• Ist die Frage ernst gemeint?

    Ich bin 50+ und verhalte mich seit Jungendtagen so, dass ich möglichst bestimmte Situationen vermeide. Gelingt nicht immer, da das hier:

    mir 2 Mal passiert ist. Ich wundere mich heute, dass ich das nicht angezeigt habe. Aber der Zeitgeist war anders. Nicht mal meine Eltern (die von dem einen Mal auch wussten) sind auf die Idee einer Anzeige gekommen. Das war Anfang der 90er.

    Ich bestätige deine 1. und letzten Absatz, deshalb habe ich geliked. Der mittlere gilt für mich nicht, ich bin überall unterwegs, wo ich sein möchte und verhalte mich wie sonst auch.

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  • Das ist eine eher neue Entwicklung. Dass Menschen so in Angst leben ist irrational und der zunehmenden Berichterstattung geschuldet.

    Das ist eine echt freche Aussage den Frauen gegenüber, die das bereits erleben mussten. Ich komme grad nicht drüber weg.

    Und glaube mir: Nur weil Du von den Frauen aus Deinem Umfeld denkst, dass denen noch nichts passiert ist, muss das nicht der Wahrheit entsprechen. Die meisten reden einfach nicht drüber.

  • Danke für die unterschiedlichen Sichtweisen, Quittengelee , chilipaprika und Kris24 ! Wir haben alle unterschiedliche Vorerfahrungen, manch eine/r ist eher der Kopf- und manch eine/r eher der Bauchmensch. Klar lässt sich Angst schnell als irrational abtun, aber davon verschwindet sie bei Betroffenen nicht. Zudem ist das andere Extrem, absolute Sorglosigkeit, selbst bei objektiven Gefahrensituationen, auch nicht optimal.

    Danke für die Offenheit bei diesem oft noch gesellschaftlich tabuisierten Thema!

  • Das ist eine echt freche Aussage den Frauen gegenüber, die das bereits erleben mussten. Ich komme grad nicht drüber weg.

    Und glaube mir: Nur weil Du von den Frauen aus Deinem Umfeld denkst, dass denen noch nichts passiert ist, muss das nicht der Wahrheit entsprechen. Die meisten reden einfach nicht drüber.

    Ich habe es anders verstanden.

    Dank Medien hat nicht nur die Frau, die es erlebt hat, Angst, sondern auch Frauen Hunderte Kilometer entfernt und ohne diese Erfahrung. Und ich verwende bewusst das Wort Angst und nicht Furcht.

    Wenn man etwas immer wieder hört oder liest, beeinflusst es einen. Es gab mal eine Studie, die zeigte, dass Menschen, die gerne Krimis sehen, viel stärker glauben, dass Kriminalität unser Leben bestimmt, als andere.

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  • Männer müssen auch aufpassen. Sie werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt. Das meine ich mit irrational. Den allermeisten Frauen ist noch nie irgendetwas passiert, weder tagsüber noch nachts. Und nein, dass ein Mann guckt oder mit einer Frau spricht ist keine sexuelle Belästigung.

    Oh, ich werde echt wütend.
    Schön, statistisch gesehen werden nicht alle Frauen sexuell belästigt.
    Ich bin alt und "erfahren" genug, um den Unterschied zwischen Gucken, Sprechen und Belästigung zu kennen. Muss man polizeiliche Anzeigen und Arztberichte vorlegen, um "rational" Angst haben zu dürfen bzw. sich unsicher zu fühlen?

    Und wenn Männer sich in einigen Situationen unwohl fühlen, spreche ich denen das nicht ab. Ich bin auch unruhig, wenn mein Mann nachts mit dem Zug zurückfährt. Er hat zwar den Vorteil des Körperbaus aber gegen zwei bösartige Personen hat er trotzdem auch den Kürzeren gezogen.


