Schule auf dem Lande

  • Pausenbrot: Was ist für dich, aus NRW-Sicht, "Dorf"? Bereits vier- oder noch dreistellige Einwohnerzahl?

    Nenne mir das Dorf unter 1000 Einwohnern, was überhaupt noch eine Grundschule hat. Mein Heimatort ist ein solches, da musste man schon in ein "größeres Dorf" mit dem Bus fahren, um zur Schule zu gehen. Das war in RLP.


    Flächenmäßig ist der größere Teil von NRW sehr dörflich, nördlich des Ruhrgebietes kommt doch nicht mehr viel. Das südliche NRW beinhaltet Teile der Eifel. Also es gibt auch hier genug echtes Dorf, keine Sorge.

  • In meiner Stadt gibt es einen Stadtteil mit weniger als 1.000 Einwohnern und einer Grundschule. Das Einzugsgebiet umfasst natürlich noch weitere Stadtteile. Die kleinste Grundschule Hessens hat tatsächlich ein Einzugsgebiet mit weniger als 1.000 Einwohnern - ist noch ein Überbleibsel der früheren Dorfschulen.

    NRW wird tatsächlich oft auf die Großstädte reduziert, da diese so eng beieinander liegen, aber ja, ländliche Regionen gibt es auch dort. Ob es jedoch diese "ganz ab vom Schuss"-Dimensionen von mancher ländlichen Gegend in Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern annimmt, weiß ich nicht...

  • "Stadt" hat in Deutschland per definitionem mindestens 5000 Einwohner (Kleinstadt), alles darunter ist "Landgemeinde".

    Eine Faustregel war auch mal "eine Stadt hat ein eigenes Autokennzeichen ohne Kreis".


    Ach ja, "Großstadt" fängt bei 100000 an...

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Nenne mir das Dorf unter 1000 Einwohnern, was überhaupt noch eine Grundschule hat.

    An solchen Aussagen merke ich doch immer wieder, wie abgelegen wir offenbar leben 😅 ich könnte dir aus dem Stegreif mindestens 6 davon nennen, und das nur in meiner direkten Umgebung und ohne länger nachzudenken. Übrigens auch RLP.

  • "Stadt" hat in Deutschland per definitionem mindestens 5000 Einwohner (Kleinstadt), alles darunter ist "Landgemeinde".

    Tut nichts zur Sache aber: 5000 EW oder "Ort mit grundzentraler Funktion". In meiner sehr ländlich geprägten Heimatregion gibt es zahlreiche Städte, die das EW-Kriterium nicht erfüllen, das andere hingegen schon.

    There are only 10 sorts of people - Those who know binaries and those who don't.

  • ja, das nannte sich früher "Landstadt", mittlerweile (Land)gemeinde, aber eben noch nicht Kleinstadt.

    Und ja, natürlich gibt es die auch in NRW, aber wie du schon sagst nur in "sehr ländlich geprägten Regionen". Die gibt es hier eben weniger zahlreich als in diversen anderen Bundesländern, iirc haben davon alle außer den Stadtstaaten einen höheren Anteil als NRW...

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  • Was ich bei der Überlegung, an eine Schule auf dem Land zu ziehen auch wichtig finde, ist, die demographische Entwicklung im Blick zu behalten: Wenn man sich an eine Schule auf dem Land versetzen lässt und sich dort ggf. auch ein Häusle kauft (was ja aufgrund geringerer Preise als in den Großstädten erschwinglich sein und locken könnte), hat man mitunter ein Problem, wenn die Schülerzahlen rückläufig sind und die Schule 5 Jahre später geschlossen wird. Dann sitzt man in einem Haus, das an Wert verliert und kann entweder deutlich weitere Strecken zur nächsten Schule fahren (für mich persönlich nicht akzeptabel) oder das Haus voraussichtlich mit Verlust wieder zu verkaufen.

    Macht meine Schule im Ruhrgebiet zu (unwahrscheinlich, aber ja theoretisch denkbar), habe ich noch 8 andere Schulen in meinem 25 Min.-Fahrtzeit-Umkreis, an denen ich arbeiten könnte.


