Fachleiter werden?

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich gerade neu angemeldet, um eure Meinungen zu meinen Gedanken zu hören... :)
    Ich schildere euch erstmal die Situation. Ich bin noch keine 30 und seit 1,5 Jahren ausgebildeter Lehrer. An meiner Ausbildungsschule konnte ich nach meinem Referendariat bleiben, habe eine volle Stelle mit 2 Korrekturen und einer Klassenleitung. Ich unterrichte weitestgehend mein 2. Fach, also das, woran ich ursprünglich weniger Freude hatte, in das ich mich aber gut einarbeiten konnte und das ich heute auch gerne unterrichte. Eigentlich bin ich gerne Lehrer, bin es auch aus Überzeugung geworden
    und dementsprechend ganz zufrieden mit meinem Job, wenn er natürlich
    auch manchmal etwas stressig ist. Das kennt ihr ja alle. Mit den
    Schülern komme ich weitestgehend gut klar und werde akzeptiert.


    Nun habe ich allerdings das Angebot bekommen, evtl. eine Fachleitung in meinem Lieblingsfach zu übernehmen.
    Das reizt mich, auch wenn die Arbeit eine ganz andere sein wird. Ich bin mir momentan nicht im Klaren darüber, ob es nur für diesen einen Durchgang sein soll oder generell, aber ich denke auch später könnte man sicher in die Schule zurückgehen?


    Ich frage mich allerdings, ob ich überhaupt schon kompetent genug bin. Ich habe ja noch keine Welten an Unterrichtserfahrungen... Andererseits hätte man mich wahrscheinlich nicht gefragt, wenn man es mir nicht zutrauen würde...
    Bekomme ich diese Chance vielleicht nur einmal? Bereue ich es, sollte ich sie nicht ergreifen? Motiviert und engagiert genug, um mich einzuarbeiten, bin ich sicher. Ich war schon immer sehr ehrgeizig.


    Meine Gedanken kreisen hin und her.... Ich würde mich freuen, einfach ein paar andere Meinungen und Gedanken zu dem Thema zu hören.

  • Hallo Kopetz,


    genau in dieser Situation war ich damals mit anderthalb Jahren im "richtigen" Dienst auch. :-) Es sollte ein weiteres Ausbildungsfach an einem nahe gelegenen Seminar aufgemacht werden. Unsere Schule bildet für dieses Seminar Referendare aus. Allerdings handelte es sich bei mir um mein weniger favorisiertes Fach.


    Ich schreibe dir jetzt mal was mir damals durch den Kopf ging und warum ich mich dagegen entschieden haben:
    Natürlich habe ich mich sehr geschmeichelt gefühlt, als man mir als Jungspund und sogar ohne Erfahrung in Leistungskurs oder gar Abitur so etwas zutraute. Spaß an der Betreuung von Referendaren war eh meinerseits vorhanden. Und der Gedanke nicht nur mit Kindern / Jugendlichen zu arbeiten, sondern endlich mal wieder intellektuelle Gespräche mit Erwachsenen in der Ausbildung zu führen - das reizte mich ungemein!


    Damals bin ich zum Seminarleiter gegangen und habe ihm auch meine Bedenken mit geteilt: zu jung, zu unerfahren, muss ich nebenbei viel unterrichten, muss ich viel fahren (Flächenseminar), werden er es sehr viele Referendare, für die lange ist das angelegt, kann ich wieder zurück in den "normalen" Dienst????? Fragen ohne Ende.


    Der Seminiarleiter redete das alles schön, wie ich im Nachhinein erkannt habe. Geringe Erfahrung = Sie sind noch sehr nach an der Uni und der Ausbildung dran, eine sehr gute Vorraussetzung. Nein, es würden nur wenige Refs werden und auch schön in der Nähe stationiert. Sicherlich gäbe es super Entlastung. Etc. pp.


