Studierfähigkeit

  • Ich möchte noch mal auf den von ninale verlinkten Artikel verweisen, den ich interessant finde. Ich selbst habe ja nicht mit Abiturient*innen zu tun, aber mit Uniabsolvent*innen. Das eine oder andere kommt mir schmerzlich bekannt vor, allerdings möchte ich zweierlei voranstellen: ich hätte es selbst nicht so pointiert und exakt formulieren können. Und ich bin schon eine Weile im Geschäft und habe selbst seit der Schulzeit einiges gelernt. Und mir fällt das eine oder andere Unierlebnis ein, bei dem ich selbst nicht gerade als leuchtendes Beispiel vorangegangen bin...

    ...Zur Studierfähigkeit gibt es hier eine Darstellung aus der universitären Lehrpraxis, die schön verdeutlicht, dass es nicht am Stoff liegt.

    Wer den Text gelesen hat und in der Oberstufe oder an der Uni unterrichtet: eure Erfahrung und Einschätzung interessiert mich dazu. Und auch, welche Schlüsse ihr daraus zieht.


    Edit: ich krieg gerade wieder Lust, zu studieren!

  • "Zwischen Abitur und Universität entsteht eine neue Schulart" - anders gesagt: Die Kollegstufe wandert an die Uni?


    Implizit sagt Ladenthin, dass das Verhalten der Studierenden früher anders war, ich habe das aber nicht explizit gelesen.


    Ich unterrichte an der Uni, aber Informatik, und das fast nur Didaktik; mir fehlt der Vergleich zu früher. Die heutigen Studierenden kommen mir da nicht anders vor als meine Kommilitonen und Kommilitoninnen damals. Etliche wollen unmittelbare Verwertbarkeit für die Schule und sind weder am Fach noch an Theorien besonders interessiert, aber das wird früher nicht anders gewesen sein. (Ich war in einer Gruppe an der Uni, die sehr großes Interesse am Fach hatte, wenig an Verwertbarkeit, und die neugierig und selbständig war. Erst am Ende des Studiums habe ich gemerkt, dass das nicht typisch war.)


    Oberstufe: Ja, da trifft die Beschreibung sehr gut. Ich habe intuitiv die stromlinienförmige Effizienz im Verdacht, mit dem Klausuren, Termine, Noten, Stoff abgehandelt werden - systematischer, korrekter, strukturierter als zu meiner Schulzeit, aber auch mit weniger Abschweifungen, Sackgassen, Individualität, Spielraum. Schüler und Schülerinnen begeben sich in die Hände der Schule und werden zum angestrebten Ziel, der guten Abiturnote, geleitet.

    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

  • Ich frage mich ebenfalls selbstkritisch und unter Rückblick auf mein Studium (1995-2002), ob früher wirklich alles besser war und komme zu dem Schluss: Nein, war es nicht. Die Studierenden, die der Autor des Artikels beschreibt, gab es auch schon zu meiner Zeit. Schlüsselerlebnis eines bekannten Germanistik-Profs: Zwei ihm aus seiner Vorlesung bekannte Mädels unterhalten sich in der Mensa (offensichtlich ohne ihn bemerkt zu haben); die eine sagt zur anderen, "Ach weißt du, dieses ständige Lesen... mir gibt das einfach nichts!"


    Die interessantere Frage: Kann man etwas gegen diese Entwicklung tun? Vorschläge:

    • Gymnasien wieder zu elitäreren Einrichtungen machen, als sie es mittlerweile sind - heißt: Sich wieder darauf besinnen, dass das Gymnasium eben abstrakte Bildung und nicht konkretes Wissen vermittelt und dass es für letzteres die nicht umsonst einst so benannte "Realschule" gibt
    • Im Gegenzug dafür sorgen, dass die Schulformen "unterhalb" des Gymnasiums wieder aufgewertet werden
    • Wiedereinführung eines verpflichtenden Dienstjahrs für alle (Wehr- oder Zivildienst), um für wenigstens ein Minimum an Lebenserfahrung bei den Studierenden zu sorgen
    • Konsequente Ablehnung von Dienstleistungen für die Studierenden - heißt dann halt auch mal "Lernen durch Schmerz", wenn irgendwelche Termine verpasst werden und sich das Studium um ein Semester verlängert

    Ob das alles was bringt? Fraglich. Die Studierenden sind - so banal und abgedroschen das klingt - ein Spiegel der Gesellschaft, der sie entstammen und angehören.


