Möglichkeiten um Entfristung zu fördern

  • Hallo zusammen! :wink_1:


    Ich bin hier neu und auch ein Seiteneinsteiger, da ich ursprünglich Geographie studiert habe. Nach dem Studium habe ich allerdings in der Umweltbildung gearbeitet wo ich pädagogische Kurse für Grundschulkinder entwickelt und auch selber gegeben habe. Die letzten Jahre war ich jedoch in der Tourismusbranche tätig, was sich aufgrund von Corona leider erstmal erledigt hat.


    Durch persönliche Kontakte habe ich nun die Möglichkeit als Vertretungslehrkraft an einer Grundschule zu arbeiten - erst in Teilzeit und ab dem Sommer auch in Vollzeit, da dort laut der Schulleiterin langfristig Personal fehlt. Ich könnte mir nun sehr gut vorstellen komplett dort zu bleiben, mache mir aber Sorgen bzgl. der befristeten Verträge, da ich gelesen habe dass es sehr lange dauert und auch kompliziert ist entfristet zu werden (was schon mein Ziel wäre). Hat jemand von euch Erfahrung was einer Entfristung förderlich wäre? Ich könnte zum Beispiel einen Kurs für „Deutsch als Zweitsprache“ belegen, da dies an der Schule eine totale Lücke ist. Meint ihr so etwas erhöht die Chancen früher entfristet zu werden? An der Schule gibt es bereits eine Landschaftsarchitektin, die wohl schon nach 3 Jahren entfristet wurde.


    Zudem hatte ich auch überlegt parallel einen berufsbegleitenden Masterstudiengang im Bereich Kunst und Pädagogik zu belegen um ggf. als offizielle Quereinsteigerin anzufangen, was aber aufgrund der Präsenzzeiten im Blockunterricht schwierig werden könnte.


    Zudem mache ich mir Gedanken wie das Ganze aussieht wenn ich für eine Schwangerschaft und ggf. kurze Elternzeit unterbrechen sollte.


    Über jeden Tipp wäre ich sehr dankbar!!

  • In welchem Bundesland bist du denn?


    In NRW gibt es 3 Möglichkeiten.

    In der Reihenfolge der "Wertigkeit" (nicht der Person, sondern der Möglichkeiten hinterher.):

    1. OBAS - Seiteneinstieg mit Vorbereitungsdienst. Du bist hinterher regulärer Lehrer. Dir stehen alle Möglichkeiten offen und du verdienst wie ein normaler Lehrer. Dein Studienabschluss muss halbwegs strenge Anforderungen erfüllen, die Fächer passen und eine Schule eine Stelle dafür ausschreiben.
    2. Pädagogische Einführung - Du machst ein Begleitseminar, verdienst hinterher weniger als ein normaler Lehrer und dir stehen nicht alle Möglichkeiten offen. Die Anforderungen an deinen Studienabschluss sind geringer. Es muss eine Schule eine entsprechende Stelle ausschreiben.
    3. Entfristung einklagen - Geht nur aus der Vertretungstätigkeit heraus bei Formfehlern oder entsprechend langer Vertretungstätigkeit/Kettenverträgen. Inzwischen wird verstärkter darauf geachtet, dass das nicht passiert. Du hast hinterher nur den Anspruch auf die Stundenzahl, die du zum Zeitpunkt des Einklagen hattest. Du bleibst Angestellter und verdienst weniger als ein normaler Lehrer. Du bleibst im Status der Vertretungstätigkeit eingefroren und dir stehen keine Aufstiege offen. Anforderungen an deinen Studienabschluss gibt es nicht.


    Für NRW wäre dementsprechend der Seiteneinstieg über OBAS der beste Weg, wenn du die Bedingungen erfüllst.

  • In Ergänzung zu 3.: lange Vertretungstätigkeit = 6 Jahre in NRW, möglichst ohne Unterbrechungen (habe ich hier im Forum schon mehrfach beschrieben)


    Zitat


    Inzwischen wird verstärkter darauf geachtet, dass das nicht passiert.


    Exakt. Soll heißen, es wird keine 6 Jahre langen Verträge mehr geben. Ergo: keine Entfristung.