    Ich bin dann sehr in mich gegangen und hart mit mir ins Gericht und habe dann abgesagt. Gründe dafür:
    (1) Ich hätte den Umgang mit den sehr netten Schülern vermisst.
    (2) Ich hätte mich unsicher gefühlt, wenn ich einen Ref. im Leistungskurs hätte beraten sollen ohne selbst die Erfahrung zu haben.
    (3) Ich wäre nur noch Gast mit wenigen Stunden an meiner Schule mit (damals) Super-Kollegium gewesen und nur eine Art Handlungsreisender in fremden Lehrerzimmern der Ausbildungsschulen.
    (4) Ich habe es für dieses Fach in der Ausbildung gehasst, von hinten beobachtet zu werden. Sie Fachleiterin war unfähig gut auszubilden. Details spare ich aus. Ich war froh, dass in diesem Fach, in dem ich evt. selber ausbilden sollte, ich in meinem Unterricht so arbeiten konnte wie ich wollte. Als Lehrerin und Fachleiterin an einer Ausbildungsschule wollte ich dann nicht ausgerechnet meine Referendare in meinem Unterricht haben. Trauma meines Referendariats.... i.S.v. Ich kann ja nichts, alles was ich mache ist nicht gut genug und dann soll ich das auch noch vormachen?
    (5) Damit einher: ich stand damals schon nicht 100% hinter dem, was den Refs beigebracht wird. Wie soll ich das glaubwürdig vermitteln.
    (6) Es wäre eine "Mitwirker"-Stelle gewesen, d.h. kein echter Fachleiter-Posten (besser bezahlt!), sondern lediglich eine Position, bei der ich alle Fachleiter-Aufgaben im Status einer A13-Lehrkraft zu tun gehabt hätte. Ausnutzen kann ich mich selber....


    Soweit meine sehr eigenen Überlegungen. Oh, ehe ich es vergesse: Ich habe nacher mitbekommen, dass man diverse Kollegen (noch zwei an unserer Schule und noch etliche an anderen dem Seminar angeschlossenen Ausbildungsschulen) wegen der Stelle gefragt hatte. Rüber kam es aber so, als ob ich DIE Person für die Stelle sei. Ja, ja.....


    Ich denke, jeder muss das selber wissen. Hier im Forum gibt es Fachleiter, welche dir bestimmt aus ihrer Sicht berichten werden, wieso sie diesen Job machen und ob sie das gerne tun oder nicht. :-)


    Ich für meinen Teil habe den inzwischen 7 Jahre zurückliegenden Entschluss zu keinem Zeitpunkt bereut. Kleines Schmankerln zum Schluss: Letzten Herbst wurde ich schon wieder gefragt! *gggg* Von der neuen Seminarleitung, die mich sehr gut kennt und welche ich sehr schätze. Ich habe erneut abgelehnt.


    Liebe Grüße
    Raket-O-Katz

  • Hallo Kopetz!


    Ich war auch schon mal in der gleichen Situation ("Mitwirkerstelle") wie Raket-o-katz, und meine Entscheidung war die gleiche, im Wesentlichen aus den gleichen Gründen.
    Wichtig zu bedenken ist auch, dass Du echt stressfest sein musst: Du hast dann zwar weniger Unterricht, aber dafür eben viele Ausbildertätigkeiten, und so verteilten sich die 'Baustellen' örtlich gesehen nicht nur auf Deine Schule und Deinen Schreibtisch, sondern auf viele andere Orte auch.


    Aber ich denke, wenn Du die bereits genannten Punkte bedacht hast und Du trotzdem noch Lust hast, dieses (aus meiner persönlichen Sicht) nicht ganz unbedenkliche Spiel mitzuspielen, solltest Du es tun. Man kann es ja ausprobieren, und wenn Du nicht mehr möchtest, lässt Du es halt nach einer gewissen Zeit wieder bleiben.


    Hamilkar

  • Danke für eure ausführlichen Antworten :thumbsup:
    Da stecken viele Argumente drin, die ich so auch schon teilweise angedacht habe...


    Meint ihr, man kann ohne Probleme wieder in seine Schule zurückkehren?


    Gibts auch Leute hier, die sich dafür entschieden haben? Da würde ich mich über ein paar Erfahrungen freuen, auch wenn es natürlich immer von Land zu Land unterschiedlich geregelt ist..

  • Hi Kopetz,


    ich noch mal. :-)


    Über die Suchfunktion des Forum habe ich einen Beitrag von Moderatorin Meike gefunden. Er passt zum Thema, ist aber (leider) auch wieder pessimistisch. Schau mal hier!


