Lehrer werden

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich gerne Lehrerin werden möchte und mich eine Frage beschäftigt, auf die ich im Internet sonst keine richtige Antwort finde.


    Ich bin gerade in der 12. und wollte zum Wintersemester Lehramt studieren. Nun habe ich aber das Problem, dass ich einige Narben von früherer Selbstverletzung habe. Das Problem besteht nicht mehr, ich habe eine Therapie gemacht und bin vollkommen stabil. Leider werden die Narben nicht mehr verschwinden und ich frage mich, ob ich dennoch den Lehrerberuf ausüben kann/darf. Es ist ein großer Wunsch für mich, diesen Beruf anzutreten. Gibt es irgendwelche Regelungen, die mir das verbieten könnten? Oder irgendwelche anderen Schwierigkeiten, die auftreten könnten, wenn ich trotz der Narben Lehrer werden will?
    Ich weiß, dass es anstrengend ist Lehrer zu sein, meine psychischen Erkrankungen habe ich allerdings lange hinter mir und bin mir sicher, dass ich solche Belastungen aushalten kann, falls es daran Zweifel geben sollte ;)


    Ich danke schon mal für Antworten :)



    LG
    Ruffian

  • Hallo,


    was die Narben betrifft, sehe ich keinen Grund, wieso du deshalb nicht Lehrerin werden könntest. Ob du mit dem Thema offen umgehst, oder ausschließlich langärmelige Klamotten trägst, kannst du zur gegebenen Zeit entscheiden. Und die ist sicher nicht jetzt.


    Ansonsten sei dir bitte bewusst, dass Lehrer ein sehr anstrengender (in mehrerlei Hinsicht) Beruf sein kann. Nicht um sonst leiden viele Kollegen unter Burnout und dergleichen. Hinterfrage, warum du Lehrerin werden möchtest. Aus Schülerperspektive mag das eventuell "lässig" aussehen. Um 13 Uhr Schluss und danach ins Schwimmbad. Glaub mir, so ist es nicht.


    Grüße,
    Mrs Pace

  • Danke sehr für die Antwort :)


    Der Belastung in diesem Beruf bin ich mir bewusst und ich habe mir das auch schon gründlich überlegt, ich denke aber, dass es der richtige Beruf für mich ist und mir Freude bringen wird :)


    Es gibt ja auch so einen Gesundheitscheck, den man machen muss bevor man Lehrer werden kann. Ist dieser denn sehr streng oder reicht es auch, wenn man aussagt, dass alles in Ordnung ist? Ich habe da etwas die Sorge, erst jahrelang zu studieren und dann Probleme bei der Einstellung zu haben.


    LG
    Ruffian

  • Selbst wenn du den "Gesundheitscheck" nicht "bestehst", kannst du als angestellte Lehrerin arbeiten. Davon würde ich es nicht abhängig machen.


    Dass du sagst, alles sei in Ordnung, reicht nicht. Du musst deine gesamte Krankheitsgeschichte offen legen. Wenn du da was verschweigst und es kommt hinterher raus, kostet dich das zumindest den Beamtenstatus.


    Wieso möchtest du Lehrerin werden? Was glaubst du, wird dir an dem Beruf Freude bereiten?

  • Als angestellter lehrer arbeiten und dafür 5 Jahre studium(wenn man es in der Regelstudienzeit schafft) plus 1,5 Jahre Referendariat. Ob sich der Lohn da lohnt weiss ich als Lehramtsstudent auch nicht.

  • Wenn du dir sicher bist, dass du stabil bist- warum solltest du dir deinen Berufswunsch nicht erfüllen können ?
    Als ich eingestellt wurde, wurde nur mein körperlicher Gesundheitszustand überprüft- nicht mein geistiger (hätten sie mal besser - kleiner Scherz )
    Insofern dürfte eine Einstellung kein Problem sein. Du kannst dich sicher gut in Schüler reinversetzen, die das gleiche Problem haben wie du.
    Das kann dich erfüllen - oder sehr belasten. Pass also auf.

    "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.

  • @ Mrs. Pace:


    Ich habe einfach Spaß daran jemandem etwas beizubringen, Dinge zu erklären und mit Menschen zusammen zu arbeiten. Ich brauche einen Beruf im sozialen Bereich und ich kann mir mich selbst als Lehrer einfach gut vorstellen :) Ich glaube, ich hätte auch Spaß daran Klausuren zu korrigieren und Wissen weiterzugeben :) Das ist mehr oder weniger die Motivation dahinter.
    Muss man denn den Gesundheitscheck nur machen, wenn man sich verbeamten lassen will oder auch wenn man nur Angestellter ist? :)


    Okay, das alles beruhigt mich schon etwas :) Wenn es an sich also kein Problem werden sollte, dann freue ich mich :)


    Und an Panama: Da hast du recht. Sowas kann einen wirklich belasten, gerade wenn man es selbst durchhat. Ich kann mich aber inzwischen gut abgrenzen und habe kein Problem mehr damit jemandem damit zu helfen, der das auch hat :)
    Danke sehr für die lieben Antworten :)

  • Angestellte im öffentlichen Dienst werden auch amtsärztlich untersucht. Aber Kranksein ist in jedem Beruf schlecht, ich würde die Berufswahl von so etwas gar nicht abhängig machen - höchstens davon, ob einen der Beruf selbst krank macht oder machen könnte. Auch das ist oft schwer absehbar. Will sagen: Folge deinem Herzen - wenn du das wirklich willst, wird es schon gehen.

