Gamification im Unterricht

  • wieso denn das? Du brauchst doch "nur" W-LAN im Klassenzimmer und kannst bequem auf deinem Notebook/Smartphone etc. die Sache verwalten. Man beamt sich ja nicht aus der Realität, wenn man ins Internet geht und ein Programm benutzt. Ist ja im Grunde nix anderes als ein etwas anderer Organizer.

    Kommerzielles Programm (selbst wenn man lediglich die free-to-play-Version nutzen würde, wäre das immer noch ein kommerzieller Anbieter, der konstanten Datenzugriff hat), in dass ich ungeschützt und konstant unter Umständen recht detaillierte Rückmeldungen zu Schülerverhalten eingebe und diese dem Anbieter zur Nutzung zur Verfügung stelle. Das sind Datenschutzprobleme vom Feinsten. Hinzu kommt, dass ich, würde ich als Lehrkraft meine Notengebung ausschließlich programmbasiert durchführen, vollständig darauf angewiesen wäre, dass deren Server zuverlässig arbeiten und meine Informationen nicht verfälscht werden. Notentransparenz und echtes Feedback sind nebenbei bemerkt für mich etwas anderes, als Ingame-Belohnungen zu setzen.

    Was man für pädagogisch vertretbar hält oder nicht, kann ja jeder für sich selbst entscheiden. Zu irgendwas wird man seine SuS letztlich immer zwingen müssen. Und wenn ein onlinesüchtiger Schüler nun plötzlich süchtig nach z.B. "Classcraft" wird... man stelle sich vor, wie aktiv der dann plötzlich am Unterrichtsgeschehen teilnimmt. Das wäre doch mal eine tolle Suchtumlenkung!

    Das ist keine "Suchtumlenkung" sondern Förderung der Sucht oder würdest du es als Suchtumlenkung betrachten, wenn du einen Sexsüchtigen zur Spielsucht als Alternativverhalten führst, dem Alkoholiker statt des Wodkas den Tequila reichen etc.? Ein onlinesüchtiger Schüler benötigt elterliche und ggf.auch therapeutische Hilfe, nicht weitere Förderung des Suchtverhaltens. Denk bitte mal nach, was du hier schreibst. Das grenzt gerade an eine pädagogische Bankrotterklärung, was du völlig unverständlicherweise von dir gibst. Wenn du Classcraft als Mittel oder Gamification als Ansatz verteidigen möchtest, dann bitte mit Argumenten, mit denen du dir nicht selbst die Legitimation als Lehrkraft nimmst.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Das ist keine "Suchtumlenkung" sondern Förderung der Sucht oder würdest du es als Suchtumlenkung betrachten, wenn du einen Sexsüchtigen zur Spielsucht als Alternativverhalten führst, dem Alkoholiker statt des Wodkas den Tequila reichen etc.? Ein onlinesüchtiger Schüler benötigt elterliche und ggf.auch therapeutische Hilfe, nicht weitere Förderung des Suchtverhaltens. Denk bitte mal nach, was du hier schreibst. Das grenzt gerade an eine pädagogische Bankrotterklärung, was du völlig unverständlicherweise von dir gibst. Wenn du Classcraft als Mittel oder Gamification als Ansatz verteidigen möchtest, dann bitte mit Argumenten, mit denen du dir nicht selbst die Legitimation als Lehrkraft nimmst.


    Hallo CDL,


    aus meiner Sicht stellt sich das gerade so dar, dass sehr viele Leute hier irgendwie gegen den Einsatz digitaler Medien im Unterricht eingestellt sind und dabei so ziemlich jedes Argument recht scheint. Es ist doch schon haarsträubend, Onlinesucht überhaupt mit einem harmlosen Belohnungssystem, das noch dazu von Lehrkräften seit Jahren in der Praxis eingesetzt wird, in Verbindung zu bringen. Und jetzt noch China - demnächst bin ich noch am Kommunismus schuld. Wenn ich dann diese Haltung parodiere, ist das sogleich eine "pädagogische Bankrotterklärung".