    Oberstufe: Ja, da trifft die Beschreibung sehr gut. Ich habe intuitiv die stromlinienförmige Effizienz im Verdacht, mit dem Klausuren, Termine, Noten, Stoff abgehandelt werden - systematischer, korrekter, strukturierter als zu meiner Schulzeit, aber auch mit weniger Abschweifungen, Sackgassen, Individualität, Spielraum. Schüler und Schülerinnen begeben sich in die Hände der Schule und werden zum angestrebten Ziel, der guten Abiturnote, geleitet.

    Dafür können die Beschulten aber nichts.

    The pen is mightier than the sword.

    - Edward Bulwer-Lytton

  • Wiedereinführung eines verpflichtenden Dienstjahrs für alle (Wehr- oder Zivildienst), um für wenigstens ein Minimum an Lebenserfahrung bei den Studierenden zu sorgen

    Ich empfehle auch aus diesem Grund, ein praktisches Jahr (FÖJ, FSJ) oder eine Berufsausbildung nach der Schule. Viele sind nicht ansatzweise lebensfähig, wenn sie von der Schule kommen.

  • Kommilitonen

    Dafür können die Beschulten aber nichts.

    Hat ja auch niemand behauptet.

    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

  • Im Fach Mathematik hat sich die Herangehensweise (jedenfalls in NDS, wo mind. ein grafikfähiger Taschenrechner vorgeschrieben ist, dieser kann grundsätzlich auch Gleichungen lösen, Taschenrechner mit CAS können dies sogar algebraisch, also auch für Gleichungen mit Parametern) in den Jahren seit meiner Schulzeit (Abi Anfang der 90er) grundsätzlich geändert.


    Die mit der Einführung dieser TR verbundene Hoffnung war, dass man befreit von der Last der Algebra interessantere, realistischere Aufgaben würde bearbeiten können. Dies hat sich m.E. nicht erfüllt, die Aufgaben sind ob ihrer Konstruiertheit eher lächerlich, die algebraischen Fähigkeiten hingegen sind verloren.


    Inhaltlich waren die Aufgaben "früher" freilich auch lächerlich ("Kurvendiskussion"), sie erforderten aber ein hohes Maß an Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum.


    In den letzten Jahren rudert man in NDS etwas zurück, es gibt jetzt einen taschenrechnerfreien Teil im Abitur. Hierbei ist kritisch zu sehen, dass die Aufgaben aus einem gemeinsamen Pool aller Bundesländer stammen, bei denen auch welche sind (BaWü etwa), die (wie früher) nur einen wiss. Taschenrechner verwenden.


    Dazu hörte ich in einer Buchhandlung (wo man auch einen Kaffee trinken kann) das Gespräch zweier Studentinnen, die sich dort zum Bearbeiten von Übungsaufgaben des math. "Vorkurses" (wie im Artikel erwähnt) trafen. Diese stellten offen in Frage, warum man einen solchen TR in der Schule überhaupt verwende, wenn er an der Uni dann nicht erlaubt sei.


    Das zeigt, dass es an der Schnittstelle Schule - Uni keinerlei Absprachen zu geben scheint.


    Davon abgesehen war die Abbrecherquote im Mathestudium schon in den 90ern bei über 60%. Ich weiß nicht, ob diese jetzt noch höher ist.


