• Man muss in Sachen Alimentationsprinzip auch nicht so extrem. Irgendwer schrieb, dass es zwei Weltkriege überstanden hat. Man muss es nicht abschaffen. Aber es muss sinnvoll weiterentwickelt werden und der modernen Gesellschaft angepasst werden. Wenn Aspekte des Alimentationsprinzips angreift, führt das bei einigen immer gleich zur kompletten Abschaffung des Beamtentums. Dabei geht es hier um eine Modernisierung und nicht um die grundlegende Änderung.

  • Das stimmt so allgemein nicht. Es gibt Branchen mit Überschuss und Branchen mit Mangel. Derzeit gibt es deutlich mehr Personen ohne Beschäftigung als offene Stellen in Deutschland.

    Das ist wie mit Wetter und Klima. Der aktuelle Arbeitsmarkt ist Wetter - Die Demographie ist Klima.

  • Es gibt auch einfach viele Personen ohne Beschäftigung, die nicht die Qualifikation haben die offenen Stellen zu besetzen...

  • Es gibt auch einfach viele Personen ohne Beschäftigung, die nicht die Qualifikation haben die offenen Stellen zu besetzen...

    Die meisten offenen Stellen gibt es im Niedrigqualifikationsbereich. Das sind Stellen, die teilweise sogar keine formale Qualifikation, sondern höchstens ein "Learning on the job" erfordern.

    Deutschland hat kein Qualifikationsproblem.

  • Die meisten offenen Stellen gibt es im Niedrigqualifikationsbereich. Das sind Stellen, die teilweise sogar keine formale Qualifikation, sondern höchstens ein "Learning on the job" erfordern.

    Deutschland hat kein Qualifikationsproblem.

    Deutschland hat ein riesiges Qualifikationsproblem.

    Ersten brauchen wir "Profis" für die Zukunft. Fehlende Ingenieure, Ärzte, Facharbeiter sind die größte Gefahr für unsere Wirtschaft. Offene Stellen mit niedriger Qualifikation können vielleicht in Zukunft durch KI oder Roboter erledigt werden. Aber auch ansonsten sind es oft nicht die Stellen, die über unsere Zukunft entscheiden. Wir sind nicht ein Land für Billiglohnarbeiten.

    Aber wir haben auch in diesen Bereich ein Qualifikationsproblem. Das haben wir schon seit Jahren und es wird nicht besser. Es gibt Menschen, die einfach nie gelernt zu haben. Die es nicht schaffen morgens zur Arbeit zu kommen. Die es nicht schaffen sinnentnehmend zu lesen. Schon vor 20 Jahren hat mir ein Bekannter mit einem Schuhladen erklärt, dass er keine Bewerber mehr findet, die ausreichend qualifiziert sind.

  • Ich wage zu behaupten, das üppige Schmerzensgeld hält viele im Beruf. Mich auf jeden Fall.

    Definitiv. Ich verstehe auch deinen Vorwurf, am eigenen Ast zu sägen. Ich kann aber schlecht anders, als das zu schreiben, was ich darüber denke.

    Ich würde ohne Pension vllt. auch über Veränderung nachdenken. Ohne die Unkündbarkeit wäre ich paradoxerweise sofort weg.

  • Mit anderen Worten: mit der Abschaffung müsste die Wochenarbeitszeit dann entsprechend reduziert werden, damit der Beamte bzw. die Beamtin Zeit für den Singlehaushalt bzw. den halben Familienhaushalt hat.

    Die wenigsten KuK die ich kenne, arbeiten mehr als 40h.

  • In Zeiten in denen in denen der Osten vor einer Machtübernahme der AFD steht, ist das Alimentationsprinzip sicher nicht veraltet.

    Es soll den Beamten ermöglichen gegen die Herrschenden seine Entscheidungen allein nach Recht und Gesetz zu treffen ohne Angst um sein Auskommen zu haben.

    Nur der Osten? Optimist.

  • Die wenigsten KuK die ich kenne, arbeiten mehr als 40h.

    An der Gesamtschule? Ich dachte eigentlich immer, dass ihr eher mehr arbeiten müsst, da ihr mehr Zeit für Differenzierung und Inklusion braucht. Ich denke, dass man in vielen Bereichen unter 40 h arbeiten kann. Wenn man seine Sache aber gut machen möchte, ist es oft schwierig im Schnitt nicht bei deutlich über 40 h zu landen.

  • Kurz gesagt:
    In den USA ist das Umfeld stärker darauf ausgerichtet, Kinder trotz Unsicherheiten zu bekommen, während in Deutschland oft erst stabile Rahmenbedingungen geschaffen werden – was die Geburtenrate drückt.

