Unterschiedliche Gewichtung von Noten im Software-System?

  • Hallo!


    Wir tragen unsere Noten in ein Softwaresystem ein, welches dann automatisch den Durchschnitt berechnet. Des Weiteren orientiert man sich in unserem Bundesland hart am errechneten Wert, nicht nur in Klassenarbeiten, auch in sonstigen Leistungen (Tests, etc.).


    Was macht man nun, wenn man Noten in einem Fach unterschiedlich gewichtet und dies eigentlich irgendwie kenntlich machen möchte, das System dieses aber funktional nicht hergibt bzw. ermöglicht?


    Beispiel:

    Test 1 mit 5 Fragen, 30 Punkten: Note 2

    Test 2 mit 2 Fragen, 12 Punkten: Note 3


    Test 2 ist nach meinem Ermessen "weniger wert", weil eben weniger auf einmal abgefragt wurde (beide Tests waren angekündigt und Themen zuvor benannt). Ich meine, ich selbst WEIß das ja, aber wie kann ich das letztendlich so in das System bringen, dass mir das System nicht lediglich 2,5 als Durchschnitt = Note 3 raus gibt? Wenn ich finde, dass für Test 1 deutlich mehr geleistet werden musste und ich insgesamt daher deutlich eine 2 geben wollte?

    Rechtlich gesehen kann ich auch bei 2,5 eine 2 geben, wenn ich das nach Ermessen entscheide. Es könnte aber in anderen Beispielen ja auch rechnerisch 2,7 ergeben, und dann hab ich ein Problem. Ihr wisst, was ich meine, denke ich.

  • Wenn das System das nicht hergibt, kannst du wohl nur den Test 1 doppelt eintragen, also zusammen mit einem fiktiven Test 1b.

    Ich würde das aber nicht ohne Rücksprache machen, eventuell werden die eingetragenen Noten ja archiviert und dienen mal als Beleg, das sieht dann bald nach Mogelei aus.


    Im Idealfall müsste das System eine unterschiedliche Gewichtung ermöglichen. (Unseres tut das.) Und in BY müssen wir vorher sagen, welcher derartige Test wie gewichtet ist - deshalb sind sie meist auch alle gleich gewichtet. Erst im Nachhinein entscheiden dürfen wir nicht.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Das System kennt nur Klassenarbeiten und sonstige Leistungen, (jeweils) in zwei verschiedenen Listen. Innerhalb einer Liste gibt es keinen Unterschied.


    Es geht ja auch nicht nur um Tests, sondern auch um andere Leistungen, die man evtl. anders gewichten würde. Fiktive Noten würde ich nicht eintragen.

  • Wenn das Programm es nicht hergibt, würde ich an deiner Stelle selbst mit Gewichtung der jeweiligen Tests eine einzige Testnote eingeben. Zuvor würde ich mich bei der SL für dieses Vorgehen absichern.

  • Ich würde ebenso vorgehen wie von Mimi und Herrn Rau vorgeschlagen. Wenn du das nicht willst, bleibt eigentlich nur, am Ende die Zeugnisnote entsprechend abzuändern (Absprache mit Schulleitung, dass der mit Gewichtung errechnete Wert eingetragen wird, weil das System keine Gewichtung zulässt).


    Ich würde an deiner Stelle aber vorher nachfragen, ob das im System nicht geändert werden kann. Bei einigen habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass sowas durchaus im Nachhinein noch implementierbar ist.

  • Das sind Fragen, die man mit der Schulleitung klärt. Zumindest die Kolleg*innen mal ansprechen, das kann man im Forum nicht beantworten.

    Tao-hsin sprach zu seinen Schülern "Die Freiheit des Himmels, eines Baumes, eines Steines ist die Messlatte."

  • Was macht man nun, wenn man Noten in einem Fach unterschiedlich gewichtet und dies eigentlich irgendwie kenntlich machen möchte, das System dieses aber funktional nicht hergibt bzw. ermöglicht?

    Dann braucht man wohl ein anderes Programm.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

  • Müsst ihr denn alle Noten dort eintragen? Klingt für mich wirklich absurd. Ich mache zwischendurch manchmal lächerlich kurze Tests, mehr so Hausaufgabenkontrolle, das hat einfach nicht das Gewicht von anderen erbrachten Leistungen. Und das kann man nicht mit berücksichtigen bei dieser ohnehin zweifelhaften Methode, zu einer Gesamtnote zu kommen? Das schreit ja geradezu danach, es irgendwie passend zu machen, wenn es einem gerade nicht so passt. Manchmal gibt es gewichtige Gründe, die einen Ausschlag geben, obwohl es arithmetisch nicht passt. Wie machen das denn die anderen Lehrkräfte an deiner Schule?

  • Müsst ihr denn alle Noten dort eintragen?

    Das scheint mir der entscheidende Punkt zu sein. Wenn dieses System vorgeschrieben ist, dann wird man es wohl so benutzne müssen, wie es ist. Dann kommen die Noten eben so zustande und fertig.