    Es ist also die Frage: Hat sich das Problem tatsächlich verschärft? Wenn ja, liegt es am weniger strengen Vorgehen in den Schulen, oder eher daran, dass heutzutage Studieren "Standard" ist, sich die Unis darauf aber nicht einstellen können oder wollen?

  • Der Professor spricht ja einiges an, ich gehe mal auf die Kritikfähigkeit ein, weil mich das persönlich betrifft. Die Zunahme von Einsichtswünschen in Prüfungsunterlagen, der Trend, sachliche Kritik als persönliche Kritik zu empfinden, junge Erwachsene nur noch in "Samthandschuhen ansprechen" zu dürfen und den Umstand, dass Studierende offenbar gefragt werden, wie praxisnah und motivierend sie die Veranstaltung gefunden hätten. Ich weiß nicht, wie Ladenthin das persönlich erlebt, ob er sich angegriffen fühlt, wenn Studierende statt sich zu reflektieren, die Seminarqualität beurteilen? Ich erlebe das auch als Trend und gebe zu, es ärgert mich. In Facebookmanier Daumen für andere verteilen, statt seine eigene Entwicklung in den Fokus zu nehmen. Alles super zu finden, was man macht und bei Kritik wahlweise zum Vorgesetzten zu gehen, um sich zu beschweren oder zusammenzubrechen, dass man das unmöglich ändern könne. Bei Fragen nicht zu fragen "wo kann ich das nachlesen"? sondern sich zu beschweren "warum hat mir das keiner gesagt"? Und ja, genauso und nicht nur im übertragenen Sinne erlebe ich das regelmäßig.


    Ich las neulich in einem Buch über Transaktionsanalyse von den "inneren Antreibern", die wir kennen ('mache es allen Recht', 'sei perfekt', 'beeil dich', 'streng dich an' usw.) und dass heutige junge Leute häufig andere Antreiber verinnerlicht haben: 'Sei auffallend', 'sei genauso', 'sei vorsichtig', 'bleib unzufrieden'...


    Dass die jetzigen Studierenden andere Werte vermittelt bekommen haben, ist ja erst mal nicht komisch. Wissen würde ich gerne, wie es dazu kommt und ob man das überhaupt bewerten muss oder einfach nur feststellen darf, weil Gesellschaft sich halt verändert. Vielleicht ist es ja auch gesund, seine Lehrenden verantwortlich zu machen und nicht die "Schuld" bei sich zu suchen? So wie in den 50ern will man es ja auch nicht wieder haben...

  • ... Ich habe intuitiv die stromlinienförmige Effizienz im Verdacht, mit dem Klausuren, Termine, Noten, Stoff abgehandelt werden - systematischer, korrekter, strukturierter als zu meiner Schulzeit, aber auch mit weniger Abschweifungen, Sackgassen, Individualität, Spielraum...

    Das interessiert mich, kannst du Beispiele nennen, wie du individuell abschweifen konntest, welche Spielräume du hattest, die Schüler*innen heute nicht haben?

  • Was Ladenthin schreibt, ist ja schon länger bekannt - und er wettert ja auch schon seit Jahren gegen die Kompetenzorientierung, die er "als Ausdruck pädagogischer Orientierungslosigkeit" bezeichnet.

    Unsere ach so kompetenten AbiturientInnen sind in Teilen nicht studierfähig und sie sind in Teilen auch nicht selbst "lebensfähig", wie öffentlichkeitswirksame Artikel in Richtung "Texte in drei Sprachen analysieren" aber keinen "Mietvertrag unterschreiben können" zeigen. Heute muss alles gaaanz viel Praxis enthalten, total Spaß machen und so motivierend sein, dass man als geneigtes Publikum gnädigerweise mitmacht. Das habe ich auch im Unterricht in der Oberstufe in den letzten Jahren vermehrt festgestellt. "Bespaße mich, dann arbeite ich vielleicht auch mal mit".
    Die Art und Weise, die Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, fördert ein solches Verhalten und eine entsprechende Erwartungshaltung.

