Deutsch & Politik/Wirtschaft Fächerkombi

  • Hallo zusammen,


    ich stehe aktuell vor einer schwierigen Entscheidung. Ich möchte im Wintersemester anfangen auf Lehramt zu studieren.

    Ich habe ein großes Interesse am Beruf des Lehrer und kann mich selbst als Lehrer vorstellen.


    Jedoch möchte gerne ans Gymnasium (Niedersachsen). Meine Fächerkombi wäre Deutsch & Politik/Wirtschaft.

    Ich weiß, dass Deutsch kein Mangelfach ist wie z.B. Mathe etc. Laut einer Studie vom Kultusministerium ist die Aussicht für Deutsch eher "schwierig".

    Daher habe ich mit der Studienberatung einer Uni gesprochen (Oldenburg). Hier war die Aussage, dass ich mir nicht so viele Gedanken machen sollte wg. der Fächerkombi und den Jobaussichten.


    Könnt ihr mir vllt. ein paar Tipps/Ratschläge geben? Ist Deutsch/PoWi genauso so "schlimm" wie Deutsch/Geschichte von den Aussichten her? Oder kann man den Aussagen der Studienberatung vertrauen.

    Ich möchte ungern ein Studium beginne, wo meine Jobaussichten später sehr schlecht sind. Eine andere Fächerkombi/Schulform kommt für mich nich so wirklich in Frage.


    Vielen Dank schonmal für eure Antworten! :)

  • Ich kenne mich nicht genau mit der Situation in Niedersachsen aus, in NRW wäre diese Kombi am Gymnasium aber sehr schwierig. Ist halt ein Klassiker, kenne sehr viele Studis mit dieser Kombi. Kommt wirklich kein anderes Fach in Frage? Evtl als Drittfach? Oder eine andere Schulform?

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • Hallo,

    einen Überblick über den Bedarf an Lehrkräften findest Du schulformspezifisch auf der folgenden Seite: https://lehrer-werden-in-niede…ntsprechende-schulzweige/.


    Ergänzend dazu wird auf einem Flyer (Achtung: Stand 2017) des Niedersächsischen Kultusministeriums für verschiedene Schulformen und Schulfächer geworben: https://www.mk.niedersachsen.d…raucht-das-land-6374.html.

  • Geschichte war in G8 zumindest mit mehr Stunden am Gym vertreten als PoWi, dafür gibt es aber mehr Leute, die es studieren.
    eine ketzerische Frage: Du willst in Oldenburg studieren. Woher kommst du? Aus dem Emsland / Grafschaft? Dann sieht es zumindest gut aus ;-) Da die Menschen dort sehr heimatverbunden ist und viele scheinbar nicht bereit sind, bis nach Oldenburg zu ziehen (und man in Osna kein PoWi auf Lehramt studieren kann), gibt es dort einen relativen PoWi-Lehrer-Mangel :-D DAS könnte deine Chance sein.
    Sonst: wie schon erkannt nicht DIE aussichtsreiche Fächerkombi... aber eine schöne.

  • OT: "Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen..." ;-)


    Zum Thema kann ich leider nichts sagen. Ich habe zwar selbst in Oldenburg studiert, kenne mich mit dem Lehramt Gymnasium gar nicht aus.

  • Finger weg von Kombinationen mit Deutsch.

    Eine andere Fächerkombi/Schulform kommt für mich nich so wirklich in Frage

    Schade. Warum?

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • Danke an alle für die schnellen Anworten! :)


    @Fallen Angel wie läuft das mit dem Drittfach ab? Studiere ich dieses gleich im Bachelor oder erst im Master?


    @chilipaprika ich komme aus dem Oldenburger Münsterland :D Ich muss nicht zu 100% hier später unterrichten, in Oldenburg bzw. Umgebung würde für mich auch gehen.


    @fossi74 bei der Fächerkombi ist es ganz einfach^^ Ich bin kein Überfliger in den MINT-Fächern, als Sprache könnte ich vllt. noch Englisch anbieten, aber dann hörts eigentlich auch auf. Welche Fächer würdest du denn empfehlen?