  • Ob du dich abgrenzen kannst weißt du erst, wenn du damit erneut konfrontiert wirst. Das dachte ich nämlich auch. Mein Vater war alkoholabhängig. Alles kein Problem, bis ich das Problem im Klassenzimmer sitzen hatte......
    und das nach fast 20 Jahren Berufserfahrung. Insofern...... sei einfach wachsam und achtsam mit dir selbst. Glaub mir: Das wird IMMER in dir stecken. Wenn du im Ernstfall nicht aufpasst, hast du ein Problem.
    Ich habe in letzter Sekunde verhindert, dass dieses Problem zu meinem eigenen wurde und ich mich zu sehr reingesteigert hätte. Seither weiß ich: Brennpunktschulen könnte ich nicht. Spätestens nach 5 Jahren würde das mein ganz persönliches Aus bedeuten. Denn dort gibt es mehr als genug Alkoholiker-Kinder. Die KÖNNTE ich gar nicht alle retten. Ich würde es aber definitiv versuchen.


    Panama

    "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.

  • Ich bitte euch: Der Threadsteller ist in der 12. Klasse, also gerade mal 18. Momentan liegt der erste Amtsarztbesuch noch in weiter Ferne für ihn; ich denke, da sind andere Gedanken erstmal wichtiger.


    Ruffian: Schreib Dich für Dein präferiertes Lehramt und Deine präferierten Fächer ein. Mach, was Dir Freude bereitet! Wenn Du während des Studiums merkst, dass dieser Beruf doch nicht das Gelbe vom Ei für Dich ist oder das von Dir angestrebte Lehramt doch nicht zu Dir passt, dann wechsle das Fach / die Studienrichtung! Du hast mit Deinen 18 Jahren Zeit, Dich auszuprobieren. Zwar nicht unendlich, aber doch einige.


    Mit dem Lehrberuf wählst Du den tollsten Job der Welt, aber gleichzeitig auch einen der anstrengendsten. Was genau das für Anstrengungen sind, musst Du tatsächlich für Dich selbst herausfinden, denn die können einfach völlig individuell sein. Manch einen stressen die Korrekturen, den anderen die Vor- und Nachbereitungen, der eine mag das hierarchische System Schule nicht, der andere stöhnt wegen Elterngesprächen, ... Da gibt es so vielschichtige Gründe, warum dieser Beruf anstrengend und nervenaufreibend sein kann.


    Was ich Dir sehr ans Herz lege, bevor Du Dich für das Studium entscheidest, ist, mit Kindern erstmal regelmäßig zu arbeiten. Sei es bei den Pfadfindern, dem CVJM, in einer Jugendgruppe des Tierheims, auf Stadterholung, etc.
    Fang jetzt schon damit an, zieh das für mindestens ein Jahr durch, besser sind zwei. Zwar ist diese Arbeit nicht mit dem Lehrberuf vergleichbar, doch merkst Du sehr schnell, ob Dir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Freude bereitet - denn das ist nun mal eine nicht unerhebliche Grundvoraussetzung für unseren Beruf.

    I wonder which mistake I'm going to try to learn from today.

  • Hallo Seven :)
    danke für die ausführliche Antwort. :)
    18 bin ich leider nicht mehr sondern 22. Grund ist, dass ich mal eine Auszeit genommen hatte und dann wieder einsteigen durfte.
    Und auch danke für die Tips :) Ich werde versuchen neben dem Studium Erfahrungen mit Kindern zu sammeln. Mit 22 kann ich mir nicht so wirklich Wartesemester erlauben. Wenn ich noch 18 wäre, dann würde ich wahrscheinlich ein FSJ machen und dabei gucken wie ich mit Kindern klar komme. So werde ich das wohl nebenbei oder in den Semesterferien machen.


    Liebe Grüße


    Ruffian

  • Welche Schulstufe überhaupt? Ob jetzt Jugendarbeit so eminent wichtig ist, bezweifle ich zwar. Aber wer es machen will, soll es tun. Für mich steht und fällt eine Person als Lehrer, ob er in der Lage ist vor 30 Leuten zu stehen und eine Autorität ausstrahlen kann. Wer das nicht hat, ist nicht gemacht für 40 Jahre Lehrerdasein. Das Fachliche und Didaktische steht dabei natürlich außer Frage.


    Das ist die Frage die nur du für dich selbst beantworten kannst.

  • Am besten die Praxis in der Schule angucken, denn die hat mit Theorie und "ich würde gerne unterrichten" nicht mehr viel zu tun, gerade nach Schulform und Schulort.


    Sollten die Schüler dafür herhalten, um irgendwelche Selbstwertdefizite zu kompensieren oder weil die kleinen Kinder alle "so lieb und nett sind" und ihren Lehrer "ganz toll finden", kann ich auch davon nur abraten.
    Letzteres habe ich oft gerade von Grundschullehrern als Motivationsgrund gehört.

  • Ich denke, viele Leute haben falsche Vorstellungen von dem Beruf, den sie ergreifen wollen. Woher soll man das auch so genau wissen? Dann muss man seine Vorstellungen eben korrigieren, früher oder später. Wenn man wirklich vollkommen falsch ist, muss man sich halt was anderes überlegen, das ist nichts Ungewöhnliches. Das sehen wir doch täglich, dass jeder seine Erfahrungen selbst machen muss.

  • In NRW hat mich nie jemand zum Amtsarzt geschickt bis zur Verbeamtung auf Probe (ÖD in Kirche, Uni und Schule), aber vielleicht sehen das manche Bundesländer anders?

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • das wäre mir neu

    Jepp, auch in Berlin! Mit :autsch: Amtsärztin. Die nicht in der Lage war, den Befund des Lungenfacharztes zu lesen und mich dafür angemotzt hat.

    Klassenregel Nr. 17: "Niemand lecke am Würstchen des anderen."

    Klassenregel Nr. 20: "Ich helfe anderen beim Angeln."

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