Ich sei nichts für den Lehrerberuf (Staatsprüfung) :-(

  • Ja. Eventuell wollte der da nur was testen, was ich damals bei meinem Fahrlehrer erlebt hatte... kurz vor meiner praktischen hat der mich wegen nem ganz kleinen Fehler mal total angepampt. Ich hab ihm direkt paroli gegeben und gefragt was der Scheiss soll. Er darauf "ich wollte nur testen, wie sie auf sowas reagieren... ich weiß wen sie als Prüfer bekommen, der kann explodieren... wäre scheisse wenn sie dann die Fassung verlieren würden. Tun sie nicht, also bin ich beruhigt."

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Es hat auch geholfen, den Unterricht derer zu besuchen, die mich kritisierten ... und zu sehen, dass die auch nur mit Wasser kochen (wenn überhaupt).

    Die Klammern kann man bei einigen ruhig weglassen.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Eine kurze Einschätzung von mir zu deinem Prüfungsvorsitzenden:
    Sein Verhalten war absolut anmaßend und unangebracht! Der Typ hatte nur eine Aufgabe, er musste einer fachwissenschaftlichen Prüfung beiwohnen, das ist alles. Die hast du bestanden, dazu meinen Glückwunsch!

    Alles andere ist Quatsch, aber es gibt halt immer Leute, die über's Ziel hinausschießen. In deinem Fall ist es der Prüfungsvorsitzende, der glaubt, von einem Verhalten in einer singulären Prüfungssituation auf den restlichen Lebensweg schließen zu können und dann auch noch die Welt verbessern zu müssen, indem er ungefragt seine Meinung zu etwas kundtut, was gar nichts mit deiner Prüfung zu tun hatte.

    Sieh es doch mal so: Da hat wohl eher der Prüfungsvorsitzende seinen Job verfehlt, oder?

  • Ich finde solche Äußerungen von Prüfungsvorsitzenden eine Frechheit. Hat der dich je in einer Unterrichtssituation den Schülern gegenüber gesehen?

    Mannomann, ich kann nur den Kopf schütteln, was heutzutage alles Prüfungen abnimmt. Menschlich null Empathie.

    Und auch für angehende Lehrer gilt: Man wächst an seinen Aufgaben. Nach dem 1. Staatsexamen ist noch nie ein perfekter Lehrer herausgekommen, es sei denn, er hat eine Naturbegabung!

    In der 2. Phase lernst du ja erst, wie du den Stoff den Schülern vermittelst.


    Wenn ich daran denke, wie ich am Anfang Unterricht geplant habe. Ich habe mir jeden Satz, den ich sprechen wollte, im Voraus überlegt und aufgeschrieben und die erwarteten Schülerantworten ebenso. Da war ich zusätzlich noch in der Sekundarstufe. So habe ich mit der Unterrichtsplanung angefangen. Das war am Anfang hilfreich, alles zu durchdenken.

    Kein Vergleich, wie ich das jetzt nach über 35 Jahren Lehrererfahrung mache.

  • Ich habe schon bei Staatsexamensprüfungen in der Uni mitgeprüft. Das war vor meinem Referendariat. Da sitzen ne Menge Prüfer, die ähnlich viel Ahnung vom Schulwesen wie ich damals haben.

    Solange soviele Professoren in Deutschland maximal ein Referendariat vorweisen können, halte ich deren Einschätzungsfähigkeit für die Befähigung zum Lehrer für überschaubar.


    Kritikfähigkeit, insbesondere auch eine sachliche Analyse von vorgebrachter Kritik ist wirklich wichtig. Ich hatte sehr tolle Fachleiter, aber ich musste trotzdem zweimal hart mit mir kämpfen nach einer Nachbesprechung. Beide Male durchaus gerechtfertigt... Man macht nunmal Fehler. (Fun Fact: Wenn eigentlich nette und freundliche Fachleiter einen UB auseinandernehmen, ist das noch viel schlimmer als wenn es der FL ein Blödmann ist)


    Das Praxissemester würde ich aber nicht zu hoch hängen. Einige meiner (Ex-)Mit-Referendare haben das Praxissemester besser weggesteckt als das Referendariat. Lass es daher einfach auf dich zukommen und such dir früh ein Support-Netzwerk bei deinen Mitreferendaren.

  • Kennt der dich nur von der Prüfung her? Dann hat das absolut nichts und gar nichts zu sagen. So viel Erfahrung, dass man das anahnd einer Prüfung sagen kann, gibt es nicht. Kennt der der dich auch aus anderen Veranstaltungen? Dann kann er recht haben oder ein Depp sein, aber es gibt für niemanden eine Möglichkeit, das herauszufinden, ohne es in der Praxis zu versuchen. Abschütteln, ignorieren, aber unabhängig davon - auch wenn das nicht leicht ist - in gesundem Maß im ganzen Referebndariat darüber nachdenken, ob der Beruf das richtige ist. Aber geh erst mal davon aus, dass er das ist.