  • Finger weg von Kombinationen mit Deutsch.

    Das ist alles Geschmackssache, denke ich. Ich habe gerade letzte Woche eine alte Studienfreundin von mir besucht. Sie ist absolut glücklich mit ihrer Kombination Wirtschaft und Deutsch an einer BBS (also Wirtschaft als berufliche Fachrichtung, Deutsch als Unterrichtsfach). Auch der Fachleiter Deutsch an meiner Schule geht total in seinem Unterrichtsfach auf.

  • Ich hatte das nicht unter Geschmacksaspekten gesagt.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • fossi74 : Wie meintest du es denn dann? Spielst du auf die schlechten Einstellungsmöglichkeiten an?

    Wenn dem so sein sollte, hatte ich dich falsch verstanden (da fehlte mir eine nähere Erläuterung deinerseits); ich dachte nämlich, du wolltest den TE vor dem Korrekturaufwand warnen.

  • @chilipaprika ich komme aus dem Oldenburger Münsterland :D Ich muss nicht zu 100% hier später unterrichten, in Oldenburg bzw. Umgebung würde für mich auch gehen.

    Also bei der Fächerkombi wird ein bisschen mehr Flexibilität sicher hilfreich. Die Wahrscheinlichkeit, dass du zum Beispiel weder am Gym noch im Oldenburger Münsterland landest, ist natürlich weitaus größer als, dass du überhaupt eine Planstelle bekommst ;-)

  • chilipaprika Das hatte ich mir schon gedacht. Mir wurde von der Studienberatung gesagt, ich solle mir nicht so viele Gedanken was in 5/6 Jahren ist, da dass wohl keiner wirklich vorhersehen kann. Ich habe nur Bedenken, dass ich 5/6 Jahre investiere, um dann nachher keinen Job zu bekommen. Dieser Gedanke beunruhigt halt einfach aktuell...

  • also: ich wollte insbesondere nur darauf hinweisen, dass man flexibel sein muss. Örtlich und / oder schulformartig.
    Mein Ref ist über 6 Jahre her, aber trotzdem gab es zu dem Zeitpunkt keinen richtigen Bedarf an Gymlehrer*innen. Ich hatte schon Kontakte und wollte nicht in NDS, aber: bei meinem Jahrgang (und dem davor und dem danach) hat JEDE*R eine Planstelle bekommen, der das wollte. Auch mit den absurdesten Fächerkombinationen. Die meisten aber nicht am Gym: Oberschulen, Abendschule, Oberschule/Gym-Trick, usw.. Aber: 80% der Refis im Emsland haben schon quasi das Haus während des Refs gebaut. Wenn man also sich einen Radius von 30km vorstellt, dann muss man eine andere Schulform annehmen.
    Es gibt Regionen in Deutschland / NDS, die nicht so beliebt sind. Ich kenne mich im oldenburgischen Münsterland nicht aus (eigentlich in NDS nicht), aber man muss realistisch sein: Wenn man an beliebte Orte will, muss man nicht nur super gut sein oder ein Profil haben (den Kanuschein für die beliebte AG, ...), sondern beides und dann noch Deutsch als Zweitsprache haben und Kontakte...
    Ich finde die Ratschläge, ein Fach zu nehmen, das man weder kann noch mag, nur um eine Stelle zu haben, sehr gefährlich. Ich habe die letzten Jahre eins meiner Fächer bis zum Erbrechen unterrichtet. Der Überdruss kam sicher von der Eintönigkeit, aber sicher auch, dass es das am wenigsten "ausgesuchte" Fach war. Ich hab es einfach studiert, weil es der einfache Weg war. Ich habe zum Glück andere Fächer, die plötzlich mehr Bedarf hatten. Aber die meisten von uns haben nur zwei Fächer: und dann bleiben sie ein Leben lang bei 18 Stunden des Faches, das sie nicht mehr sehen können...

