Sissymaus raindrop : Dass die Textilproduktion bereits vor Einführung des Mindeatlohns ins Ausland ausgelagert wurde, stimmt, hatte aber, so meine Vermutung, damals auch schon vor allem finanzielle Gründe. Sicherlich ist vor allem Bangladesch auf Textilproduktion spezialisiert und kann daher bei der Standortwahl auch durch Erfahrung punkten, aber der springende Punkt ist einfach, dass die Personalkosten in diesen Ländern deutlich niedriger sind als in Deutschland. Durch die Einführung und anschließend erhebliche Erhöhung des Mindestlohns sind die Preisunterschiede eher noch größer geworden, was aus einer reinen Wirtschaftssicht (und Arbeitsrecht kann nie komplett isoliert vom Marktgeschehen betrachtet werden, weswegen durchaus auch die Frage aufgeworfen werden kann, ob es so sinnvoll ist, dass Arbeits und Wirtschaft (aktuell) zwei getrennte Ministerien auf Bundesebene sind) eher gegen den Standort Deutschland spricht.
Provokant formuliert: Unter der Annahme, dass die deutsche Arbeitsmarktpolitik vorausschauend handelt, nimmt sie durch ihre Mindestlohngestaltung weiterhin in Kauf, dass sich deutsche Textilunternehmen dazu entscheiden, ihre Produktionen in Niedriglohnländern statt in Deutschland durchführen zu lassen.
raindrop : Der Vergleich mit der Bildungsbranche ist ungeeignet, da Lehrkräfte Teil des öffentlichen Dienstes sind und sich dadurch das Wettbewerbsprinzip nur sehr bedingt anwenden lässt.