Zweifel am Lehramtsstudium

  • Präsentationen zum Thema Ressourcensicherung und Nachhaltigkeit, das ist letztlich alles zu 100% nur Alltagsblabla.

    Könnte das auch an der Aufgabenstellung liegen?

    Ich habe mich in meinem früheren Berufsleben im Rahmen von Nachhaltigkeit mal mit Lebenszyklusanalysen beschäftigt, und das war alles andere als Blabla. Schon alleine der Begriff "Nachhaltigkeit" und seine inflationäre Verwendung könnte tiefgreifend diskutiert werden.

    In Englisch sollten Schüler eine Marketingkampagne für ein Produkt entwerfen. Das kann die KI... man muss es lediglich souverän vortragen und mir fehlt die Phantasie, was genau sich da jetzt noch groß fachlich vertiefen ließe.

    Muss man das in Englisch fachlich vertiefen? Im Sprachunterricht geht es doch gerade um einen sprachlich souverände Vortrag. Den macht die KI nicht, und ich wäre froh, wenn die SuS einen schönen Vortrag halten. Vermutlich sind Konzepte fürMarketingkampagnen ohne konkrete Daten auch im echten Leben nicht viel anders ;)

    ... Erdkunde und fachlich interessant wird es da erst in der Sek II. Die gesamte Sek I ist Allgemeinwissen.

    Allgemeinwissen sollte mMn in der Sek I aufgebaut und verknüpft werden, von daher finde ich da nichts schlechtes dran.

    Auch wenn von außerhalb der Schule Kenntnisse vorhanden sind, sind die vermutlich sehr unterschiedlich, lückenhaft und unstrukturiert. Außerdem kann man doch interessante Themen vertiefen?

    Die These, dass Absolventen gewisser Bildungsgänge für den Arbeitsmarkt häufig ziemlich unbrauchbar sind, finde ich schwer zu entkräften.

    Die Wörter häufig, gewisser und ziemlich machen diese These auch sehr unkonkret ;) insofern ist sie tatsächlich nicht zu entkräften.

  • Nicht alles ist super, es ist halt unterschiedlich.

    Genau das!

    Maylin85 : Den Unterschied zwischen "Alles ist super" (Wer hat das hier denn so geschrieben? - sehe ich nirgends...) und "mind. die Hälfte der SuS in der Berufsvorbereitung und in den BFS sind nicht beschulbar und nicht ausbildungsreif" - wie Lego-Held es schrieb - erkennst du hoffentlich selbst?!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Dann sei froh, dass es bei euch scheinbar ein "besseres" Klientel gibt als bei uns. In unseren Abgangsklassen ist die Anzahl der späteren Bürgergeldempfänger deutlich höher als welche, die in Lohn und Brot stehen.

    Ich habe gerade nochmal die Zahlen für unsere Berufseinstiegsklassen Wirtschaft und die drei Klassen der "Berufsfachschule Dual - Wirtschaft" vom Ende letzten Schuljahres herausgesucht:

    • BES Klasse 1: 3 SuS besuchen im Schuljahr 2026/27 die BES Klasse 2, um dort den Hauptschulabschluss zu machen; 3 machen eine Ausbildung (davon 2 in einem Berufsbildungswerk); eine Schülerin hat eine berufliche Tätigkeit in der Gastronomie aufgenommen; ein Schüler arbeitet im Familienbetrieb (Landwirtschaft); bei einer Schülerin ist der Verbleib unklar
    • BES Klasse 2: 2 SuS wiederholen im Schuljahr 2026/27 diesen Bildungsgang, um den HSA doch noch zu erreichen; 6 SuS besuchen die BFS Dual; 9 SuS haben eine Ausbildung begonnen; ein Schüler ist ins Ausland (Niederlande) umgezogen - was er nun dort macht, ist nicht bekannt
    • BFS Dual (im letzten Schuljahr hatten wir in diesem Bildungsgang im Bereich "Wirtschaft" drei Klassen mit insgesamt 65 SuS, die zum Schuljahresende noch in den Klassen waren): ein Schüler wiederholt diesen Bildungsgang; 19 SuS sind in die Fachoberschule Wirtschaft "übergegangen"; 35 haben eine Ausbildung begonnen; 3 SuS machen ein "freiwilliges Jahr" (2 FSJ, einer FÖJ); eine Schülerin absolviert ein Auslandsschuljahr; ein Schüler ist zur Bundeswehr gegangen; ein Schüler "jobbt"; bei 4 SuS ist der Verbleib unklar

    EDIT: Ach so, was die "Berufseinstiegsklassen Sprache und Integration" angeht, weiß ich nur etwas über den Verbleib der SuS aus einer Klasse (von vier), in der ich letztes Jahr eingesetzt war: Von den 11 SuS besuchen nun 5 in diesem Schuljahr die BES Kl. 2 zur Erreichung des HSA; 2 SuS machen eine Berufsausbildung; 3 SuS (davon ein Geschwisterpaar) sind umgezogen - die Geschwister nach Hessen, ein junger Mann ist mit seiner Familie zurück in ihr Heimatland Rumänien gegangen - und bei einem ist der Verbleib unklar (seine letzte Aussage mir gegenüber am Schuljahresende war, er wolle "arbeiten gehen").

