IQB - Viertklässler rechnen und lesen und rechnen schlechter (zeit.de)

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    • frkoletta schrieb:

      Kathie schrieb:

      soll ich als Mutter dann gezwungen sein, mein Kind ganztags fremdbetreuen zu lassen
      Sorry, aber das ist so mütterglorifizierendes Denken.....geht gar nicht - aber ist noch weit verbreitet.
      Will ich aber auch nicht. Meine Kinder sollen am Nachmittag daheim sein um
      1. HA zu erledigen
      2. Auf den Bolzplatz zum kicken gehen
      3. Ihre Kindheit mit unseren Hunden erleben

      Wenn manche politische Gruppen oder irgendwelche Pädagogen in ihrem Elfenbeinturm ihren Mutter-Theresa-Komplex durch einen Ausbau der Ganztagsbetreuung erfüllen wollen, dann sollen meine Kinder davon verschont bleiben. Keine Institution kann meine Kinder besser erziehen als deren Eltern.
      Wenn manche Eltern das nicht können, dann ist es schlicht und einfach Pech.

      Aber die Freiheit trotz fehlender Qualifikation Kinder zu zeugen, darf nicht dazu führen, dass verantwortungsvolle Menschen und deren Kinder in Geiselhaft genommen werden sollen, damit der Staat sein Gewissen beruhigen kann.
    • Sagt mal...
      Es geht bei der Ganztagsbetreuung ja politisch kaum darum, ‚verantwortungsbewusste Menschen in Geiselhaft zu nehmen“, sondern darum die Gleichzeitigkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. In meinem winzig kleinen Bundesland sind unter 5% der Alleinerziehenden in Vollzeitbeschäftigung. Ein Grund dafür ist die fehlende Ganztagsbetreuung.
      Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    • Aber gibt es nicht gerade deswegen offene und gebundene Ganztagsangebote? So kann sich doch jeder aussuchen was er möchte. Wenn mein Kind ganztags betreut werden müsste, würde ich mich jedenfalls immer für ein rhythmisiertes Angebot entscheiden und nicht für GS plus OGS.
      Und wenn ich es ohne schaffe dann würd ich mein Kind halt mittags nach Hause kommen lassen.
      Aber vielleicht hängt das auch von den Kosten ab? Hier zahlen wir für das teuerste Kind, egal ob Tagesmutter, Kindergarten oder Grundschule. Sprich OGS für meinen ältesten wäre sogar kostenlos, solange die Kleine im Kindergarten ist.
      Kann ja sein, dass da manch Eltern auch denken: warum nicht das nehmen, wenn es nichts kostet? Und somit alle Verantwortung abgeben und davon ausgehen, dass die OGS das schon alles richtet.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Aber geht es nicht eher darum ob die Eltern mit dem Ganztag auch die Verantwortung abgeben oder sich dennoch interessieren, nachfragen, zu Hause mal hinsetzen und lernen? Oder auch einfach durch Schenken/ Lesen eines Buches fördern?
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Also, mein Kind z B. geht in die OGS, weil es aus beruflichen Gründen von meinem Mann und mir nicht anders geht. Keiner von uns ist um 13 Uhr zu Hause. Selbstverständlich kontrolliere ich zu Hause noch die Hausaufgaben, lasse mir erzählen wie sein Tag war und übe mit ihm für Klassenarbeiten. Kostenlos ist das Ganze natürlich auch nicht. Wir zahlen monatlich einen dreistelligen Betrag.

      Edit: Das wollte ich nur mal sagen, da es teilweise so klang als wäre eine OGS eine kostenlose Verwahranstalt für Eltern, die sich nicht kümmern wollen.
      "Der Lehrer hat den Rohstoff unseres Landes in den Händen."
      Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg
    • Natürlich und genau darum geht es auch bei anderen schon genannten Gruppen. Es gibt dabei auch solche, denen die heimische Tierschar wichtiger zu sein scheint. Und dann gibt es noch Helikpotereltern und Eltern, die ihre Kinder Wohlstandsverwahrlosen lassen, Eltern, die sich im Rosenkrieg befinden und vieles mehr. Primaballerina hat es wirklich treffend zusammen gefasst, leider damit aber einen ekligen Sturm derjenigen Lehrereltern ( wieder eine besondere Gruppe, die ich nur zu gut kennen ;–)), die zu glauben scheinen, man wollte Ihnen Ihre Erziehungskompetenz von staatlicher Seite absprechen, ausgelöst.
      Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ninale () aus folgendem Grund: RS

