Toilettengang

  • Vielleicht ein banales Thema, aber:


    Wie wird das in eurer Schule mit Toilettengängen im Unterricht gehandhabt (Sek.I !!)? Wir müssen die Schüler gehen lassen (steht in der Schulordnung) was mich tierisch nervt. Klar verlangt die Natur ab und zu ihr Recht, vielleicht auch einmal im Unterricht, und keiner möchte, dass es in die Hosen geht. Aber ich habe das Gefühl, dass das so ausgenutzt wird, weil die Schüler eben wissen, dass wir nichts machen können. In den Klassen 5 - 7 erlebe ich fast keine Stunde in der nicht 3 Schüler aufs Klo rennen und meist sind es die gleichen (ich unterstelle, dass sie sich einfach eine Auszeit nehmen, ab und zu sogar verabreden, aber zumindest die Pausen anderweitig nutzen da sie das ja dann in der Stunde erledigen können). Und wenn sie mal nur leise gehen und wieder kommen würden! Aber da wird am Weg noch einer angesprochen, angerempelt oder die federmappe runter geschmissen - das stört unglaublich.


    Warum ich gerade heute darüber so erbost bin: Gerade wurde ich belehrt, dass ich sie auch während der Klassenarbeit gehen lassen muss!! Ich hatte das immer verboten. Wer weiß was da liegt (Mappe, Vokabelheft, handy) und ich kann es ja nicht kontrollieren, also kam es mir nur logisch vor, dass man während der Arbeit eben mal nicht geht, bzw. erst wenn man abgegeben hat. Das hat gestern leider dazu geführt, dass ein Schüler nach 5 min abgegeben hat und die Arbeit natürlich 6 ist. Das tut mir einerseits leid, andererseits war ich schon in der Pause da und habe sie erinnert aufs Klo zu gehen - mahr kann ich ja wohl auch nicht machen. Aber wenn man es im Alltag nicht üben kann / darf, mal 45 Minuten durchzuhalten, dann ist es doch kein WUnder, dass es bei der Arbeit nicht klappt! X(


    So, jetzt habe ich mir etwas Luft gemacht. Wie ist es bei euch an der Schule? Darf man gehen? Auch bei Arbeiten? Gibt es Konsequenzen?


    Ich bin gespannt :)

  • Schüler gehen bei mir grundsätzlich nur einzeln. Man kann auch von einem älternen Schüler erwarten, dass er sich seine Pausen so organisiert, dass er in der Stunde nicht laufen muss. Wenn es mal passiert, ok (wobei es mir in 8 Jahren Schuldienst bisher noch nie passiert ist, dass ich in der Stunde musste, aber kann ja noch kommen). Wenn es ständig passiert, würde ich das sicher nicht hinnehmen.
    Verbieten ist in der tat problematisch. Bei Schülern, die hartnäckig auf wiederholte Toilettengänge bestehen, hat man meiner Meinung nach zwei realistische Möglichkeiten:
    1. Anruf bei den Eltern und der Hinweis, dass der Nachwuchs offensichtlich ein medizinisches Problem hat, inclusive eines ausführlichen Beratungsgespräches über Behandlungsoptionen. Man kann den Eltern ja mal einen Besuch beim Urologen nahelegen.
    2. Wenn das nicht Hilft (und insbesondere bei Schülern, die dabei auchnoch stören), dem Schüler sagen, dass man keine weiteren Toilettengänge mehr wünscht, wenn er trotzdem geht, weil es nicht mehr anders geht, hat er anschließend nicht mehr in den Unterricht zurück zu gehen, sondern im Sekretariat auf das Stundenende zu warten, damit die Klasse zumindest nicht zweimal gestört wird.


    Wobei: dass man Toilettengänge nicht verbietet, ist grundsätzlich sicher Richtig, dass man ein "Recht auf Toilettengang" aber darüber hinaus auch noch schriftlich in der Schulordnung verankert, ist mir unverständlich, das grenzt ja schon an Aufforderung.

  • Danke schon mal für deine Tipps. An Eltern anrufen habe ich auch schon gedacht (die sind da oft leider wenig unterstützend), Möglichkeit 2 gefällt mir für Extremfälle aber auch ganz gut.


    Bei mir gehen sie natürlich auch nur einzeln! Verabreden sich aber ab und an mit Schülern anderer Klassen - so kommt es mir zumindets vor :S . Das mit der Schulordnung dachte ich mir auch schon, wusste aber einfach nicht, ob das vielleicht üblich ist...

  • Vor meiner Zeit als "Grundschultante" hatte ich an der Sek 1 ähnliche Probleme. Ich habe das bei den hartnäckigen Fällen so gelöst: Sie durften natürlich auf Toilette, aber stets alleine. Die dadurch versäumte Zeit musste nachgearbeitet werden. Das war am Anfang wirklich anstrengend, hat aber dazu geführt, dass ich merklich weniger "Toiletten-Kids" hatte.