    Ich wollte hier nur mit bester Absicht diesem Ansatz etwas Positives abgewinnen und Gedanken dazu in der Diskussion beisteuern. Nun werde ich harsch angegangen, die Anti-Digital-Fraktion bejubelt sich wechselseitig (Belohnungssystem lässt grüßen) und ich gehe mal wieder seit vielen Beiträgen leer aus. Dabei sind sie nur in der besten Absicht verfasst und haben mir bis vorhin auch noch großen Spaß bereitet.


    Der ist mir nun freilich komplett im Hals stecken geblieben. Ich bin hier für heute Abend erst mal raus, das ist glaube ich höchste Zeit. Der Gruppendynamik hier habe ich nichts entgegen zu setzen.


    der Buntflieger

  • Was man für pädagogisch vertretbar hält oder nicht, kann ja jeder für sich selbst entscheiden. Zu irgendwas wird man seine SuS letztlich immer zwingen müssen. Und wenn ein onlinesüchtiger Schüler nun plötzlich süchtig nach z.B. "Classcraft" wird... man stelle sich vor, wie aktiv der dann plötzlich am Unterrichtsgeschehen teilnimmt. Das wäre doch mal eine tolle Suchtumlenkung!


    der Buntflieger


    Dem ersten Satz stimme ich noch zu - ähnliches habe ich ja auch bereits geschrieben.
    Was den Rest angeht, lieber Buntflieger, so finde ich diese Aussage mehr als bedenklich. Wärst Du der Lehrer eines meiner Kinder und würdest mir dies als Begründung für den Einsatz von Classcraft oder Gamification im Allgemeinen liefern, hättest Du Dich für mich als Pädagoge endgültig disqualifiziert. Ich hätte Deine Aussage darüber hinaus als verantwortungslos empfunden.

  • Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu einer "Anti-Digital-Fraktion". Technikaffin zu sein, bedeutet aber halt nicht unkritisch einen neuen Ansatz zu übernehmen, nur weil digitale Medien zum Einsatz kommen. Methoden sind schließlich kein Selbstzweck. Ich finde Gamification als Gamerin durchaus interessant, sehe das aber halt im schulischen Einsatz sehr kritisch.


    Wenn du Beiträge ironisch meinst, könnte es helfen, diese in irgendeiner Form entsprechend zu kennzeichnen, eh sei denn, es wäre dir nicht wichtig richtig verstanden zu werden, wonach sich dein letzter Beitrag aber nicht liest. So liest sich das als ernstgemeinte Aussagen deinerseits. Lies dir vielleicht einfach nochmal deine Beitröge in Ruhe durch in dem Bewusstsein, dass niemand außer dir wusste oder erkennen konnte, dass diese als Parodie gemeint waren und überleg dir, wie du reagieren würdest, wenn du den Eindruck hättest, diese Beiträge könnten ernst gemeint sein.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Lieber Buntflieger,


    die Gruppendynamik, von der Du sprichst, hast Du selbst erzeugt. Von "Gruppendynamik" mit Betonung auf "Gruppe" würde ich hier auch nicht reden wollen. Vielmehr ist es ein Gegenwind von unabhängigen Einzelpersonen, die mitunter über deutlich mehr Erfahrung im Lehrerberuf verfügen als Du und denen Deine Äußerungen sauer aufgestoßen sind. Man kann das alles im Sinne der Auto-Viktimisierung psychologisieren. Letztlich ist es aber vielmehr Ausdruck typischer Geisterfahrermentalität.


    Die Anti-Digital-Fraktion, von der Du sprichst, gibt es in dieser Form hier nicht - es sei denn, man denkt nur digital und kennt nur passenderweise 1 und 0 - wahlweise ja oder nein, alles oder nichts.