    Abgesehen davon wäre es sinnvoll in Erfahrung zu bringen, ob die Stelle befristet ist oder nicht. Aussteigen kannst du theoretisch immer, aber dann entsteht das Problem, dass evtl. noch Referendare in der Ausbildungs-Pipeline stecken und dann auf dem Schlauch stehen, wenn in deinem Seminar nicht noch ein Kollege im gleichen Fach ausbildet. Am mit unserer Schule verbundenen Seminar stiegt vor kurzer Zeit der Ausbilder aus, welcher "meinen" Posten genommen hat. Er konnte sich mit Wechsel an ein anderes Seminar von Mitwirker zu echtem A15-Fachleiter verbessern. Allerdings standen mit seinem Weggang Referendare ohne Ausbilder da. Deshalb suchte man krampfhaft (s.o. erneute Anfrage bei mir....) nach Ersatz. Pikant und für dich nicht ganz uninteressant für dich: an dem Seminar, zu welchem der besagte Ausbilder gewechselt ist, wurde die Ausbildund in diesem Fach von zwei Mitwirkenden gewuppt. Beide (!) haben mit Bekanntwerden des Kommens dieses Fachleiters ihren Mitwirkerjob hingeschmissen. Persönliche Animositäten. Aber siehste, man kann raus, wenn man will. *ggg*


    Grüße
    Raket-O-Katz

  • @ chilipaprika:
    Für die Refs besteht kein Unterschied.
    Für den Ausbilder bedeutet das Status als Fachleiter jedoch, dass er A15 bekommt. Das ist schon nicht unerheblich im Vergleich zu A13 für den Mitwirker, welcher bei gleicher Leistung, gleicher Verantwortung, gleicher Arbeit deutlich weniger verdient. Mitwirker sind sozusagen ein Sparmodell. Sinnvoll, vielleicht, wenn sehr viele Refs vorhanden sind und kurzfristig Ausbilder her müssen, aber langfristig ist es Ausnutzung der Lehrer, die als Mitwirker arbeiten.


    Grüße
    Raket-O-Katz

  • Man sollte bei der Entscheidung aber auch bedenken, dass der Gehaltssprung von A13 auf A15 nicht für Sek1 gilt. Dort bleibt man bei A12 (in NRW) und erhält lediglich eine monatliche Aufwandsentschädigung, die kaum der Rede wert ist.


    Ich habe mit diesem Gedanken auch schon mal gespielt.

    Freundlichkeit ist kostenlos, aber niemals umsonst.

  • Genau, es gibt wohl 76,69€ pro Monat brutto mehr. Was dabei netto rausspringt... *hust
    In NRW ist der Fachleiter kein Beförderungsposten... Zumindest für Sek1 nicht. In der Sek2 durchaus. Ich würde bei A12 bleiben und Geldmässig großartige Veränderung haben...

  • Was wird denn bei euch unter "Fachleitung" verstanden? Bei uns geht es da im Wesentlichen um die Leitung der Fachschaftssitzungen, die Durchsicht der Leistungsnachweise und die Beratung der Schulleitung im entspr. Fachbereich. Das ist eigentlich ein ganz lockerer Job, zumal der Fachschaftsleiter bei uns kein Vorgesetzter ist, für seine Kollegen also eher Berater und primus inter parens ist. Wenn du fachlich gut bist, bereit bist, dich in die Themenbereiche einzuarbeiten, die du selber noch nicht unterrichtet hast und Freude an der Arbeit hast, dann mach's.


    Wenn Fachleiter bei euch was völlig anderes ist als bei uns, dann ignorier einfach, was da oben steht ;-)

  • Scooby, in vielen Bundesländern ist Fachleiter der Begriff für die Ausbilder der Referendare, eine mit A15 dotierte Stelle ... da liegt der Gehaltssprung bei etwa 500 Euro brutto.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Genau, in NRW ist der Fachleiter quasi der Seminarausbilder für Lehramtsanwärter in einem Fach.
    Da ich sogar "nur" in A 12 bin und Gy/Ge - Fachleiter tatsächlich A15 bekommen können, macht das teilweise bis zu 1300€ aus...

  • Da ich sogar "nur" in A 12 bin und Gy/Ge - Fachleiter tatsächlich A15 bekommen können, macht das teilweise bis zu 1300€ aus...

    1300 Euro mehr? Machs! Du schreibst über den Fachleiter Posten:

    Zitat


    Motiviert und engagiert genug, um mich einzuarbeiten, bin ich sicher. Ich war schon immer sehr ehrgeizig.

