Ist die AfD eine demokratische Partei?

  • Nein, du bildest dir das nicht ein.
    In der Unterstufe am Gym "abzuschulen" (was für ein bescheuertes Wort) ist kaum noch möglich. In Englisch kommt immer eine 4 raus, in Deutsch sowieso, eher die 3. Weil eine Einleitung oder was auch immer immer noch für genug Punkte reicht.

    Du hast ja schon mehrfach von den (schwachen) Leistungen deiner/eurer Schüler (m/w/d) im Fach Französisch berichtet. Sind die Leistungen denn so viel schlechter als in Englisch oder Deutsch? Bei uns sind die Noten über alle Sprachen hinweg ähnlich, die Anspruchshaltung in Deutsch von diesen drei drei Sprachfächern vermutlich sogar am höchsten.

  • Quatsch, meine 5er-Kandidaten in Französisch haben eine 4 in Deutsch.
    In Französisch kann ich es sattelfest mit kontinuierlichen Tests belegen.
    Und wer kein Verb konjugiert, kriegt in Französisch 0 Punkte (na gut, doch noch Punkte für "erratenen Inhalt"), aber in Deutsch gibt es Punkte für soviele Sachen, die nichts mit der Sprachrichtigkeit zu tun haben ...
    (und es ging da gerade darum, dass wir in der Unterstufe keine*n mehr auf eine andere Schule lenken können. Da haben sie noch keine 2. FS)

  • Aus meiner Erfahrung heraus wird die Erprobungsstufe oft wegen Mathematik nicht erfolgreich abgeschlossen. Es reicht ja schon D/E 4 und M 5, denn in Klasse 6 gibt es in NRW keine Möglichkeit der Nachprüfung.

    Später sind es Mathematik und die 2. Fremdsprache, die dann beide jeweils 5 sind und zur Nichtversetzung bzw. Nachprüfung führen, wenn denn wenigstens ein Ausgleich vorhanden ist.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Klar, 2. FS gibt es noch nicht in Klasse 5/6. Ich bezog mich primär darauf, dass laut deiner Beschreibung selbst sehr leistungsschwache Schüler (m/w/d) kaum schlechter als Note 3 bis 4 in den Fächern Deutsch und Englisch bekommen - aber ja, jetzt verstehe ich, dass du dich hierbei auch primär auf Klasse 5/6 beziehst.

  • Darf ich mal ganz doof fragen: Hast Du denn dann mal darüber nachgedacht was anderes zu machen? Ich stelle es mir im Schulsystem schwierig vor, wenn man das Gefühl hat, dass das System kaputt ist.

    Natürlich, ständig. Aber nicht zum Preis späterer Altersarmut, also werde ich mich wohl die nächsten 30 Jahren durchs Berufsleben motzen 😄

    Und vielleicht schafft man es irgendwann ja nochmal, eine Nische zu finden, die noch funktioniert.

  • Kurztests gehen in Bayern auch nur über eine oder 2 Stunden. Verstehe jetzt nicht, warum man nicht trotzdem Tests schreiben kann, die ein gewisses Niveau haben.

  • Maylin85 : An der "Basis" hat man natürlich die geringsten Chancen, das Schulsystem nachhaltig zu verändern, auch wenn es nicht komplett unmöglich ist. Könntest du dir denn perspektivisch eine Tätigkeit im Bereich Schulleitung/-entwicklung oder auch -politik vorstellen?

  • Klar, 2. FS gibt es noch nicht in Klasse 5/6. Ich bezog mich primär darauf, dass laut deiner Beschreibung selbst sehr leistungsschwache Schüler (m/w/d) kaum schlechter als Note 3 bis 4 in den Fächern Deutsch und Englisch bekommen - aber ja, jetzt verstehe ich, dass du dich hierbei auch primär auf Klasse 5/6 beziehst.

