X bestimmte Sachen, die curricular vorgesehen sind, nicht lernen wird (und da sind mir als Elternteil die Gründe hierfür auch egal), überlege ich mir zweimal, ob, solange es Freiheit bei der Schulwahl gibt, ich mein Kind nicht an eine andere Schule schicke.

  • Tja. Wenn die Elternvertreter, die sich freiwillig dafür gemeldet haben und wegen denen wir abends um 19 Uhr in der Schule rumkonferieren durften, anwesend gewesen wären, hätten sie das selbstverständlich gerne in die Elternschaft tragen können. Waren sie halt nie. Elternmitwirkung ist keine Bringschuld.

  • dir ist schon klar, dass es in 99% der Fälle (die wir jetzt diskutieren) NICHT an der Schule liegt, sondern am Träger?

    aufgrund von Gründen, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen (Diese muss man natürlich nicht den Eltern erläutern, sondern nur dass es so ist.), die elterliche Erwartung, dass wir die staatlichen Anforderungen an schulische Bildung umfänglich umsetzen, nicht einhalten können.

    soso... du sagst einfach: "Ich kann kein Hörverstehen üben".
    und es wird keine Nachfrage kommen?

  • soso... du sagst einfach: "Ich kann kein Hörverstehen üben".
    und es wird keine Nachfrage kommen?

    Diese können kommen, aber hier sagt mir meine Erfahrung aus der Privatwirtschaft, dass man nie interne Gründe für abweichende Leistungen, nach außen kommuniziert. Es gibt einen Unterschied zwischen "transparent sein" und "sich verwundbar machen". Streng genommen ist es auch nicht das Bedürfnis der Eltern, die Gründe für einen negativen Umstand zu wissen, sondern dass dieser Umstand behoben wird. Das können wir als Lehrkräfte nicht beeinflussen, sondern am ehesten noch die Schulleitung, die im Kontakt mit dem entsprechenden Träger steht.

  • Diese können kommen, aber hier sagt mir meine Erfahrung aus der Privatwirtschaft, dass man nie interne Gründe für abweichende Leistungen, nach außen kommuniziert. Es gibt einen Unterschied zwischen "transparent sein" und "sich verwundbar machen". Streng genommen ist es auch nicht das Bedürfnis der Eltern, die Gründe für einen negativen Umstand zu wissen, sondern dass dieser Umstand behoben wird. Das können wir als Lehrkräfte nicht beeinflussen, sondern am ehesten noch die Schulleitung, die im Kontakt mit dem entsprechenden Träger steht.

    Deine Beiträge sind unterhaltsamer, als die letzte Staffel Game of Thrones. Mach gerne weiter so.

  • Da reagiere ich an der Stelle mal als Privatperson: Wenn ich weiß, dass mein Kind an Schule X bestimmte Sachen, die curricular vorgesehen sind, nicht lernen wird (und da sind mir als Elternteil die Gründe hierfür auch egal), überlege ich mir zweimal, ob, solange es Freiheit bei der Schulwahl gibt, ich mein Kind nicht an eine andere Schule schicke.

    Und entscheidest du dich dann für die Oberschule mit nur einem CD-Player oder für die ohne Tafel im Chemieraum?

    Nein, Eltern wissen weder welche Ausstattung eine Schule hat, noch sind die Unterschiede im Sprengel zwischen den Schulen besonders groß und leider können sie überhaupt oft nicht großartig wählen, auf welche Schule ihr Kind gehen soll. Da spielt auch noch Erreichbarkeit eine Rolle und es wird gelost, wenn beliebte Schulen zu viele Anmeldungen haben.

  • Hm, jetzt widersprichst du dir aber.

    ...ich kann mir nicht vorstellen, dass, auch an Brennpunktschulen, das Experimentieren in naturwissenschaftlichen Fächern einfach so komplett weggelassen werden kann, wenn es curricular vorgeschrieben ist. Das hat auch nichts mit Realitätsfremdheit zu tun, mir ist bewusst, dass diese Schülerschaft sehr herausfordernd ist, aber wenn wir im Prinzip sagen, dass das Curriculum so nicht umgesetzt werden kann, können wir den Job auch gleich sein lassen.


    ... würde ich den Kontakt mit der Schulleitung suchen und mitteilen, dass ohne dieses und jenes Hilfsmittel die Umsetzung des Curriculums nicht möglich ist.

  • Kennt ihr das von früher eigentlich mit den Versuchen?

    Bei uns wurde früher nicht viel experimentiert, schon gar nicht durch uns (ich habe in meiner Schullaufbahn kein einziges Experiment selbst durchgeführt). Ab und an hat der Chemielehrer vorne irgendwas ins Reagenzglas geworfen oder der Physiklehrer eine Glühbirne zum Leuchten gebracht.