    Wir überlegen auch gerade, wie wir in Zukunft leben möchten, und wären beide etwas ländlicheren Gegenden (Kleinstadt; nicht Dorf) nicht abgeneigt. Aber wir landen immer wieder bei dieser Überlegung und daher doch immer wieder im Ruhrgebiet.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Ich kann eigentlich nur wiederholen, was schon geschrieben wurde und weil ich das wirklich nicht genug liken kann, tue ich das auch: Ich wohne in der Stadt und arbeite im Landkanton. Dort kenne ich drei von fünf Gymnasien und arbeite an dem mit dem "schlechtesten" Einzugsgebiet, sprich viele Migrantenkinder und einkommensschwache Elternhäuser. Das Problem sind nie die Jugendlichen ... ich würde an den anderen beiden Gymnasien mit den Arzt- und Anwaltskindern niemals arbeiten wollen, weil mir da die Kollegien nicht passen ;)


    Wohnen wollte ich jedoch nicht unbedingt im Landkanton. Ich kann selber nicht Autofahren und bin daher auf den ÖV angewiesen. Zudem sind einfach die Möglichkeiten mit Sportvereinen etc. in der Stadt trillionenmal besser und das ist für mich einfach sehr wichtig.

  • @Mitnatsol: Klar, als Lehrer (oder auch Erzieher) ist man immer auch abhängig von der demographischen Entwicklung. Ein Grund, warum mir, als ich mich für den Beruf damals entschied, klar war, dass ich da auch meinen Teil dazu mal beitragen und mich nicht alleine auf andere Menschen verlassen werde. Bis eine Schule geschlossen werden muss, muss zumindest in meinem Bundesland schon viel passieren und dann war die Lage schon lange vorhersehbar: In Hessen liegt die Mindestschulgröße bei 13 Schülern - und die kleinste Schule hier dümpelt tatsächlich schon jahrelang knapp unter der 20 herum (Warum man da nicht einfach das Einzugsgebiet vergrößert? Bürokratie :autsch:!). Was dann wahrscheinlicher wäre, wäre eine Abordnung an eine andere Schule, was im Grundschulbereich passieren kann, wenn zwei 4. Klassen abgehen, aber nur eine neue 1. Klasse gebildet werden kann (außer dass man setzt die frei werdende Lehrkraft für Doppelsteckung, Fördern/Fordern, etc. ein).

  • ...das wäre auch nur der Tod auf noch längeren Raten.

    Es ist nun mal so... es zieht kaum einer "aufs Land", dafür immer mehr von da weg. Das "Land" überaltert und stirbt regional sogar aus. Merkst du doch auch in anderen Jobs... denk nur an die "Landarztprämie", die es schon seit einer Weile gibt.

    Das "Land" hat halt der Masse nicht das gewünschte zu bieten (Infrastruktur), da fährt man ggf mal in der Freizeit hin, aber leben will die Mehrheit da eben nicht.

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  • Ich war einige Jahre an einem Kleinstadtförderzentrum und bin nun seit 2 Jahren am Großstadtförderzentrum und in der Kleinstadt fand ich die Schüler deutlich entspannter, in der großen Stadt habe ich auffallend mehr Sozial- und Emotionalauffälligkeiten.

    Aber: Der Spruch "Je schlimmer die Schüler, desto netter das Kollegium" scheint hier zu stimmen. So ein nettes Kollegium hatte ich noch nie (es ist mein 5. Kollegium).

    Ich hänge mich im Übrigen mal dran an deine Frage, weil ich evtl wieder zurück an die Kleinstadtschule will. Aber will ich das wirklich? Nette Schüler gegen nette Kollegen austauschen? Schweeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeere Frage.

    Eigentlich hatte ich mich auch schon zurückbeworben, aber nun hieß es, wer bis 30.6. seine Masernimpfung nicht vorzeigt, der wird nicht versetzt. Also könnte ich meinen Antrag wieder rückgängig machen.

    Was meint ihr? Ich bin komplett ratlos. Zur Großstadt-Schule muss ich zumindest teilweise mit dem Auto fahren (22km, ein Teil geht mit dem Radl), zur Kleinstad-Schule könnte ich komplett radeln (7km), und ich muss sagen, ich HASSE Autofahren. Aber ich mag auch nette Kollegen.

    Sorry fürs Entern deines Threads....