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  • Na zum Glück sehen den dramatischen Verfall der Jugend nur immer dieselben 3 Kolleg*innen. Alle anderen unterrichten ganz normal und ihre ehemaligen SuS gehen -inzwischen selbst erwachsen- ganz normalen Berufen nach. Es ist heilsam, mal mit jungen Erwachsenen außerhalb von Schule zu reden, um die Realität nicht ganz aus den Augen zu verlieren im Klassenzimmer.

    Ja, du ahnst nicht, was einer 32köpfigen Mädchenklasse eines Gymnasiums in den 70 ern alles einfallen konnte. Aber es blieb alles ohne Konsequenzen. :weissnicht: Rückblickend fand ich uns echt schlimm. Zum Glück für alle hat man die Klassen irgendwann gemischt. Also, wenn es bei uns die KI gegeben hätte, hätten wir sie sicher auch genutzt.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Ich habe mich in meinem früheren Berufsleben im Rahmen von Nachhaltigkeit mal mit Lebenszyklusanalysen beschäftigt, und das war alles andere als Blabla. Schon alleine der Begriff "Nachhaltigkeit" und seine inflationäre Verwendung könnte tiefgreifend diskutiert werden.

    [...]

    Man kann zu jedem Thema zweifellos sehr spannende Vertiefungen mit erhöhter Komplexität machen. Wir reden hier bei diesem konkret rausgepickten Beispiel aber von Berufsfachschulklassen und einem vorgegebenen Zeitrahmen gemäß didaktischer Jahresplanung von 8-10 Unterrichtsstunden pro Thema, da bleibt nicht wahnsinnig viel Raum für Tiefe. Für das grundsätzlich sehr wichtige und interessante Thema Soziale Gerechtigkeit und Sozialstaat habe ich ganze 6 Stunden. Dieser ganze Bildungsgang ist scheinbar darauf ausgelegt, oberflächlich durch Themen zu rauschen, damit Schüler zumindest grob mal was davon gehört haben (nehme ich an). Ist okay und kann man sicherlich Argumente für finden, führt aber halt dazu, dass das, was die KI ausspuckt, durchaus im Wesentlichen die Erwartungen abdeckt (und unkomplex genug ist, dass Schüler das Ganze auch frei wiedergeben können). Ob nun selbst erarbeitet oder nur nachgeplappert, ist für mich dann halt schwer feststellbar.

    Aber vielleicht liegt das Problem auch bei mir und mir sollte einfach egal sein, wie eine Leistung zustande kommt und ob bei einer Aktivität nachhaltig gelernt wird oder nicht. Man kann sich ja durchaus auch mit einem hübschen Layout, halbwegs fehlerfreiem Ablesen und der Beantwortung von 3 0815-Ablibirückfragen zufrieden geben und sich in die Tasche lügen, dass die Schüler hier gerade irgendwas nennenswert lernen und Kompetenzen aufbauen 😊


    Zitat

    Im Sprachunterricht geht es doch gerade um einen sprachlich souverände Vortrag. Den macht die KI nicht

    Naja doch, die KI hat ihn halt geschrieben. Brauchbar zu bewerten sind eigentlich nur noch Hot Seat Präsentationen. Das hassen die Schüler allerdings und ich selbst fand es an der Uni auch extrem unangenehm, also mache ich das eigentlich wirklich ungern. Außerdem hat man inzwischen in jedem Kurs 7 Verweigerer und kriegt nachmittags 5 Mails mit Aufklärung darüber, dass angeblich irgendeine Sozialphobie oder partieller Mutismus oder sonstwas vorliegt, weswegen der Schüler leider nicht in der Lage war mitzumachen.


    Zitat

    Allgemeinwissen sollte mMn in der Sek I aufgebaut und verknüpft werden, von daher finde ich da nichts schlechtes dran.

    Auch wenn von außerhalb der Schule Kenntnisse vorhanden sind, sind die vermutlich sehr unterschiedlich, lückenhaft und unstrukturiert.

    Nein, daran ist nichts schlecht und es ist völlig normal. Es ging aber doch im Ursprung darum, wie man eigenes Arbeiten noch von KI unterscheiden kann bzw. fehlende Eigenleistung stichhaltig nachweisen kann und da ist es eben schwierig, wenn Nachfragen auch mit Alltagswissen (wenn auch lückenhaft) beantwortet werden können. Dass das für Kris24 in einer Naturwissenschaft funktioniert, so dass Schüler noch zu eigenem Lernen gezwungen sind, um kein Defizit zu riskieren, verstehe ich (und neide ich). In anderen Fächern funktioniert das aber eben leider nicht so einfach.

  • Maylin85 : Den Unterschied zwischen "Alles ist super" (Wer hat das hier denn so geschrieben? - sehe ich nirgends...) und "mind. die Hälfte der SuS in der Berufsvorbereitung und in den BFS sind nicht beschulbar und nicht ausbildungsreif" - wie Lego-Held es schrieb - erkennst du hoffentlich selbst?!