  • Der Unterschied zwischen beiden Zitaten, ist dass im ersten Fall die Herausforderung im SchülerInnenverhalten liegt und im zweiten Fall in der fehlenden Ausstattung. Daraus leiten sich unterschiedliche Handlungsoptionen ab.

  • Kennt ihr das von früher eigentlich mit den Versuchen?

    Bei uns wurde früher nicht viel experimentiert, schon gar nicht durch uns (ich habe in meiner Schullaufbahn kein einziges Experiment selbst durchgeführt). Ab und an hat der Chemielehrer vorne irgendwas ins Reagenzglas geworfen oder der Physiklehrer eine Glühbirne zum Leuchten gebracht.

    Ja bei mir auch, auch nicht im Leistungskurs Chemie. Auch in Bio wurde nicht viel gemacht. Dafür wird heutzutage den SuS viel mehr geboten, wenn auch mit weniger gefährlichen Chemikalien.

  • ersten Fall die Herausforderung im SchülerInnenverhalten liegt

    Die Antwort der Schulleitung war immer, Experimente erst dann zu machen, wenn es das Schülerverhalten hergibt. Wobei ich an der vorherigen Schule den großen Vorteil hatte, die Klasse mal trennen zu können für Versuche.

  • Kennt ihr das von früher eigentlich mit den Versuchen?

    Ich kenne das "von früher" (späte 80er Jahre), sowohl in Physik als auch in Chemie. Wieviel das genau war, kann ich nicht mehr sagen. Auch in der Abiprüfung war in Chemie ein kleines Experiment durchzuführen.

    Die Sache mit den Arbeitsblättern beschäftigt mich auch immer mal. Es gibt Schulbücher, die von einem größeren Autorenkollektiv geschrieben werden, sogar speziell für die Bundesländer, es gibt sogar mehrere Anbieter, also auch Konkurrenz und man kann sich raussuchen, welches das beste ist - seltsamerweise haben trotzdem viele KuK die Meinung

    die Lehrwerke sind nicht gut

    Haltet Ihr das für eine objektive Meinung? Wenn ja, wie kann das sein?

    Das mit den Kopien halte ich auch für ungewöhnlich. Ist die finanzielle Lage wirklich so schlecht, dass man daran sparen muss?

  • Haltet Ihr das für eine objektive Meinung? Wenn ja, wie kann das sein?

    Ich kann nur für mich sprechen und finde das Bio- und Chemiebuch an meiner jetzigen Schule für eher unbrauchbar. Ich kenne aber auch mehrere gute, auch solche, die ich an der vorherigen Schule nutzte und auch andere, die ich besitze. Ich finde nicht generell die Lehrwerke schlecht.

  • Haltet Ihr das für eine objektive Meinung? Wenn ja, wie kann das sein?

    Seit wann ist eine Meinung objektiv?

    Objektive Kriterien gibt es selbstverständlich bei allem subjektiven Empfinden aber trotzdem.

    Ich finde kein einziges Lehrwerk hervorragend und uneingeschränkt nutzbar. Liegt m.E. daran, dass Autor*innen keine Berufserfahrung haben. Gute Noten an der Uni reichen keinesfalls aus, um ein gutes Schulbuch zu erstellen.

    Kriterien wären in erster Linie didaktische Überlegungen, teilweise sind auch schlicht und ergreifend Fehler drin was das Verständnis ebenfalls nicht fördert.

    Und wenn ich sehe, was aller 2 Jahre für Verschlimmbesserungen vorgenommen werden, nur um eine neue Ausgabe verkaufen zu können, frage ich mich, ob die Autor*innen überhaupt gute Noten hatten oder einfach nur ein Praktikant dran rumgedoktert hat. Spreche allerdings in erster Linie für meine Schulart, da gibt es leider auch keine große Auswahl, weil die Schülerzahl verhältnismäßig klein ist.

  • Kriterien wären in erster Linie didaktische Überlegungen

    Davon würde ich ja bei Lehrbüchern ausgehen ;)

    Dass gute Uninoten eine ausreichende Qualifikation für gute Schulbuchautoren sind, hab ich noch nicht gehört. Ich hab grade mal in eines meiner Mathebücher reingeschaut, unter drei Autoren zwei Professoren mit Didaktiklehrstuhl. Die Bücher lösen jetzt nicht gerade Begeisterung bei mir aus, aber man kann auf jeden Fall damit arbeiten.

    Wie entscheidet Ihr denn, welches Buch angeschafft/verwendet wird? Bei uns wird das in der Fachschaft besprochen und da kann man schon mitreden.

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