Welchen Stundenlohn haben Lehrer?

  • Achso, dann hab ich Catelyn wohl missverstanden. Für mich klang das wie "sucht euch doch einen anderen Job, wenn die Bedingungen an diesem missfallen." Das fand ich ein seltsames Verständnis vom Umgang mit Problemen bei Arbeitsbedingungen.

    Vielleicht habe ich es ja auch missverstanden ;-) ...

  • Ich habe mit Sicherheit nicht gesagt, dass man sich gefälligst einen anderen Job suchen soll, wenn einem der Job als Lehrer nicht passt. Ich kann auch keinen Zusammenhang mit Fußballern und Millionären erkennen, aber das ist mir auch relativ egal.

  • Ich habe mit Sicherheit nicht gesagt, dass man sich gefälligst einen anderen Job suchen soll, wenn einem der Job als Lehrer nicht passt. Ich kann auch keinen Zusammenhang mit Fußballern und Millionären erkennen, aber das ist mir auch relativ egal.

    Gut, ich erkläre es trotzdem. Du hast gesagt, wer etwas an den Arbeitsbedingungen der Lehrer auszusetzen habe, solle in die "Freie Wirtschaft" gehen. Der Tip ist so super und so konkret wie "werde doch Fußballstar". Die kriegen ihre Stollenschuhe sicher auch gestellt :top:. Ich bin jedoch lieber in einer Gewerkschaft und versuche meine Rechte zu kennen, damit sowas wie "Anwesenheitspflicht fürs Kollegium an ganzen Tagen, um Gutachten oder Zeugnisse zu schreiben, wofür gar keine Computer da sind, so dass wir eh zu Hause am privaten Rechner arbeiten müssen" nicht zur Gewohnheit wird. Deswegen möchte ich trotzdem nicht bei VW arbeiten und auch nicht Fußballstar werden, sondern meine Arbeit angemessen ausüben. Dabei hilft auch der Austausch hier.

  • Du hast gesagt, wer etwas an den Arbeitsbedingungen der Lehrer auszusetzen habe, solle in die "Freie Wirtschaft" gehen.

    Ich bin zwar nicht CatelynStark , möchte sie aber an dieser Stelle in Schutz nehmen, denn so, wie du es hier schreibst, hat sie es nicht gesagt. Sie hat lediglich nach Gründen gefragt, aus der "freien Wirtschaft" in den Lehrerberuf zu wechseln oder überhaupt Lehrer*in zu werden, wenn man die Arbeitsbedingungen, den Verdienst usw. in der "freien Wirtschaft" doch sooo viel besser findet. Das macht ja auch wenig Sinn! Warum sollte ich einen Job, in dem ich anständig Geld verdiene und tolle Bedingungen vorfinde, denn gegen einen "tauschen", wo dies (falls ich dieser Meinung wäre) nicht der Fall ist? Diesen Anschein macht es aber, wenn man z. B. den Stundenlohn einer Lehrkraft mit A13 dem eines ähnlich ausgebildeten Akademikers, der in der "freien Wirtschaft" arbeitet, gegenüberstellt.

    Umgekehrt heißt es m. M. n. aber nicht, dass man, wenn man als Lehrkraft etwas an seinen Arbeitsbedingungen usw. nicht in Ordnung findet, gleich seinen Beruf an den Nagel hängen und sich in der "freien Wirtschaft" einen Job suchen solle. Natürlich sollte man als Lehrkraft - wie m. E. in jedem anderen Beruf auch - versuchen, z. B. durch Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder einem Verband für gute/bessere Bedingungen kämpfen.

  • Sie hat lediglich nach Gründen gefragt, aus der "freien Wirtschaft" in den Lehrerberuf zu wechseln oder überhaupt Lehrer*in zu werden, wenn man die Arbeitsbedingungen, den Verdienst usw. in der "freien Wirtschaft" doch sooo viel besser findet.

    So habe ich das auch verstanden. Das frage ich bei manchen Leuten auch. Auch hier gibt es LehrerInnen (ich nenne jetzt keine Namen), die erzählen, dass sie mit ihrem Abschluss und ihren Fächern in der freien Wirtschaft viel besser dastünden. Trotzdem ist man doch noch irgendwann in den Schuldienst gewechselt. Da frage ich mich bei denjenigen dann schon, warum sie dann diesen Schritt machen.