    Zitat



    In Frankfurt ist die Stadt am Wochenende nachts voll von verschiedenen Menschen, Männer wie Frauen. Da hat die Angst offenbar noch nicht dafür gesorgt, dass Menschen sich aus abstrakten Vorstellungen aus der Gesellschaft zurückziehen. Dass man generell vorischtig sind sollte bleibt davon unbeschadet.

    Ich habe dort ergänzt, dass die Angst - zumindest bei mir - steigt, wenn weniger Menschen / weniger Männer in eher leeren Straßen sind. Also wenn quasi jemand unbemerkt etwas machen könnte, ohne dass Hilfe kommt.
    Wahrscheinlich eine irrationale Annahme?
    Ups, in genau solchen Situationen stand ich schon, und nein, es blieb nicht beim Angucken.

  • Und nur, weil ich / wir / Frauen verunsichert / ängstlich sind, heißt es nicht, dass sie sich einschränken. Ich überlege zwar zwei Mal vor bestimmten Sachen, ich schaue auch, ob ich doch nicht irgendwo anders abgeholt werden kann, oder verhalte mich eben anders: mit Handy am Ohr oder mit Standort für jemanden anderen. Es würde im Fall der Fälle nichts verhindern, aber Hilfe schnell ermöglichen.
    "Abends alleine im Dunkel" existiert bei mir aus anderen Gründen seit Jahren nicht mehr, aber ich gehe auch mal im Winter um 20uhr mit dem Hund Gassi oder um 5 uhr morgens joggen und es ist zur Zeit leider wieder dunkel. Je weniger Menschen zu dem Zeitpunkt draußen, desto mehr tendiere ich zu den Bürgersteigen an der Autostraße, statt den Parkwegen.
    Einen irrationalen Punkt gestehe ich: Der Hund gibt mir überhaupt keine Sicherheit, weil ich im Zweifel ihn schützen würde. Ich habe also Angst UM ihn.

  • Ja, leider steigt durch Medien auch die irrationale Angst, eine Kollegin lässt ihre Tochter mit 22 nicht alleine zum (Haupt-) Bahnhof abends, weil da ja was sein könnte. Unsre 14jährige lasse ich da schon hin, ist genug Polizei vor Ort.

    Auch die Aussage einer Leserbriefschreiberin in unserer Zeitung hier, man könne nachts nicht durch unser Städtchen laufen halte ich für unwahr. Ich bin w und laufe nachts völlig unbesorgt hier rum, es sind allenfalls Jugendliche unterwegs, die halt mal lauter sind.

    Sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe geschehen immer und überall. Einmal habe ich tagsüber in der Münchner UBahn einen Mann beobachtet, der sich jungen Mädchen ziemlich unsittlich genähert hat. Öffentlicher Raum, taghell, trotzdem ist es passiert.

  • Ich habe eigentlich auch wenig Angst und mir ist in den letzten Jahrzehnten nichts Gravierendes mehr passiert. Zu Studentenzeiten war ich zu unmöglichen Zeiten bis spät in der Nacht in meiner Studentenstadt mit dem Fahrrad unterwegs. Diese Stadt sollte eine hohe Kriminalitätsrate haben. Ich hatte da immer Glück.

    Übergriffe habe ich eher als Jugendliche und junge Erwachsene in den 70igern/80igern erlebt, vor allem in einer mittelgroßen Kleinstadt, wo ich aufgewachsen bin. Und zwar durch Fremde. Dass Betrunkene einen blöd anmachen, einen sich in den Weg stellen oder man aus fahrenden Autos Zurufe bekam, war davon noch harmlos.

