Kann der Arbeitgeber mich zur Heirat zwingen?

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    • Ich finde, dass man auch die Einrichtung in gewissen Maße verstehen kann. Ich meine, dass wäre nichts für mich. Aber wenn ich an einer (christlichen) Schule arbeite dann sollte ich doch auch deren Moralvorstellungen teilen. Die Schule hat eine bestimmte Zielgruppe und diese Gruppe hat halt spezifische Moralvorstellungen. Wenn ich diese nicht teile, arbeite ich halt woanders. Ich würde nicht auf die Idee kommen, dort zu arbeiten, wenn ich weiß, dass mein Lebensstil negativ gesehen wird. Ich würde mich auch nicht auf eine Montessori-Stelle bewerben. Das ist nicht mein Ding. Ich weiß, dass der Vergleich hinkt. Aber warum soll man nicht dieser Gruppe erlauben eine Schule nach ihren Moralvorstellungen zu machen. (Solange sie nicht im Widerspruch zu unserer Verfassung steht.)

      Losgelöst davon denke ich nicht, dass man dich irgendwie zwingen kann. Man könnte dich höchstens in Probezeit kündigen.
    • Bei mir hat es sich am Ende des Refs so ergeben, dass ich mich an einer Schule in katholischer Trägerschaft vorgestellt habe. Im Vorstellungsgespräch wurde mir damals gesagt, dass es ein Kündigungsgrund sein könne, wenn ich mit jemandem zusammenleben, aber langfristig nicht heiraten sollte.
      Ich habe mich dann da nicht weiter juristisch mit beschäftigt, sondern die Stelle angelehnt, weil privat praivat ist und bleiben sollte.
      Wie die "Konsequenzen" einer wilden Ehe dann aussehen würden und wie die Eskalationsstufen wären, weiß ich also nicht. Ich drücke die Daumen, dass es sich irgendwie positiv wendet.
    • Ja, ich teile ja deren Moralvorstellung. Nächstenliebe und Gottvertrauen haben nichts, aber auch gar nichts mit meinem Beziehungsstatus zu tun. Und die Beziehung zu meinem Partner ist auch nicht schlechter, nur weil er nicht an Gott glaubt. Mein Glaube ist wichtig für mich und evtl. Für meine Kinder, aber meinen Partner zwinge ich nicht dazu.

      Die Frage ist an dieser Stelle, was ist echte Moral und was ist Scheinmoral.

      Für mich hat es keinen moralischen Mehrwert, ob ich einen Trauschein habe.
      Dass mein Partner und ich uns ewig treu sind, hingegen schon.


      Ich wurde weder mündlich noch schriftlich auf eine solche Unterklausel hingewiesen.
    • klar ist das möglich. zumindest war es das bis vor zwei/drei jahren noch. eine gute bekannte ist bei der katholischen kirche rausgeflogen, weil sie mit ihrer frau offen zusammenlebt (kindergärtnerin). meistens passiert sowas nicht, weil die betroffenen gar nicht erst bei der kirche anfangen. man bekommt von anfang an gesagt, dass das erwartet wird, halt durch die blume, aber die botschaft ist schon deutlich. die erste frage im vorstellungsgespräch war anno dazumal, ob ich denn den herren kenne, unter dessen bildnis ich hier sitze (der bischof), in dessen sinne arbeite man hier nämlich. na dann. man musste hier vor einigen jahren auch vor der anstellung bei der kirche selbst für befristete aushilfsverträge einen online-lehrgang machen und im arbeitsvertrag dessen abschluss bestätigen, in dem man über die rechtlichen folgen einer nicht-konformen lebensweise im sinne der katholischen kirche belehrt wurde. also ja, die meinen das sehr ernst.

      die evangelikale freikirchliche schule (aber noch der landeskirche nahe) ist da übrigens hier noch krasser. viel krasser. bei den katholiken darfste das 'nur' nicht offziell machen. solange keiner davon weiß, isses egal. (wie bei unehelichen priesterkindern halt auch.) bei den evangelikalen biste dagegen verdorben und satan verfallen, wenn du 'sowas' tust. nicht sehr schön.