  • @MissJones: Zunächst wollte ich schreiben, dass du ja soooo daneben liegst wegen X... und Y... und Z. Aber einen wahren Kern hat das Ganze schon. Ich denke aber, dass langfristig nicht die Großstädte gewinnen werden, da diese bereits jetzt unter den Negativfolgen dieser Zuzüge leiden (vor allem Immobilienpreise), sondern ein Mittelding, nämlich die Vororte, da sie im Wesentlichen "best of both worlds" sind. Was die ländlichen Gegenden noch weiter außerhalb angeht: Wenn sich mehr Leben von den Großstädten in die Vororte verlagert, wären diese nicht mehr ganz so fernab von Zivilisation. Ohne großes politisches Zutun wird es aber nicht gehen, was z.B. die Subventionierung von Unternehmen in ländlichen Gegenden (In meinem Wohnort mit vierstelliger Einwohnerzahl gibt es ein international bekanntes Unternehmen, wodurch die Bevölkerungszahl auch seit Jahren stabil ist. So ein Unternehmen als Arbeitgeber ist gerade in ländlichen Gegenden sehr wichtig.) oder Bündelungen von mehreren kleinen Orten, um Zentren zu schaffen, angeht.

  • ...die Großstädte haben schon "gewonnen", wenn du das so nennen willst, denn die "Vororte" (Suburbs eben, überleg mal was das Wort bedeutet) haben nur dann den notwendigen Stellenwert, wenn sie an deren Infrastruktur angeschlossen sind. Das wird auch entsprechend immer mehr angestrebt - die "Vororte", die das nicht sind, sind genauso unbeliebt wie "JWD".

    Und... monopolistische regionale Arbeitgeber haben genug Nachteile, wie du eigentlich wissen solltest. Wieso sollte man die bei günstigen Immobilienpreisen dort auch noch subventionieren? das Problem ist eher deren Ausbeuterei, gerade im Logistikbereich. Aber nun kommen wir ganz vom Thema weg.

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  • Entschuldigt meine Unwissenheit. Aber wär es nicht besser, wenn man Mietpreisbremse und alles andere abschaft, dass den Wohnraum in Großstädten erschwinglich macht und so die Leute dazu zwingt aufs Land zu ziehen?

    Ich mein klar. Eine Zeitlang wäre es natürlich eine Art Zwei-Klassengesellschaft, so dass sich nur die "priviligierten" Wohnen in der Stadt leisten können. Aber dadurch dass das Land zwangsweise bewohnt werden muss, wird es auch für Firmen Interessant, da dort nun auch Nachfrage enstehen würde und dort vermutlich auch die Nebenkosten geringer sind. Was auch über längere Zeit gesehen dazu führt das Wohnraum in Städten wieder erschwinglich wird bzw. sich irgendwann eine Art Gleichgewicht einstellen wird.


    Oder seh ich das ganze zu naiv?

  • Ich denke mal, Familien mit Kindern ziehen lieber aufs Land, wo sie zu einem Einfamilienhaus kommen können, als Singles, die die urbanen Vorzüge genießen wollen. Alles hat seine Vor - und Nachteile.

    Etwas immer schon so gemacht zu haben ist kein Grund, allenfalls ein Hindernis.

  • In der Stadt zu wohnen und zu unterrichten ist furchtbar. Nur böse Menschen wohnen und arbeiten hier. Land ist perfekt. Landschulen sind super. Idylle, Ruhe, nette Kollegen etc. Seid nicht doof, geht aufs Land :aufgepasst:

  • schaff "naiv"? Das ist ja niedlich.

    Das Problem ist doch schon existent. Es braucht bezahlbaren Wohnraum, wo Leute auch hin wollen, denn wo die Infrastruktur fehlt will keiner hin (damit meine ich nicht nur die Verkehrsanbindung, auch solche Selbstverständlichkeiten wie High Speed Internet, Mobilfunkabdeckung, EInkaufsmöglichkeiten...). Und ja, das ist heute keiin Luxus mehr, das hat selbstverständlich zu sein.

    Die Zukunft wird wohl die Städte noch weiter wachsen lassen, durchaus mit Suburbs, aber das wirkliche "platte Land" wird wahlweise zu Produktionsstandorten, wo vieles automatisiert wird, oder zu Ferienressorts, wo es durchaus Wohnraum gibt, der aber eben nur zum "Urlauben" genutzt wird.

    Wie schnell das geht, hängt von diversen Faktoren ab, aber alle Maßnahmen, die die Leute weiter gängeln würden - und genau das schlägst du vor - schubsen das Land nur noch schneller in Richtung Bürgerkrieg, und der kommt schon nahe genug, leider...

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
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