Überall angenommen- Qual der Wahl

  • Guten Tag liebe Foren-Mitglieder,


    ich wurde tatsächlich überall angenommen.


    Sowohl für Gymnasial-Lehramt Sport und Bio (würde es später mit Mathe erweitern, will nur nicht, dass mein Abschluss davon abhängt)


    und für Gesundheit und Pflege/Sport an Berufsbildenden Schulen.


    Das noch an diversen Unis, obwohl ich dann einfach die nehme, die mir am besten gefällt.


    Jetzt stehe ich echt vor der Qual der Wahl.


    Ich finde beides enorm cool. Ich mag 5-12 Klasse super gern, sogar 5-10, aber ich neige auch dazu, schnell zu erschöpfen durch hohe Lautstärkepegel, auch wenn ich Action ein bisschen mehr mag. Ich finde Projektarbeit cool, ebenso den Mix aus Bildungs- und Erziehungsauftrag.


    Ich habe die letzten Wochen in mich reingehorcht und festgestellt, dass ich mehr Spaß, bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen habe, sie mich sehr erfüllt, allerdings auch dolle auspowert.

    Ich will nach meinem Arbeitsalltag auch Energie haben für meine zukünftige Familie. Ich habe Angst, dass wenn ich das BK-Lehramt wähle, dass ich die Arbeit mit Kindern vermisse oder, dass das Zwischenmenschliche zu kurz kommt.


    Dafür habe ich dort nicht das Gefühl, dass mich dort eine Art "Burn-Out" so schnell erreicht.


    Vielleicht denke ich da schon etwas zu weit in die Zukunft.


    Kennt jemand ähnliche Gedankengänge?

    Das Lehramt mit Sek 1 ist für mich ne Herzenssache, Sek 2 etwas, was meiner Gesundheit zumindest mehr entspricht, weil ich doch sensibel auf sehr hohe Schallpegel reagiere.


    Die Frage ist: Gewöhnt man sich an die Lautstärke und dieses "viel" an allgemeinbildenden Schulen? Oder ist das Typsache?



    Liebe Grüße


    Susi

  • Ich persönlich habe den Eindruck, dass, je älter man wird, man die Lautstärke weniger abkann. Als (ganz) junger Mensch hat mir das wenig ausgemacht, als nun etwas weniger junger Mensch macht es mir mehr aus, ist mir aufgefallen, nicht nur als Lehrerin in der Schule, sondern auch generell.


    Allerdings ist die Lautstärke ja meist kein Dauerzustand, der den ganzen Tag anhält (Ausnahmen gibt es sicherlich). Klar, in den Pausen schon, aber da steht man ja nicht unbedingt im Klassenzimmer (ja nach Schulart), während des Unterrichts kann man für (relative) Ruhe sorgen, je nach Unterrichtsform. Gerade bei Projektarbeit wäre es wichtig, dass der Geräuschpegel ein gewisses Maß nicht überschreitet.


    Es gibt auch Lärmampeln oder Apps, die dabei behilflich sein können.


    Man weiß heute, dass Lärm krank machen kann, und wenn du dir schon vor dem Berufsstart Gedanken darum machst, weil du weißt, dass du da empfindlich bist, sollte das ein ganz wichtiges Ziel sein für deinen Schulalltag, dass du den Lärmpegel in deinen Klassen möglichst gering hältst, dir nicht angewöhnst, selbst immer lauter zu sprechen, um die SuS zu übertönen (das ist nämlich auch sehr anstrengend), sondern von Anfang an Kommunikations- und Verhaltensregeln klar formulierst, einforderst und bei Verstößen sanktionierst. Ist natürlich leichter gesagt als getan, aber ein wenig Erfahrung sammeln und verschiedene Dinge ausprobieren muss man schon.


    Leider ist nicht selten auch die Architektur der Gebäude / Klassenräume selbst Schuld daran, dass alles einfach lauter ist. In Klassenräumen, die bei uns zuletzt neu eingerichtet wurden, befindest sich z.B. moderneres Mobiliar, "leiserer" Boden (man hört das Schieben der Stühle nicht so laut) und Schallwände (Wandabsorber). Man kann nur hoffen, dass in den nächsten Jahren immer mehr Klassenzimmer so ausgestattet werden (aber wir wissen ja leider alle, dass sowas seeeeehr lange dauert. Die meisten Klassenzimmer bei uns sehen so aus wie noch zu meiner Schulzeit...).


