Wechsel von SchülerInnen zum beruflichen Gymnasium

  • @MrJules: Wobei man auch dazu sagen muss, dass es in Hessen z.B. möglich ist, Englisch in der Q-Phase abzuwählen und dafür Französisch oder Latein, wenn in der Sek I damit begonnen wurde, weiterzumachen. Ich nehme aber mal an, dass diese Sprachen auch wieder ihre Standardwerke haben.

  • Das sehe ich auch so. Kanon ist hier das richtige Stichwort.

    Es gibt einfach im Deutschen ebenso wie im Englischen und wahrscheinlich fast jeder anderen Sprache bestimmte Werke, mit denen man schon einmal in Berührung gekommen sein sollte, wenn man einen Abschluss wie das Abitur macht. Ob allgemeines Gymnasium oder BG ist da m.E. völlig egal.


    Gender roles? Ich bin froh, dass mir sowas damals im Englisch LK nicht angetan wurde.

    Wenn man in Englisch keinen LK hat, wird auch nicht unbedingt mit Shakespeare "in Berührung" kommen und kann trotzdem sein Abi machen (z. B. ist "Richard III" hier für das Abitur 2021 nur im erhöhten Anforderungsniveau vorgesehen).


    Zu deinem letzten Satz fällt mir echt nichts mehr ein... :autsch:

    Kleiner Hinweis dazu: im Englischabitur 2008 (!) war einer der thematischen Schwerpunkte Men and Women: Changing Gender Roles und als literarischer Text dazu im erhöhten Anforderungsniveau - wer hätte es gedacht - "Romeo and Juliet"! Da hast du ja wahnsinniges Glück, dass du in dem Jahr nicht dein Abi machen musstest...

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Gender roles folgt meiner Ansicht nach einfach der Agenda bestimmter politischer Gruppen. So etwas gehört wenn, dann in den Politik- oder Ethikunterricht und benötigt eine ausgiebige Reflexion, um nicht bloß der Propaganda dieser Interessengruppen zu folgen.


    Lehrstühle für Gender Studies an den Unis gibt es auch schon länger. Das macht die Sache trotzdem nicht besser.


    Wie man in Romeo & Juliet Geschlechterrollen als zentrales Leitmotiv ausmachen kann, ist mir absolut unverständlich. Das Werk bietet da ganz andere Ansätze zu gesellschaftlichem Wandel und Kontroversen.


    Und die Themenwahl kannst du auch nicht nur auf LK und GK runterbrechen. Auch jeder Deutsch-GKler weiß normalerweise, wer Goethe war, und hat schon mal was von ihm gelesen.


    Und ja, dann bin ich wirklich froh, 2006 Abi gemacht zu haben.


    Ich schätze Umwelt ist dann das neue Thema, mit dem die SuS indoktriniert werden.

    Ich finde Umweltschutz sehr wichtig, nicht falsch verstehen! Nur mag ich eben keine Indoktrination auf Basis bestimmter zeitgenössischer politischer Strömungen, die einem das Denken abnehmen wollen.

    • Offizieller Beitrag

    @MrJules: Wobei man auch dazu sagen muss, dass es in Hessen z.B. möglich ist, Englisch in der Q-Phase abzuwählen und dafür Französisch oder Latein, wenn in der Sek I damit begonnen wurde, weiterzumachen. Ich nehme aber mal an, dass diese Sprachen auch wieder ihre Standardwerke haben.

    Und was ist schlecht daran?

    Es ist in NRW, und vermutlich überall, auch der Fall. Eine fortgeführte Fremdsprache reicht, warum sollte / muss es Englisch selbst?

  • Man muss das Thema Umweltschitz ja nicht auf Basis bestimmter zeitgenössischer politischer Strömungen unterrichten, sondern kann dieses durchaus kontrovers disktuieren bzw. fernab dieser Strömungen diskutieren und sollte es auch tun.