    Anders wäre es, wenn Du im Zweifel wärst, ob Du das überhaupt von der Tätigkeit her möchtest. Wenn Du da motiviert bist, dann sag bei 1300 Euro mehr nicht nein. Ist meine Meinung!

  • @ silicium:


    Wenn der Threadersteller, wie in seinem Profi angegeben, Sek1-Lehrer ist, dann gilt dieser Gehaltsprung nicht für ihn. Den gibt es nur bei Gym/Ges. Fachleiter. Bei Sek1 gibt es nur 76,69€ brutto mehr. Be Sek1 gibt es keine Beförderung dabei.

    Freundlichkeit ist kostenlos, aber niemals umsonst.

  • Oh tut mir leid, dann habe ich den TE falsch verstanden! Ich hatte seinen letzten post gelesen und dachte er wollte damit sagen, dass er von seiner A12 Stelle auf A15 wechseln und dadurch 1300 Euro mehr verdienen kann.


    Bei Sek1 gibt es nur 76,69€ brutto mehr.

    Naja, dann wäre die Entscheidung für mich auch klar! Unter der Prämisse, dass die Fachleiterposition mehr Arbeit und viel Herumfahrerei bedeutet, fände ich die Aufwandsentschädigung mehr als lächerlich. Dann würde ich ganz klar sagen: Finger weg von der Stelle! Aber auch das nur meine Meinung.


    Bin gespannt, wie sich der TE entscheidet.

  • Danke für all eure Gedanken und Anstöße :-)
    Ich habe mich dagegen entschieden. Die Gründe sind ähnlich wie bei den anderen Posts, die ja auch schon dagegen sprachen.


    Ich bin jetzt endlich fertig - darf Schüler unterrichten und und und... Das war, was ich wollte und das möchte ich nun erstmal tun.
    Außerdem finde ich, dass ich zu wenig Erfahrung habe. Das Weiterleiten von Referendaren à la "Fragen Sie mal Herrn.../Frau..." ist für mich nicht erfüllend. Wenn, dann möchte ich es gut machen und nicht nur so gut es derzeit geht.
    Dann fühle ich mich in meinem Kollegium super wohl, hätte aber nur noch eine halbe Stelle. Gut, das wäre nicht das Schlimmste, aber die Korrekturen hätte ich nach wie vor, genau wie die Vorbereitung - neben der Vorbereitung im Seminar...
    Und zuguterletzt ist es finanziell einfach lächerlich, was dabei raus springt.
    Wer gerne was Neues machen möchte oder nicht mehr der sein will, der Fragen stellt, sondern derjenige, der gefragt wird, für den ist das bestimmt ein toller Job. Momentan ist es das für mich aber nicht. Sollte sich das mal ändern, kann ich mich ja immer noch bewerben ;-)

  • Der Thread ist schon alt, aber dank Suchfunktion bin ich drauf gekommen.


    Mir stellt sich die Frage, wann man überhaupt Fachleiter werden kann. In Ausschreibungen in NRW liest man folgendes: "Es können nur Lehrkräfte berücksichtigt werden, deren Dienstzeit nach Lebenszeitverbeamtung mindestens 4 Jahre oder nach Verleihung eines Amtes der Besoldungsgruppe A 14 drei Jahre beträgt & 40 § 28 LVO"


    Ich hatte immer gedacht, die 4 Jahre bezieht sich auf die Einstellung, also 3 Jahre Probezeit + 1 Jahr bei normaler Bewertung. Scheint hier jetzt anders zu sein, oder?


    Beste Grüße


    StatistNr27

  • Bist du dir da sicher? Ich habe gerade mal selbst in Stella reingeschaut und dort ist eigentlich immer die Rede von "Probezeit beendet oder bereits ein Amt der Besoldungsgruppe A14 innehaben".

  • Bist du dir da sicher? Ich habe gerade mal selbst in Stella reingeschaut und dort ist eigentlich immer die Rede von "Probezeit beendet oder bereits ein Amt der Besoldungsgruppe A14 innehaben".

    Eine bekannte Fachleitung hat mir noch vor ein paar Monaten erzählt (wir sind zufällig auf das Thema gekommen) dass mindestens 7 Jahre (probezeit + 4 Jahre) zu erfüllen sind.

Werbung