  • Lieber Buntflieger,
    die Gruppendynamik, von der Du sprichst, hast Du selbst erzeugt. Von "Gruppendynamik" mit Betonung auf "Gruppe" würde ich hier auch nicht reden wollen. Vielmehr ist es ein Gegenwind von unabhängigen Einzelpersonen, die mitunter über deutlich mehr Erfahrung im Lehrerberuf verfügen als Du und denen Deine Äußerungen sauer aufgestoßen sind. Man kann das alles im Sinne der Auto-Viktimisierung psychologisieren. Letztlich ist es aber vielmehr Ausdruck typischer Geisterfahrermentalität.


    Die Anti-Digital-Fraktion, von der Du sprichst, gibt es in dieser Form hier nicht - es sei denn, man denkt nur digital und kennt nur passenderweise 1 und 0 - wahlweise ja oder nein, alles oder nichts.

    Danke. Ich habe von Anfang an Ähnliches befürchtet und deshalb sehr früh meinen Hintergrund/meine Erfahrungen bzgl. Computer/digital gepostet, um genau den Vorwurf "anti-digital" zu sein zu entkräften. Leider ohne die erhoffte Wirkung.

  • Vielen Dank für die Erklärung.
    Völlig uninteressant - macht mir nur Arbeit und meinen Unterricht nicht besser.
    Und wenn ich mir Arbeit mache, dann muss der Unterrricht profitieren - und damit meine Schüler.


    Ich könnte mir ein Lernspiel vorstellen, auch meine Großen spielen noch gerne (mit an die 30...).
    Aber so ein Spiel muss natürlich etwas mit den Lerninhalten zu tun haben. Und Belohnungssysteme verwende ich dann auch -
    Gummibärchen, Brownies, Schokolade, Plätzchen, ....


    Hier sehe ich auch gute Chancen für gute Lernspiele, die das Üben attraktiv machen - Textverständnis abfragen, Wissen prüfen, nochmal erklären.
    Da wünsche ich mir noch viel mehr Auswahl und würde das auch gern in den Alltag integrieren.


    Aber die hier vorgestellte Variante finde ich ... langweilig?
    Nicht zielführend? Kontraproduktiv? Auf jeden Fall ungeeignet für meine Zwecke, ich habe durchaus noch den Anspruch, dass wir im Unterricht so oft wie möglich Freude am Lernen und auch Spaß haben. Gemeinsam in der realen Welt. Im kommunikativen Miteinander. Und wenn die Schüler denn ab und zu (so oft wie möglich) aus dem Unterricht gehen und der eine oder andere feststellt, dass er/sie heute etwas mitgenommen hat, was Wert für sein/ihr Leben hat, dann bin ich an solchen Tagen wirklich glücklich.

  • Also...
    Ich finde generell spielerische Methoden durchaus geeignet, um Materie zu vermitteln. Nutze ich bspw. im Spanischunterricht immer wieder.
    Und "Belohnungen" an sich sind auch nicht "verkehrt" - Motivationsstempel o.ä. in der Primarstufe habe ich selbstnocoh erlebt, und die werden offenbar auch heutzutage noch geschätzt.


    Aber... @Avantasia hat da etwas sehr wichtiges und erschreckendes gepostet. Wenn die hier genannten Spiele eine ähnliche Methode der Konditionierung fördern, wie es beispielsweise der Staat China mit seinem "Punktesystem" macht, ist das nicht nur bedenklich, sondern ungeeignet. Schaut also bitte genau hin. Wir wollen ja nicht in den Alpha-Komplex, oder?


    "Wieso nicht, Bürgerin Miss J-O-NES-1? Ist der Computer etwa nicht ihr Freund?"
    "Aber sicher doch. Ich weiß aber nicht, ob so eine Frage meiner Sicherheitsstufe entspricht."