    Was ich z.B. im neuen G9 KLP Physik vermisse: Eine ernsthafte, ausführliche und verbindliche (!) Diskussion über alternative Antriebsformen im KFZ Verkehr. Man könnte hieran z.B. zeigen, dass die so hochgelobten E-Fahrzeuge doch nicht so schadstoffarm sind wie in der Politik gerne diskutiert wird. Was ist mit der Herstellung der Fahrzeuge? E-Autos benötigen nun mal Strom. Was ist, wenn dieser eben nicht grün ist, sondern aus Kohle, Kernkraft etc. produziert wird? Was ist, wenn plötzlich alle Deutschen (gesetz den Fall die Rahmenbedingungen wie der Preis, wie die Reichweite etc. stimmen) ein E-Fahrzeug besäßen? Vorher kommt der Strom? Was ist mit den Batterien / Akku im E-Auto? Diese sind mitnichten gut für die Umwelt. Gäbe es weitere Alternativen zu E-Autos`(die nicht auf Verbrennungsmotoren basieren)?


    Thema Plastik: Welche Alternativen zu Plastik gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben diese Alternativen?

    Thema Nachhaltigkeit: Wie wird unsere Kleidung produziert? Wo wird sie produziert? Wie kann man erreichen, dass die Kleidung nachhaltiger produziert wird? Sind wir bereit mehr Geld dafür auszugeben? Unter welchen Umständen müssen Arbeiterinnen in den entsprechenden Ländern arbeiten? Würden wir das wollen?

  • Man muss das Thema Umweltschitz ja nicht auf Basis bestimmter zeitgenössischer politischer Strömungen unterrichten, sondern kann dieses durchaus kontrovers disktuieren bzw. fernab dieser Strömungen diskutieren und sollte es auch tun.

    Das wäre absolut zu wünschen.


    Ich bezweifle nur, dass der Englischunterricht der richtige Ort für realpolitische Diskurse ist, da dort eben das Erlernen einer Sprache uneingeschränkt im Vordergrund stehen muss.

    Deshalb befürchte ich, dass solche weitsichtigen Betrachtungen, wie du sie aufgeführt hast, dort keinen Platz haben werden und auch nicht erwünscht sind. Das kann dann schnell zu gefährlichem Halbwissen und einer Verengung der Urteilsfähigkeit in diesem Feld führen.

    • Offizieller Beitrag

    @MrJules: du unterrichtest keine Fremdsprache oder?
    in dem Oberstufenunterricht einer fortgeführten Fremdsprache geht es um weit mehr als "nur" den Spracherwerb. Das, was wir da vermitteln, ist viel mehr als ein bisschen Grammatik, Redewendungen und Vokabeln. Die Auseinandersetzung mit Alltagsthemen ermöglicht nicht nur die Umwälzung von Wortschatz und grammatischen Strukturen, sondern auch den Perspektivwechsel (zum Beispiel mit dem Vergleich zwischen den "Kulturen" der jeweiligen Sprache - was automatisch dadurch geschieht, dass man da kaum noch auf didaktisiertes Material zurückgreift und also die Aktualität anhand von realen Texten (Achtung, weiter Textbegriff) studiert. und so weiter...

  • Und wie soll ich einen "comment" verfassen, wenn ich ein Problem / ein Thema nicht differenziert angehe, d.h. auch kontrovers diskutiere.

    In Päda muss man bei bestimmten Operatoren (z.B. Beurteile) eben Pro- und Contraargumente entwickeln und dann "gewichtend und abwägend" zu einem Urteil kommen. Leider vergessen das SchülerInnen immer wieder gerne und notieren nur IHRE Meinung (von mir aus auch unter Einbezug der geforderten Theorie, teilweise auch ohne Theorie oder diese wird nur oberflächlich eingebunden). Das aber wiederum ist AFB III (was vielen SuS schwer fällt). Ich kenne mich jetzt mit den Operatoren in E / Fremdsprachen nicht aus, aber ich kann mir vorstellen, dass es dort ähnlich ist.

  • Aus rein wissenschaftlicher Sicht enthalten die Fremdsprachenphilologien die Aspekte Kultur, Literatur und Sprache. Um diese überhaupt anzugehen, dazu braucht es den Spracherwerb, der ja in der Regel in Primarstufe und Sek I ansetzt und in der Sek II verfeinert wird. Solange also Themen noch einen Zusammenhang zur zielsprachigen Kultur, Sprache oder Literatur aufweisen, sehe ich da in der Sek II kein Problem. Wenn jedoch einfach ein Thema eines anderes Faches entnommen wird (bei den gender roles wären das PoWi oder Ethik), muss man fragen, ob es sinnvoll ist, dieses im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts zu behandeln - fächerübergreifendes Lernen hin oder her.