    Und ansonten macht man eben einen Bogen um solchen Quatsch.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

  • Naja, eine Möglichkeit wäre noch, z.B. zwei "halbe Noten" für sich auf Papier zu notieren und den Mittelwert später im System einzutragen. Aber es müssen alle Noten hinein. Und wenn zu wenig drin sind, kriegt man direkt was von der SL auf das Haupt - egal, ob es bislang nicht bewertbar war, weil das Fach regulär nur alle zwei Wochen stattfindet, dann aber ständig der Unterricht ausfiel (wg. Schulprojekten, Vertretung anderswo, fehlender Rechnerraum, etc.).


    Die Kollegen machen das alle unterschiedlich. Abgesehen von der Notenverordnung gibt es kein Konzept an der Schule. Einige geben generell sehr wenig Noten (2 pro Halbjahr), andere sehr viele, manche tragen für jedes Arbeitsblättchen eine Note ein... (gemeinsam mit denen von Tests).


    Hm, an der Schule läuft generell derart viel unrund, und es wird viel im Lehrerzimmer darüber gemeckert, aber sagen tut keiner was. Eigentlich nie. Weil die SL dann wirklich jedes Mal direkt die Nerven verliert und einen lautstark runtermacht. Das mag sich einfach keiner antun... :-(

  • Müsst ihr denn alle Noten dort eintragen?

    Guter Punkt. Die Sportlehrkräfte haben bei uns byzantinische Gewichtungen und Teilnoten, die haben für sich herausgeschlagen, dass sie nur eine Gesamtnote eintragen oder einen Gesamtschnitt und keine Einzelnoten.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Ich weise in solchen Zusammenhänge gerne darauf hin, dass das Berechnen von Durchschnittsnoten sowohl mathematisch als auch inhaltlich nicht zu rechtfertigen ist und bin offen gestanden entsetzt, dass die Notenverordnung in MP genau ein solches unhaltbares Verfahren festschreibt.* Aber das hilft ja nichts, wenn es nun einmal festgeschrieben ist.


    Eine Möglichkeit für unterschiedliche Gewichtungen wäre, die Notenanzahl künstlich aufzublähen. Dann wird der doppelt gewichtete Test halt mit 2 gleichen Noten eingetragen, der einfache Test nur einfach.


    *Edit: MP rettet sich etwas durch den sehr linearen Bewertungsmaßstab. Damit sind die Abstände zwischen Noten immerhin nahezu konstant.

  • Guter Punkt. Die Sportlehrkräfte haben bei uns byzantinische Gewichtungen und Teilnoten, die haben für sich herausgeschlagen, dass sie nur eine Gesamtnote eintragen oder einen Gesamtschnitt und keine Einzelnoten

    Das hätte ich auch gemacht. Noten automatisch berechnen lassen ist absurd bzw. mathematischer Unsinn. Alle die, die sowas gut finden haben nicht verstanden wie Klassen ( ich meine nicht Schulklassen) funktionieren.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Alle die, die sowas gut finden haben nicht verstanden wie Klassen ( ich meine nicht Schulklassen) funktionieren.

    Ja, das höre ich immer wieder, von den gleichen drei Usern hier. Es ist aber erstens Vorschrift so, und auch die Sportlehrkräfte halten sich daran. Und zweitens... ich halte nicht viel von der mathematischen Argumentation für diesen Fall. Ich glaube, ob es Unsinn ist oder nicht, entscheidet nicht die Mathematik. Kann es überhaupt *mathematischen* Unsinn gebebn? Die Mathematik bietet mehrere Modellierungsmöglichkeiten für Dinge, heißt: sie kann herangezogen werden, um Aufgaben in der nichtmathematischen Welt zu lösen, und das ist toll und faszinierend an der Mathematik. Ob eine Modellierung sinnvoll ist oder nicht, halte ich aber für keine Frage der Mathematik, sondern für eine Frage der nichtmathematischen Welt - heißt: ob sie ihren Zweck dort erfüllt.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Ja. Dass bei den beiden Noten 2 und 3 ein (mathematischer) Mittelwert von 2,5 herauskommt, und dies - mathematisch gerundet - am Ende die Note 3 ergibt (vielleicht zu Ungunsten des Schülers), ist nicht die Schuld der Mathematik. Es ist eine pädagogische Entscheidung, die besagt, dass eine rein mathematische Berechnung genügt oder gar vorzuziehen ist. Ob diese pädagogische Entscheidung nun sinnvoll ist, oder ob sie gar pädagogisch IST, stünde dann zur Debatte. Wenn man diese Debatte führen will. Denn ändern kann ich als Lehrer dieses nicht, ich bin kraft Gesetzes daran gebunden, so lange das in irgendeiner Notenverordnung vorgegeben ist.


    Im Alltag hat diese Regelung für mich als Lehrer auch Vorteile (Nachteile auch). Das kann ich klar so sagen, denn ich habe auch in einem anderen Bundeland gearbeitet, wo die Notengebung auf einem anderen System basiert.