    Also: Digitale Medien ja, Spiele ja, Indoktrination/Konditionierung definitiv nein.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Und Belohnungssysteme verwende ich dann auch -Gummibärchen, Brownies, Schokolade, Plätzchen, ....
    ...
    Auf jeden Fall ungeeignet für meine Zwecke, ich habe durchaus noch den Anspruch, dass wir im Unterricht so oft wie möglich Freude am Lernen und auch Spaß haben. Gemeinsam in der realen Welt. Im kommunikativen Miteinander. Und wenn die Schüler denn ab und zu (so oft wie möglich) aus dem Unterricht gehen und der eine oder andere feststellt, dass er/sie heute etwas mitgenommen hat, was Wert für sein/ihr Leben hat, dann bin ich an solchen Tagen wirklich glücklich.


    Hallo Stille Mitleserin,


    auch wenn es hier gestern anders dargestellt wurde, auch ich mag meine SuS und das beruht auf Gegenseitigkeit, sonst wäre ich schon längst nicht mehr dabei. Ich bin auch ein Mensch mit hohen Ansprüchen an ein gelungenes soziales Miteinander, sonst wäre ich auch nicht mehr mit dabei.


    Also: Ziel ist es selbstverständlich von allen (davon gehe ich einfach mal aus) Lehrenden, dass sie mit ihren SuS "im Unterricht so oft wie möglich Freude am Lernen und auch Spaß haben". Weshalb das hier diskutierte "Classcraft" oder Gamifications generell diesen pädagogischen Elementarzielen entgegen stehen sollten, stellst du - wie auch deine Vorredner - leider nicht klar heraus.


    Die Argumente bleiben verwaschen und diffus. So jedenfalls mein Eindruck. Anstatt sinnvolle Alternativen in den Raum zu stellen, wird so getan, als sei der Lehreralltag eine heile Welt, wo jeder Lehrer jedem Schüler individuell seine persönlichen Möglichkeiten und Grenzen im Einzelgespräch (überspitzt ausgedrückt) alltäglich und erfolgreich darlegen kann.


    Belohnungen mit Süßkram finde ich übrigens ziemlich problematisch. Nicht nur wegen den vielen SuS, die ohnehin schon übergewichtig sind und der Gefahr von Karies, sondern weil wir in das familiäre Ernährungskonzept eingreifen. Auch ich habe schon häufiger Süßkram verteilt (nach erfolgreichen UBs z.B.), aber das regelmäßig für z.B. gemachte Hausaufgaben etc. zu machen, käme für mich aus den genannten Gründen (vom finanziellen Aspekt abgesehen) nicht in Frage.


    Ich glaube, dass das Belohnungsspiel hier viel zu mächtig geredet wird. Es will ja nicht die Schulwelt auf den Kopf stellen oder ins politische Denken der SuS eingreifen (siehe der wohl für viele tatsächlich plausibel erscheinende Vergleich mit China!), sondern bezieht sich auf den Versuch, Unterricht aufzulockern, etwas zusätzliche Motivation auf Schülerseite zu erzeugen und einen spielerisch-transparenten Hintergrund für gemeinsame Regeln zu bieten.


    der Buntflieger

  • Also ich möchte gerne noch einmal inhaltlich werden. Drei Aussagen, die hier teilweise mehrfach in ähnlicher Form fielen, greife ich mir heraus:


    "Das ist ein digitales Spiel. Das kann süchtig machen, wo wir doch sowieso schon so viele betroffene Kinder in der Klasse haben."
    "Das ist ein digitales Spiel mit einem Punktesystem. Das geht ja schon in die Richtung Überwachungssystem wie in China."