  • Das wäre absolut zu wünschen.


    Ich bezweifle nur, dass der Englischunterricht der richtige Ort für realpolitische Diskurse ist, da dort eben das Erlernen einer Sprache uneingeschränkt im Vordergrund stehen muss.

    Wozu lernt man denn eine Sprache? Richtig, um darin zu kommunizieren. Und über was kommuniziert man so? Richtig, über alles mögliche, zum Beispiel Politik, Literatur, Videospiele, Umwelt, Musik, Lego etc. pp.

    Ganz schön schlimm, wenn man in der Schule über aktuell relevante Themen spricht.

  • @MrJules: du unterrichtest keine Fremdsprache oder?

    Nein, aber ich hatte Englisch LK und kann schon in etwa abschätzen, was man im Durchschnitt dort für ein Niveau hat.

    Komplizierte politische Themen zu diskutieren, das fällt vielen (auch Abiturienten) schon in ihrer Muttersprache schwer.

    Ich habe da einfach erhebliche Zweifel, wenn ein Thema eine gewisse Komplexität überschreitet. Und das ist bei manchen Themen eben notwendig. Bei anderen wiederum nicht.

    Ich fände es z.B. einfacher, über die Boston Tea Party zu diskutieren als über Geschlechterrollen, da ersteres deutlich enger Umrissen werden kann und weniger kontrovers ist (außer vielleicht, man ist Brite ^^).

    • Offizieller Beitrag

    Wir bringen aber den Schüler*innen nicht eine besondere Position zu Hamlet bei (ich habe kein Englisch...), sondern sich zum Beispiel mit einer literarischen Figur auseinanderzusetzen, weil sie zum Beispiel ein Problem zu lösen hat. Da würde man zum Beispiel die Figur charakterisieren, ihre Positionen untersuchen und so weiter.

    Gut, ich habe zu wenig Ahnung von Englisch, ich nehme Französisch, weil es sicher auch greifbar ist.

    Wenn ich die "Fabeln" von La Fontaine aus dem 17. Jahrhundert durchnehme, machen wir da genauso viel Gesellschaftskritik wie möglich. Die Analyse von damals ermöglicht Diskussionen zu heute. (Ähnlich, wenn man in Deutsch zum Beispiel Büchner liest...)
    Wenn ich Sartre lese, dann beschäftigen wir uns mit dem Existentialismus.


    Soll ich dann nur mit den SuS untersuchen, ob sie Reime finden und die Stilfiguren erklären können? oder ob sie die Dramentheorie verstanden haben? Natürlich nicht nur!
    Natürlich nicht. Wir reden über Herrscher und Gesellschaftsformen, wir reden über Sein, Schein und Tod.
    und ich drücke den SuS selbstverständlich nicht meine Meinung auf, sondern wir arbeiten argumentativ, wir lesen eine historische Rezension, machen einen Vergleich mit der heutigen Zeit, usw..


    Was soll es sonst für eine "kommunikative Kompetenz" sein, wenn die jungen Erwachsenen sich nur über Sartre und Shakespeare unterhalten können, aber nicht über die Gesellschaft, in der sie leben?

  • Ich fände es z.B. einfacher, über die Boston Tea Party zu diskutieren als über Geschlechterrollen, da ersteres deutlich enger Umrissen werden kann und weniger kontrovers ist (außer vielleicht, man ist Brite ^^).

    Aber genau das ist doch ein Argument dafür, dass ein E-Abitur am BG nicht weniger Wert sein muss , ist als am AG und erst Recht nicht leichter (s. Gerücht "Am BG ist es ja alles viel leichter")

  • Wie Chili schon sagte: Englisch ist in der Oberstufe Mittel zum Zweck. Klar wiederhole ich mal Grammatik, aber es geht nicht mehr darum, sondern um Diskurs.


    In einem Englischbuch werden zum Thema Erderwärmung Reden von Leonardo Di Caprio und Obama analysiert und deren Positionen anhand von Tweets von Trump mit dessen Position verglichen. Falls noch wer Input braucht: die neueN Camden Town Oberstufe sind in vielen Themen echt gut.

