Lehrerdynastie

  • Wir bewirken verdammt viel im Kleinen- das summiert sich, auch wenn man angesichts der riesigen Gießkanne, die wir bei unserer Arbeit beständig mit uns herumtragen manchmal im Alltag diese kleinen Erfolge vergisst. Ich bin stolz darauf Lehrerin zu sein und damit einen für mich persönlich sinnstiftenden Beruf zu haben (der es mir ganz nebenbei erlaubt mir alles kaufen zu können, was ich möchte, eine schöne große Wohnung mit Garten bezahlen zu können, in den Urlaub zu fahren wenn das wieder möglich sein wird, meinem Hund teures Einzeltraining angedeihen zu lassen etc.).

    Schöner kann man es nicht schreiben! Vielen Dank!

  • Unseren Beruf finde ich auch wichtig, manchmal sehr anstrengend. Ich tue mein Bestes, um die SuS sowohl fachlich als auch mit den ganzen Nebenbaustellen zu unterstützen. Zugegebenermaßen habe ich mich dabei oftmals zu viel engagiert, inzwischen kann ich besser die wichtigen Grenzen ziehen. Ich habe das Glück, immer wieder auch von SuS und Eltern sehr nette Rückmeldungen zu bekommen. Manchmal melden sich SuS noch, wenn sie im Studium sind.

    Nochmal zurück zu „unsere Kinder sollen es einmal besser haben“: ich wünsche meinen Kindern, dass sie es so gut haben wie ich. „Immer besser“ kann es ja auf Dauer auch gar nicht werden.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • ehrlich gesagt belustigt es mich gerade der Gegenwind auf meine Aussage, dass ich den LehrInnenrberuf als Abstieg empfinde. damit ist doch garnicht gesagt, dass der Beruf nicht wichtig ist, ich ihn nicht gern mache oder er sonst keine Vorteile bietet. Aber es ist kein Geheimnis, dass LehrerInnen im Vergleich zu anderen AkademikerInnen eher weniger wissenschaftlich gebildet sind und ihr Ansehen - ganz unabhängig vom Einkommen - halt nicht sehr hoch ist. Ich persönlich hatte natürlich Gründe, meinen Karrierejob zu Gunsten eines Lehrerjobs aufzugeben, aber nur weil ich mir eben kein Bein ausreiße, heißt es nicht, dass ich ein schlechter Lehrer bin. Ich hab meist Spaß am Job, krieg positives Feedback, übernehm Funktionen in der Verwaltung und bin SV-Lehrer - trotzdem bin ich ganz klar kein Anhänger der "Lehrersein-ist-eine-Berufung"-Fraktion - meine Erfüllung such ich mir woanders - und finds auch immer nervig, wenn ich die KollegInnen vertreten muss, die kank sind, weil sie sich permanent Beine ausgerissen haben.

  • Mir fallen aus dem Bekanntenkreis Musiker, Schriftsteller, Politikwissenschaftler, Geographen, Biochemiker, Archäologen, Juristen, Sozialpädagogen und Journalisten (mwd) ein, die allesamt in schlechter bezahlten und nicht bombensicheren Anstellungen arbeiten. Das sagt natürlich nichts über ihre oder der Lehrer "wissenschaftliche Bildung", aber dass 'der Staat' eben durchaus die Wichtigkeit unserer Ausbildung (Studium+Ref) und unseres Berufsstandes anerkennt.


    Dass die Anerkennung in der Bevölkerung verhältnismäßig niedrig sein mag, hat m.M.n. andere Gründe als die Qualität der wissenschaftlichen Ausbildung an der Uni. Es dürfte ähnlich wie bei Politikern und Fußballtrainern sein, man denkt, man könne alles besser:zungeraus:


    Wirklich gut verdienen Informatiker (die, wenn sie richtig gut sind, gar keine wissenschaftliche Ausbildung an der Uni beenden, sondern vorher von Konzernen abgesammelt werden) und überbezahlt sind m.E. Wirtschaftswissenschaftler und Leute mit BWL-Gedöns (deren wissenschaftliches Arbeiten ich für Betriebe wie "Expedia.de" auch für eher dürr halte. Da wird man halt einfach zum Chiefeofficerofcoffeeroom gelobhudelt und kann sich fortan einen Flügel statt E-Piano zum Klavierüben besorgen8)).


    Formuliere ich überspitzt? Ja, das tue ich wohl. Allerdings spreche ich durchaus über Erfahrungen aus dem Umfeld...

  • Aber es ist kein Geheimnis, dass LehrerInnen im Vergleich zu anderen AkademikerInnen eher weniger wissenschaftlich gebildet sind und ihr Ansehen - ganz unabhängig vom Einkommen - halt nicht sehr hoch ist.

    Woran machst Du die niedrigere wissenschaftliche Bildung fest? Ich habe ein erstes Staatsexamen, in dem ich in zwei Fächern fast dieselben Scheine und Kurse belegen musste wie die Magister-Kandidaten. Die Veranstaltungen während des Studiums waren bis auf die Fachdidaktik dieselben. Also im Rahmen der Ausbildung zum Gymnasiallehrer stehe ich den MagisterkandidatInnen in nichts nach. Das mag nach dem Studium anders sein, aber das ist nun einmal berufsbedingt. Als Frontschwein muss ich mich dann im späteren Berufsleben aber nicht mit einem "Militärwissenschaftler", um beim Genre zu bleiben, vergleichen.

