Drittfach Ausgleich Korrekturaufwand

  • Hallo,

    das hier ist zwar eher eine Frage, die sich auf das Studium bezieht, aber sie ist an "fertige" Lehrkräfte gerichtet.

    Ich studiere momentan noch im Bachelor Deutsch und Englisch für's Gymnasiallehramt und bin am Überlegen, im Master ein Drittfach dazu zu nehmen, mit dem Hintergrund, dass ich dann vielleicht mehr Ausgleich der beiden anderen Fächer habe - in Bezug auf Korrekturen. Da würden aber eigentlich nur Fächer für mich in Frage kommen, die auch nicht als die Korrekturärmsten gelten. Erdkunde wäre momentan mein Favorit. Hat jemand Erfahrung damit, ob das wirklich einen Ausgleich schaffen kann?

    Danke für die Antworten 😊.

  • Die Frage wird immer sein: gibt es in deinen Fächern zu wenig oder zu viele Kollegen. Kann sein, dass du im blödesten Fall nur Englisch in der Oberstufe unterrichtest, oder weil gerade 2 Leute in Elternzeit sind nur noch dein 3. Fach machst. Das kann dir keiner sagen. Aber ja, wenn du das 3. Fach auch unterrichtest, kann das entlasten. Oder man sucht sich andere Aufgaben.

    Ich hab meine Korrekturzeiten mit Mathe als drittem Fach und Entlastung für Stundenplanarbeit gesenkt.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Meine Erfahrung ist: Eine Oberstufenklausur Geschichte ist viel mehr Aufwand als eine Englischschulaufgabe in der Mittelstufe ... (Und das ist in Geographie wohl nicht anders) ... soll heißen: Kann man nicht generell sagen.

  • Das Zielbundesland ist dabei auch relevant.

    Der Beitrag von Yestoerty ist wirklich wichtig und den unterschreibe ich sofort.
    ABER: Im "Idealfall" kann eine gute Schulleitung (wenn der Personalschlüssel passt usw...) auch mit deinen Fächern die Arbeitsbelastung steuern. In NRW ist EK schon eine Entlastung, da nur in der Oberstufe mit Arbeiten versehen und da schreibt nie der ganze Kurs (LKs ausgenommen, versteht sich von selbst).
    Da sind also 1-2 Mittelstufenkurse (4 Stunden) anstatt einer Englischgruppe schon eine Entlastung.

    Aber: es könnte trotzdem sein, dass du 20 Stunden Englisch und 5 Stunden Deutsch hast.
    Oder auch (weil das so viele nicht bedenken und es mich als Vollzeitlehrkraft immer aufregt): auch mit Vollzeit kann es sein, dass du 16 Stunden nur deine Korrekturfächer unterrichtest.
    Ein Drittfach hat also (leider) nicht zur Folge, dass du Anspruch auf das Fach hast und dass du einen Drittel Deputat drin hast.

    Nebenbei: EK in Kombi mit Englisch ist aber super für den bilingualen Unterricht ;-)

  • Mit Deutsch und Englisch für Gymnasium würde ich mir um zukünftige Korrekturen wenig Sorgen machen.

    The pen is mightier than the sword.

    - Edward Bulwer-Lytton

  • Ich habe als drittes Fach Informatik, und bin sogar hauptsächlich darin eingesetzt. Es macht *viel* weniger Arbeit als Deutsch oder selbst Englisch. Kann aber nichts zu Erdkunde sagen.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Also wenn Du unbedingt ein drittes Fach dazunehmen möchtest, das einen Ausgleich schafft UND korrekturarm ist, dann würde ich Musik nehmen. (Bzw. ich habe das getan.)

    Englisch in der Unter- und Mittelstufe ist vom Aufwand her noch OK, in der Sek II wird es dann mehr - und im LK schreiben eben immer alle SchülerInnen. Erdkunde als Fach wird gerne auch mal fachfremd von den Klassenleitungen unterrichtet - von daher ist der Ausgleich nicht garantiert. Als Doppelkorrekturfachlehrkraft hast Du ohnehin die A-Karte gezogen. Immer Korrekturen, immer Klassen- oder Stufenleitung, immer zusätzliche Verwaltungsarbeit. Statt eines Drittfachs wäre ggf. zu überlegen, Deutsch zu schmeißen und direkt etwas, das gesucht wird, zu studieren.

  • Mit Deutsch und Englisch hast du immer sehr viel zu korrigieren. Ich habe selber Deutsch und hätte damals fast die Kombi D/E gewählt, weil mir der Aufwand zu dem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen ist. Mit Erdkunde - ein sehr schönes Fach, wie ich finde - würdest du den Aufwand vermutlich reduzieren können. Es kommt auch etwas aufs Bundesland an, aber in NRW kannst Du die Noten in der Sek1 meines Wissens auch über andere Leistungen (Projekte, Referate, Hefter, Tests...) bilden und müsstest keine Arbeiten schreiben lasS . In Niedersachsen gibt es zwar Klassenarbeiten in der Sek1, aber die sind weniger aufwendig als Deutscharbeiten zu korrigieren. Erdkunde ist ggf.nicht so gefragt, aber eine Schulleitung, die dich nicht ausbrennen lassen will, setzt dich sicherlich auch dann in Erdkunde ein und Wünsche kann man ja auch oft angeben. Musik ist recht gefragt, genau wie Kunst, aber man muss eine Eignungsprüfung in beiden Fächern bestehen.


