Ärger über Bewerbung auf dem Dienstweg

  • Ich hadere derzeit sehr mit dem System "Bewerbung auf dem Dienstweg". Der Schulleiter oder die Schulleiterin ist bestens über alles, was man vorhat, informiert und kann im schulischen Alltag jederzeit darauf reagieren. Ich wundere mich inzwischen schon nicht mehr, dass mir einige Merk- und Denkwürdigkeiten widerfahren. Im Prinzip behandelt man mich mich schon so, als ob ich nicht mehr da wäre. Unangenehm wird es besonders dann, wenn die Bewerbungen nicht greifen. Dann hat sich die Schulleitung gedanklich schon von mir getrennt, aber ich bin immer noch da. In solchen Momenten würde ich mir wünschen, in der freien Wirtschaft tätig zu sein - auch wenn hier noch einmal ganz andere Risiken lauern.

  • In solchen Momenten würde ich mir wünschen, in der freien Wirtschaft tätig zu sein

    Wenn du dich in der freien Wirtschaft auf eine andere Stelle bewirbst und dein Chef das mitbekommt, passiert genau das gleiche, was dir jetzt in der Schule widerfährt, eher noch schlimmer.

  • Die Sicherheit im Beamtenverhältnis ist nun einmal eine Sicherheit für beide Seiten. Die Bewerbung ist zudem ja keine bei einem anderen Arbeitgeber, sondern letztlich der formale Antrag auf Übertragung einer anderen Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber. Dann liegt es nahe, dass die Vorgesetzten darüber auch informiert sind. Das wäre bei der Anmeldung von Interesse an einer anderen Tätigkeit innerhalb des gleichen Konzerns auch in der Wirtschaft nicht anders.


    Bewerbungen müssen zudem nicht zwingend über den Tisch der eigenen Schulleitung gehen, erfahren wird diese es aber so oder so. Spätestens dann, wenn die zuständigen Dezernenten (andere Bezeichnungen in anderen Bundesländern?) nachfragen, einen Beitrag zur dienstlichen Beurteilung einholen und das Beurteilungsverfahren mit Besuchen an der eigenen Schule verbunden ist.


    PS: Wenn man behandelt wird, als wäre man nicht mehr da, ist das i.d.R. ein gutes Zeichen: Die Chancen, dass das Verfahren bereits für sich selbst entschieden wurde, stehen gut.

  • Ich habe meine Bewerbungen bei der Behörde nicht über den Tisch meines SL laufen lassen - die Bewerbungen sollten sogar direkt an die Behörde gehen mit der Bitte, seine jeweilige SL zu informieren. (Habe ich erst getan, als die Auswahlgespräche anstanden und ich Dienstbefreiung benötigte, die einem in diesem Fall ja auch zusteht.)

    Ja, es ist richtig, dass man mittelbar die Botschaft sendet "ich will weg". Jede SL kennt aber das Spiel und weiß, dass es gut sein kann, dass man nicht genommen wird und weiter an der Schule bleibt - wie auch bei jedem Versetzungsantrag. Wenn man als SL dann doch verschnupft ist, dann ist das ein reines Ego-Problem der Schulleitung.

    Natürlich ist es für die Schulleitung blöd, wenn sie davon ausgeht, dass der Kollege die Stelle sowieso nicht bekommt und dann am nächsten Tag "Erfolg" vermeldet. Das war bei meinem Schulleiter so - aber das war auch hier sein Problem.

  • Ich finde den Wunsch sich heimlich wegzubewerben etwas befremdlich.


    Wenn ich weg will, entscheide ich mich doch gegen meinen bisherigen Arbeitsplatz. Wo ist das Problem, wenn ich da vorher aus einigen Projekten entbunden werde? Ich möchte dort doch weg und das Ganze loswerden.


    Rein aus kollegialer Sicht finde ich es auch immer wieder belastend, wenn jemand plötzlich unangekündigt weg ist und vorher vielleicht noch X Projekte initiiert hat, die jetzt ein anderer kurzfristig übernehmen muss oder in Arbeitsbereichen die Nachfolge nicht rechtzeitig geregelt wurde.


    Von daher finde ich es im Sinne der Planungssicherheit gut, dass das meistens über den Dienstweg läuft.

  • Solange nicht feststeht, dass jemand geht, kann man auch keine Nachfolgeregelung treffen - erst recht nicht, ohne dass das Ganze thematisiert wird. Bei Bewerbungen gibt es keine Planungssicherheit - ich kenne viele Kollegen, die schon zig Bewerbungen auf dem Dienstweg eingereicht haben, ohne jemals berücksichtigt worden zu sein. Einer davon wird in zwei Jahren in den Ruhestand gehen - nach 15 Jahren erfolglosen "Wegebewerbens".