      wenn du dich durch sowas gegängelt fühlst, würde ich eher gestern als heute kündigen. hab ich auch gemacht. war eine sehr gute entscheidung.
    • Wenn das Arbeitsklima ansonsten - vor allem mit den KollegInnen- ok ist, würde ich einfach abwarten. Auf Nachfrage evtl. sagen, dass ihr vorhabt zu heiraten.
      Wenn dann die Probezeit herum ist und sie dir irgendwann kündigen wollen, könntest du eine entsprechende Klage anstrengen. Falls die Formulierungen im Arbeitsvertrag nicht ausreichen, um einen Ehezwang abzuleiten (was bei den katholischen Trägern auf jeden Fall gilt), dann wirst du einen Prozess wahrscheinlich gewinnen und zumindest eine Abfindung kassieren.
      Nicht selbst zu kündigen hat auch den Vorteil, dass man keine Sperrfrist beim AlG bekommt.

      Das gilt aber nur, wenn du es dort wirklich gut aushalten kannst. Ansonsten: weg mit Schreck! Und: weiter verbreiten, wie die mit dir umgehen.
    • Eigentlich finde ich es total toll an der Schule:

      Ich bin Klassenlehrerin, habe wunderbare Kollegen und mit meinen Klassen komme ich gut zurecht. Kurz: Es macht mir unheimlichen Spaß dort zu arbeiten und auch die christliche Ausrichtung der Schule als Schule für alle mit einem Glaubensangebot (wir haben auch muslimische und konfessionslose Schüler) finde ich gut.

      Aber diese Aussage ist mir echt sauer aufgestoßen. Dafür bin ich eindeutig zu selbstbestimmt und freiheitsliebend.
    • Seit dem neuen kirchlichen Arbeitsrecht von 2014 kannst du juristisch gesehen, nicht mehr zur Heirat gezwungen werden. Auch der Richterspruch des EGH zum Chefarztverfahren in Düsseldorf war ein Präzedenzfall, welcher den Umgang mit kirchlichen Angestellten, die nicht gemäß der Sittenlehre leben, erheblich einschränkt. Allerdings wird es dennoch nicht gerne gesehen, wenn man in "wilder Ehe" lebt, was natürlich Konsequenzen, bzgl. Beförderungsverfahren haben kann.

      Gleichwohl kann die Kirche immer noch erheblich in das Privatleben ihrer Angestellten eingreifen. Einen definitiven Kündigungsgrund stellen allerdings nur noch Verstöße von Mitarbeitern gegen die christliche Lebensführung, die, wie Religionslehrer, unmittelbar pastoral arbeiten.
    • Naja, die Frau ist Gründungsmitglied und ehem. Schulleiterin... Als Sittenhüterin saß sie auch im Bewerbungsausschuss.

      Das macht die Sache doch etwas brisant.
      @DeadPoet, daher hat sie auch noch irgendwie Einfluss auf die Leitungsebene.


      Ich werde morgen einfach nachfragen, was passiert, wenn ich nicht demnächst heiraten werde und eventuell ein Kind bekomme.
      Dann bin ich ganz sicher, was mich da erwartet und kann gegebenenfalls nach der Probezeit gehen.
    • Bei einer Bekannten gab`s hier das gleiche Thema und die gute Frau meinte einfach, dass sie schon sehr gern kirchlich heiraten wolle, ihr Mann aber leiderleider absolut dagegen sei. Das hat als Antwort gereicht. Ich glaube, bevor die da offiziell aktiv werden, musst du schon "krasser" auffallen.
      Die Bekannte war dann übrigens 30 Jahre an der Schule, ohne kirchlichen Segen.
    • Vorweg, ich bin überhaupt nicht religiös und deswegen wäre ich an meiner Ex-Schule auch langfristig falsch gewesen. Aber ich verstehe grundsätzlich schon, dass kirchliche Institutionen auch auf eine kirchliche Hochzeit pochen. Das fällt ja nunmal in deren "Kernaufgabenbereich" und wenn eine Ehe nach Auffassung der Kirche vor Gott geschlossen werden muss, um von ihnen vollwertig anerkannt werden zu können, das ist das eben so. Gleiches gilt für das Taufen von Kindern. Wenn nichtmals die eigenen Mitarbeiter das noch weiter mittragen und leben, macht sich die Institution als solche ja auch irgendwie unglaubwürdig.