  • kannst du Beispiele nennen, wie du individuell abschweifen konntest, welche Spielräume du hattest, die Schüler*innen heute nicht haben?


    Bis zu den 70ern waren z.B. LuL zusammen mit ihren SuS noch weitgehend frei in der Wahl der U-Inhalte, so dass sich spätestens an der Uni eine Vielfalt an Voraussetzungen bot, was eine gänzlich andere Basis ist als die stromlinienförmige Engführung von SuS, was m. E. so gar nicht zu einer universen Lehrorientierung passt.

  • und er wettert ja auch schon seit Jahren gegen die Kompetenzorientierung

    Interessant. Dabei sind das doch alles fehlende Kompetenzen, die in dem Artikel angesprochen werden.


    Sinnentnehmendes Lesen, Schreiben, Argumentieren, das sind doch alles Kompetenzen, keine "Inhalte".

  • Das interessiert mich, kannst du Beispiele nennen, wie du individuell abschweifen konntest, welche Spielräume du hattest, die Schüler*innen heute nicht haben?

    Es ging mir um die Spielräume, die Lehrer und Lehrerinnen damals hatten, nicht die von Schüler:innen. (Ob die mehr oder weniger haben: anderes Thema. In der Schule haben die in der Praxis immer noch nicht viel Spielraum, weil die Lehrkraft die wichtigen Entscheidungen trifft.) Dazu gehören die Vorgaben zu schriftlichen Prüfungen, an die ich mich halte. Das heißt: Ausreichend Übungsaufsätze; mehr Vorbereitung auf schriftliche Prüfungen.


    Im Referendariat habe ich als normale Praxis noch erlebt, dass der Prüfungstermin für eine größere Prüfung, in Bayern: Schulaufgabe, eine Woche vorher bekannt gegeben wurde. Formal ist das auch heute noch die Grenze, de facto werden alle Termine für ein Halbjahr im September festgelegt. Mehr Zeit für die Vorbereitung heißt auch, dass mehr vorbereitet wird. (Wie sinnvoll: eben das die Frage.) In meiner Schulzeit habe ich das nicht erlebt, dass viel und regelmäßig auf Prüfungen vorbereitet wurde. Was es allerdings gab, und nicht mehr gibt: regelmäßige Heftkontrolle.


    Ich könnte auch so kurze Schulaufgaben stellen wie zu meiner Schulzeit. Hier ist eine allerdings nachgeholte aus der 6. Klasse, 1980: 1 Seite lang: https://www.herr-rau.de/wordpr…sch_6_1979-80-700x965.jpg. Heute sind die 4 Seiten lang.


    Auch der Lehrplan: Ich habe in der 11. Klasse Iphigenie auf Tauris gelesen, und in der 12. noch einmal bei einer anderen Lehrkraft. Die eine Lehrkraft war gut, die andere sehr gut. Aber mindestens eine hat sich einfach nicht an den Lehrplan gehalten. (Apropos, ich sammle alte Lehhrpläne. Bin vor allem an den curricularen bayerischen Lehrplänen 1976-2000 interessiert, da fehlen mir noch viele.)


    Wie ich den Spielraum dann nutzen würde und ob das dann wirklich besser wäre bzw. welche Schüler:innen davon profitieren würden und welche nicht - ein weites Feld.

    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

    Einmal editiert, zuletzt von Herr Rau () aus folgendem Grund: Tippfehler

  • Unsere ach so kompetenten AbiturientInnen sind in Teilen nicht studierfähig und sie sind in Teilen auch nicht selbst "lebensfähig", wie öffentlichkeitswirksame Artikel in Richtung "Texte in drei Sprachen analysieren" aber keinen "Mietvertrag unterschreiben können" zeigen. ...

    Widerspricht sich das nicht? Wer einen Text in drei Sprachen analysieren kann, sollte doch einen Mietvertrag verstehen.