  • Wenn die Kommunikation nicht vollständig zerrüttet und gestört ist, dann wird es wohl im Vorfeld auch entsprechende Gespräche gegeben haben, aus denen sich dann die fehlende Perspektive an der aktuellen Schule ergibt, so dass man dann andere Wege geht. Ich habe meinem Schulleiter beispielsweise im Vorfeld mehrmals mitgeteilt, dass mir eine Perspektive fehlt und die Konsequenz für mich dann früher oder später sein wird, dass ich gehen muss. So kam es dann ja auch.
    So etwas passiert nicht vollständig heimlich oder aus heiterem Himmel - das kündigt sich vorher an.

  • Die Sicherheit im Beamtenverhältnis ist nun einmal eine Sicherheit für beide Seiten. Die Bewerbung ist zudem ja keine bei einem anderen Arbeitgeber, sondern letztlich der formale Antrag auf Übertragung einer anderen Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber.

    In einer anderen Dienststelle, bei eine*r anderen Vorgesetzten. Natürlich ist das was anderes als bloßer "Tätigkeitsbereichwechsel" nicht nur formal, sondern auch persönlich. Man will in aller Regel wo weg und nicht nur wo hin.


    Wenn die Kommunikation nicht vollständig zerrüttet und gestört ist, dann wird es wohl im Vorfeld auch entsprechende Gespräche gegeben haben,...

    Erstens kann ein Dienstverhältnis durchaus zerrüttet sein, und zweitens muss es das nicht mal. Die Gespräche können stattgefunden haben, nun gibt's keine Bleibeperspektive, man will weg und darf nicht. Dass man da nicht mit Blumen und positiver Aufmerksamkeit bedacht wird, sondern unter ferner liefen weiterwurschteln muss, dürfte klar sein.


    Die Situation ist einfach unglücklich. Ich sehe auch nichts, was man schönreden könnte.

  • Die Bewerbungen zur Behörde / Abordnung (ob alle, das weiß ich nicht, aber zumindest alle, die ich mir genauer angeguckt hatte, und es waren unterschiedliche Orte) sind nicht über den Dienstweg einzureichen. Bei einigen steht es ausdrücklich, dass das "Okay" der Schulleitung vorausgesetzt wird (denn: nicht vergessen, selbst wenn es nicht über seinen / ihren Schreibtisch geht, kann die SL am Ende trotz Zusage ablehnen).
    Mein SL hat von meiner Bewerbung erfahren, weil ich an dem Tag Unterricht gehabt hätte. Er hat es mir übrigens nicht krum genommen (jeder SL ist selbst irgendwann den Weg einer Bewerbung und Schulwechsel gegangen...), hat mir mal nebenbei gesagt "Ach, ich müsste Ihnen was bieten, ich habe aber nichts" (zu dem Zeitpunkt wusste ich aber, dass ich eine potentielle Zusage woanders auf keinen Fall gegen Versprechen eintauschen würde, mir ging es aber nie um eine Beförderung, die ich auch nicht habe).

    Wenn dein SL an der Bewertung im Beförderungsverfahren eh beteiligt wird (je nach BL ja ganz unterschiedlich): lieber erfährt er es nicht durch den Brief der Bezirksregierung...

  • In einer anderen Dienststelle, bei eine*r anderen Vorgesetzten. Natürlich ist das was anderes als bloßer "Tätigkeitsbereichwechsel" nicht nur formal, sondern auch persönlich. Man will in aller Regel wo weg und nicht nur wo hin.

    Im von mir weiter oben beschriebenen Konstrukt ändert sich ebenfalls die Dienststelle/Abteilung und damit die direkten Vorgesetzten. Der Arbeitgeber bleibt aber gleich, insofern ist eine "geheime" Bewerbung auch in der Wirtschaft unüblich.


    Ich weiß, es ist anekdotisch: Ich kenne im Bekanntenkreis wirklich niemanden, der oder die sich beworben hätte, um weg zu kommen. Zentrales Motiv war dabei immer die Chance, für die eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und den persönlichen Einsatz auch entsprechend monetäre Wertschätzung zu erfahren. Dabei spielt die starre Struktur von fest vorgegebenen Planstellen und die damit verbundene fehlende Entwicklungsperspektive an der eigenen Schule eine zentrale Rolle.


    Ich sehe aber gerade, dass das beim hier diskutierten Fall anders zu sein scheint.

  • Meine alte Schulleitung hat allen Versetzungsanträgen stattgegeben, wenn sie im Rahmen einer Familienzusammenführung o.ä. erfolgten, auch wenn sie dies theoretisch hätte ablehnen können. Nichts bieten konnte er auch vielen von uns - und viele sind darauf hereingefallen - so wie ich lange Zeit. Und für mich war es keine Perspektive, die nächsten 20 Jahre ein und dasselbe zu tun und mich dann ein paar Jahre später von der nächsten Schulleitung verar***en zu lassen.