    (Ich habe Studierende an der Uni in Veranstaltungen begleitet, oft in mehreren, und deren Arbeiten begleitet, und ja, es gibt welche, die ich mir nicht als Lehrkräfte vorstellen kann. Vorsichtig abgeraten habe habe ich nur einmal.)

    "Im not laughing with you, I'm laughing about you."


    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

  • Ein dickes Fell braucht man schon. Was mir geholfen hat, war mir selber immer zu sagen, dass das Ref ja nur eine begrenzte Zeit ist und danach der BEruf nochmal ein ganz anderer wird. So war es auch. Man kommt da durch.

  • Ein dickes Fell braucht man aber nicht nur fürs Ref (okay, da vielleicht besonders mangels Erfahrung), ich finde auch im Lehrerberuf generell. Ich habe 10-15 Jahre nach Start Sachen erlebt (Eltern, Schüler)... Da musste ich mein Fell erst noch wieder dicker werden lassen. Aber da wächst man ja hinein. Ich denke, keiner ist von Vornherein der ideale Lehrer, die Erfahrung (gute wie schlechte), spielt wie in allen Berufen eine große Rolle.

  • Ein dickes Fell braucht man aber nicht nur fürs Ref (okay, da vielleicht besonders mangels Erfahrung), ich finde auch im Lehrerberuf generell.

    Richtig, vielleicht sogar überall im Leben?


    ... Aber da wächst man ja hinein. Ich denke, keiner ist von Vornherein der ideale Lehrer, die Erfahrung (gute wie schlechte), spielt wie in allen Berufen eine große Rolle.

    Auch, aber nicht nur- manche Probleme werden auch größer mit den Jahren, daher bin ich für Ehrlichkeit mit sich selbst und Angehen der Probleme.


    Aber natürlich nicht auf Zuruf irgendeines Dahergelaufenen seine Berufsausbildung abbrechen!

  • Nochmals vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Sie haben mich sehr aufgebaut, obwohl es mir immer noch nicht ganz besser geht.


    Herr Rau: Der Vorsitzende und ich haben uns bei der Prüfung das erste Mal gesehen. Die Prüfung hatte keine Stunde gedauert.

    Wenn ich fragen darf: Was war das für eine Persönlichkeit der du vom Lehrerberuf abgeraten hattest?


    Ich bin an dem Prüfungstag aus allen Wolken gefallen. Weil das was er zu mir sagte in keinster Weise auf mein Praxissemester zutraf. Es wäre ok gewesen, wenn er gesagt hätte ich könnte an irgendeiner Sache noch arbeiten. Aber knallhart zu sagen ich sei dafür ungeeignet....das hat mir echt den Boden unter den Füßen weggezogen. Und mich letztlich sehr verletzt.


    Ich habe jetzt nochmals mit meiner Tante gesprochen, die auch Lehrerin ist. Sie schließt sich den Meinungen hier an. Sie meinte aber auch, dass bei den UBs öfters mal alt eingesessene Männer sitzen, die ,,nochmals Wasser haben wollen". Sie hatte es auch schon öfters erlebt, dass Referendare aufgrund ihres Aussehens von solchen Typen angegriffen wurden (ein Referendar wurde fertig gemacht, weil er angeblich zu klein für den Beruf ist). Da konnte der Unterricht noch so gut sein, draufhauen müssten manche immer.

    Wenn ich Pech habe, könnte ich einen Prüfer bekommen, der etwas gegen zierlich, kleine Frauen als Lehrerinnen hat und der lieber die 185 cm gut gebauten Männer als Lehrer vor sich sieht. Diese würden scheinbar aufgrund ihrer Größe erstmal Eindruck in der Klasse machen und das würden einige Prüfern gerne sehen. Aber sie kennt mich und sie kann sich nicht vorstellen, dass ich nichts für den Beruf sei. Das oben beschriebene ist eine Erfahrung die sie leider schon öfter gemacht hatte. Natürlich gibt es auch andere Prüfer.


    Als ich damals in das Schulpraxissemester ging hieß es von meiner Mentorin, das sie mir ganz ehrlich die Meinung sagen wird, ob der Beruf etwas für mich ist. Und sie sagte mir beim Abschlussgespräch: ,,Ja bei unserem ersten Treffen kamen Sie mir etwas unsicher rüber und ich war gespannt auf Ihre Reise. Als ich Sie dann dann vor der Klasse stehen sah, kam es mir so rüber als würden sie seit Jahren nichts anderes machen. Das konnten auch die anderen Lehrer bestätigen."