    Das sind beides eigentlich Schreckensszenarien bei einer ganz schlimmen Nutzung der Medien.
    Diese Szenarien sind aber keinesfalls der Normalfall. Dass bspw. momentan immer von Computer- / Spielesucht gesprochen wird, ist finde ich etwas übertrieben. Ich habe letztens gehört, dass 3% der Kinder eine solche Sucht haben. Das ist jetzt nicht sonderlich viel.
    China ist soweit ich weiß das einzige Land, in dem es ein solches Überwachungssystem gibt. Natürlich haben wir auch in der westlichen Welt genug Probleme mit Firmen die zu viel wissen, aber keineswegs in den Ausmaß wie in China. Medien werden also nicht zwangsläufig so eingesetzt. Nicht einmal im Regelfall.
    Wenn man im Werkunterricht mit Hämmern arbeitet, könnte man natürlich auch sagen: "Das geht ja gar nicht. Weißt du wie gefährlich das ist, wie viele Menschen schon von Hämmern umgebracht wurden?" Klar ist da etwas dran, aber das ist nicht der Regelfall und es kommt auf den richtigen Umgang mit dem Werkzeug an.


    Jetzt kann ich meinen letzten Satz quasi selber zitieren:
    "Man darf kein Medium unreflektiert nutzen. Man muss immer didaktisch und methodisch abwägen."


    Die Aussage ist quasi inhaltlos, weil niemand das Gegenteil behaupten würde. Gleichzeitig schwingt da aber der Vorwurf mit bzw. kann der Satz in der Form falsch verstanden werden, als dass diejenigen, die bspw. Classcraft einsetzen, das vollkommen unreflektiert einsetzen würden.



    "Da sehe ich schon die Gefahr, dass die extrinsische Motivation eine intrinsische Motivation hemmt. Außerdem wird da mit Gruppendruck gearbeitet."


    Ja, absolut. Aber ich frage mich immer noch, wie die Leute dann zu den äquivalenten analogen Methoden stehen?
    Bspw. das von mir genannte Smiley-Rennen. Gibt es ja auch noch in ganz anderen Formen.
    Und um hier auch für Buntflieger in die Bresche zu springen: Ich habe ja nun auch schon viel Unterricht von vielen verschiedenen Personen gesehen. Alte und junge, erfahrene und unerfahrene Lehrkräfte. Ich würde behaupten, jede einzelne davon hat mit Gruppendruck gearbeitet. Sei es durch Belohnungen für Gruppentische ("Der Tisch, der am schnellsten fertig ist, kriegt einen Stern.") oder durch das Loben für die ersten Kinder, die beim Schweigefuchs helfen ("Lara hilft mir. Timo ist auch schon fertig. Danke Lukas.").

  • Und um hier auch für Buntflieger in die Bresche zu springen: Ich habe ja nun auch schon viel Unterricht von vielen verschiedenen Personen gesehen. Alte und junge, erfahrene und unerfahrene Lehrkräfte. Ich würde behaupten, jede einzelne davon hat mit Gruppendruck gearbeitet. Sei es durch Belohnungen für Gruppentische ("Der Tisch, der am schnellsten fertig ist, kriegt einen Stern.") oder durch das Loben für die ersten Kinder, die beim Schweigefuchs helfen ("Lara hilft mir. Timo ist auch schon fertig. Danke Lukas.").

    Hallo tibo,


    ich danke dir tausendfach, du hast mir den Tag gerettet! Ein Licht tut sich auf am Ende des düsteren Tunnels! :gruss:


    der Buntflieger

  • Vielleicht setze ich jetzt nicht den Diskussionstrang fort. Sorry dafür.


    Ich habe, nachdem das "Classcraft" im anderen Forum aufkam, versucht zu recherchieren und da gab es einen interessanten Artikel. Sind es solche Computerspiele, kann ich sagen, "nein danke".


    Wie kann man als Pädagoge ein Spiel für gut heißen, das bis zum virtuellen Tod geht? Sind manche Pädagogen als "Computerspielgeneration" schon so abgehärtet? Es ist bekannt, dass solche Spiele etwas mit unserem Gehirn machen. Dass diese Art nun Einlass in Klassenräume gefunden hat, finde ich mehr als bedenklich.


    Ich bin nicht gegen virtuelle Lernspiele. Wenn es ein gutes ist, das soziales Lernen aufzeigt, warum nicht. Aber eine Art, die einen virtuellen Tod beinhaltet, ist für mich ein Nogo.