  • Meine Bewerbung "woandershin" hat zwei Gründe. Zum einen ein räumlicher: Ich fahre täglich rund 75 km einfache Strecke. Ich habe mich daran gewöhnt, mal fällt es mir schwerer, mal leichter. Im Ganzen wäre das aber nicht zwingend ein Grund, um wechseln zu wollen. Weitaus schwerer wiegt der Grund, dass ich mich seit einem Wechsel in der Schulleitung wie ein Ergänzungsspieler fühle, obwohl ich früher immer in der Startelf stand. Die neue Rolle macht mir schwer zu schaffen - meine Motivation leidet zunehmend. Ich kann mir auch gar nicht erklären, wieso ich plötzlich so wenig Anerkennung erfahre. Ich bin grundsätzlich kein anderer Mensch geworden. Es liegt einfach an der Chemie, die nicht stimmt, und das reibt mich ziemlich auf.


    Im Ganzen kann ich auch nicht sehen, dass sich die Schule weiterentwickelt. Ich suche also nach einer Schule, wo mein Engagement wieder wertgeschätzt wird und wo ich insgesamt das Gefühl habe, dass etwas vorangeht. Wir haben leider aktuell gar keine prestigeträchtigen Projekte vorzuweisen und genießen leider auch keinen Ruf. Jeder Versuch, das zu ändern, verpufft. Und ich merke, dass sich bei mir nach über 12 Jahren an dieser Schule allmählich große Ermüdungserscheinungen zeigen. Ich weiß inzwischen einfach schon ganz oft im Voraus, wie eine Sache ausgeht - nämlich enttäuschend. Ich brauche einfach ein neues Umfeld, um größere Befriedigung aus dem, was ich tue, zu ziehen. Wenn dieses Problem nicht wäre, würde ich gerne auch bleiben - trotz des weiten Wegs.

  • Ich hatte mal eine Kollegin, die immer nach 7 Jahren einen Versetzungsantrag stellte und sich versetzen ließ. Sie sagte, sie braucht das, damit der Alltag spannend bleibt. Und, wer sie kannte, spürte das auch.

    Es muss nicht immer negative Gründe haben.

  • Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass es verdammt unangenehm ist, wenn, der SL weiß, dass man wegwill, man aber noch jahrelang abgelehnt wird (bei mir war es ein einfacher Versetzungsantrag aufgrund der Fahrzeit und Familiengründung, jeweils eine Stunde). Mir war klar, dass der nicht sofort durchgehen würde, da meine alte Schule jeden einzelnen Lehrer dringend brauchte. Ich wusste auch, dass meine alte SL nicht unbedingt....wahnsinnig begeistert sein würde.


    Dass ich allerdings innerhalb von einem Monat von der angesehenen Lehrerin, die man auch gerne mal um Rat fragte und die sich im großen und Ganzen immer anerkannt fühlte, zur persona non grata seitens der SL wurde, hatte ich nicht erwartet. Von unfassbar miesen (absichtlich miesen) Stundenplänen bis hin zu seltsamen Anschuldigungen ("Frau... Sie haben wieder das Fenster im Klassenraum vergessen zu schließen, das ist Ihre Aufgabe, auch wenn jemand nach Ihnen dort Unterricht hat und Sie eher frei haben") und absolut widerlichen Situation (Ich saß mit einem gebrochenen Wurstfinger beim Arzt, rief um 7:30 an, um mich (für 4 Stunden) zu entschuldigen und wurde von der SL beschimpft, wieso ich wegen solcher Kinkerlitzchen zuhause bliebe)...es war alles dabei.


    Das Ganze habe ich drei Anträge lang durchgehalten und konnte mich dann zum Glück via Elternzeit zwangsversetzen lassen. Das hat mich sehr getroffen, da ich mit den SuS super zurechtkam und mein Kollegium toll fand. Seitdem betrachte ich derartige Anträge auf dem Dienstweg jedoch als relativ kritisch.

  • Von unfassbar miesen (absichtlich miesen) Stundenplänen bis hin zu seltsamen Anschuldigungen ("Frau... Sie haben wieder das Fenster im Klassenraum vergessen zu schließen, das ist Ihre Aufgabe, auch wenn jemand nach Ihnen dort Unterricht hat und Sie eher frei haben") und absolut widerlichen Situation (Ich saß mit einem gebrochenen Wurstfinger beim Arzt, rief um 7:30 an, um mich (für 4 Stunden) zu entschuldigen und wurde von der SL beschimpft, wieso ich wegen solcher Kinkerlitzchen zuhause bliebe)...es war alles dabei.

    Die letztgenannten Dinge sind wirklich unter aller Sau und ich kann gut verstehen, wenn man dann weg möchte. Zum Ersten möchte ich dennoch (wie früher schon einmal) festhalten: Kein Stundenplaner ist verrückt genug, sich die enorme Arbeit anzutun, einer Lehrkraft einen absichtlich schlechten Stundenplan zu erstellen.

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