    Studiere die Fächer, die dir liegen, in dem Bewusstsein, dass die Chancen sehr gering sind UND investiere (Zeit [und Geld, denn Zeit IST Geld]) in ein Drittfach, in bestimmte Zusatzqualifikationen (schulbezogen oder nicht) UND habe immer einen Plan B. Wenn du Deutsch/PoWi nur in der Perspektive studierst, dass du Deutsch/PoWi-Lehrer an einem Gym wirst, sonst nichts Anderes, dann lass es.
    Wenn du bereit bist,
    - vielleicht ein Drittfach zu studieren (über die Modalitäten des Studiums informieren dich die Webseiten deiner Uni und die Studienberatung),
    - vielleicht Praktika außerhalb der Schule zu machen, um später in einer NGO, in der Verwaltung oder was weiß ich machen zu können,
    - vielleicht eine andere Schulform in Kauf zu nehmen oder sogar lieben zu lernen, ...
    dann hast du Chancen.

    Wenn du super unsicher bist: vielleicht hilft eine Ausbildung vorher? Dann hast du schon einen Standbein, es erweitert den Horizonten, du kannst während des Studiums jobben, usw..
    (und bitte nicht mit "aber ich bin schon 18, ich muss doch schnell studieren" kommen ;-) )

    Viel Erfolg!

  • Ganz ehrlich:


    Ich würde dir dringend abraten. Ich kenne Personen mit besseren Kombis, die nach etlichen Jahren immer noch keine feste Stelle, geschweige denn Planstelle haben. Hierbei spielt aber auch deine räumliche Flexibilität eine sehr große Rolle. Wenn du dir vorstellen kannst, in das letzte Kuhkaff in der ehemaligen DDR zu ziehen, sind die Chancen bestimmt gar nicht so mies. Oder wenn du dir vorstellen kannst, dich viele Jahre lang vom einem befristeten Vertrag zum nächsten zu schleppen und über die Sommerferien arbeitslos zu sein, dann wird das auch sehr wahrscheinlich klappen.


    Wenn für dich keine andere Schulform in Frage kommt und kein anderes Fach, du aber diese Risiken absolut nicht möchtest, dann hast du leider Pech gehabt. Außer du willst das Risiko eingehen (was schon erheblich ist mMn) oder planst einen Abschluss mit <1,5 fest ein.


    Möglich wäre auch die Arbeit an einer beruflichen Schule. Aber auch da muss man erst mal was finden. Und Planstelle bekommt man da auch nicht so schnell, da es arbeitslose Gym-Lehrer en masse gibt, auf die man zurückgreifen kann. Da sollte man dann schon viel Erfahrung vorweisen können. Und Deutsch auf Gym ist leider so ein Fach, das gefühlt fast jeder Zweite studiert. Und so sieht die Stellensituation dann eben später auch aus.


    Und klar sagen dir Studienberatungen, du sollest dir keine Gedanken machen. Die Unis verdienen schließlich Geld mit jedem weiteren Studierenden.



    Wenn du trotzdem unbedingt Gym-Lehramt studieren möchstest, würde ich dir zumindest sehr dazu raten, Deutsch durch Englisch zu ersetzen und ggf. noch ein Drittfach zu studieren.

  • Spielst du auf die schlechten Einstellungsmöglichkeiten an?

    Genau. Deutsch ist ein tolles Fach, wenn man sich für die Inhalte interessiert (OT: Ich mag die Metapher vom "brennen" nicht. Ich kann in meinem Beruf brillant sein, ohne dafür zu brennen. Die Wahrscheinlichkeit, in dem Beruf glücklich zu werden, sinkt außerdem mit steigendem Hitzegrad, weil es bei der Berufsausübung in viel entscheidenderem Maß auf ganz andere Faktoren ankommt als auf die Begeisterung für das, was man tut. Allzu große Begeisterung ist aber eher schädlich, weil sie leicht den Blick für Missstände vernebelt).

    Ein Mangel- oder auch nur gesuchtes Fach ist es wohl an keiner Schulart, in keiner Stufe und in keinem Bundesland.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • chilipaprika Danke für deine ehrliche Meinung. Ich habe bereits eine Ausbildung absolviert. Ein Drittfach könnte ich mir schon vorstellen, dann vllt. in Richtung Englisch. Bei der Schulform würde mir die Berufsschule am Ehesten zusagen. Würde wirklich gerne Deutsch/PoWi studieren, da mich beide Fächer echt interessieren.