    • Offizieller Beitrag

    Toilettengang ist kein Rudelverhalten!!
    Also gehen die SuS bei mir nur einzeln. Mit Reihenfolge, falls 2 gemeinsam gehen wollen. Und siehe da, wundersamerweise vergeht dann der Drang bei dem Einen oder Anderen genauso plötzlich, wie er entstanden ist :D


    Bei einem hartnäckigen Stundenpinkler habe ich mich mal äußerst besorgt gegeben und dringend den gang zum Urologen empfohlen. "Das macht mir langsam wirklich Sorgen. Mit deiner Blase scheint was im Argen zu sein. Da wäre es gut, dass deine Eltern Bescheid wissen und einen Termin beim Urologen ausmachen." Mit Andeutungen über die segensreichen medizinischen Erkenntnisse mittels einer Blasenspiegelung setzte dann auch ein erfreulicher spontaner Selbstheilungsprozess ein :D:D


    Während einer Schulaufgabe darf kein Schüler austreten, wobei ich nicht weiß, wie das bei längeren Klasusuren gehandhabt wird.

  • Ich mache - allerdings in der Sek II - die Erlaubnis eines Toilettengangs davon abhängig, in welcher Phase wir uns befinden. Grundsätzlich dürfen die SuS nur einzeln während Gruppenarbeitsphasen gehen. Beim Einstieg oder in Plenumsphasen würde der Schüler wichtige Inhalte verpassen und ich vertröste ihn auf die Pause oder die anschließende Gruppenarbeit.


    Das klappt bisher ganz gut. Wenn jemand dennoch auf sein Recht besteht, verlange ich ein ärztliches Attest über ein Blasenleiden. Bisher klappt das eigentlich ganz gut.

  • Mal ne blöde Frage: Gilt das Recht auf Toilettengang in ganz Niedersachsen? Bin gerade hier her gezogen und fange ab Sommer an einer Schule an. In NRW weiß ich, dass in Klausuren keiner gehen durfte, wobei da die Dauer der Klasur ausschlaggebend war. In der Stunde lag es im Ermessen des Lehrers ob der Schüler durfte und ich hab meistens nein gesagt.

    LG Orasa :D

    8) Heitere Lehrer verändern die Welt.

  • Ich würde fast vermuten, dass es sich um ein Grundrecht handelt, auf Toilette gehen zu dürfen, das nur z.B. im Gefängnis beschnitten werden darf.

  • Danke schon mal für die Antworten. Scheint also bei euch nicht ganz so ein Problem zu sein.


    Ich kann nur wiederholen, dass auch meine SuS selbstverständlich nur einzeln gehen - trotzdem scheint es Spaß zu machen. Vielleicht liegt es auch daran (und das habe ich noch gar nicht erwähnt), dass bei uns die Klos nicht im Schulgebäude sind sondern einmal übern Hof in einem extra Gebäude. Vielleicht ist das der besondere Reiz einmal über den Hof zu laufen (= Bewegung und man kann auch mal schauen, was sich da so tut, wer wo rausgeflogen ist... ) :evil: Was dann da drin abgeht hört kein Mensch und bei den größeren (H9 und so) habe ich auch mal den Veracht, dass sie da rauchen. Aber ich kann ja während des Unterrichts nicht nachschauen X(


    Ich tendiere dazu, es so zu lösen wie es Moebius vorgeschlgen hat. Erst mal Eltern und dann (falls es kein Attest vom Urologen gibt :P ) den Eltern mitteilen, dass das Kind nachher nicht mehr in den Unterricht zurück kann.

  • Ansonsten mal einen MOnat Zähne zusammenbeißen: Ankündigen, dass jeder Toilettengang gestoppt wird und diese Zeit dann in der nachfolgenden Pause (oder aber mit Aufschreiben) selbstverständlich nachgearbeitet wird - und dieses auch Durchziehen.

  • Mir hat mal eine Mutter ganz entsetzt gesagt: "Wie, mein Sohn geht während des Unterrichts zur Toilette!? Warum um Himmels willen lassen Sie ihn denn gehen, der geht zuhause stundenlang nicht!"
    Das hat mir zu denken gegeben. Schüler sind ab einem gewissen Alter biologisch genauso "stubenrein" wie Erwachsene, da ist kein Unterschied mehr. Der einzige Unterschied ist, dass Schüler einfach vergessen, dass die Pausen für Toilettengänge da sind, und mit unserer Blankoerlaubnis brauchen sie es ja auch überhaupt nicht zu bedenken.
    Seitdem gilt bei mir:
    "Ihr habt nicht während der Stunde zu gehen und basta. Wenn nun einer wirklich total und unaufschiebbar dringend doch zur Toilette gehen muss, dann muss er warten - und wenn Warten absolut nicht hilft, muss er eben trotz meines Verbots eigenmächtig hinauseilen. Den Grad der Notwendigkeit muss er dann selbst beurteilen. Wir wollen ja kein Malheur im Klassenraum."