    In Englisch kann ich das aus 20jähriger Erfahrung nicht bestätigen. Wenn ich eine Klassenarbeit auf Gymnasialniveau erstelle und nicht gerade nur Leseverstehen, Sprachmittlung und Hörverstehen abfrage - korrekturfreundlich, aber liefert die Ergebnisse, die Du beschreibst - dann gibt es oft auch "mangelhafte" Leistungen im schriftlichen Bereich. Problematisch ist dann das Zusammenziehen beider Bereiche, also schriftlich und sonstige Mitarbeit. Da kommen dann oft noch so genannte "Gnadenvieren" zustande.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Maylin85 : An der "Basis" hat man natürlich die geringsten Chancen, das Schulsystem nachhaltig zu verändern, auch wenn es nicht komplett unmöglich ist. Könntest du dir denn perspektivisch eine Tätigkeit im Bereich Schulleitung/-entwicklung oder auch -politik vorstellen?

    Mit der Grundhaltung, die aus Maylins Beiträgen durchscheint, halte ich eine Führungsposition für keine gute Idee. Schulentwicklung dürfte ebenfalls frustrierend sein, solange die politischen Rahmenbedingungen entsprechend schlecht sind. Und Schulpolitik ist Bildungsideologie, Haushaltspolitik und Machterhalt, wenn ich es einmal ganz zynisch formulieren darf. Auch dort dürfte Maylin nicht glücklich werden.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Kurztests gehen in Bayern auch nur über eine oder 2 Stunden. Verstehe jetzt nicht, warum man nicht trotzdem Tests schreiben kann, die ein gewisses Niveau haben.

    Kurztests sind nur über die letzten zwei Doppelstunden (klar, ich mache auch durch Wiederholung die ganze Reihe und auch versuche ich, sowas wie AFB III abzufragen. Es wird aber WIRKLICH sehr knapp, in 20 Minuten AFB I, AFB II und AFB III abzufragen.
    Und es muss im Verhältnis bleiben, sowohl für mich als Korrigierende als auch für die Schüler*innen. Was soll ich für eine 1/20-Note jede Woche einen Test schreiben? In der Fremdsprache will ich durch Regelmäßigkeit das Lernverhalten begleiten und erzwingen.
    In Politik jede Woche ein Test mit Niveau zu schreiben, ist nicht möglich (oder gib mir bitte die Anleitung). Da sehe ich kaum mehr, als was ich eh in Arbeitsphasen notiere.

  • Bolzbold : Ich denke, in den Fremdsprachen (1. und vor allem die 2. Fremdsprache) geht es in der mündlichen Kommunikation vor allem um Verständlichkeit. Würde ein Muttersprachler (m/w/d) das Gesagte verstehen? Daher ja, wenn die Satzstruktur nicht komplett murks ist und der Bezug zur Ausgangsthematik erkennbar ist, ist es (in meinen Augen) vergleichsweise schwer, in den Fremdsprachen mündlich auf Note 5 zu kommen.

    Daher schrieb ich auch oben, dass Deutsch andere Bewertungsansätze ansetzt und die Anforderungen vor allem an sprachliche Korrektheit deutlich höher sind.

  • Ich spreche jetzt von Fächern wie Geschichte oder Geo. Da schreibt man 2-4 schriftliche Tests im Jahr. Ansonsten gibt es mündliche Noten in gleicher Anzahl. Mehr nicht. Warum sollte ich 20 Tests schreiben?

  • Gymshark Ich wäre eine furchtbare Führungskraft und auch nicht gut in der Entwicklung platziert. Ich bin null diplomatisch, ungeduldig und neige zum inneren Blockieren und Bocken, wenn was gegen meine Vorstellungen läuft. Und im Schulsystem läuft vieles gegen meine Vorstellungen. Also nein, niemals würde ich sowas anstreben 😄

    Eigentlich würde ich nur gerne unter nervenschonenden Rahmenbedingungen mein Kerngeschäft gut und ordentlich und mit einem gewissen Wirkungsgrad erledigen. Mich frustet, dass sich Schule (in meinem Erleben) immer nur verschlimmert und man jeden Tag dabei zusehen kann, wie ganze Schülergenerationen systemisch gegen die Wand gefahren werden.