    Ich frage mich gerade, ob die angestrebte "Kompetenzorientierung" überhaupt in den Schulen angekommen ist oder ankommen kann. Die Lehrpläne von Sachsen und Bayern sind ja bekanntermaßen sehr konkret und die Schulleistungen dort tendenziell gut. Vielleicht ist es nicht möglich, zu sagen "bringt den Kindern Textanalyse bei" und welche Texte das sind, wird den Lehrenden überlassen. Ich moniere ja oft, dass eins meiner Kinder genau damit alleingelassen wird. "Macht mal eine Powerpoint", aber keiner erklärt, wie das geht, wie man altersgerechte Informationen findet, dass und wie man angemessen zitieren muss. "Malt mal einen Comic zum Buchtext", aber keiner erklärt, wie man dem Text strukturiert Informationen entnimmt, den Text gliedert usw. und welche Bewertungskriterien dem Comic zugrundeliegen, sodass halt jeder irgendwas malt.


    Natürlich ist das anekdotisch, aber so ganz allein liegen wir ja offenbar nicht mit dieser Erfahrung.

  • Was Ladenthin schreibt, ist ja schon länger bekannt - und er wettert ja auch schon seit Jahren gegen die Kompetenzorientierung, die er "als Ausdruck pädagogischer Orientierungslosigkeit" bezeichnet.

    Unsere ach so kompetenten AbiturientInnen sind in Teilen nicht studierfähig und sie sind in Teilen auch nicht selbst "lebensfähig", wie öffentlichkeitswirksame Artikel in Richtung "Texte in drei Sprachen analysieren" aber keinen "Mietvertrag unterschreiben können" zeigen. Heute muss alles gaaanz viel Praxis enthalten, total Spaß machen und so motivierend sein, dass man als geneigtes Publikum gnädigerweise mitmacht. Das habe ich auch im Unterricht in der Oberstufe in den letzten Jahren vermehrt festgestellt. "Bespaße mich, dann arbeite ich vielleicht auch mal mit".
    Die Art und Weise, die Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, fördert ein solches Verhalten und eine entsprechende Erwartungshaltung.

    Ich glaube darin liegt ein wenig das Problem. Ich habe selbst drei Kinder, die zum Teil studieren, zum Teil eine Ausbildung machen - und die konnten sich selbständig um Bafög kümmern, um Wohnungen, sich die Uni raussuchen, sich Fristen merken für die Abgabe von irgendwelchen notwendigen Unterlagen, dabei auch (nach Anweisung) Waschen, Bügeln, einfache Gerichte kochen. Ich glaube, man sollte ihnen schon in der Jugend nicht alles abnehmen, nicht alle Unbill aus dem Weg räumen. Dann sind auch die meisten Klippen an der Uni kein Problem. In der Schule fallen aber Schüler, die sich mehr interessieren als unbedingt nötig, sich mit einem Thema weiter beschäftigen sehr positiv auf - da ist anscheinend doch ein großer Teil interessiert am "Durchkommen" und spart mit übermäßig investierter Energie. Es ist bei vielen ja nicht nötig - oft planen ja auch die Eltern die Freizeittermine, meckern beim Lehrer, wenn die Note nicht passt und kümmern sich um den weiteren Lebensweg samt Uni. Dann fehlt halt irgendwann auch die Notwendigkeit mal selbst was herauszufinden.

  • Wer einen Text in drei Sprachen analysieren kann, sollte doch einen Mietvertrag verstehen.


    Was ist der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen? (Bitte keine Antworten hier!)