      Mich wundert, dass das bei dir kein Thema bei der Einstellung war, wenn es tatsächlich ein Thema von Bedeutung sein sollte. Ich hatte damals ein Gespräch im Generalvikariat, wo mir gewisse Vorstellungen erläutert wurden (und das war wie gesagt nur eine Vertretungsstelle und ich war nichtmals katholisch).
      Vielleicht ist in deinem Fall aber auch einfach nur deine Kollegin besonders konservativ eingestellt und ihr ist das ein Dorn im Auge - ohne dass der gesamte Träger diese Auffassungen so streng vertritt.
    • ...ach, und wenn schwule und lesben fliegen, weil sie eine ehe schließen, dann ist das auch okay? die fans dieser regelung sind i.a. dieselben wie die fans der "nicht in wilder ehe"-regelung bzw. der taufpflicht für eigene kinder. diskriminierende praktiken sind okay, sobald sie "glaubensinhalte" betreffen?#

      ich bin der ansicht, dass es sich diese argumentation viel zu einfach macht. "weiß man ja vorher" - ja und? dadurch wird die praxis nicht weniger diskriminierend. es muss endlich aufhören, dass religionsgemeinschaften sonderräume für ihr eigenes rechtssystem bekommen, zumindest dann, wenn dieses rechtssystem klar gegen menschenrechte und das gg verstößt. diese schulen werden teils zu 80% vom staat finanziert und sie dürfen trotzdem arbeitnehmerrechte radikal missachten.
    • Alles in Ehren:
      Aber warum muss mein Freund, mit dem ich ja diese verfluchte Ehe vollziehen soll, überhaupt christlich sein? Der arbeitet doch da gar nicht!?

      Es geht mir nicht darum, dass wir nicht irgendwann mal kirchlich heirate. Aber warum muss mir die Arbeit das vorschreiben, ob, wann und wie ich das mache?
      Es will mir nicht einfallen, warum das so sein muss.


      Maylin85 schrieb:

      Mich wundert, dass das bei dir kein Thema bei der Einstellung war, wenn es tatsächlich ein Thema von Bedeutung sein sollte.
      Das verstehe ich ja auch nicht. Es ging um mein Verständnis vom Christentum (Es sind unterschiedliche Konfessionen und Glaubensrichtungen im Kollegium vertreten) und ob ich mich in der Lage sehe, ne kleine Andacht zu leiten und Platz für Glaube und Glaubensfragen im Schulalltag zu schaffen. Kein Problem, dachte ich.

      Was mir heute passiert ist, empfinde ich als übergriffig.
    • Eine Nachfrage und eine Korrektur an @keckks:
      1.) Welches Menschenrecht (UN) und welcher Artikel (GG) wären das denn genau in Bezug auf Homosexualität?
      2.) Der Refinanzierungsanteil dürfte eher über 90% liegen, allerdings muss man da auch ganz klar sagen, dass die Alternative 100% der Kosten wären für Land und Kommune (in NRW) und dass das auch keiner will.
      If you look for the light, you can often find it.
      But if you look for the dark that is all you will ever see.
    • keckks, ich persönlich finde nichts davon okay, ich finde aber auch schwierig, eine religiös orientierte Institution zu zwingen gegen die eigenen Leitsätze zu handeln. Das ist unglaubwürdig und passt irgendwie nicht zusammen. Das grundlegende Probleme ist für mich tatsächlich auch die Finanzierung über Staatskassen. Würden diese Institutionen sich selbst tragen, wäre es (für mich) in Ordnung, wenn sie ihre eigenen Regeln aufstellen. Niemand ist gezwungen dort zu arbeiten. Sobald öffentliche Finanzierung dabei ist - ja, strenggenommen dürften dann konsequenterweise auch keine Sonderregelungen bei den Arbeitnehmerrechten herrschen.

      Ich finds schwierig. Und das als explizit nicht religiöser Mensch. Die Kirchen sind generell nicht auf der Höhe der Zeit und vertreten nicht akzeptable Positionen, dennoch kann man ja eine Modernisierung oder Revolution der Leitsätze nicht extern erzwingen. Und wenn diese Institutionen nunmal als Träger von Einrichtungen in Erscheinung treten (dürfen), finde ich verständlich, dass das auch irgendwo mit deren Ideologien unter einen Hut passen muss.