Wie mit krankfeierndem Kollegen umgehn

  • Und wenn du dich überlastet fühlst, weil du gesund deiner Arbeit nachgehst, die offenbar auch in Nachmittagsbetreuung besteht, dann könntest du auch dich fragen, was du falsch machst, statt über Menschen zu urteilen, deren Lage du überhaupt nicht kennst.

    Meintest du mich?

  • Ich habe mich hier angemeldet, weil ich etwas zur Wiedereingliederung wissen möchte, aber mir vergeht die Lust, danach zu fragen, wenn ich sowas lese.

    Es gibt hier eigentlich zu allen Themen mehrerlei Meinung. Gelegentlich werden auch mal Äußerungen jenseits der Scham- und Höflichkeitsgrenze fallen gelassen. Trotzdem gibt es auch dann noch Leute, die ernsthaft etwas brauchbares zu sagen haben. Man muss dann die Antworten ein Bisschen filtern. Es gibt eine Blockierfunktion.

  • Jetzt bin ich an einer kleinen Grundschule, 10km in der anderen Richtung. Wir sind hier nur 5 Kollegen inkl. der SL und was soll ich sagen: Das Klassen zuhause bleiben ist hier das Standardverfahren, wenn einer von uns krank ist. Und es juckt keine Sau.

    Beneidenswert. Bei uns würde es ca. 80% der Eltern sehr jucken.


    Wäre ich Mutter eines Grundschulkindes, hätte ich auch ein Problem damit, jederzeit ggf. mein Kind zu Hause betreuen zu müssen.

    Und andersrum müsste ich ja dann wieder in meiner eigenen Schule vertreten werden.


    In BW dürfen wir die Kinder nicht heimschicken und auch nicht sagen, dass sie nicht in die Schule kommen können. Langfristig muss man sicher der Schulaufsicht rückmelden, dass wir zu wenig Personal haben. Aber wenn kurzfristig eine Kollegin ausfällt, dann müssen wir was organisieren. Die Kinder sind da und das Schulamt wird kein Einsatzkommando schicken. Sehr schade.:(

  • Ich bleibe dabei - Für eine Woche ja, für sieben Wochen nein.

    Du kannst gern dabei bleiben. Ich kenne aber tatsächlich einen Fall (bevor dies angezweifelt wird: Ja, ich kenne den Mann persönlich; er hat damit auch überall - auch mir gegenüber - "angegeben") - allerdings nicht aus der Schule -, wo ein Arbeitnehmer sogar acht Wochen am Stück krankgeschrieben wurde, obwohl der eigentliche Anlass seiner Krankschreibung (Fuß gebrochen) schon fast "verjährt" war und er wieder fröhlich in der Gegend herumhüpfte. Von Arbeitgeberseite ist nichts weiter passiert, weil er ein "Liebling" des Chefs war. Er hat sich öfter mal AUs (bei wechselnden Ärzt*innen) geholt, wenn er keine Lust auf die Arbeit oder was besseres zu tun hatte. Solche Fälle gibt es also "in echt".

    Vielleicht wäre eine Schule aber ggf. schneller dabei, den Amtsarzt/die Amtsärztin einzuschalten.


    Und auch bei einer Woche wäre mein Hausarzt skeptisch, wenn ich schon zum dritten Mal dieses Halbjahr ankäme.

    Dein Hausarzt vielleicht, es gibt aber leider auch andere.


    Ich glaube, dass die Anzahl "falscher" Krankschreibungen stark überschätzt wird.

    Na ja, ich kann da keine Anzahl schätzen, also auch nichts überschätzen. Bin mir aber sehr sicher, dass es diese immer wieder gibt.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Aber wenn kurzfristig eine Kollegin ausfällt, dann müssen wir was organisieren.