    PS: Warum Grundschule? Zumindest in OWL wurden jahrelang händeringend Erdkunde-Lehrer gesucht, auch an den Gymnasien. Wie diesbezüglich der OBAS-Stand ist, weiß ich aber nicht.

  • Danke für eure Rückmeldungen!


    Ich wohne übrigens in NRW, das hatte ich vergessen explizit zu erwähnen.


    Zur Frage warum Grundschule: mit der Altersgruppe konnte ich einfach schon wesentlich mehr Erfahrung sammeln und komme gut klar - bei älteren Kindern müsste das erstmal geschaut werden.

    Allerdings scheint eine langfristigste Anstellung in dem Bereich wirklich schwer zu sein. Das von mir ins Auge gefasste berufsbegleitende Studium hat wohl zu wenige praktische Inhalte und andere mögliche Studiengänge gibt es wohl einfach nicht (für mich wäre Kunst und Englisch am interessantesten). Die Entfristung scheint ja auch wirklich sehr problematisch zu sein, so dass ich ehrlich gesagt etwas ratlos bin wie ich das Ganze angehen soll.


    Es bleiben wohl nur folgende Optionen:

    1.) weiter als Vertretungslehrkraft arbeiten und doch noch auf die unwahrscheinliche Möglichkeit der Entfristung hoffen.

    2.) Bewerbung für offiziellen Seiteneinstieg mit Erdkunde bei weiterführenden Schulen (da ich aber kein weiteres relevantes Fach hätte kommt wohl nur die pädagogische Einführung und nicht OBAS in Frage...)

    3.) komplett neu studieren, was mir allerdings eigentlich zu zeit- und kostenintensive wäre, da ich es mir nicht leisten kann nebenher kein Geld zu verdienen.


    Hat sonst jemand noch Tipps für berufsbegleitende Studiengänge mit denen man den Seiteneinstieg angehen könnte oder sonstige Ideen oder Vorschläge für meine Situation?


    Vielen Dank!

  • Zur pädagogischen Einführung müssen andere etwas sagen, aber ich würde das Studium empfehlen.


    Was bezweckst du denn mit der Entfristung, außer dass du dauerhaft als Lehrer zweiter Klasse weniger Geld verdienst für den gleichen Job.

  • Zitat

    1.) weiter als Vertretungslehrkraft arbeiten und doch noch auf die unwahrscheinliche Möglichkeit der Entfristung hoffen.


    Davon würde ich abraten. Das mag als spontane Zwischenlösung sinnvoll sein (ohne dabei auf die Entfristung zu warten), aber nicht als langfristiges Ziel mit Entfristung. Es ist aufgrund der formalen Gegebenheiten SEHR unwahrscheinlich, dass das funktioniert.


    Du kannst zumindest parallel schon einmal nach Stellen über OBAS schauen. Zum Zweitfach - was hast Du denn im Geografie-Studium noch belegt? Meistens muss man (zumindest im Grundstudium/Bachelor) auch noch andere Themen belegen. Mathe, Englisch, BWL o.ä.? Für die deutlich weniger benötigten Credits für das Zweitfach könnte sowas reichen.


    Wenn Du wieder/weiter studieren möchtest, müsste das - der Didaktik etc. wegen - nicht auch eine Uni sein, die Geografie auf Lehramt anbietet? Viele Unis haben das Unterrichtsfach nicht. Münster und Osnabrück meine ich hat es, im Ruhrgebiet weiß ich es nicht. Bielefeld und Paderborn und auch Kassel (mit ?) bieten Geografie/Erdkunde nicht als Unterrichtsfach an, meine ich.

  • und: FALLS (sehr unwahrscheinlich, die Ämter haben ja daraus gelernt) du jemals entfristet wirst: dann nur in der Höhe der Stunden, die du im Schnitt oder so hattest. Das heißt, wenn du zu dem Zeitpunkt oder fast immer VZ gearbeitet hast, schön, es kann aber auch sein, dass du mit einer 12-Stunden-TZ entfristet wirst. und WENN du die Möglichkeit einer Entfristung hast, wirst du nicht sagen, "ach ich warte noch ein halbes Jahr auf den nächsten Vertretungsvertrag".

    -> Geh noch mal studieren. Lass dir einiges anrechnen, bilde dich vollständig aus. Egal übr welchem Weg.

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