    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Nein, ich meine jetzt nicht grundsätzlich alle, die später in den Schulberuf einsteigen, sondern nur ganz wenige, auf die meine obige Aussage zutrifft.

    “Prejudice is a great time saver. You can form opinions without having to get the facts.”E.B. White

  • Das frage ich bei manchen Leuten auch. Auch hier gibt es LehrerInnen (ich nenne jetzt keine Namen), die erzählen, dass sie mit ihrem Abschluss und ihren Fächern in der freien Wirtschaft viel besser dastünden. Trotzdem ist man doch noch irgendwann in den Schuldienst gewechselt. Da frage ich mich bei denjenigen dann schon, warum sie dann diesen Schritt machen.

    Jupp, ich auch!

  • So habe ich das auch verstanden. Das frage ich bei manchen Leuten auch. Auch hier gibt es LehrerInnen (ich nenne jetzt keine Namen), die erzählen, dass sie mit ihrem Abschluss und ihren Fächern in der freien Wirtschaft viel besser dastünden. Trotzdem ist man doch noch irgendwann in den Schuldienst gewechselt. Da frage ich mich bei denjenigen dann schon, warum sie dann diesen Schritt machen.

    Ich glaube, dass die landläufigen Klischees ihren Teil dazu beitragen. Es denken sich viele, dass sie mit weniger Geld durchaus zufriedener wären, wenn sie dadurch mehr Lebensqualität gewönnen und wechseln deshalb in den Lehrerberuf. Das Märchen von den Lehrern die einen Halbtagsjob haben und viel Ferien verleitet manche Leute, die Freizeit und Lebenszeit über Geld stellen, dazu den Lehrerberuf interessant zu finden. Dann stellen sie aber fest, dass die angeblich tolle Work Life Balance auf vielen Vorurteilen gegenüber dem Berufsstand basiert und eine Illusion ist.

    Einmal im System kommt man dann fast nicht mehr heraus.

  • Wenn du das Bedürfnis nach Schutz verspürst, dann ist das wohl so. Ich zitiere gern nochmal den betreffenden Abschnitt:

    Ich frage mich immer: Was ist denn der Grund ins Lehramt zu wechseln bzw. zu gehen wenn man dort 1) weniger verdient als in der freien Wirtschaft, 2) mehr arbeiten muss, als in der freien Wirtschaft und 3) auch noch Arbeitsmaterialien selbstbezahlen muss, die man in der freien Wirtschaft gestellt bekäme? Warum bleibt man dann nicht in der bzw. geht in die freie Wirtschaft?


    Frage an alle, nicht nur an diejenigen, die hier in diesem Thread schon gepostet haben.

    Also auch an mich und ich antworte: Ich bin ins Lehramt gegangen, weil ich Kinder mit Behinderungen ins Leben begleiten wollte, mit ihnen die Freude am Lernen teilen. Manchmal zweifle ich am System Schule, aber das hat keine finanziellen Gründe. Trotzdem möchte ich mich hier darüber unterhalten dürfen, was ich von meinem Arbeitgeber, der gesellschaftlichen Stellung der Schule oder von Vorgesetzten nicht in Ordnung finde. Wieso sollte ich mir deswegen einen anderen Job suchen aka "in die freie Wirtschaft gehen".


    Edit: ich bin auch so spezifisch ausgebildet, dass mich außerhalb unseres Kosmos' Schule niemand braucht. Darf ich trotzdem über Missstände sprechen oder dann erst recht nicht, weil ich ja froh sein kann, so viel zu verdienen, für das bisschen Buchstaben malen und angespuckt werden, wenn mal ein Kind austickt? Hätte ich halt was Kapitalhäufendes studiert.


    Ich hoffe, jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt 8)

  • Also auch an mich und ich antworte: Ich bin ins Lehramt gegangen, weil ich Kinder mit Behinderungen ins Leben begleiten wollte, mit ihnen die Freude am Lernen teilen. Manchmal zweifle ich am System Schule, aber das hat keine finanziellen Gründe. Trotzdem möchte ich mich hier darüber unterhalten dürfen, was ich von meinem Arbeitgeber, der gesellschaftlichen Stellung der Schule oder von Vorgesetzten nicht in Ordnung finde. Wieso sollte ich mir deswegen einen anderen Job suchen aka "in die freie Wirtschaft gehen".