    Am Gravierendsten sind mir diese beiden Erlebnisse in Erinnerung geblieben: Als 12 jährige hat sich in einem öffentlichen Park ein pädophiler Mann an mich herangemacht. Das ist mir aber erst Jahre später klar geworden. Von dem Thema wusste ich noch gar nichts. Gott sei Dank war mein Cousin in der Nähe, denn ich hatte ein sehr ungutes Gefühl und wir sind dann von dem Park abgehauen, weil das ganze Gebahren unheimlich war. Meine Tante konnte mit meinen Schilderungen damals nichts anfangen, meine Eltern waren schon besorgter. Ein paar Jahre später mit 17 war ich morgens auf dem Schulweg munterseelenallein unterwegs wieder in einem parkähnlichen Gelände. Da hat mich jemand überfallen - der ganze Vorgang, wie sich der Typ im Vorfeld verhalten hat, war sehr seltsam und mein Gedankenkarusell arbeitete ständig, wie ich die Situation beherrschen könnte - aber ich hatte großes Glück, dass gerade jemand vorbei kam und ich geistesgegenwärtig laut rief. Körperlich hätte/habe ich mich nicht bzw. kaum wehren können. Damals war es üblich zu trampen. Einige Freundinnen erzählten mir, dass es Vergewaltigungen oder Vergewaltigungsversuche gab. Ich war eigentlich durch meine früheren Erfahrungen bedient und habe höchstens einmal in der Gruppe getrampt.

    Zu dieser Zeit brachte man so etwas nicht zur Anzeige oder hat es seinen Eltern erzählt. Den Überfall habe ich meinen Eltern lange nicht erzählt, weil sie mich ständig warnten, ich sollte nicht diese Route für den Schulweg wählen, weil da so wenig Leute unterwegs wären. Ich fand es zu der Zeit obercool zu laufen statt mit dem Fahrrad zu fahren, was meine Eltern gar nicht gerne sahen, gerade wegen solcher Sachen, denn es gab öfters Gerüchte über Überfälle.

  • Ich denke, man muss zwischen sexueller Belästigung und tatsächlichen Übergriffen unterscheiden. Ich kenne keine einzige Frau, die ohne sexuelle Belästigungen durch die Jugend gekommen ist. Bei sowas wie Catcalling, Antatschen im Vorbeigehen oder im Gedrängel an der Bar, Exhibitionismus usw. war ich persönlich jetzt nie sonderlich "empfindlich", aber solche Dinge tragen bei vielen Frauen möglicherweise dazu bei, Männer unterbewusst als potentielle Gefahr zu kategorisieren. Und das wiederum erklärt dann das ungute Gefühl, wenn man in dunklen Ecken unterwegs ist und hinter einem ein Mann läuft. Dass das irrational ist und in den allermeisten Fällen nichts passiert, ist ja völlig korrekt. Ich war bei sowas auch den überwiegenden Teil meines Lebens eher sorglos. Statistisch gesehen braucht man sich als Frau über 40 über tatsächliche Übergriffe auch keine größeren Gedanken mehr machen. Und man braucht sich auch keine Gedanken machen, wenn man als einzige Frau durch ein migrantisches Viertel läuft - mir ging es bei der Anmerkung gar nicht darum ein akutes Bedrohungsempfinden auszudrücken (das hatte ich nicht, war ja viel los), sondern ich fand dieses ungenierte Gestarre und das demonstrative im-Weg-rumstehen einfach situativ unangenehm.

    Wirklich bedroht und bedrängt gefühlt habe ich mich zweimal. Einmal im Parkhaus-Treppenhaus (nutze ich seitdem nicht mehr, obwohl ich Aufzug wirklich sehr hasse) und einmal bei Nieselregen in der Dämmerung beim Joggen im recht einsamen Wald, als jemand mit dem Fahrrad ewig dicht hinter mir her fuhr und sich nicht abwimmeln ließ. Beides in den letzten 2 Jahren passiert, beide Male tauchten glücklicherweise dann doch noch andere Leute auf und die Situationen lösten sich auf. Beide Male waren es Migranten. Dass diese Gruppierung bei Sexualdelikten in jeder Statistik klar überrepräsentiert ist, entspannt einen in solchen Situationen nicht gerade.

    Unterm Strich bleibt, dass ich einer Tochter heute vieles nicht erlauben würde, was für uns als Teenager selbstverständlich war. Nachts mit der Bahn oder dem Fahrrad nach Hause fahren oder zu Fuß entlang der Bundesstraße nach Hause laufen, ggf. auch alleine, würde ich heute kritischer sehen.

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