    Wie schon gesagt wurde, werde ich an meinem Selbstbewusstsein arbeiten müssen.

    samu: Ich denke hätte die Therape etwas gebracht, wäre die Prüfung und das hier jetzt nicht so gelaufen. Vielleicht sollte ich nochmal zu jemand anderen gehen. Ich habe hier auch gelesen, dass es Coachings gibt. Darüber werde ich mich auch mal informieren.

  • Sie meinte aber auch, dass bei den UBs öfters mal alt eingesessene Männer sitzen, die ,,nochmals Wasser haben wollen". Sie hatte es auch schon öfters erlebt, dass Referendare aufgrund ihres Aussehens von solchen Typen angegriffen wurden (ein Referendar wurde fertig gemacht, weil er angeblich zu klein für den Beruf ist). Da konnte der Unterricht noch so gut sein, draufhauen müssten manche immer.

    Wenn ich Pech habe, könnte ich einen Prüfer bekommen, der etwas gegen zierlich, kleine Frauen als Lehrerinnen hat und der lieber die 185 cm gut gebauten Männer als Lehrer vor sich sieht. Diese würden scheinbar aufgrund ihrer Größe erstmal Eindruck in der Klasse machen und das würden einige Prüfern gerne sehen.

    Das ist genauso leeres Geschwätz wie das des Prüfers.

  • Das klingt doch wirklich gut und reflektiert Tannenzweig00 , was du an Rückmeldung im Praktikum erhalten hast, ebenso wie die Einschätzung deiner Tante keineswegs von der Hand zu weisen ist. Halte dich daran für dich selbst fest, um dich jetzt nicht von einer Einschätzung eines Prüfers, der dich nicht in der unterrichtlichen Situation erlebt hat- und vor allem auf die wird es im Ref ankommen- in deiner beruflichen Entscheidung beeinflussen zu lassen. Sieh deine innere Reaktion darauf, wie hier schon angesprochen wurde, als zarten Hinweis bis zum Ref nochmal ganz gezielt an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu arbeiten, damit du im Ref stark und präsent auch im Umgang mit KuK/SL dastehen und deine Frau stehen kannst- und das kann man auch als kleine, zierliche Frau ganz genausogut (oder ggf. auch besser), wie der große, männliche Kollege mit der Stentorstimme, wenn die innere Haltung stimmt. :-) Jetzt schieb den ollen Prüfer erstmal zur Seite, sei stolz auf dich, feier mit Familie und Freunden diesen wichtigen Schritt, ehe du dich auf den nächsten Schritt, das Ref vorbereitest und dieses angehst.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    2 Mal editiert, zuletzt von CDL ()

  • Sag mal geht's noch? Was erlaubt der sich?


    So hätte ich ihm das zwar nicht ins Gesicht gesagt aber dafür umso bestimmter.


    "Ihre Aufgabe war, meine fachlichen Qualifikationen zu beurteilen, nicht meine persönliche oder charakterliche Eignung für den Lehrberuf. Überschreiten Sie bitte nicht Ihre Kompetenzen. Danke."

  • Mach dir keinen Kopf über klein, zierlich, weiblich oder groß, muskelbepackt männlich. Wenn du selbstbewusst vor einer Lerngruppe sprichst und fachlich kompetent bist, ist das doch egal.

  • Herr Rau: Der Vorsitzende und ich haben uns bei der Prüfung das erste Mal gesehen. Die Prüfung hatte keine Stunde gedauert.

    Wenn ich fragen darf: Was war das für eine Persönlichkeit der du vom Lehrerberuf abgeraten hattest?

    Wenn der dich nur diese eine Stunde gesehen hat, dann kannst du wirklich getrost vergessen, was er über deine Eignung gesagt hat. Kann sein, dass du geeignet bist; kann sein, dass nicht; kann irgendwas dazwischen sein - aber mit dieser Prüfungsaussage hat das nichts zu tun.


    - Ich glaube, ich könnte einer Persönlichkeit nicht mit Worten gerecht werden, schon gar nicht im Internet. Ich bin auch nicht gut bei Menschenkenntnis, nicht furchtbar interessiert an Menschen, und halte mich sehr zurück mit Ratschlägen. In diesem einen Fall schien es mir fehlendes Interesse am Beruf zu sein, wenn ich mich richtig erinnere. Und das ist für mich nicht mal wirklich ein Persönlichkeitsmerkmal.

    Weil? Das würde mich echt interessieren.

    Fehlendes Interesse. Mehr will ich hier nicht sagen, weil das zur Identifizierung beitragen könnte.

    "Im not laughing with you, I'm laughing about you."


    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

  • Bei Lehrern wird ja immer mit der Lehrerpersönlichkeit argumentiert und wenn man diese nicht habe, könne man den Job glatt vergessen. Nachdem dieser Thread wieder dieses Thema anschneidet, frage ich mich, ob es das auch in anderen Berufen gibt. "Ich sehe Sie nicht als Kaufmann für Bürokommunikation." wird ja wohl noch nicht so oft gesagt werden.

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