    • Bolzbold schrieb:



      Viel nachhaltiger wirkt jedoch das grotesk anmutende Maß an Bürokratie, das jede Lehrkraft, die ein Defizit vergibt, bewältigen muss. Ich glaube, dass die akribische Dokumentationspflicht hier tatsächlich in vielen Fällen für ein "knapp ausreichend" anstelle der eigentlich völlig verdienten Fünf führt. Das Land will es so, das Land kriegt es so. Und hinterher wundert man sich.
      Wobei "man" eigentlich völlig klar zuzuordnen ist. Als Lehrer wundert man sich da schon lange nicht mehr.
      Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Diese "Bürokratie" soll dazu dienen Fördermöglichkeiten zu erkennen und umzusetzen. An den Schulen, an denen dies nur zum Füllen der Schülerakte verwendet wird, hat es keine pädagogische Konsequenz. Schulen, die ihre tatsächliche Arbeit mit Förderplänen etc. koordinieren, haben in der Arbeit mit dem Kind Erfolge.

      Kolleginnen und Kollegen, die ein ausrechend statt einem mangelhaft geben, nur weil sie sich keine Gedanken um Förderempfehlungen machen wollen, können oder die Arbeit scheuen, die sind im Lehrerberuf an einer Schule mit handelsüblichen, urbanem Schülerklientel leider falsch.

      Wenn "man" völlig klar zuzuordnen wäre, wo sind dann die klaren Kriterien dafür?
      Wer immer das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

      Henry Ford
    • frkoletta schrieb:

      Miss Jones schrieb:

      Heißt, ihr möchtet einen Elternführerschein, und wenn dieser nicht vorliegt, was dann?
      Das ist ja das Dilemma. Du arbeitest am Gymnasium, d.h. an dir gehen bestimmte Elternhäuser vorbei. Ich hab den direkten Vergleich an der GS: ich fühle mich einfach hilflos, wenn ich sehe, woher die Probleme eines Kindes kommen und werde wütend, wenn ich dann sehe, dass das dritte Kind, das in meiner Klasse ist, noch nicht genug ist und noch eins gemacht wird, weil es dazu keiner besonderen Qualifikation bedarf. Die Hutschnur platzt mir regelmäßig, wenn Mütter sich rausreden mit "Ich kann nicht gucken, ob der Hausaufgaben macht, ich hab noch 3 andere Kinder!" Denen sage ich mittlerweile doch deutlich ins Gesicht, dass das ihre Entscheidung war. Manchmal sind die ernsthaft geplättet darüber, weil sie schlichtweg kein Bewusstsein dafür haben, dass man selbst beeinflussen kann, wie viele Kinder man bekommt und was für einen, vor allem finanziell und emotional, sinnvoll ist.
      Täusch dich da mal nicht... auch Gymnasien gibt es in "sozialen Brennpunkten" - wobei das nicht mal Bedingung für solche Fälle ist. Auch ich kenne "solche Elternhäuser", vielleicht weniger häufig als in manch anderer Schulform, aber wenn du meinst, Gymnasial-Eltern wären die Idealfamilie - denkste. Auch die haben Probleme, vielleicht manchmal andere. Da gibt es Alleinerziehende mit 3, 4 oder mehr Kindern, vo denen dann vielleicht eins aufs Gymnasium konnte... und rate mal, wer von diesen Kindern dann zuhause die wenigste Unterstützung bekommt (und warum)? Da wird davon ausgegangen, wer am Gymnasium ist schafft das schon, außerdem "hat Mama davon eh keine Ahnung" (Okay, Tatsache), aber das Resultat sind dann oft Kinder, die zusätzlich zur Schulleistung dann auch noch im Haushalt und der Familie früh Verantwortung übernehmen müssen... na, wozu führt das wohl?
      Das Spektrum ist sehr breit. Viele brauchen nur ein wenig "Hilfe zur Selbsthilfe", haben oft Angst, sie dürften nichts mehr entscheiden, wenn sie sich einmal staatliche Unterstützung holen (was Unsinn ist, aber ein gängiges Vorurteil) - ich habe schon der (oder auch dem) ein oder anderen geraten, sich Hilfe zu holen wenn es nicht anders geht. Und ich habe auch keine Skrupel (sollte übrigens niemand im Lehrberuf haben), das Amt einzuschalten, wenn auf entsprechende Ansagen nicht reagiert wird und ich eine Kindeswohlgefährdung sehe...
      Also, weiter die Frage - wie soll so etwas wie ein "Elternführerschein" durchgesetzt werden?
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Krabappel schrieb:

      Du behauptest irgendwas Populärrassistisches...
      Unterschiede in der sozial-kulturellen Prägung zu finden und in Beziehung zu setzen z.B. zu Lernkultur ist keine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
      Derartige Differenzierung gelingt aber nicht mit einem binären Weltbild.
      Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P

      8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:
    • Yeti schrieb:

      Bolzbold schrieb:

      Viel nachhaltiger wirkt jedoch das grotesk anmutende Maß an Bürokratie, das jede Lehrkraft, die ein Defizit vergibt, bewältigen muss. Ich glaube, dass die akribische Dokumentationspflicht hier tatsächlich in vielen Fällen für ein "knapp ausreichend" anstelle der eigentlich völlig verdienten Fünf führt. Das Land will es so, das Land kriegt es so. Und hinterher wundert man sich.
      Wobei "man" eigentlich völlig klar zuzuordnen ist. Als Lehrer wundert man sich da schon lange nicht mehr.
      Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Diese "Bürokratie" soll dazu dienen Fördermöglichkeiten zu erkennen und umzusetzen. An den Schulen, an denen dies nur zum Füllen der Schülerakte verwendet wird, hat es keine pädagogische Konsequenz. Schulen, die ihre tatsächliche Arbeit mit Förderplänen etc. koordinieren, haben in der Arbeit mit dem Kind Erfolge.
      Kolleginnen und Kollegen, die ein ausrechend statt einem mangelhaft geben, nur weil sie sich keine Gedanken um Förderempfehlungen machen wollen, können oder die Arbeit scheuen, die sind im Lehrerberuf an einer Schule mit handelsüblichen, urbanem Schülerklientel leider falsch.

      Wenn "man" völlig klar zuzuordnen wäre, wo sind dann die klaren Kriterien dafür?
      Also Mehrarbeit für kein Geld....ach wie liebe ich Kollegen die sich freiwillig geißeln.
    • ninale schrieb:

      Natürlich und genau darum geht es auch bei anderen schon genannten Gruppen. Es gibt dabei auch solche, denen die heimische Tierschar wichtiger zu sein scheint. Und dann gibt es noch Helikpotereltern und Eltern, die ihre Kinder Wohlstandsverwahrlosen lassen, Eltern, die sich im Rosenkrieg befinden und vieles mehr. Primaballerina hat es wirklich treffend zusammen gefasst, leider damit aber einen ekligen Sturm derjenigen Lehrereltern ( wieder eine besondere Gruppe, die ich nur zu gut kennen ;–)), die zu glauben scheinen, man wollte Ihnen Ihre Erziehungskompetenz von staatlicher Seite absprechen, ausgelöst.
      Du hast keine Kinder, wetten?

      Ich glorifiziere hier weder Mütter noch irgendwelche Erziehungsmodelle, ich spreche mich einfach nur dagegen aus, allen Kindern / Familien die verpflichtende gebundene Ganztagesschule aufzudrücken aus dem Grund, dass sonst keine Chancengleichheit herrscht. Und wenn du und auch frkoletta genau gelesen hättet, hättet ihr das sicherlich auch erkannt.

      Ferner schrieb ich von vorhandenen Förderangeboten, die wichtig sind, aber freiwillig. Vielleicht sollte man die dann tatsächlich verpflichtend machen für gewisse Klientel...
      Eigentlich führt das alles ziemlich weit vom Thema weg, wenn jetzt schon wieder über verpflichtende Ganztagesschule gestritten wird. In Bayern jedenfalls gibt es davon eher wenige, zumindest in meinem Umfeld, und die Schüler haben recht gut abgeschnitten. Ob es wirklich weniger Migranten in Bayern gibt, wage ich auch zu bezweifeln.
    • Hamburg hat vor ein paar Jahren an allen Schulen Ganztagsbetreuung eingeführt. Das führte in meinen Augen zu keiner Verbesserung. Und das Personal ist teilweise unterste Schublade. Es herrscht eklatanter Erziehermangel. Das merkt man.

      Lesenüben und Einmaleinsüben etc. muss! zu Hause geübt werden. Das kann weder Schule noch der Hort leisten.
    • Anja82 schrieb:

      Hamburg hat vor ein paar Jahren an allen Schulen Ganztagsbetreuung eingeführt. Das führte in meinen Augen zu keiner Verbesserung. Und das Personal ist teilweise unterste Schublade. Es herrscht eklatanter Erziehermangel. Das merkt man.