    Es ist dieses alternativlose "müssen" worauf die Schulaufsicht setzt, wenn sie SLs zu Zaubertricks drängt, zu Klassenzusammenlegungen und dergleichen Blödsinn mehr. Dieser kolportierte Mythos vom überhöhten Berufsethos bis hin zur Selbstverleugnung, dieses "für die Kinder machen wir das und vieles mehr auch noch", egal was es uns persönlich kosten mag. Wie ich oben schon mal geschrieben habe, man muss erst ausbrennen und in den Brunnen fallen, bevor die Dezernenten in ihren Büros überlegen, im Einzelfall (!) etwas anders zu machen. Solange du das nur sehr schade findest ist alles im grasgrünen Bereich, also beschwer dich nicht.

    "A lack of planing on your side does not constitute an emergency on my side."

  • Es ist dieses alternativlose "müssen" worauf die Schulaufsicht setzt, wenn sie SLs zu Zaubertricks drängt, zu Klassenzusammenlegungen und dergleichen Blödsinn mehr. Dieser kolportierte Mythos vom überhöhten Berufsethos bis hin zur Selbstverleugnung, dieses "für die Kinder machen wir das und vieles mehr auch noch", egal was es uns persönlich kosten mag. Wie ich oben schon mal geschrieben habe, man muss erst ausbrennen und in den Brunnen fallen, bevor die Dezernenten in ihren Büros überlegen, im Einzelfall (!) etwas anders zu machen. Solange du das nur sehr schade findest ist alles im grasgrünen Bereich, also beschwer dich nicht.

    Vor allem wird man vom harmoniesüchtigen Kollegium und der (zumindest nach oben hin) konfliktscheuen Schulleitung dann als Störfaktor angesehen, weil niemand wahrnimmt, dass eine Verbesserung der Situation im Interesse aller wäre.


    Hat schon Kurt Tucholsky gesagt: "Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"

  • Jetzt mal ohne Tucholsky, sondern ganz konkret:


    Was tut ihr, wenn um 11 Uhr Kollegin X ihren spuckenden Sohn aus der Kita abholen muss und für den Rest des Schultages, d.h. bis 16 Uhr ausfällt? Und zudem zwei andere Kolleg*innen Y und Z gerade Corona haben und somit auch gerade abwesend sind? Und Kollegin X war eigentlich schon eingeplant, um die Klasse von Kollegin Y mit zu beaufsichtigen?


    Ich nehme gerne konkrete und hilfreiche Vorschläge entgegen, und das meine ich nicht ironisch, sondern ganz ernst.


    @ MarPhy: Wie soll ich das mit dem Charakter verstehen?


    LG

    puduhepa

  • Was ich im skizzierten Beispiel sinnvoll fände: erkennen, dass so kein Unterricht möglich ist, Eltern durchtelefonieren und um Abholung bitten, weiterhin für diejenigen, für die das nicht möglich ist, Notbetreuung auf dem Pausenhof mit 1-2 Aufsichten anbieten


    Schulbetrieb ist unter den Bedingungen doch eh nicht durchführbar.

  • Ich möchte übrigens anmerken, dass Unterrichtsstunden in Vertretung bei uns bezahlt werden. Zumindestens bekam ich eine überraschende Info für 5 U-Stunden, die ich über mein Deputat haben sollte, die für lockere gut 30 € mir versilbert wurden.


    Und solange ich die wirklich lächerlichen AUs mancher SuS akzeptieren soll, sind mir die Kolleg:innen egal. Die SuS sind nämlich so "klug", dass sie mir manchmal die Diagnosen mitgeben und man kann anhand der Diagnose sehr gut feststellen, ob da ein/e Mediziner:in nur Geld von der Krankenkasse wollte.

  • Was ich im skizzierten Beispiel sinnvoll fände: erkennen, dass so kein Unterricht möglich ist, Eltern durchtelefonieren und um Abholung bitten, weiterhin für diejenigen, für die das nicht möglich ist, Notbetreuung auf dem Pausenhof mit 1-2 Aufsichten anbieten


    Schulbetrieb ist unter den Bedingungen doch eh nicht durchführbar.

    Wie viele Eltern erreichst du telefonisch? 5 %? Noch weniger, die kommen können?