    Mit dieser Regel können wir eigentlich alle ganz gut leben.


    Gruß


    putzi

    "I think it would be a great idea." (Mohandas Karamchand Gandhi when asked what he thought of western civilization)

  • Das hat jetzt mit der juristischen Situation nix zu tun aber argumentativ hilft bei meiner Klasse (Jgst. 7, fast nur Jungs) super, wenn ich sage, dass Ihre großen Vorbilder auf dem Fußballplatz es doch sehr regelmäßig 2x 45 Minuten aushalten ohne auf Toilette zu gehen. Dagegen fällt ihnen sehr oft nix ein, sie wollen ja alle kleine Gomez' oder Podolskis sein :D

  • Das hat jetzt mit der juristischen Situation nix zu tun aber argumentativ hilft bei meiner Klasse (Jgst. 7, fast nur Jungs) super, wenn ich sage, dass Ihre großen Vorbilder auf dem Fußballplatz es doch sehr regelmäßig 2x 45 Minuten aushalten ohne auf Toilette zu gehen. Dagegen fällt ihnen sehr oft nix ein, sie wollen ja alle kleine Gomez oder Podolskis sein.


    ... womit sie sich gerade die beiden Schwachstellen in der aktuellen Nationalmannschaft ausgesucht haben. :thumbdown:


    Übrigens würde ich als Schüler hiermit kontern: http://www.youtube.com/watch?v=CfMDNLh7AU0


    (Ganz abgesehen davon, dass ich als aktiver Fußballspieler in jeder Halbzeitpause urinieren war.)

    • Offizieller Beitrag

    Habe die Unsinnsposts gelöscht.

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

  • Ich bin etwas verwundert, wenn ich manche Beiträge hier lese ... vielleicht hatte ich bisher einfach nur Glück. Aber bei mir (und da ist es egal, ob Sek I oder II) geht jeder Schüler, der auf die Toilette muss, einfach auf die Toilette - und zwar ohne zu fragen. Die Bedingungen, unter denen diese (scheinbar ja sehr großzügige Lösung) beibehalten wird:


    - es geht immer nur eine(r)
    - es gibt kein Dauergerenne
    - es kann nicht sein, dass ich meine Uhr danach stellen kann, weil Schüler xy grundsätzlich um 11.45 auf die Toilette geht => es gibt niemanden, der grundsätzlich immer mitten in der Stunde aufs Klo geht
    - wer geht, verschwindet leise, kommt ohne zu stören so schnell wie möglich zurück, ein Toilettengang überschreitet eine bestimmte Dauer nicht
    - der Lehrer darf nicht das Gefühl bekommen, es wird ausgenutzt / der Zweck des Rausgehens ist es nicht, auf die Toilette zu gehen, sondern Pause zu machen oder Hausaufgabe abzuschreiben
    - in Prüfungssituationen (Schulaufgabe von 45 Minuten oder Stegreifaufgabe) geht KEINE(R)


    Ich hatte mit dieser Lösung in 10 Jahren nur ein einziges Mal ein Problem und das war durch einfaches Ansprechen gelöst. Evtl. wird es meist von den SuS gar nicht ausgenutzt wenn


    - sie das Gefühl haben, den Lehrer damit eben nicht ärgern zu können
    - keine Extra-Wurst einfordern zu können - es ist für jeden ganz normal möglich
    - das freundliche Angebot bei Missbrauch eben nicht mehr gilt

  • Schüler dürfen bei mir grundsätzlich auf die Toilette, da ich mich nicht in der Lage sehe "echte" von "falschen" Toilettengängen zu unterscheiden.
    Dabei gehe ich vor, wie es die Kollegen hier beschrieben haben, d.h. es gibt Unterrichtsphasen, in denen die Schüler nicht die Möglichkeit bekommen, mich um Erlaubnis zu fragen, bzw. (wenn möglich) auf später vertröstet werden. Bei notorischen und unbelehrbaren Toilettengängern im Pubertätsalter hat sich für mich bewährt, mich in der 5-Minuten-Pause demonstrativ nach der Gesundheit ihrer Blase zu erkundigen, sodass es die Umstehenden mitbekommen. Das hat bisher immer gewirkt, da sie es hochnotpeinlich fanden. Zwar nicht nett, aber wirkungsvoll.


    Das Hessische Schulgesetz schränkt übrigens einige Grundrechte (die aus dem GG) ein.

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Ich will mich nicht für die Körperausscheidungen meiner Schüler interessieren müssen - allerdings unterrichte ich auch junge Erwachsene Anfang 20.


    Nele

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