  • Wenn ich diesen Thread mal zusammenfasse, verstehe ich wieso Deutschland in der Summe von vielen anderen Ländern in Sachen Digitalisierung abgehängt wurde.


    Es wird ja auch akzeptiert, dass jeder irgendwelche "analogen" Methodenspielerein durchführen kann und sich dann auch noch damit brüstet, er habe die Methodenkompetenz der Lernenden gefördert.


    In den meisten Fällen sind das Kompetenzen die vollkommen nutzlos für das Leben sind.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Deutschland ist in Sachen Digitalisierung nicht abgehängt, weil Lehrer Zeit und Gehirnschmalz investieren, um fundierte methodisch - didaktische Entscheidungen zu fällen, sondern weil dauerhaft zu wenig in die technische und personelle Ausstattung investiert wird. Auch der Digitalpakt wird dies auf Dauer zeigen.

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Hallo noniale,


    hinzu kommt ein massives Nichtwissen und Nicht-entscheiden-wollen der Entscheider, die in den Ministerien sitzen.
    Wenn ich reguläre Apps im Unterricht verwenden möchte, zahlen die Schüler mit ihren persönlichen Daten dafür.


    Bis heute gibt es (zumindest in Bawü) keine Verhandlungen mit Betreibern, anonyme Schul/Klassengruppen einzurichten (und dafür auch zu bezahlen).
    Und so bewege ich mich im rechtlosen Raum, wenn ich apps im Unterricht verwenden will - und muss akzeptieren, dass die Schüler/Eltern ihre Daten nicht herausgeben wollen und folglich das Produkt nicht nutzen können. Darauf kann ich meinen Unterricht nicht aufbauen.
    Landesprodukte entstehen langsam - sehr langsam und es sind kleine Lösungen. Häufig nur für Lehrkräfte (sie halten größeren Userzahlen nicht Stand), aber immerhin.
    Bei größeren Produkten (ella lässt grüßen...) haben wir so unsere Probleme.


    Davon abgesehen: Kaum eine Schule hat ein flächendeckendes W-Lan, 30% der Realschulen in unserem Bezirk haben noch nicht einmal
    durchgängig Internetanschluss.


    Das könnte auch daran liegen, dass in Bawü Informatiker und Programmierer vom Land gesucht werden, denen man A11 in Aussicht stellt. Wer so wenig bezahlen will, muss sich nicht wundern, wenn man keine oder keine qualifizierten Leute bekommt.

  • Wie kann man als Pädagoge ein Spiel für gut heißen, das bis zum virtuellen Tod geht? Sind manche Pädagogen als "Computerspielgeneration" schon so abgehärtet? Es ist bekannt, dass solche Spiele etwas mit unserem Gehirn machen. Dass diese Art nun Einlass in Klassenräume gefunden hat, finde ich mehr als bedenklich.
    Ich bin nicht gegen virtuelle Lernspiele. Wenn es ein gutes ist, das soziales Lernen aufzeigt, warum nicht. Aber eine Art, die einen virtuellen Tod beinhaltet, ist für mich ein Nogo.


    Hallo Caro07,


    wenn ich das richtig verstanden habe, ist der virtuelle Tod in "Classcraft" weder optisch dargestellt (Blut etc.), noch ist der permanent. Der Spieler kann seine Spielfigur durch Ableisten der Konsequenz wieder zum Leben erwecken. Nun könnte man diesen Vorgang auch milder als Einfrieren oder in einen Dornröschenschlaf versetzen bezeichnen. Dann wäre dieser in der Tat zu kritisierende Aspekt vom Tisch.