  • Ja, das höre ich immer wieder, von den gleichen drei Usern hier. Es ist aber erstens Vorschrift so, und auch die Sportlehrkräfte halten sich daran. Und zweitens... ich halte nicht viel von der mathematischen Argumentation für diesen Fall. Ich glaube, ob es Unsinn ist oder nicht, entscheidet nicht die Mathematik. Kann es überhaupt *mathematischen* Unsinn gebebn? Die Mathematik bietet mehrere Modellierungsmöglichkeiten für Dinge, heißt: sie kann herangezogen werden, um Aufgaben in der nichtmathematischen Welt zu lösen, und das ist toll und faszinierend an der Mathematik. Ob eine Modellierung sinnvoll ist oder nicht, halte ich aber für keine Frage der Mathematik, sondern für eine Frage der nichtmathematischen Welt - heißt: ob sie ihren Zweck dort erfüllt.

    Deine Argumentation liefert doch gerade die Argumente, warum man Noten gerade nicht berechnen sollte! Die Bewertung der Leistungsfähigkeit bezogen auf die zu erreichenden Fachkompetenzen lässt sich doch gerade nicht auf das Rechnen mit Dezimalzahlen herunterbrechen. Am Ende geht es darum, eine angemessene Einschätzung der Leistungen im Rahmen der eigentlichen Notendefinitionen durchzuführen. Dass dafür Einschätzungen in Zahlen umformuliert werden und mit einem arithmetischen Mittel gearbeitet wird, ist m.M.n. auch pädagogisch nicht zu halten. Ausreißer werden dabei deutlich überbewertet und Tendenzen der Leistungsentwicklung lassen sich damit schlicht nicht abbilden.

  • >Deine Argumentation liefert doch gerade die Argumente, warum man Noten gerade nicht berechnen sollte!


    Ich wollte mich auch gar nicht dazu äußern, ob man Noten berechnen sollte oder nicht. Mir ging es nur darum, ob es mathematisch sinnvoll ist, das zu tun ("Bei Ordinalskalen sollet ihr nicht arithmetisch mitteln"), denn ich glaube, dass das gar keine Frage der mathematischen Sinnhaftigkeit ist. Ob man aus pädagogischen Gründen Noten berechnen sollte oder nicht: Ein weites Feld.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Ich muss gestehen, dass ich den regelmäßig wiederkehrenden Diskussion um die Berechnung der Noten nicht folgen kann. Ich verstehe schlicht das Problem nicht. Mag sein, dass ich aus Bayern komme, wo Noten schon immer als gewichteter Durchschnitt von Schulaufgaben (doppelt) und Stegreifaufgaben (einfach) berechnet werden.


    Wenn ich als Lehrer weiß, wie hier Noten berechnet werden, dann liegt es an mir die Leistungsnachweise so zu gestalten, dass sie vom Schwierigkeitsgrad vergleichbar sind. Dann habe ich auch kein Problem, dass irgendwas gesichtet werden müsste.


    Und beim Notendurchschnitt von 2,5 greift dann halt meine pädagogische Freiheit, mit der ich die 2 oder die 3 im Zeugnis begründen kann.

    Sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch. (DpB):aufgepasst:

  • Ich muss gestehen, dass ich den regelmäßig wiederkehrenden Diskussion um die Berechnung der Noten nicht folgen kann. Ich verstehe schlicht das Problem nicht.

    Mit den Werten einer Ordinalskala kann nicht gerechnet werden. Beim Notensystem handelt es sich um eine Ordinalskala.

  • Ich muss gestehen, dass ich den regelmäßig wiederkehrenden Diskussion um die Berechnung der Noten nicht folgen kann. Ich verstehe schlicht das Problem nicht.

    Die Kultusministerkonferenz hatte bereits in den 60er Jahren eine gemeinsame Notendefinition beschlossen. Die Noten werden zwar mit Ziffern verschlüsselt, die eigentliche Bezeichnung der Noten lautet aber "sehr gut", "gut" usw. Bereits hier müsste deutlich werden, dass man mit Wörtern nicht rechnen kann.


    Im Beschluss der KMK ist auch definiert, wann bestimmte Noten zu erteilen sind. So ist beispielsweise die Note "ungenügend" dann zu erteilen, wenn "die Leistungen den Anforderungen nicht entspricht und selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können".


    So einen Fall hatte ich vor einigen Jahren mal. Über das gesamte Schuljahr hinweg sind so eklatante und nicht in absehbarer Zeit behebbare Mängel in den Grundkenntnissen deutlich geworden, dass nichts anderes in Frage kam, als diese Note zu erteilen. Dafür ist auch unerheblich gewesen, dass in einfacheren Tests (die heißen bei euch glaube ich Stehgreifaufgaben) durchaus auch einige mangelhafte bis schwach ausreichende Leistungen erzielt wurden. Im Gesamtbild der Leistungen aus Klassenarbeiten und im Unterricht erkennbaren Kenntnissen bzw. erheblichen Fachlücken, die nicht angegangen wurden, ergab sich dennoch eine ungenügende Fachleistung. Eine "Berechnung" hätte dann vlt. noch 1-2 Punkte und damit eine mangelhafte Gesamtleistung ergeben, die aber nach der Notendefinition schlicht nicht gerechtfertigt war.

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