    Sicher. Vermutlich liegt die Wahrheit im Durchschnitt irgendwo dazwischen. Bei dir scheinen mir die Rahmenbedingungen in diesen Bildungsgängen extrem gut (schon allein die Klassengrößen sind fantastisch), bei Lego-Held klingt es nach ressourcenknapper Brennpunktrealität.

  • Sicher. Vermutlich liegt die Wahrheit im Durchschnitt irgendwo dazwischen. Bei dir scheinen mir die Rahmenbedingungen in diesen Bildungsgängen extrem gut (schon allein die Klassengrößen sind fantastisch), bei Lego-Held klingt es nach ressourcenknapper Brennpunktrealität.

    Ja, das denke ich auch! Einen großen Einfluss haben mMn sowohl die regionalen Gegebenheiten (meine ist definitiv keine "Brennpunktschule"; wir werden als einzige Landkreis-BBS vom Schulträger in allen Belangen sehr unterstützt; die Ausbildungslage in unserer Region ist derzeit recht gut;...) als auch das direkte schulische Umfeld.

    Was die Klassengrößen angeht, bin ich größtenteils wirklich sehr zufrieden. In den BFS- und BES-Klassen sind die SuS-Zahlen seit Jahren recht niedrig (durchschnittlich 22-24 SuS in der BFS, 18 SuS in der BES 2, 8-12 in der BES1 und den SI-Klassen) - wobei ich vor 15 Jahren auch schon BFS-Klassen mit 28-30 SuS hatte, was in diesem Bereich wirklich der Horror ist. Unsere 11. Klassen im BG sind allerdings m. E. mit bis zu 28/29 SuS teilweise zu groß; ebenso einige FOS-Klassen (da hatten wir in der FOS 11 Wirtschaft viele Jahre nur eine Klasse mit um die 30 SuS). In diesem Schuljahr haben wir aber mit einem "Schülerschwund" in vielen Bildungsgängen zu kämpfen, was dazu geführt hat, dass eine ganze Reihe geplanter Klassen wieder "eingestampft" werden mussten.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Die meisten arbeiten mit einem Lehrplan. Wer zu langweilig findet, was da drin steht, sollte nicht Lehrerin werden.

    Ich sitze dran und würge mich durch ...

    ... und finde, dass man den so oder so schreiben kann. Der kann enge Vorgaben machen oder auch viel Potential lassen.

    Ob das in allen Stufen und Fächern geht, weiß ich nicht.

    Dazu denke ich, dass die Klassensituation immer auch Anpassungen notwendig macht.

    Die Frage wäre für mich, a) wie man methodisch unabhängig von KI wird und b) ob man innerhalb oder am Rande der Themen Inhalte findet, die mehr als "Alltagswissen" beinhalten und ob man die Schüler:innen im Brennpunkt damit erreicht oder nicht doch zunächst das Alltagswissen einordnen und sichern muss.

  • Unsere 11. Klassen im BG sind allerdings m. E. mit bis zu 28/29 SuS teilweise zu groß; ebenso einige FOS-Klassen (da hatten wir in der FOS 11 Wirtschaft viele Jahre nur eine Klasse mit um die 30 SuS).

    Ich hab momentan auch zwei 11er in der Größenordnung. Mit denen kann man aber arbeiten, es macht niemand Tiergeräusche oder rastet aus dem Nichts aus - fantastisch.

    Das primäre Problem in unseren BFS-Klassen ist (neben großen Verhaltensauffälligkeiten bei vielen Schülern) meines Erachtens, dass 80% der Schüler sprachlich einfach komplett abgehangen und überfordert sind. Mit den existierenden Schulbüchern kann nicht gearbeitet werden, weil kein einziger Text verstanden wird. Schon allein dadurch sinkt das Niveau und natürlich bekommen Betriebe nicht das, was sie hinter dem Abschluss erwarten. Ich denke, ein Großteil unserer Schüler scheitert bei der Ausbildungsplatzsuche an den Einstellungstests, weil sie einfach wirklich katastrophal gruselig schreiben, Aufgabenstellungen nicht verstehen und dergleichen.

  • Das primäre Problem in unseren BFS-Klassen ist (neben großen Verhaltensauffälligkeiten bei vielen Schülern) meines Erachtens, dass 80% der Schüler sprachlich einfach komplett abgehangen und überfordert sind. Mit den existierenden Schulbüchern kann nicht gearbeitet werden, weil kein einziger Text verstanden wird. Schon allein dadurch sinkt das Niveau und natürlich bekommen Betriebe nicht das, was sie hinter dem Abschluss erwarten. Ich denke, ein Großteil unserer Schüler scheitert bei der Ausbildungsplatzsuche an den Einstellungstests, weil sie einfach wirklich katastrophal gruselig schreiben, Aufgabenstellungen nicht verstehen und dergleichen.

    Liegt es an den Deutschkenntnissen oder am Intellekt?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

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