Arbeitsplatz Lehrerzimmer?

  • Das erinnert mich daran, dass man mir auch schon mal das Arztzimmer als Übernachtungsmöglichkeit angeboten hat :super:

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Ach ja:


    Die Streichung des Arbeitszimmers für Lehrer wurde zwar vom Finanzminister angeleiert, aber vom BGH bestätigt.
    Die Begründung des Urteils ist jedoch der Hammer.


    Das Hauptargument war, dass per definitionem der Arbeitsschwerpunkt des Lehrers in der Schule liege und somit die Voraussetzungen für die steuerliche Absetzbarkeit des Arbeitszimmers nicht mehr zutreffen.


    Mit Lebenswirklichkeit hat das nichts zu tun.


    Gruß
    Bolzbold

  • Doch, das ist pure Lebenswirklichkeit - das könnte original unser Lehrerzimmer sein! Noch lebenswirklicher geht's nimmer...
    :D :D :D

    Eine Lösung kommt fast immer aus der Richtung, aus der man sie am wenigsten erwartet, was bedeutet, dass es keinen Sinn hat, in diese Richtung zu gucken, weil sie nicht von dort kommen wird.


    (Douglas Adams)

  • Der Hammer. Mein Direktor würde die Krise kriegen, wenn es bei uns so aussähe. Er hasst es, wenn wir nur Kleinigkeiten auf dem Tisch liegen haben.


    Toll auch der Kampf um den PC.


    Das müssten die richtigen Stellen mal sehen.

    Wir helfen einem Menschen mehr, wenn wir ihm ein günstiges Bild seiner selbst vorhalten, als wenn wir ihn unablässig mit seinen Fehlern konfrontieren.
    A. Camus

  • Mein Vater (Posten auf Managerebene) war schockiert, als ich ihm meinen "Arbeitsplatz" gezeigt habe.


    In seiner Firma hat sogar die kleinste Sachbearbeiterin einen eigenen Schreibtisch. Die jammern, wenn das Fenster in ihrem Büro nicht groß genug ist...


    absurd... bei Hühnern ist Käfighaltung verpönt...


    Grüße
    Lolle

  • lolle


    Deswegen arbeiten wir realiter ja auch zu Hause am Schreibtisch, aber de jure bzw. per definitionem ist unser Arbeitsschwerpunkt eben in der Schule.


    Mit Logik hat das nichts zu tun.


    Gruß
    Bolzbold

  • jaja, ich sitz hier grad an meiner Steuererklärung UND ICH REG MICH GRAD GAAAAAR NICHT AUF.


    Mag jemand mit nach Berlin fahren und Eier und Tomaten aufs Finanzministerium werfen?


    Nebenher noch ein paar ketzerische Artikel in BILD und Focus Schule lesen und Aufsätze korrigieren... warum mach ich das eigentlich?


    Sorry, kleine Sinnkrise, spätestens nächste Woche, wenn das Abi losgeht, hab ich keine Zeit mehr mich über solche Kinkerlitzchen aufzuregen :super:


    Grüße
    Lolle

  • Sehr realistisches Video. Leider.


    Ich sitz ebenfalls an der Steuererklärung und ich werde mein Arbeitszimmer angeben, verflucht nochmal! Und Widerspruch einlegen, wenn es abgelehnt wird. Und nochmal und nochmal.


    Die GEW rät, desgleichen zu tun: die Masse macht's.


    Lasst euch nicht so leicht kleinkriegen.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Also in unserem Lehrerzimmer gehts zwar nicht ganz so schlimm zu, aber wenn ich mir überlege..... was würde ich mit meinem ganzen Material, Büchern etc. machen ohne Arbeitszimmer???? (Grundschullehrer sind ja bekanntlich Messies........) Da bräuchte unsere Schule glatt noch en Anbau, wenn jeder unserer Lehrer sein Zeug in der Schule aufbewahren, Arbeiten korrigieren und Unterricht dort vorbereiten müsste.........


    Echt ne Frechheit! Als ob ich ein Arbeitszimmer daheim hätte, weil ich es schick finde oder mir langweilig ist......


    Panama

    "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.

  • Unsere Schulleitung hat uns Briefchen ins Fach gelegt, die bestätigen, dass wir keinen Arbeitsplatz in der Schule haben. Bei uns kann es vorkommen, dass einige Leute stehen müssen, wenn alle anwesend zu sein haben. Sollte das Schreiben mal suchen und mich langsam an die Arbeit machen...

  • Aus:
    http://gew.de/Die_steuerliche_…nes_Arbeitszimmers_2.html


    Zitat


    Ebenfalls konnte eine über 50 Prozent liegende Nutzung nicht eingewandt werden, da bei Lehrern nach der ständigen Rechtsprechung insgesamt die Vorbereitungs- und die Nachbereitungszeit die Zeitgrenze nicht überschritt, so dass folglich auch eine beschränkte Abzugsfähigkeit aus diesem Grund nicht einschlägig war.


    Heißt auf deutsch: Wer pro Woche mehr als 23,5 Zeitstunden mit Korrekturen und Unterrichtsvor- und -nachbereitung verbringt (bei einer angenommenen 47 Stunden Woche (=in der Ferien NIX tun)), der macht definitiv etwas falsch. Warum nicht einfach akzeptieren und umsetzen, was die "ständige Rechtssprechung" über uns Lehrer und Lehrerinnen postuliert?