    Also klar, auch Anglophile Sichtweisen, aber in der Mediation gibt es natürlich deutsche Texte über deutsche Phänomene, die zu vermitteln sind.

    Auch gender roles kann man ja gut in verschiedenen Ländern vergleichen und darüber zu reden ist ja zum Glück den meisten hier wichtig, ja, reden, nicht indoktrinieren. Darüber kann man wenigstens auch diskutieren, im Gegensatz zur Boston Tea Party.


    @Lehramtsstudent: über welche Themen soll man denn sonst reden? Schon in der 3. Klasse redet man ja im Englischunterricht über Themen aus anderen Fachbereichen, worüber denn sonst? Ich hab ja schließlich auch Englisch und nicht "die Geschichte Englischsprachiger Länder" studiert. In Deutsch redet man doch auch über "fachfremde" Themen.


    Die Operatoren im Englischen und in Päda weichen übrigens nicht so arg von einander ab im AFB III.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Ich unterrichte wirklich sehr gerne Shakespeare. Mir macht es Spaß, die SuS an für sie (!) "alte Sprache" heranzuführen und über das elisabethanische Zeitalter zu sprechen. Und auch bei Shakespeare gibt es Anknüpfungspunkte zu modernen Fragestellungen.

    Trotzdem würde ich nie behaupten, dass ein Englisch LK am BK weniger wert ist, als am AG, nur weil man dort kein Shakespeare macht. Dafür werden andere Themen besprochen. Reden von Obama und Trump werden wohl an Schulformen im Oberstufenunterricht in Englisch besprochen.


    Übrigens: Ich habe Abitur am BK gemacht, Englisch LK, kein Shakespeare und habe, manch einer hier mag es kaum glauben, Englisch völlig problemlos studiert. Mathe hatte ich nur im GK und auch das habe ich relativ problemlos studiert.

  • Bleiben wir bei Päda und fächerübergreifendem Lernen

    Ein Thema ist die Erziehung im NS. Natürlich sind da gewisse Querverbindungen zu Geschichte vorhanden (man muss halt Kenntnisse über diese Zeit haben), nur haben wir einen anderen Schwerpunkt als die Geschi-KollegInnen. Und wir ziehen immer einen Quervergleich zu rechtsradikalen Gruppierungen der Gegenwart. Dann ist man sehr schnell beim Thema AFD, Rechtsradikalismus in der Gegenwart etc.

  • yestoerty : Da du mich so explizit fragst: Ich würde mal sagen, dass sich Themen anbieten, die Zusammenhänge zur anglophonen Kultur, Literatur oder Sprache erkennen lassen. In der Grundschule geht es primär um den Aufbau elementaren Wortschatzes, da ist sicher nicht in jeder Unit der direkte Zusammenhang zur anglophonen Welt erkennbar (Das meintest du sicher, oder?). Aber klar, auch da wird versucht, wenn es sich anbietet, Unterschiede zwischen den beiden Kulturen aufzuzeigen.

  • Ja, das stimmt. Man sollte sowas grundsätzlich nicht machen, irgendwelchen Ideologien folgen. So wie damals, als Frauen auf einmal wählen wollten, Sklaven nicht mehr von anderen Menschen besessen werden wollten oder Homosexuelle nicht mehr bestraft werden wollten. Lieber die Leute selbst denken lassen bei Dingen, die relativ bis eindeutig sind oder die tatsächlich niemanden benachteiligen, wenn sie umgesetzt werden. Stimme dir da vollkommen zu, sowas sollte es einfach nicht geben!


    Nicht falsch verstehen, ich finde Frauen, Freiheit und Homosexuelle wichtig, aber da soll mir doch nicht das denken abgenommen werden...

  • yestoerty : Da du mich so explizit fragst: Ich würde mal sagen, dass sich Themen anbieten, die Zusammenhänge zur anglophonen Kultur, Literatur oder Sprache erkennen lassen.

    Gut, dann sind ja Obamas und Trumps Meinung zu Nachhaltigkeit und Erderwärmung sehr passend. Und wenn ich dann noch analysieren lasse mit welchen stilistischen Mitteln er die Zuhörer von seiner Meinung überzeugt, dann passt das ja doppelt.

    Als gäbe es "das Anglophone"; redest du von England, Großbritannien, den USA, Südafrika, Indien, Neuseeland, Australien,... ?

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

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