  • Danke für deine fast schon erfrischende Ehrlichkeit an der Stelle. Ich könnte mir dann noch sowas wie die universitäre Betreuung von Lehramtsstudenten (m/w/d) im Praxissemester vorstellen. Seitdem Praktika und Praxissemester im Lehramtsstudium an vielen Standorten ausgeweitet wurden, wurden auch viele Stellen geschaffen, die quasi nichts Anderes machen als besagte Praxisaufenthalte zu begleiten bzw. vor- und nachzubereiten.


    Was die politischen Rahmenbedingungen angeht: Die letzten 20 Jahre gab es in NRW schon viel Abwechslung an der Spitze des Kultusministeriums (CDU, FDP, Grüne). Wenn deren Schulpolitik nicht deinen Anforderungen entspricht, macht es ggf. Sinn, vor der nächsten Landtagswahl die Wahlprogramme der anderen Parteien mit Chancen auf mindestens 5% (SPD, Linke, AfD) insbesondere in den Kapiteln "Bildung und Schule" aufmerksam zu lesen und die Erkenntnisse hieraus in deine Wahl einfließen zu lassen - mit dem Wissen, dass Kompromisse in einer Demokratie immer dazugehören und es keine Partei gibt, deren Positionen zu 100% teilt. Wenn es 80% sind, wäre das schon echt gut.

  • Ich spreche jetzt von Fächern wie Geschichte oder Geo. Da schreibt man 2-4 schriftliche Tests im Jahr. Ansonsten gibt es mündliche Noten in gleicher Anzahl. Mehr nicht. Warum sollte ich 20 Tests schreiben?

    Ich habe in Geo zu jeder Sequenz Tests geschrieben. Dann habe ich aber 4-5 Testnoten, die die Gewichtung von 4-5 Unterrichtsstunden haben, und der Rest der Note muss aus dem sonstigen Unterrichtsverhalten erwachsen. Hier ein Defizit zu setzen ist schwierig... ich habe das dennoch gemacht, musste aber auch rechtfertigen, wie das denn sein könne angesichts dessen, dass in der Sek I keine Bringschuld bestehe und man doch sicher Leistungen heranholen könne/müsse, blabla. Ganz falsch ist das ja auch nicht, denn zu wenig komplexen, allgemeinen Sachverhalten, wie man sie in Geo Sek I nunmal überwiegend hat, können Schüler auf Aufforderung immer irgendwas beitragen.

    Wenn man so blöd ist, die Defizite bereits zum Halbjahr zu setzen, schreibt man sich auch noch dumm und dämlich an Förderplänen und führt die entsprechenden Förderplangespräche, nur um dann festzustellen, dass der ganze Aufwand angesichts der Notenverschenkerei der Kollegen verpufft und die Schüler eh durchrutschen. Oder dass Kollegen in der Zeugniskonferenz regelmäßig doch noch ihre Noten hochsetzen, wenn die SL lange genug bohrt.

    Im nächsten Jahr überlegt man sich, ob man sich das alles noch antut.

  • Kurztests sind nur über die letzten zwei Doppelstunden

    Ganz schön viele Vorgaben und Einschränkungen.

    In NDS ändert sich auch ständig etwas, aber das führt eher zu „entdecke die Möglichkeiten“

    Dazu kommen „besondere Lernaufgaben“, die auch unter das Motto fallen und auch kreative Möglichkeiten bringen. Mich nervt, dass es jetzt die Rolle rückwärts gibt, man sich alles selbst erschließen und erarbeiten sollte, und in einem neuen Curriculum nun doch wieder Vorgaben gesetzt werden, welches Format es sein soll.