    Falls Du hingegen die Sozialisierung meintest, die mit der Ausbildung und der anschließenden Berufswahl einhergeht, so hast Du hier ja hinreichend Beispiele für einen sehr bunten Strauß an Biographien.

    Was das Ansehen angeht, so habe ich in den letzten 15 Jahren wahrgenommen, dass das Ansehen primär in den Medien und durch unreflektiertes Stammtischgeplapper über "die Lehrer" im Allgemeinen geprägt wurde. Das ist meines Erachtens ein Ergebnis der Bewältigung der eigenen Schulzeit in Verbindung mit dem so empfundenen Ausgeliefertsein und der Ohnmacht gegenüber den eigenen LehrerInnen oder denen der eigenen Kinder. Gleichwohl hat aber die überwiegende Mehrheit der Menschen, die ich kennengelernt habe, auf die Antwort, dass ich Lehrer sei, in der Regel wohlwollend reagiert . Und wenn dann mal der Spruch mit dem 12 Wochen bezahlten Urlaub kam, dann kam halt der Spruch mit der Intelligenz bei der Berufswahl zurück und gut war.

  • Im PhilFak-Bereich sind Staaatsexamnia anspruchsvoller gewesen als die Magisterabschlüsse. Zumindest in meinen Fächern.

    Mag sein, dass das im NW-Bereich anders ist.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • ja, akademische Berufe sind nicht zwangsläufig besser bezahlt, als der Lehrerberuf - in meinem war es jetzt so, aber dafür hatte ich andere Nachteile zu tragen; irgendwas ist ja immer. Ich hab aber ja auch nicht über das ökonomische Kapital gesprochen. Es ist sicherlich von Uni zu Uni unterschiedlich, aber ich hab in meinem Magister definitiv viel mehr gelernt, als in meinem Master of E - bin entsprechend auch fachlich deutlich breiter und tiefer (sagt man das so?) aufgestellt, als meine KollegInnen, was das Einordnen von (auch bisher unbekannten) Unterrichtsgegenständen erheblich erleichtert, weswegen ich oft um Rat gefragt werde. Selbiges fällt mir eigentlich bei allen KollegInnen auf, die nicht von Anfang an "auf Lehramt" studiert haben. Ist doch auch klar - irgendwas muss wegfallen, wenn man zusätzlich zu den Fächern noch Erziehungswissenschaften studiert.


    es stimmt eindeutig, dass das Ansehen von LuL ne komische Ambiguität aufweist: alle sind sich sicher, dass LehrerInnen theoretisch superwichtig sind, aber die Stammtische sind unzufrieden mit der Realität - vielleicht gerade auch, weil wir so viel verdienen. Gleichzeitig können sich die Personen, die am meisten meckern, nie vorstellen, den Job selbst zu machen. Ich find es übrigens persönlich nicht schlimm, dass ich einen Beruf mit weniger Ansehen habe - ich hab die Wahl ja bewusst getroffen und es gibt wichtigere Aspekte im Leben, als Status.

  • irgendwas muss wegfallen, wenn man zusätzlich zu den Fächern noch Erziehungswissenschaften studiert.

    Ja, ein Fach. Der Magister umfasste 1 Hauptfach und zwei (wirklich sparsame) Nebenfächer.

    Das Staatsexamen umfasste 2 Hauptfächer und Bildungswissenschaften. Bei uns war das Pensum höher und die Kurse sowie die Abschlussprüfungen anspruchsvoller.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Also was immer ihr studiert habt: Wer aus der oben selbsternannten Bildungselite kann eigentlich mehr aufweisen als Griechisch und Hebräisch zum bereits vorhandenen Latinum, neben den beiden Studienpflichtfächern plus EW?

  • Wollen wir nicht Bildungsarmdrücken machen? Der mit den meisten überflüssigen Fremdsprachen und dem zartesten Bizeps gewinnt ^^


    Eine mir liebe Person pfeift sich übrigens gerade Attila Hildmannvideos ein. Sie kann Altgriechisch und Latein. Was nu?

  • hm.. ja, im Staatsexamen wurde viel abgeprüft - im BA ja sogar noch viel mehr. viel so Auswendiglernen von Skripten und 5-Personen-Referate, bei denen jedeR mal einen Satz sagen darf. Ím 2-Fach-Magister gabs auf jedenfall weniger offizielle Prüfungen - das war irgendwie ein anderes Lernen; aber klar wäre es möhglich gewesen, sich auch ohne Wissen zur Magisterprüfung anmelden. Jedoch mussten Lehramtsstudierende mit Master of Education an meiner Uni genau 1 Hauptseminar in ihren Fächern besuchen, was mir jetzt schon irgendwie wenig vorkommt, aber vielleicht wird da heutztage auch in den Hauptfachmastern nicht mehr erwartet. Ich muss mich darum auch nicht streiten - dann hab ich mich geirrt und LehrerInnen wissen mehr in ihren Fächern, als Hauptfachleute.

  • Zählt auch Klingonisch?

    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
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    "Angst ist ein unfähiger Lehrer." Jean-Luc Picard

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