      Lesenüben und Einmaleinsüben etc. muss! zu Hause geübt werden. Das kann weder Schule noch der Hort leisten.
      Aha, das "muss"... ist ja schön. Aber genug Essen muss auch auf den Tisch, ja? Dazu "muss" dann genug Geld da sein. Das bedeutet heutzutage bei so vielen unterbezahlten Jobs oft zwei berufstätige Eltern, damit man über die Runden kommt (was das bei Alleinerziehenden heißt kann sich jeder ausrechnen), und das ggf. sogar noch in mehreren Jobs... dann Haushalt... wieviel Stunden hat noch mal der Tag?
      Ergo - die Möglichkeit sollte zumindest da sein. Andererseits wäre es sicher auch schön, wenn eine Familie mal wieder von einem "Alleinverdiener" leben könnte - bringst du diesen Umstand bitte mal den Arbeitgebern bei? Dann können wir uns auch über dein "muss" unterhalten...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Klar sollte die Möglichkeit da sein! Natürlich sollte es Horte und Mittagsbetreuungen geben.

      Aber auch das entbindet nicht die Eltern von der Pflicht, hin und wieder mit einem Erstklässler zu lesen, einem Zweitklässler das Einmaleins zu üben oder mit einem Drittklässler Blätter zu sammeln für den Sachunterricht. Das sollte auch berufstätigen Eltern bewusst sein. Sie sind immer noch die Eltern, und gerade Grundschüler KÖNNEN sich nicht komplett alleine organisieren.

      Bei uns sagen die Horte übrigens sogar, dass sie nicht mit den Kindern lesen üben können, weil es zu laut ist und sie diese Einzelbetreuung nicht leisten können. Und nun? Doch wieder Elternhaus.
      Ich verstehe sowieso nicht, warum es Lehrer gibt, die die Eltern komplett aus der Pflicht nehmen wollen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kathie ()

    • Kathie schrieb:




      Ich verstehe sowieso nicht, warum es Lehrer gibt, die die Eltern komplett aus der Pflicht nehmen wollen.

      Wie definierst du Eltern?
      - "hat Kinder"
      - "hat Kinder und kann damit auch umgehen"
      ?
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Egal, ob Eltern berufstätig sind oder nicht, wir sind es ja auch alle. Jüngere Kinder, also Grundschulkinder und m.E. so bis Klasse 5 oder 6 brauchen doch mehr elterliche schulische Begleitung als ältere. Es geht nicht darum, neben dem Kind zu sitzen und ihm die Hand zu führen. Aber die Hausaufgaben zeigen lassen, mal gemeinsam lesen, vorlesen, sich erzählen lassen und interessieren, das reicht doch meistens. Es gibt natürlich auch Kinder, die das überhaupt nicht brauchen, die nebenher von selbst groß werden und alles schaffen. Aber selbst da tut es doch gut, sich eine schön verfasste Geschichte vorlesen zu lassen, über den Stoff des Sachunterrichts zu erzählen usw.
    • Ich bin überzeugt davon, dass die verpflichtende Ganztagsschule kommen wird - bald. Und bundesweit.

      Warum?

      Die Wahlangebote sorgen dafür, dass die Nachmittagsbetreuung häufig eine reine Kinderaufbewahrung ist. Gelernt kann nicht werden, weil ja viele aus der Klasse nicht da sind und nicht benachteiligt werden sollen. Eine gut durchdachte Ganztagsschule kann nur mit allen Kindern stattfinden.

      In vielen anderen Ländern ist Ganztagsschule normal. Und die deutschen Kinder aus dem mittleren Bürgertum, bei denen jemand zu Hause ist und unterstützen kann, sind jetzt schon eine Minderheit. Die Zahlen? In Frankfurt sind es bei den unter 12-jährigen 75 % der Kinder mit einem Migrationshintergrund (auch viele EU-Ausländer!), in Augsburg sind es 61%, in Stuttgart sind es 55 %. Bei den unter 6-jährigen ist die Verteilung noch deutlicher. Im Rahmen von Integrationsleistungen und um sich europäisch anzupassen muss sich Schule umstellen.

      Der Beruf des Lehrers ist nun kaum mit anderen Berufen vergleichbar, was die Wahl der Arbeitszeiten angeht. Da sollten wir nicht von uns ausgehen. Zudem gehe ich davon aus, dass Lehrer bildungsaffin sind.

      Wir werden es uns eben nicht leisten können, uns auf die Position "Wer nicht will der hat schon" zurückzuziehen, vor allem nicht in der Primarstufe. Die Überprüfung wird einfach dichter, die Erfolgskontrollen werden zunehmen.