  • Was die politischen Rahmenbedingungen angeht: Die letzten 20 Jahre gab es in NRW schon viel Abwechslung an der Spitze des Kultusministeriums (CDU, FDP, Grüne). Wenn deren Schulpolitik nicht deinen Anforderungen entspricht, macht es ggf. Sinn, vor der nächsten Landtagswahl die Wahlprogramme der anderen Parteien mit Chancen auf mindestens 5% (SPD, Linke, AfD) insbesondere in den Kapiteln "Bildung und Schule" aufmerksam zu lesen und die Erkenntnisse hieraus in deine Wahl einfließen zu lassen - mit dem Wissen, dass Kompromisse in einer Demokratie immer dazugehören und es keine Partei gibt, deren Positionen zu 100% teilt. Wenn es 80% sind, wäre das schon echt gut.

    Ich bin in Sachen Bildungspolitik ganz klar auf AfD-Linie. Ich habe am Kapitel Bildung in deren Programmen insgesamt wenig zu meckern und würde die meisten Ansätze mittragen. Dennoch würde ich diese Partei aufgrund anderer Positionen, die meines Erachtens deutlich mehr Gewicht als Bildungspolitik haben, niemals wählen.

    Ich fürchte, im etablierten Parteienspektrum wird es noch dauern, bis sich der Wind dreht und hoffentlich irgendwann eine Abkehr vom Kurs der letzten 2 Jahrzehnte erfolgt.

  • Ich spreche jetzt von Fächern wie Geschichte oder Geo. Da schreibt man 2-4 schriftliche Tests im Jahr. Ansonsten gibt es mündliche Noten in gleicher Anzahl. Mehr nicht. Warum sollte ich 20 Tests schreiben?

    Weil jeder Test nur den Wert einer EINZELNEN Stunde / Doppelstunde hat. und alle Stunden müssen bewertet werden, zumindest virtuell in der Gewichtung.
    Also selbst wenn ein Schüler zwei mal eine 5 schreibt, muss ich ja in allen anderen Stunden (mündliche Beteiligung, Gruppenarbeit, Präsentationen, schriftliche Einträge, usw..) auch eine 5 gegeben haben, damit es eine 5 ist.

  • Tests sind einfach nicht ergiebig, und keine Beteiligung entspricht ja auch einer 5...

    Ich verschicke bei solchen Kandidaten eine kleine Notenwarnung außer der Reihe an die Eltern, dann kann keiner mehr überrascht tun und man hat für das zweite Halbjahr deutlich weniger Diskussionsbedarf.

  • ... Dann habe ich aber 4-5 Testnoten, die die Gewichtung von 4-5 Unterrichtsstunden haben, und der Rest der Note muss aus dem sonstigen Unterrichtsverhalten erwachsen.

    Wieso das denn, musst du für jede Stunde eine Note haben? Aber selbst wenn, entweder jemand kommt "ausreichend" klar oder seine Leistung ist "mangelhaft".

    ...

    Wenn man so blöd ist, die Defizite bereits zum Halbjahr zu setzen, schreibt man sich auch noch dumm und dämlich an Förderplänen und führt die entsprechenden Förderplangespräche, nur um dann festzustellen, dass der ganze Aufwand angesichts der Notenverschenkerei der Kollegen verpufft und die Schüler eh durchrutschen. Oder dass Kollegen in der Zeugniskonferenz regelmäßig doch noch ihre Noten hochsetzen, wenn die SL lange genug bohrt.

    Im nächsten Jahr überlegt man sich, ob man sich das alles noch antut.

    Und hiermit würde ich gerne festhalten: Es ist einzig und allein deine Entscheidung und deine Verantwortung für die Art, wie du deine Arbeit erledigst. Nicht die Kollegen, nicht die Eltern, weder Politikerinnen noch SuS sind dafür verantwortlich.

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