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Zitat

    Original von Dalyna
    Bei uns kann es vorkommen, dass einige Leute stehen müssen, wenn alle anwesend zu sein haben.


    Ist bei uns auch so, da haben im Lehrerzimmer nicht mal alle einen eigenen Platz.


    Maria, die es brennend interessieren würde, ob solche alten und "verwatzten" Stühle wie sie im Lehrerzimmer stehen nach DIN-Norm überhaupt zulässig sind.

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Tröstet euch. Mein Papa arbeitet einem großen Mobilfunkunternehmen und hat seit dem Umzug auch kein eigenes Büro geschweigedenn einen eigenen Schreibtisch mehr. Jetzt arbeitet er halt im Auto... Das Auto allerdings hat nur einen Sitz, der Rest geht für Werkzeug drauf. Es geht also nicht nur euch/uns so...


    Viele Grüße,
    Maren

  • Hallo Maren,


    wenn ich an Stelle deines Vaters wäre, würde ich mich ziemlich ärgern über diese Art der Rationalisierung.


    Allerdings ist die Problematik, die in diesem thread angesprochen wird, eine umfassendere. Es geht um Setzungen, die von staatlicher Seite vorgenommen werden und die dazu führen, dass beruflich notwendige Ausgaben vom Lehrer selbst getätigt werden müssen (vulgo: unser Arbeitszimmer finanzieren wir nach aktueller Rechtslage selbst), welche jegliche berufliche Realität der Lehrer ignorieren (an den meisten Schulen existiert nicht in Ansätzen eine Infrastruktur, die es erlauben würde, dort zu arbeiten, wie denn auch an meinem Gymnasium z.B., dort haben wir über ein Drittel mehr Schüler als noch vor 20 Jahren und entsprechend mehr Lehrer, an der Raumsituation hat sich nichts geändert.).


    Darauf spielt ja auch das verlinkte Filmchen an, das auch bei uns spielen könnte.


    Ich persönlich würde heute nie und nimmer Lehrer werden, es ist erlaubt, dass Schüler einen bei spickmich nach Belieben durch den Kakao ziehen (wobei mich die Tatsache stört, dass dies rechtens ist, meine Beurteilung dort ist mir ziemlich gleich), berufliche Ausgaben hat man aus eigener Tasche zu begleichen. Mit diesem Berufsstand kann man es anscheinend machen.


    Maria (der Ferien anscheinend nicht gut tun)


    EDIT: Das Argument, dass es in anderen Berufszweigen auch keine festen Arbeitsplätze gibt und auf das Bolzi oben anspielt, habe ich auch schon oft gehört. Allerdings hätte ich dann in der Schule gerne meinen Rollcontainer und meinen von der Schule finanzierten Laptop wie das in solchen Settings üblich ist.

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

    Einmal editiert, zuletzt von Maria Leticia ()

  • Hallo Maria!

    Zitat

    an den meisten Schulen existiert nicht in Ansätzen eine Infrastruktur, die es erlauben würde, dort zu arbeiten, wie denn auch an meinem Gymnasium z.B., dort haben wir über ein Drittel mehr Schüler als noch vor 20 Jahren und entsprechend mehr Lehrer, an der Raumsituation hat sich nichts geändert


    So kenne ich es auch von meiner Praktikumsschule. Da hatte auch nicht jeder seinen eigenen Platz im Lehrerzimmer, was aber wohl auch damit zusammenhing, dass die Schule noch eine Zweigstelle hatte und die Lehrer in den Pausen meist gependelt sind. Das Filmchen übrigens find ich ziemlich beunruhigend, könnte aber auch an meiner Praktikumsschule gespielt haben. Aber wenigestens gab es bei uns genug Computer und mehr als einen Kopierer. ;) Was natürlich nicht heißt, dass das immer funkioniert...
    Ich kann euren Ärger also durchaus verstehen... und mir wird es ja irgendwann mal nicht anders gehen. Obwohl... wer weiß, ob es noch Schulen gibt, wenn ich fertig bin. :D


    Gruß,
    Maren

  • Hm, selbst WENN es irgendwann so wäre, dass man als Lehrer endlich einen richtigen Arbeitsplatz in der Schule hat, an dem man vernünftig arbeiten könnte ...



    ... würde ich dort nicht arbeiten wollen.
    Denn der Vorteil des Lehrerberufes ist es meiner Meinung nach, dass man seine Zeit "nach Belieben" einteilen kann.
    Ich möchte meine Klassenarbeiten dann korrigieren, wann ich will. Notfalls nachts um 1 Uhr.
    Diese Freiheit habe ich nciht mehr, wenn ich im Lehrerzimmer / Arbeitszimmer in der Schule arbeiten würde. Denn dort würde irgendwann ein Hausmeister hinter mir stehen und fragen, ob ich nicht um 19 Uhr mal das Gebäude verlassen möchte. ;)


    Und wenn ich mich bei mir im Kollegium umschaue, dann kenne ich viele, die ebenso denken. (Kollegen die zu den unmöglichsten Zeiten (Sonntag morgens um 5 oder so) ihre Arbeiten korrigieren und ihre Vorbereitungen machen. Aber nachmittags lieber *frei* haben.)


    Da ist es mir so lieber. Auch wenn ich mein Arbeitszimmer nicht absetzen kann.


    kl. gr. Frosch

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