    Ansonsten muss ich halt als ehemaliger jugendlicher Zocker von allerlei gewaltverherrlichenden Spielen (je mehr Blut und Schmodder, desto besser... :pfeifen: ) sagen, dass es keine erwiesene Verbindung von solchen Spielen und dem tatsächlichen Verhalten von Jugendlichen gibt. Die meisten Studien fallen hier klar zugunsten der Spiele aus, auch wenn die Diskussion nach jeder jugendlichen Gewalttat erneut losbricht. Wenn ein Jugendlicher oder auch Erwachsener schon psychisch angeschlagen ist und Gewaltphantasien (ggf. seit frühester Kindheit) hegt, sucht er natürlich verstärkt nach Wegen, diese auszuleben und daher werden dann auch regelmäßig solche Spiele bevorzugt.


    Es passiert also nichts "im Gehirn" irgendwie auf unterschwellig schädliche Weise, wenn man Computerspiele mit Gewaltinhalten spielt. Ich würde sie eher als Ventil bezeichnen. Wenn du dir "Classcraft" - um am konkreten Beispiel zu bleiben - mal genauer beschaust, wirst du dort weder Blut noch sonstige Gewaltdarstellungen finden, sondern allenfalls sehr spielerische Andeutungen (z.B. "Bosskampf"), die wohl weit jenseits jeglicher Jugendgefährdung stehen dürften.


    Wir sollten die Kids nicht unterschätzen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen kann sehr gut zwischen Virtualität und Realität unterscheiden. Ich habe jedenfalls bisher noch keinen Schüler, der Fortnite spielt, mit einem Regenschirm vom Schuldach springen oder mit einer Axt einen Baum im Pausenhof bearbeiten sehen. ;)


    der Buntflieger

  • wenn ich das richtig verstanden habe, ist der virtuelle Tod in "Classcraft" weder optisch dargestellt (Blut etc.), noch ist der permanent. Der Spieler kann seine Spielfigur durch Ableisten der Konsequenz wieder zum Leben erwecken.

    es geht nicht um Blut und Schmodder.
    es geht darum, ganz selbstverständlich andere Spieler zum (sei es auch nur virtuellen) Tod zu treiben.
    Und noch perverser:
    Strafe erfüllt= wieder zum Leben erweckt.


    Tut mir leid, so etwas möchte ich nicht unterstützen. Nicht, weil ich anti-digital eingestellt wäre.
    Sondern aus Prinzip nicht.

  • Erinnert mich an Pokémon. Ich will gar nicht wissen, was das Spiel in meinem Gehirn so ausgelöst hat und wie viele Amokläufe verhindert werden hätten können, wenn das Spiel verboten worden wäre.
    Und dann verschmelzen reale und virtuelle Welt auch noch, wenn man sich Pokémon Go ansieht.


    Nein, ernsthaft:
    Ich glaube schon, dass neben der Ausstattung der Schule und anderen Faktoren, für die Lehrkräfte nichts können, die Haltung ein Faktor ist, weshalb wir noch nicht so weit sind, wie wir sein könnten.
    Im #Twitterlehrerzimmer (sehr zu empfehlen!) kursiert gerade auch ein Artikel zur Frage, was denn bis jetzt schief gelaufen ist bei der Digitalisierung in der Schule:
    https://herrlarbig.de/2019/10/…digitalisierung-der-welt/



    Zitat von Herr Larbig

    Allerdings ist andererseits die Bereitschaft, sich so mit der Digitalisierung zu befassen, dass diese auf einem professionellen Niveau reflektiert wird, das eher auf Fachbeiträge denn auf populärwissenschaftliche Bestseller zurückgreift, auch nicht bei vielen Lehrer*innen ausgeprägt. So bekomme ich immer wieder Spitzer, Hüther und seit einigen Monaten Jürgen Kaube als Referenzen angeführt, aber selten Beat Doebeli Honneggers „Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt“, oder „Medienbildung in Schule und Unterricht.“ von Tulodziecki, Herzig, Grafe, um einfach einmal zwei einschlägige und durchaus auch im Rahmen der Herausforderungen der Berufspraxis von Lehrer*innen lesbare Werke zu nennen.

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