    Ich hoffe, jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt 8)

    Ja, damit ist klar, weshalb du Lehrerin geworden bist. Dafür haben wir sicherlich alle unterschiedliche Gründe, warum wir uns für diesen Beruf entschieden haben.

    Es hat dir aber hier niemand "verwehrt", dich über deine Unzufriedenheit bzgl. des Arbeitgebers etc. zu unterhalten und es hat auch niemand gesagt, du sollest dir aufgrund verschiedener Missstände einen anderen Job, nämllich einen in der "freien Wirtschaft", suchen gehen.

    Wie gesagt: ich bin nach wie vor der Meinung, dass du Catelyn dahingehend einfach falsch verstanden hast. Ist aber eigentlich auch egal!

  • Dann stellen sie aber fest, dass die angeblich tolle Work Life Balance auf vielen Vorurteilen gegenüber dem Berufsstand basiert und eine Illusion ist.

    Einmal im System kommt man dann fast nicht mehr heraus

    Also meine Work-Life-Balance ist im Lehramt durchaus besser als in der Industrie. Es ist zwar tatsächlich anders als ich es mir vorgestellt habe, aber nicht schlechter.


    Mit dem Gefühl stehe ich übrigens nicht alleine da. Alle Lehrkräfte, die ich kenne und vorher in der Industrie gearbeitet haben teilen diese Ansicht.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Das ist letztlich immer eine Frage, wie (schlimm) es vorher war.
    Die freie Wirtschaft KANN besser bezahlen und KANN bessere Arbeitsbedingungen bieten. Ob, wann und wo das der Fall ist, das ist natürlich eine ganz andere Sache.

    Der öffentliche Dienst KANN auch bessere Arbeitsbedingungen bieten - außerhalb des aktiven Schuldiensts. Ich weiß nicht, ob ich gerade wirklich meine 41 Stunden Büroarbeit mit 30 Tagen Urlaubsanspruch wieder gegen meinen "Halbtagsjob" mit "zwölf Wochen bezahltem Urlaub" eintauschen möchte.

    Die Stänkerer wird das natürlich nicht besänftigen - sie werden dann irgendeine Charakterschwäche bei mir erfinden, die dafür verantwortlich ist...

  • Ich bin zwar nicht CatelynStark , möchte sie aber an dieser Stelle in Schutz nehmen, denn so, wie du es hier schreibst, hat sie es nicht gesagt. Sie hat lediglich nach Gründen gefragt, aus der "freien Wirtschaft" in den Lehrerberuf zu wechseln oder überhaupt Lehrer*in zu werden, wenn man die Arbeitsbedingungen, den Verdienst usw. in der "freien Wirtschaft" doch sooo viel besser findet. Das macht ja auch wenig Sinn! Warum sollte ich einen Job, in dem ich anständig Geld verdiene und tolle Bedingungen vorfinde, denn gegen einen "tauschen", wo dies (falls ich dieser Meinung wäre) nicht der Fall ist? Diesen Anschein macht es aber, wenn man z. B. den Stundenlohn einer Lehrkraft mit A13 dem eines ähnlich ausgebildeten Akademikers, der in der "freien Wirtschaft" arbeitet, gegenüberstellt.

    Umgekehrt heißt es m. M. n. aber nicht, dass man, wenn man als Lehrkraft etwas an seinen Arbeitsbedingungen usw. nicht in Ordnung findet, gleich seinen Beruf an den Nagel hängen und sich in der "freien Wirtschaft" einen Job suchen solle. Natürlich sollte man als Lehrkraft - wie m. E. in jedem anderen Beruf auch - versuchen, z. B. durch Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder einem Verband für gute/bessere Bedingungen kämpfen.

    Oh man, jetzt war ich 1,5 Tage oder so nicht online und dann wird sich hier über eine simple Frage meinerseits gestritten.


    Erst mal Danke Humblebee für die "Verteidigung". Genauso, wie du es gesagt hast, war es auch gemeint.

  • Du arbeitest in NRW 41 Stunden die Woche, also etwa 164 im Monat. (bzw. 156 mit Altersermäßigung)

    Vollzeitgehalt /164


    Das ergibt je nach Besoldungsstufe, Erfahrungsstufe und Altersermäßigung zwischen 23€/h und 38,5€/h brutto für Lehrer ohne Führungsverantwortung (A12-A14).