    Also 8 - 12 Klassen (Grundschule, Unterstufe) mehrere Stunden auf den Schulhof täglich? Mal davon abgesehen, dass ich dort keine Aufsicht (Verantwortung) machen möchte, werden alle bildungsinteressierten Eltern ihre Kinder auf andere Schulen ummelden, zurück bleiben die Problemfälle. Ich würde also auch sofort einen Versetzungsantrag stellen, nur um anderswo zu "überleben".


    Ich unterrichte in einem bei Lehrern sehr beliebten Landkreis, aber selbst bei uns fallen dauerhaft Stunden aus (vor allem Sport und Bildende Kunst, die Kollegen unterrichten ihr ("wichtigeres") Zweitfach). Unsere SL hat dies deutlich nach oben gemeldet. Natürlich kann man einmal (!) den Dienstweg nicht einhalten und direkt an die Presse gehen. Aber was ich mitbekommen habe, ... , es blieb bei einem Mal.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ich möchte übrigens anmerken, dass Unterrichtsstunden in Vertretung bei uns bezahlt werden. Zumindestens bekam ich eine überraschende Info für 5 U-Stunden, die ich über mein Deputat haben sollte, die für lockere gut 30 € mir versilbert wurden.


    Und solange ich die wirklich lächerlichen AUs mancher SuS akzeptieren soll, sind mir die Kolleg:innen egal. Die SuS sind nämlich so "klug", dass sie mir manchmal die Diagnosen mitgeben und man kann anhand der Diagnose sehr gut feststellen, ob da ein/e Mediziner:in nur Geld von der Krankenkasse wollte.

    Schön, ich nicht.


    Ich bekomme keine Vertretung bezahlt (Vollzeit, Verrechnung mit Minusstunden ein halbes Jahr später dank Leistungskurs, der nach Abitur nicht mehr kommt).


    Teilzeitkräfte bekommen bei uns eher Geld, allerdings nur bis sie Vollzeit erreicht haben.

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  • Ich habe es so verstanden, dass du sagst, ich hätte keine Berufserfahrung (in der Vergangenheit). Oder auf wen bezog sich das sonst?

    Nein, das würde ich mir nicht erlauben, da ich dich gar nicht kenne. ^^ Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Ich wollte Bezug auf deine Aussage nehmen, dass hier scheinbar KuK bestimmter Schulformen den Kollegen verteidigen würden. Allerdings sehe ich die Äußerung als problematisch an, denn selbst wenn hier eine bestimmte Angabe angezeigt wird, kann es immer noch sein, dass die KuK

    a) vorher ausgiebig an anderen Schulen gearbeiteten haben oder

    b) die Auswirkungen von länger abwesenden Lehrkräften und dem daraus entstehenden Vertretungsaufwand trotz anderen Schulform kennen.

  • Jetzt mal ohne Tucholsky, sondern ganz konkret:


    @ MarPhy: Wie soll ich das mit dem Charakter verstehen?

    Ich beziehe das jetzt, mal mein Kollegium betrachtend, zum Beispiel darauf, dass der Anteil derer, die den Arsch in der Hose haben, in der Dienstberatung Missstände offen anzusprechen, bedeutend kleiner ist, als der Anteil derjenigen, die regelmäßig im Lehrerzimmer abkotzen. In meinen Augen ein Zeichen von Charakterschwäche.


    Mancher einer beschwert sich seit 10 Jahren über dieselben Umstände, kennt aber weder die Rechtslage noch hat er einmal offiziell seine Beschwerde vorgebracht. Erreicht man als junger Kollege jedoch aufgrund eines simplen Gesprächs mit der SL für sich eine Verbesserung der eigenen Situation, wird einem das nicht vergönnt.

  • Kris24

    Ok, mit dem Zeitfaktor beim Durchtelefonieren hast du natürlich Recht. Dann alternativ Mailverteiler oder dergleichen? Das Problem, dass man nicht alle erreicht und andere wiederum einfach nicht reagieren, bleibt natürlich. Aber es setzt zumindest ein Zeichen, wenn man so etwas wiederholt konsequent nach oben durchmeldet.


