Mal wieder bzw. noch immer viele fehlende Schulleiter: Neueste Zahlen aus NRW

  • Schulleitermangel, vor allem an Grundschulen


    Nicht nur an meiner Schule: Es gibt eine Interessentin und gerne auch Bewerberin für den Posten, die schon sehr lange an der Schule ist und sie kommissarisch leitet. Das Kollegium steht voll hinter ihr.
    Großes ABER: Sie ist evangelisch, und wir sind eine "KGS" - mit ca. 90% nicht-katholischen Kindern... Hauptsache, die Konfession stimmt. Profession ist nicht so wichtig.


    Es hängt also nicht nur von der Besoldung ab. Auch nicht nur deshalb:

    Lehrer, die sich für einen Chefposten interessierten, fänden aber "ein Mangelsystem" vor. "Es gibt immer weniger Lehrkräfte, aber immer mehr Aufgaben. Man hat keine Köpfe mehr, auf die man das verteilen kann."

    Mangelsystem Schule. Genau.

  • Nur interessehalber: Welches Bistum stellt sich so an? Köln?

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Echt schlimm! Sie ist ja aus einer der katholischen sehr nahe stehenden Glaubensrichtung. Solchen Schulen sollte man die staaatliche Unterstützung kürzen oder noch besser: einfach verstaatlichen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Stimmt - Entschuldigung! Wie nennt man denn das „entkatholikisieren“? Wie ist denn deren rechtlicher Status in solchen Fällen? Ich kenn mich mit Grundschulen nicht aus.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

    • Offizieller Beitrag

    Interessant wäre mal, wie sich das Vorgehen mit dem EU Gesetz (Kurzgefasst: Niemand darf im Beruf wegen seiner Religion (also auch Nicht-Religion)) benachteiligt werden.)


    Ich verstehe es ja noch, dass die Leitung einer kirchlichen Einrichtung (Kita, Schule, Krankenhaus, ...) der entsprechenden Religion angehören sollte. (Ungeachtet der staatlichen Mit-Finanzierung sind es doch Einrichtunug in kirchlicher Trägerschaft.)


    Aber an einer staatliche Schule mit einem staatlichen Dienstherrn und einen staatlichen Auftrag vorauszusetzen, dass der Schulleiter dem Bekenntnis angehört, nur weil die Schule zufällig einen entsprechenden Stempel hat? Da wäre es mal interessant, wie es ist, das rechtlich auszufechten.


    kl. gr. frosch

  • Ich verstehe es ja noch, dass die Leitung einer kirchlichen Einrichtung (Kita, Schule, Krankenhaus, ...) der entsprechenden Religion angehören sollte. (Ungeachtet der staatlichen Mit-Finanzierung sind es doch Einrichtunug in kirchlicher Trägerschaft.)

    Mitfinanzierung ist gut, in der Regel werden Krankenhäuser, Kitas, Schulen etc., die sich in kirchlicher Trägerschaft befinden, zu 100% vom Staat finanziert.

  • @Buntflieger: Wo hast du denn die grandiose Idee her? Das stimmt ja noch nicht einmal fürs Lehrpersonal, von den Kosten für die Schulgebäude ganz zu schweigen.
    @pepe: Dass alle Bistümer das machen stimmt definitiv nicht. Die fünf Bistümer in NRW sind von ihrer Progressivität her doch schon ziemlich weit auseinander...

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  • Also, gemäß dem Spruch, die Steigerung von "katholisch" verliefe "katholisch - Münster - Paderborn" würde ich den letzteren beiden auch eher zutrauen... und Aachen und Essen am wenigsten.


    Aber das ist natürlich nur Spekulatius,

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
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  • @Buntflieger: Wo hast du denn die grandiose Idee her? Das stimmt ja noch nicht einmal fürs Lehrpersonal, von den Kosten für die Schulgebäude ganz zu schweigen.
    @pepe: Dass alle Bistümer das machen stimmt definitiv nicht. Die fünf Bistümer in NRW sind von ihrer Progressivität her doch schon ziemlich weit auseinander...


    In zwei deutschen Bundesländern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gibt es Konfessionsschulen als staatliche Schulen in der Trägerschaft von politischen Gemeinden. Ihre Finanzierung erfolgt vollständig aus staatlichen Mitteln, die Religionsgemeinschaften sind nicht an den Kosten beteiligt.