    Arbeiten, die du in den 41 Stunden pro Woche nicht schaffst, kannst du da nicht mit hineinrechnen.

    Liebe Kolleg*inn*en, eine Frage, die zu diesem Thread passt und besonders gut zur Aussage von Kodi, stelle ich mir ständig. Wer legt eigentlich fest, wie viel man bei einer vollen Stelle als Lehrkraft schaffen soll? Ich versuche mal, meine Frage näher zu erläutern: Je nach Bundesland und Schulform hat eine Lehrperson bei einer vollen Stelle etwa 25 Unterrichtsstunden, welche ca. einer 40-Stunden-Woche entsprechen sollen. Dies wurde wohl errechnet, indem Vor-/Nachbereitungen, Konferenzen, Organisatorisches... herangezogen wurden. Mit anderen Worten: 25 Unterrichtsstunden entsprechen 40 Zeitstunden, da der Lehrberuf sich ja nicht auf den reinen Unterricht beschränkt. Was ist aber, wenn die Schulleitung die Aufgaben so verteilt, dass man sie unmöglich in 40 Stunden pro Woche schaffen kann? Wenn man z.B. 3 Klassenleitungen bekommt und pro Woche 3 Konferenzen einberufen werden? Da ich noch nie in der freien Wirtschaft gearbeitet habe, weiß ich nicht, wie das dort läuft? Irgendjemand wird doch festlegen, wie viele Klienten/Bürger/Akten z.B. ein Angestellter im Einwohnermeldeamt pro Tag/Woche bearbeiten kann? In der Produktion sind ungefähre Stückzahlen bekannt, Kassierer*innen gehen nach ihrer Arbeitszeit und werden von Kollegin/Kollege abgelöst. Aber wie ist das bei uns? Wir können die meisten Dinge nicht aufschieben und dürfen auch nicht sagen: "An Konferenz xy nehme ich nicht teil, weil ich diese Woche schon 50 Stunden gearbeitet, also 10 Überstunden aufgebaut habe." Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten.

  • Mantik als Lehrer hast du 12 Wochen Ferien, aber wie andere nur 30 Tage Urlaub, also 6 Wochen. Arbeitest du in den restlichen 6 Wochen auch jeweils 40 Stunden?

    Ich würde diese Wochen also (zum Teil) eher als Abbau von Überstunden ansehen. Es gibt Wochen mit deutlich höherer Arbeitszeit, aber eben auch Wochen, wo man drunter liegt. Es geht bei den 40 Stunden ja um die mittlere Arbeitszeit

  • Die Kultusministerien halten sich mit einer genauen Taxierung dieser Arbeitszeit ganz bewusst zurück - NRW hat außerunterrichtliche Tätigkeiten im Wesentlichen als "Normaufwand" deklariert, um sich genau vor dieser Taxierung zu drücken. Der Schulbetrieb muss ja trotz massiger Überstunden - z.B. bei Doppelkorrekturfachlehrern - weiterlaufen.

    Würde man von einem Arbeitszeitkonto ausgehen, wie es in der Schulbehörde existiert, dann würde man während der Schulzeit vermutlich in der Tat einige Überstunden anhäufen, die man dann als so genannte "FAZ-Tage" (Flexible ArbeitsZeit) abbauen kann. Dazu sind natürlich die Schulferien prädestiniert. Und so kommt es dann vermutlich zu dem stillschweigenden Agreement zwischen Schulbehörde und Lehrkräften, dass man eben nicht über den Urlaubsanspruch von 30 Tagen hinaus an jedem anderen Ferientag unter der Woche seine 8h 12' ableistet.

    Nebenbei:
    Was das Abarbeiten von Akten angeht, so gibt es zumindest in der Schulbehörde keine Vorgabe - die kann es auch nicht geben, weil das Arbeitsaufkommen nicht linear ist. Es gibt wiederkehrende Aufgaben, die "saisonbedingt" anfallen (z.B. ZP10 oder Abitur). Natürlich gibt es sehr eilige Vorgänge, die werden dann priorisiert. Ansonsten ist es insofern aber sehr entspannt, da man selbst bei zügigem und effizientem Arbeiten eben sagen kann "was ich heute nicht schaffe, mache ich morgen". Und wenn es etwas Dringendes ist, macht man eben Überstunden und baut sie dann nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten ab, oder man geht eben an ein paar Tagen jeweils eine Stunde früher, kommt etwas später etc.

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