  • Ein Mangel- oder auch nur gesuchtes Fach ist es wohl an keiner Schulart, in keiner Stufe und in keinem Bundesland.

    Meine Schule bildet da wohl eine Ausnahme. Wir hatten und haben so ca. alle zwei bis drei Jahre Bedarf an neuen Deutschlehrkräften. Das liegt zum einen daran, dass das Deutschteam hauptsächlich aus weiblichen Lehrkräften besteht und die haben sich in den letzten fünfzehn Jahren rege "vermehrt" ;-) . Soll heißen: die Kolleginnen, die dann aus dem Mutterschutz und der Elternzeit zurückkamen, arbeiten allesamt Teilzeit, so dass Bedarf an neuen Deutsch-KuK da war und ist (auch weil diese Kolleginnen dann teilweise gar nicht mehr Deutsch unterrichten, da sie in ihrem beruflichen Schwerpunktfach benötigt werden). Zum anderen sind einige - ich meine drei - der wenigen männlichen Deutschlehrkräfte und zudem eine der Deutschlehrerinnen in den letzten acht bis zehn Jahren an andere Schulen gewechselt.

    Aber ich denke, das ist wirklich Zufall bei uns!

  • Mit Politik/Wirtschaft würdest du an BBS vermutlich Politik unterrichten können. Diejenigen, die die berufliche Fachrichtung WiWi studiert haben oder als WiWi quereingestiegen sind, werden für BWL/VWL besser qualifiziert sein (ein Gedanke, eine Vermutung meinerseits – ich bin aber nicht in der Position, das mit Sicherheit sagen zu können).

    Vom Unterrichtsfach Politik an BBS wurde mir in bzw. für NRW explizit abgeraten, da wohl sehr beliebt bei insg. geringerem Bedarf. Wird meines Wissens auch in keinem Bildungsgang mehr als 2 h/Woche unterrichtet. Zumindest laut der Prognose der Leuphana Universität gilt das so auch für Niedersachsen: https://www.google.com/url?sa=…Vaw2KcRHUKkBvvZaAKfflbQDq

    Du würdest also vermutlich v. a. Deutsch unterrichten. Da stellt sich die Frage, ob eine BBS einem Gymnasiallehrer für Deutsch only langfristig eine Perspektive (unbefristete Anstellung, Verbeamtung etc.) bietet. Und ob du das überhaupt wollen würdest.

  • Kann ich genauso bestätigen, Barbara. ! Poltik ist sicherlich kein Mangelfach an BBSn und wird in allen Bildungsgängen bei uns max. zweistündig unterrichtet, oft sogar nur ein Halbjahr lang.

    Dass wir an unserer BBS jemanden ausschließlich für den Deutschuntrricht eingestellt haben, habe ich noch nicht erlebt, obwohl wir - siehe oben - immer Bedarf an Deutsch-KuK hatten.

    Auch denke ich nicht, dass wir jemanden, der Gymasiallehramt mit "Politik/Wirtschaft" studiert hat, für die berufliche Fachrichtung "Wirtschaftswissenschaften" bzw. "Wirtschaft und Verwaltung" einstellen würden, solange es Bewerber*innen gibt, die diese Fachrichtung auf Lehramt BBS studiert haben. In meiner Abteilung "Wirtschaft und Verwaltung" gibt es derzeit überhaupt nur eine Kollegin, die "von Haus aus" Gymnasiallehrerin ist (für Deutsch und Geschichte, wobei sie letzteres am BG unterrichtet). Sie hat damals wirklich Glück gehabt, dass sie die Stelle bei uns - mangels Konkurrenz, da es außer ihr eine andere Bewerberin gab, die dann ihre Bewerbung wieder zurückgezogen hat - überhaupt bekommen hat. Diese Stelle war übrigens seinerzeit mit "Fachrichtung: beliebig; Unterrichtsfach: Deutsch" ausgechrieben.

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