    Dass man das Image der Schule nicht gerade steigert, stimmt ebenfalls. Wie qualitativ wertvoll "Beschulung" mit Parallelaufsichten und dergleichen ist, kann man allerdings halt auch diskutieren- auch so etwas trägt sicher nicht zu einem guten Ruf bei. Dann lieber eine Weile konsequent alles ausfallen lassen, was rechtlich möglich ist, und fleißig Meldung darüber machen. Wenn es wichtig ist, könnte man ja versuchen ausreichend Personal zu aquirieren. Und ansonsten ist es halt offensichtlich nicht wichtig...


    (aber vermutlich ist das alles in der Praxis weniger einfach als in der Theorie - ist mir auch klar!)

  • Womöglich haben wir es hier mit einem Fall invertierter Entropie zu tun. Die Sichtweise, dass Krankheit die Ursache für Vertretung ist, ist nur eine mögliche. Die zusätzliche Belastung kann zu viel werden und dann ist Vertretung die Ursache für Krankheit.

  • Ich will mal ganz ehrlich sein.

    Ob meine KuK"s krank sind " stört" mich vertretungstechnisch überhaupt nicht.

    Ich erkläre auch gern warum.

    Ich arbeite in Vollzeit. Sprich ich mache 28h.

    Dienstag hat die gesamte Schule für alle Klassen verbindlich 5h ( Konferenztag).

    Sprich meine restlichen 23h verteile man nun auf 4 Tage...ergibt 3x 6 und 1x5 Stunden..

    Also hätte ich quasi nur an dem einen Tag in der 6. Stunde die Möglichkeit Mehrarbeit zu machen.

    Die 6. Stunde fällt ( wenn zu viele KuK's krank sind ) dann wohl eher aus. Zur Mehrarbeit hat mich da in all meinen Jahren noch niemand aufgefordert....so what...


    Und das geht den anderen VZ Kräften genauso. Wir haben schlicht keine " Zeit".

    Nach der 6. Stunde übernimmt die Ogata.


    Von daher...

  • Aber es muss auch jemand zum Betreuen verfügbar sein.

    Wenn das auch nicht mehr geht, dann hilft nur noch die Schulaufsicht zu informieren, dass die Betreuung der Kinder ganz oder in Teilen zur Zeit nicht mehr möglich ist. Dann neben die das entweder so hin oder ordnen Personal aus anderen Schulen ab. Das ganze scheitert nur daran, dass Schulleitungen häufig im vorauseilenden Gehorsam meinen, sie müssten auch das Unmögliche ermöglichen.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • An weiterführenden Schulen hat man auch nachmittags Schule, d. h. ich habe nur einen Teil meiner Stunden regulär vormittags und zwischen 4 und 10 Stunden (je nach Schuljahr bisher) an bis zu 4 Nachmittagen. Von daher habe ich vormittags schon Lücken. Auch Grundschulen sind hier oft Ganztagsschulen mit regulärem Unterricht am Nachmittag.


    Konferenztag gibt es hier nicht. Die Konferenzen wechseln die Wochentage, so dass dann der Nachmittagsunterricht für die betroffenen Kollegen ausfällt. (Teilweise beginnen die Konferenzen auch erst nach der 9. Stunde, damit nicht zu viel ausfällt.)

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  • Bei uns gibt es das Phänomen der "Mitführung": Eine Lehrkraft beschult zwei Klassen gleichzeitig und rennt zwischen den Klassensälen hin und her.

    Rechtlich fragwürdig, trotzdem immer wieder gern gemacht (besonders mit Berufsanfängern). Für die Vertetungsplaner recht leicht zu handeln ("Müller ist krank, du müsstest seine Klasse mitführen.") und das Sahnehäubchen: Es fällt offiziell keine Mehrarbeit an.

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