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Konfessionsschule


    Es handelt sich - da muss ich mich korrigieren - um sogenannte "öffentliche Bekenntnisschulen". Die 100%-Finanzierung der Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft bezieht sich auf Krankenhäuser/Kitas usw. Für Schulen scheint das in dieser Form nicht zu gelten. Wie hoch die staatliche Förderung hier ausfällt, ist nicht so leicht einsichtig.


    Ein interessanter Artikel zum Thema:


    https://www.faz.net/aktuell/wi…m-im-westen-15012990.html

    2 Mal editiert, zuletzt von Buntflieger ()

  • Das sind eben nicht die kirchlichen, sondern staatlichen Einrichtungen!

    Habe inzwischen selbst erkannt und entsprechend berücksichtigt. Danke! :top:
    Ziemlich kompliziert... muss ich mich erst einlesen in diese Materie. Bislang hatte ich die Schulfinanzierung nicht gesondert im Blick, wenn es um kirchliche Trägerschaften ging.


    Aber das ist schon heftig:


    Fast jede dritte nordrhein-westfälische Grundschule ist eine solche staatliche konfessionelle Einrichtung. Der Staat finanziert sie zu 100 Prozent. Aber die Kirche, meist die katholische, gibt die Haltung vor: den Kindern wie den Lehrern. Das Lehrpersonal muss im Grundsatz die entsprechende Konfession aufweisen. https://www.faz.net/aktuell/wi…m-im-westen-15012990.html

    • Offizieller Beitrag

    Buntflieger, dass ist das, was ich meinte.


    In Schulen in kirchlicher Trägerschaft - okay.
    In Schulen in staatlicher Trägerschaft mit dem Konfessionsstempel drauf - nicht okay.
    (Wobei die "Einflussnahme" der Kirche in Bezug auf die Haltung eher gering ist. Es gibt aber schon Konsequenzen für die Schule. (Siehe Schulleitung.))


    kl. gr. frosch

    • Offizieller Beitrag

    § 25 Abs. 6 SchulG NRW ist hier in der Tat problematisch - da gibt es im Gegensatz zu den "gemeinen" Lehrkräften keine Ausnahmen.


    Dennoch gibt es ungeachtet dessen genug nicht-konfessionelle Grundschulen, die ebenfalls keine Leitung haben. Der alte Grundsatz mit den Erdnüssen und den Affen gilt eben auch dort. Und wenn es gar keine Erdnüsse gibt, dann gibt es noch nicht einmal Affen - nur arme Schweine, die das Ganze kommissarisch übernehmen müssen.

  • Wo die Rektoren fehlen, werden in der Regel Lehrkräfte kommissarisch als Chefs eingesetzt.

    Wie läuft sowas eigentlich in der Praxis ab bzw. was genau heißt hier "kommissarisch"?


    Werden die dann befördert wider Willen und zurückgestuft, falls sich jmd. findet? Oder werden sie nicht befördert und machen trotzdem den eigentlich höher besoldeten Job? Oder bekommen Pool-Stunden für die Leitung? Oder einfach "on top"? Usw. usw.




    Randnotiz wg. der Konfessionsgeschichte:
    Für mich ist der Witz dabei, dass wenn der Job attraktiv wäre, es sicher sicher Leut' gäbe, die ihre Konfession ändern würden nur dafür.

    • Offizieller Beitrag

    Sie werden nicht befördert (erhalten also nicht mehr Geld), bekommen aber die Ermäßigungsstunden für die Schulleitung.
    Vorteil: Wenn man in NRW 12 Monate lang die Schulleitung einer Grundschule kommissarisch macht, braucht man das EFV wohl nicht mehr. Heißt es. (Gestrichen wegen Unsinn, siehe unten.)


    kl. gr. frosch


    P.S.: Sicherlich mag manch einer die Konfession wechseln. Aber manch einer zahlt auch ca. 1000 € im Jahr, nur damit er Schulleiter (an einer staatlich-katholischen Grundschule) sein kann. Ohne hinter der Kirche zu stehen. Weil die Schule so schön ist. ;)

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