  • Ich ärgere mich seit Jahren in der Oberstufe (und zum Teil Mittelstufe) über die "Hilfestellungen", die man immer wieder gibt.
    Angefangen von "Unterschrift bis Tag X, sonst kein Ausflug" über "Geld bis Tag X, sonst keine Sammelbestellung" (sowieso ein Unding) bis hin zu allen "Abivorbereitungszetteln und -tagen", ... und ja, ich nehme mich nicht raus, bei einigen Sachen bin ich knallhart, bei anderen will man natürlich das Beste für die SuS. und leider ist das unmittelbar Beste langfristig wirklich nicht das Beste.
    Dann sagt man den SuS jahrelang, "nach dem Abi wird es aber anders sein, da könnt ihr nicht mit 2 Tagen Verspätung den Zettel abgeben" und merkt dann, dass die Unis sich soweit angepasst haben, dass es eben doch geht... Klar, es gibt auch mal Fristen, aber viel wird weiter 5 mal gesagt (und die Studis beschweren sich, dass es kein 6. Mal kurz vor der Frist gab).
    Ich bin mit einem Teil meiner Stunden in der Beratung von Studierenden und habe mir in den letzten Monaten Bausteine angewöhnt: in jeder Mail, die ein Beratungsgespräch bestätigt, steht ein Link mit Infos, die im Vorfeld gelesen werden müssen (meine Beratungszeit hat sich mehr als halbiert und die Fragen sind schlauer), in sehr vielen Antwortmails schreibe ich nicht mehr die Antwort, sondern "die Antwort zu Ihrer Frage steht im Dokument XY" (also in den Fällen, wo die Studis schon längst das Dokument gelesen haben müssten, natürlich nicht, wenn es schwierigere Sachen sind, wofür ich nunmal da bin).


    Ob es vorher "besser" war?
    Ich glaube schon, dass ein Teil der Selbstständigkeit weggenommen wurde. Weil gut gemeinte Veränderungen einen Weg geebnet haben-
    Beispiele?
    Ich musste zur Anmeldung für Kurse, für den Stundenplan für jeden Kurs zu einer separaten Anmeldung, zwei Stunden im Flur sitzen. Sinnvoll? Nein. In Frage gestellt, nicht wirklich. Irgendwann wurde eine zentrale Anmeldephase gemacht, war sicher zielführender.
    Gut gemeinter Weg, der sicher auch sinnvoll ist (und es ist nunmal der Job der Hochschule.


    Ich musste / durfte für jeden Kurs Texte lesen. Jaja, sowas aber auch. IN den Geistes- und Sozialwissenschaften.

    Einige Dozent*innen gaben die Literaturliste und das war's.

    Einige Dozent*innen machten ein Handapparat, das man sich an der Bibliothekanmeldung ausleihen konnte, wo alle Texte, die man zu jeder Sitzung lesen musste, (vom HiWi) kopiert wurden und nur noch durch den Kopierereinzug gejagt werden mussten.
    Sinnvoll? Ja, wirklich.
    Heutzutage: Die Texte werden eingescannt und im Moodle zur Verfügung gestellt und (wenn überhaupt) am Handy gelesen. Für die Hausarbeit? ach, da reichen die Standardwerke des Dozenten, die er auch eingescannt hat.
    Ich frage mich ehrlich gesagt, wie man so eine Abschlussarbeit schreiben kann.
    oder eben nicht. Die Antwort findet sich in vielen Facebook-Gruppen aktuell "Aufgrund von Corona ist die Bib zu und ich kann folgendes Buch nicht finden, kann mir jemand die Seiten 140-189 schicken?"

    -> die allerwenigsten Bibs haben _wirklich_ zu, schließlich wird noch wissenschaftlich gearbeitet. Man muss nur planen, Bücher suchen und mit Vorlauf bestellen. Ich habe im Sommer in der Institutsbib Bücher gebraucht und gefragt, wie ich an die Zeitschriften käme. Zu dem Zeitpunkt war die Bib seit 8 Wochen schon im "nur Abholmodus". Antwort der Hiwine: Hat noch nie jemand gebraucht. Nur die Profs und die Hiwis der Profs dürfen in die Bib und kopieren. Ob ich Dozentin an der Uni sei?

    ...

  • Was ist der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen? (Bitte keine Antworten hier!)

    naja - aber die Generation Google findet doch da bestimmt auch entsprechende Tutorials! Wenn sie das schon für Minecraft in der frühen Jugend verwenden.

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