    Für mich ist es auch eine Erholung nach einem anstrengenden oder lauten Schultag auf dem Rad durch den Park heimzufahren oder im Auto bewusst ohne Radio. Damit kann ich die Lärmbelastung wieder etwas ausgleichen.

  • Sind denn Sek.-II-Klassen so viel leister als Sek.-I-Klassen?!

    Also bei mir am Berufskolleg kann ich sagen: Die Vollzeit-Klassen - nein
    Duales System - häufiger ja würde ich meinen.


    Aber die Handhabe ist auch anders. Wenn mich dauerhaft jemand nervt kann man anders Konsequenzen durchziehen.

    und für Gesundheit und Pflege/Sport an Berufsbildenden Schulen.

    bin ja immer pro BBS. :D



    Aber kann die gedankengänge verstehen.


    in NRW kann man mit Gym-Lehramt ans BK aber nicht umgekehrt.

  • Also bei mir am Berufskolleg kann ich sagen: Die Vollzeit-Klassen - nein
    Duales System - häufiger ja würde ich meinen.

    Bei uns ist das sehr vom Bildungsgang abhängig und auch vom Ausbildungsberuf. Ich würde mal behaupten, die "schwächeren" Klassen (BFS, Berufseinstiegsklasse, Berufsschulklassen im Einzelhandel oder bei den Kfz-Mechatroniker*innen u. ä.) sind häufig lauter als z. B. die FOS- oder BG-Klassen oder Berufsschulklassen der Industriekaufleute.

    Für mich ist es auch eine Erholung nach einem anstrengenden oder lauten Schultag auf dem Rad durch den Park heimzufahren oder im Auto bewusst ohne Radio. Damit kann ich die Lärmbelastung wieder etwas ausgleichen.

    So ähnlich handhabe ich es auch. Ich fahre zwar wegen der Länge des Fahrtwegs immer mit dem Auto, stelle aber oft das Radio auf dem Heimweg ganz leise oder komplett aus.

    Im Übrigen habe ich festgestellt, dass ich - vermutlich tatsächlich bedingt durch den höheren Lärmpegel in der Schule (nicht nur in den Klassenräumen, sondern manchmal auch im Lehrerzimmer) - etwas lärmempfindlicher geworden bin und bspw. nicht mehr gern laut Musik höre.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ach spannend.

    Ich habe ein paar Monate Praktikum an einer Mittelschule/Realschule gemacht. Und ich habe ähnliches gemerkt.


    Also freiwillig laute Musik, außer beim Feiern, mochte ich noch nie. Aber wenn das jemand nach so nem Schultag angemacht hat, wollte ich ihm echt an die Gurgel gehen. 😂🙈


    Sport ist ja bekanntlich auch lauter. Aber ich bin im Verein als Übungsleiterin tätig und da habe ich schon ein bisschen Erfahrung.


    Ich würde in der Beruflichen Fachrichtung ja eh viele "liebe" Ausbildungsgänge haben, weil der Gesundheits-und Sozialzweig, ja doch eher mädchenlastig ist. Und im Sportunterricht toben ja eh alle.


    Ich tendiere doch stark zu Sek2. Einfach weil die Gefahr, dass mir der Beruf, das Privatleben "verdirbt" im Sek1 Bereich schon ziemlich hoch ist (Lärm, Eltern, Klassenfahrten). Ich meine damit nicht, dass es bei jedem so ist, sondern dass ich da wahrscheinlich etwas sensibler bin.

  • Ich würde in der Beruflichen Fachrichtung ja eh viele "liebe" Ausbildungsgänge haben, weil der Gesundheits-und Sozialzweig, ja doch eher mädchenlastig ist.

    Gerade herumzickende Mädels können aber auch ganz schön laut (und vor allem nicht immer "lieb") sein 8)! Ich hatte mal eine BFS-Klasse der "Hauswirtschaft und Pflege- Schwerpunkt persönliche Assistenz" und die war i. d. R. lauter als meine eigenen BFS-Klassen im Bereich "Wirtschaft - Einzelhandel".

    Bei uns gehört übrigens auch die "Berufseinstiegsklasse Pflege" zum Bereich "Gesundheit und Soziales".