      Ich plädiere noch einmal dafür, Elternhäuser aus anderen Kulturen ganz dezidiert darüber aufzuklären, was von ihnen erwartet wird. Viele sind bereit, etwas zu ändern, wenn man mit ihnen spricht. Bitte auch hier Selbstreflexion, einen common sense darf man hier nicht voraussetzen.

      Ich bin kein bedingungsloser Freund einer Ganztagsschule, ich kann die Mütter hier verstehen, ich denke aber, dass es die machbarste politische Reaktion auf die Testergebnisse sein wird. Ich bin auch schon gespannt, wann die Länder den Föderalismus in der Bildung aufgeben müssen, ich könnte mir vorstellen, dass die FDP hier klare Ansagen macht.
    • Hallo lamaison,

      ich finde einiger der Dinge nicht so selbstverständlich. Ich komme oft erst gegen 17.30 Uhr nach Hause, mein damaliger Erstklässler war dann nicht mehr großartig arbeitsfähig. Lesen ging, aber die Hausaufgaben zu überarbeiten o.ä. hat ihn um die Uhrzeit überfordert, er ist dann auch schon um 19.00 Uhr ins Bett.

      Vorlesen ist eine Frage der kulturellen Prägung, zwei Übernachtungsgäste kannten das allabendliche Vorlesen überhaupt nicht, auch für ihre Eltern (aus Nordafrika) war das ganz neu. In beiden Familien sind die Frauen nie mit den Kindern ins Schwimmbad gegangen, beide Mütter konnten auch nicht radeln.

      Gemeinsam lesen fällt dann flach, wenn man selbst nicht gut lesen oder kein Deutsch kann.

      Mit Hausaufgaben vorzeigen ist es in der GS nicht getan - wir wurden am Elternabend bei beiden Kindern aufgefordert, die Hausaufgabe auf Fehler zu kontrollieren. Auch kleine Diktate zu Hause wurden aufgegeben.

      Das klappt alles nur dann gut, wenn jemand zu Hause ist und sich darum kümmert/kümmern kann.

      Das darf man aber nicht voraussetzen.

      Ich bleibe dabei: Stoffvermittlung und Korrektur sind Sache der Lehrkräfte!
    • Eine Ganztagesschule wird nur mit viel viel Geld funktionieren. Und da ’wir’ nicht bereit sind, viel Geld in den Ausbau zu stecken wird der Sinn und Zweck weiter nur mangelhaft sein.
      Jeder der schon einmal Schüler im Alter 10–13 (oder auch älter) nachmittags unterrichtet hat wird feststellen, dass Unterricht an sich in dieser Zeit nahezu unmöglich ist. Die Kinder sind einfach platt und müde. Oder im umgekehrten Fall: vollgepumpt mit Energy Drinks und Chips.
      Wer also glaubt, dass diese Zeit dazu genutzt werden kann um wie hier geschrieben Vokabeln zu lernen oder das Schreiben zu üben, ist in der Realität leider nicht angekommen.
      Und ich muss ehrlicherweise auch gestehen, dass der Nachmittag für mich als Lehrer auch die Hölle ist. Teilweise 6 Stunden Schule, eine halbe Stunde Mittagspause im Lehrer– oder Klassenzimmer um schnell was zu essen, danach 1 Stunde Aufsicht der Schüler im SMV–Raum... Zum Lärmpegel brauche ich hier wohl nix schreiben. Danach nochmal 2–3 Stunden. Das kann so nicht funktionieren und ruiniert über kurz oder lang die Gesundheit des Lehrers.
      Der Mittag in einer Ganztageschule sollte der Freizeit gehören und diese muss professionell durchgeführt werden. Von Sportvereinen, Musikschulen, Tanzschulen, Kunstschulen etc. Die Lehrer haben hier nichts zu suchen. Warum? Weil sie es (größtenteils) nicht können. Da macht dann der Sportlehrer das gleiche, was er sonst auch im Unterricht macht... Motivation der Schüler ist Null.
      Vielleicht sollte man auch mal erwähnen, dass die Schüler immer träger und dicker werden. Warum? Weil sie mittlerweile keinen Sport mehr treiben außer den in der Schule. Nach 8 Stunden Schule, teilweise einstündigen Heimfahren sind Kinder um 17 Uhr zu Hause. Was bleibt da noch... Essen, YouTube, Fernseh, Bett.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von svwchris ()