    Ich habe berufsbegleitend auch ein Drittfach studiert. Das ist z.T. organisatorisch recht anstrengend und auch Hausarbeiten, Klausuren etc. mussten neben dem Schulalltag erstellt werden, aber wo ein Wille ist, ist ein Weg.

    Interessant ist, dass je nach Uni/Bundeland eine unterschiedliche Zahl an KP für das Drittfach erreicht werden muss. An der Uni Bochum sind es 59 KP für Erdkunde als Drittfach. Wuppertal oder Jena bieten Drittfächer für 75 KP an, Osnabrück für 93 KP und Oldenburg verlangt stolze 95 KP. Ob die dann überall gleich anerkannt werden, weiß ich nicht. Niedersachsen erscheint mir relativ streng in Bezug auf ein Drittfach und verlangt übrigens Studiengebühren dafür (in Osnabrück und Hannover z.B. 250 Euro).

  • Erdkunde als Fach wird gerne auch mal fachfremd von den Klassenleitungen unterrichtet - von daher ist der Ausgleich nicht garantiert.

    Den Aspekt kann man nicht hoch genug hängen.

    Dein Drittfach wird nur dann zu einer Entlastung, wenn es so attraktiv/selten ist, dass du es dann auch in der Praxis unterrichtest. Sicher sind im wesentlichen nur die Fächer, die oft keinem im weitesten Sinne fachfremden zugetraut werden oder besondere Anforderungen stellen. (Informatik, Physik, Chemie, Musik, Technik, Sport, Hauswirtschaft, ...)

    ("Besondere Anforderungen" ist jetzt nicht abwertend anderen Fächern gegenüber gemeint, sondern meint sowas wie in NRW: "Sport nur noch mit Sportstudium legal oder 'Altfall' mit langjähriger Erfahrung")


    Bei allen anderen Fächern hängt es von den Fächern deiner Kollegen und der Möglichkeit und Fähigkeit deiner SL zur Belastungssteuerung ab, ob du es überhaupt unterrichtest.

  • Naja, am Gymnasium lässt man meiner Erfahrung nach nur sehr ungern fachfremd unterrichten, das gilt auch für Fächer wie Erdkunde. Und wenn die TE später eine eigene Klasse hat, was mit D/E sehr wahrscheinlich ist, bekommt sie sicherlich den Kurs in der eigenen Klasse. Noch ein weiter EK-Kurs in der Sek1 und sie hätte schon einen Deutsch-/Englischkurs mit Korrektur gespart. Von daher sicherlich nicht sooo optimal wie ein richtiges Mangelfach als Drittfach, aber m.E. definitiv besser als nur D und E. Und da Deutsch und Englisch nicht so selten sind, stehen die Chancen bestimmt nicht so schlecht, auch etwas EK unterrichten zu dürfen.

  • Als Englisch- und Geschichtslehrer kann ich dir nur wärmstens empfehlen, ein Drittfach zu machen. Ich habe Politik und Informatik in der Sek 1 fachfremd unterrichtet und es ist ein großer Segen, nicht mehr so viel korrigieren zu müssen. Außerdem mag ich die Abwechslung, gerade in Informatik haben wir einige spannende Projekte gemacht, die zudem auch noch, wenn sie gut liefen, weniger arbeitsintensiv waren als komplexe Englisch-Oberstufenstunden zu den neusten Entwicklungen in den USA oder zu Shakespeares Werken und dergleichen ;-)

    Auch wenn man an der Uni noch nicht dran denkt, aber Korrekturen sind teilweise echt mühselig und sitzen einem lange im Nacken bzw. im Hinterkopf. Ich würde übrigens DeadPoet etwas widersprechen, ich finde Englisch in den oberen Jahrgängen der Sek 1 teilweise ähnlich anstrengend wie Geschichte, weil man einfach so unglaublich viel an der Sprache korrigieren muss. Fremdsprachenkorrektur empfinde ich generell als ziemlich anstrengend, weil du bei schwächeren SuS fast in jedem Satz 1-2 Fehler korrigieren darfst und dann auch noch besonders in der Oberstufe auf Methodik, Analysepräzision, Inhaltstiefe etc. achten musst.

    Ob du für dein Drittfach den Weg über die Uni gehst oder es später als Zertifikat machst, bleibt dir überlassen. Manchmal kann man es auch temporär ohne offizielle Qualifikation unterrichten, wenn die Hütte brennt.

    Viel Spaß, Weisheit, Kraft und Segen beim Unterrichten und beim täglichen Umgang mit den wertvollen Schülerinnen und Schülern. Wir haben trotz aller Schwierigkeiten einen tollen und wichtigen Job 🙂👩‍🏫👨‍🏫❤️

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