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    • Offizieller Beitrag

    ... und ich dachte, ich hätte nur eine anekdotische Erfahrung :D
    Also in meinen mädchenlastigen Kursen (bei zwei meiner Fächer ist es in der Oberstufe sehr unausgewogen...) muss ich immer die Jungs dazu animieren, aktiv zu sein und sich zu melden. Die Mädels sind da (im Schnitt) nicht nur im Unterricht viel aktiver, sondern auch im Quatschen (ernsthaft, die sitzen in JEDEM LK zusammen, also MINDESTENS 2 Stunden am Tag, und hätten genug Stoff, um trotzdem jede Doppelstunde vollzuquatschen, wenn du sie lässt...)

  • Ich würde in der Beruflichen Fachrichtung ja eh viele "liebe" Ausbildungsgänge haben, weil der Gesundheits-und Sozialzweig, ja doch eher mädchenlastig ist. Und im Sportunterricht toben ja eh alle.

    Wie meine Vorredner bereits auch schon geschrieben haben: Muss nicht sein... meine letzte BFS mit der Fachrichtung Gesundheit war wesentlich weniger sozial und brav als meine KFZler. Auch das Geschlechterverhältnis ist bei uns fast ausgeglichen.

    Ich habe auf Gym studiert, Ref am Gym gemacht und war vor meiner jetzigen Stelle an einer BS an mehreren allg Gyms angestellt. Ich fand alle Jahrgänge toll und kann verstehen, dass du dir deshalb Gedanken machst. Die Kleinen hatten echt was Niedliches und ich habe gerade am Anfang meiner Laufbahn an der BS den unteren Jahrgängen "nachgetrauert". Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und manchmal hat man ja auch noch gefühltes Kindergartenkinderverhalten in der 13 Jahrgangsstufe kurz vor dem Abitur :rose:

    Was hier noch nicht zur Sprache kam, aber meiner Meinung nach dennoch relevant ist, sind deine späteren Einstellungschancen. Der aktuelle Stand in Hessen: Bio/Sport Gym fast keine Chancen auf eine Stelle an einem Gym, evtl. auch Wartezeit fürs Ref, Gesunheit/Sport BS nahezu Ref- und spätere Planstellengarantie/edit: bessere Einstellungschancen. Wenn du allerdings wirklich so sehr auch die Jungen unterrichten möchtest, würde ich mich für Bio/Sport entscheiden. Zur Not kannst du nach dem Ref dann immer noch an eine BS, allerdings hast du dann ja eben keine Fakultas in einem Schwerpunktfach, was die Chancen auf eine Planstelle verringern könnte

  • Gesunheit/Sport BS nahezu Ref- und spätere Planstellengarantie.

    Mit Gesundheit? Eher weniger, das ist überhaupt kein Mangelfach und wird auch meistens nicht in großem Umfang gebraucht. Vielleicht einig besser als Wirtschaft, aber besonders gut sind die Aussichten für BS-Verhältnisse nicht.

  • s3g4: Du hast absolut Recht, was das Verhältnis von BS im Allgemeinen angeht. Metall, Elektro etc. sind insgesamt natürlich deutlich gefragter (an meiner allerdings nicht, wir brauchen in den nächsten 20 Jahren keinen E-Techniker oder Metaller, sondern es gehen nur Gesundheitler in Pension). Ich editiere aber dennoch den Beitrag oben, damit es allgemeingültiger ist

  • Es werden in Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung vermutlich noch viel mehr Kräfte im Gesundheitswesen benötigt und entsprechend auch Personen, die sie ausbilden. Klar wird man an Elektro/Metall in der Masse wohl nie rankommen, aber ein gesteigerter Bedarf wird schon da sein.


    Sowohl für Gymnasial-Lehramt Sport und Bio (würde es später mit Mathe erweitern, will nur nicht, dass mein Abschluss davon abhängt)

    Das verstehe ich nicht ganz. Mathe wäre schließlich das Argument schlechthin für deine Einstellung, da ist die Gesamtnote der anderen Fächer dann auch egal. Oder meinst du nur die Erweiterung für Sek 1?

    Ansonsten kann man natürlich auch später noch die Fächer untereinander wechseln bzw. entscheiden, mit welchen man das Examen bzw. Ref. machen will. Wichtig ist nur, ob du Mathe fest einplanst oder nicht, denn das macht schon einen erheblichen Unterschied in Bezug auf deine Einstellungschancen und damit die Überlegung, welches Studium du jetzt aufnimmst, da


    Mathe/Sport/Bio > Gesundheit/Sport > Sport/Bio

  • Mit Gesundheit? Eher weniger, das ist überhaupt kein Mangelfach und wird auch meistens nicht in großem Umfang gebraucht. Vielleicht einig besser als Wirtschaft, aber besonders gut sind die Aussichten für BS-Verhältnisse nicht.

    Dass "Gesundheit" / "Pflege" kein Mangelfach sein, stimmt so nicht. Vielleicht trifft das in Hessen zu, aber z. B. in RLP wird hier die Fachrichtung "Gesundheit" bei den Mangelfächern - neben einigen technischen - aufgeführt: https://bm.rlp.de/de/bildung/s…fsfeld-bbs/mangelfaecher/

    In einer Broschüre des nds. MK "Gute Lehrkräfte braucht das Land" wird u. a. "Pflegewissenschaften" als gesuchte berufliche Fachrichtung an den BBS genannt und hier für BW ebenfalls "Pflege": https://km-bw.de/site/pbs-bw-k…ellungschancen%202020.pdf

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich danke euch für die zahlreichen Antworten.


    Ich bin gelernte Physio. Wenn ich nicht sofort nen Ref-Platz kriege, füttere ich mich erstmal damit durch.

    Ich hab nur das Gefühl, dass meiner Gesundheit das Berufsbildende System einfach besser tut, weil ich doch mehr "Pausen" brauche, sensibel auf sehr hohe Geräuschkulissen reagiere und vor allem, weil der Bedarf in Bio/Sport doch nicht super hoch ist. Mathe ist ein Fach, dass mir sehr gefällt aus der Sicht der Lehrenden, wo ich aber nicht sicher bin, ob ich es an der Uni auch schaffe. Weil Unimathe ja nicht Unterrichtsmathe ist.


    Hab auch nichts dagegen an der Sek1 zu Unterrichten, da dort der Bedarf auch sehr hoch ist, aber ich weiß, dass ich es auf Dauer nicht schaffen würde die Probleme der Schüler und Schülerinnen einfach von meinem Privatleben abzugrenzen. Das will ich allerdings für mein Privatleben nicht.

  • Würde ich an deiner Stelle auch so machen. Du hast den entsprechenden Hintergrund und das Glück, das entsprechende Fach (mit dem die Einstellungschancen ganz gut sind) an einer Uni, die für dich infrage kommt, studieren zu können. Besser geht's doch kaum, oder? ;)

    Wozu da auf ein unsicheres Pferd setzen?


    Viel Spaß und Erfolg beim Studium!

  • Dass "Gesundheit" / "Pflege" kein Mangelfach sein, stimmt so nicht. Vielleicht trifft das in Hessen zu, aber z. B. in RLP wird hier die Fachrichtung "Gesundheit" bei den Mangelfächern - neben einigen technischen - aufgeführt: https://bm.rlp.de/de/bildung/s…fsfeld-bbs/mangelfaecher/

    In einer Broschüre des nds. MK "Gute Lehrkräfte braucht das Land" wird u. a. "Pflegewissenschaften" als gesuchte berufliche Fachrichtung an den BBS genannt und hier für BW ebenfalls "Pflege": https://km-bw.de/site/pbs-bw-k…ellungschancen%202020.pdf

    Es wird in Hessen auch als Mangelfach ausgewiesen, aber es gibt immer reichlich Bewerber. Klar gibt es einen Bedarf, ich erzähle nur von dem was ich erlebt habe bzw. mitbekomme. Es haben einige Refs im Gesundheitsbereich Probleme mit einer Planstelle im Anschluss gehabt.


    @TE ich möchte dich nicht davon abbringen an die BS zu gehen. Das ist für mich das beste Lehramt und ich könnte mir nicht vorstellen in eine andere Schulform zu gehen.

  • Es wird in Hessen auch als Mangelfach ausgewiesen, aber es gibt immer reichlich Bewerber. Klar gibt es einen Bedarf, ich erzähle nur von dem was ich erlebt habe bzw. mitbekomme. Es haben einige Refs im Gesundheitsbereich Probleme mit einer Planstelle im Anschluss gehabt.

    Hm, in NDS kenne ich niemanden, der in den letzten Jahren Probleme gehabt hätte, im Bereich "Gesundheit" eine Planstelle zu bekommen. Auch an meiner Schule haben wir weiterhin Bedarf dort.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

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