    Quelle: ChatGPT

    Nee. Das ist doch in allen wohlhabenden Gesellschaften der Fall. Kinder sind keine Frage des Geldes, das wird gern behauptet, lässt sich aber empirisch nicht belegen.

  • An der Gesamtschule? Ich dachte eigentlich immer, dass ihr eher mehr arbeiten müsst, da ihr mehr Zeit für Differenzierung und Inklusion braucht. Ich denke, dass man in vielen Bereichen unter 40 h arbeiten kann. Wenn man seine Sache aber gut machen möchte, ist es oft schwierig im Schnitt nicht bei deutlich über 40 h zu landen.

    Wer unter A15 mehr als 40h braucht ist doch ziemlich ineffizient möchte ich behaupten. Gibt natürlich aber KuK, die jeden Tag 2h am Kaffeetisch verbringen.

  • Für den sozialen Frieden wird es in Zukunft wichtig sein, niedrigqualifizierte Personen "beschäftigt" zu halten. Das gibt ihnen einen Sinn im Leben und verhindert, dass sie aus Perspektivlosigkeit destruktives Verhalten zeigen. Daher ist es essentiell, dass die Beschäftigungsquote vor allem in dieser Bevölkerungsgruppe hoch bleibt, sei es durch Tätigkeiten in der freien Wirtschaft oder, sollte die Anzahl nicht deckend sein, durch staatlich organisierte Aufgaben.

    Ich weiß nicht, ob es korrekt ist, zu konstatieren, dass wir kein Land für Billiglohnarbeiten seien.

    Zu den angesprochenen Berufsgruppen "Ingenieure, Ärzte, Facharbeiter": Wie schon zuvor beschrieben haben wir einige Bereiche, in denen wir derzeit mehr ausbilden als Stellen zur Verfügung stehen. Das sind solche Stellen, bei denen bereits früh gewarnt wird, man solle räumlich flexibel sein und möglichst schon im Studium Praktika absolvieren und Zusatzqualifikationen erwerben. Aktuell leisten wir uns einige solcher akademischer Felder und nehmen dadurch bewusst in Kauf, dass diese Personen später nicht in Bereichen arbeiten, in denen Mangel herrscht. Einer der Gründe dafür, um auch mal etwas Selbstkritisches zu schreiben, ist auch, dass es uns zu wenig gelingt, junge Menschen nachhaltig für MINT-Fächer zu begeistern, sodass sich viele eher Richtung Geisteswissenschaften orientieren, wo der Arbeitsmarkt jedoch ziemlich gesättigt ist. Arzt (m/w/d) ist unter jungen Menschen ein sehr beliebter Beruf, aber wir bilden seit langer Zeit aufgrund hoher Studienplatzkosten zu wenig aus. Die Anzahl an Studienplätzen könnte ausgeweitet werden durch Finanzierung in Form einer Verkürzung der Ausbildung zum Facharzt (m/w/d) von aktuell durchschnittlich 11 auf 8 Jahre (Eine lange Ausbildungszeit bedeutet nicht automatisch, dass die Arbeitsqualität höher ausfällt.) und Reduktion des Gehalts eines Arztes (m/w/d), ohne Chefarztposition o.ä., auf circa 6.000€ statt aktuell circa 8.000€, was in meinen Augen für eine Position ohne Führungsverantwortung immer noch ein sehr gutes Gehalt wäre.

  • Wer unter A15 mehr als 40h braucht ist doch ziemlich ineffizient möchte ich behaupten.

    Nee, überhaupt nicht. Es gibt so viele Aufgaben, die erledigen kannst/solltest/müsstest. Da gibt es sicherlich viele Aufgaben, die man zwar machen muss, aber nichts bringen. Aber alleine wenn ich an Differenzierung, Inklusion etc. denke, kann ich für jede Stunde viele sinnvoller Sachen machen. Und dann kommen noch Schulfahrten, außerschulische Lernorte, Digitalisierung, Schulentwicklung, Fortbildungen etc. dazu. Ich kann ohne Probleme sinnvoll mehr als 50h die Woche arbeiten. Das mache ich natürlich nicht. Aber wirklich unter 40 h zu kommen ohne das meine Arbeit schlecht wird, kann ich auch nicht.

    Und dann gibt es z.B. noch Menschen mit korrekturintensiven Fächern am Gymnasium etc..

  • Für den sozialen Frieden wird es in Zukunft wichtig sein, niedrigqualifizierte Personen "beschäftigt" zu halten. Das gibt ihnen einen Sinn im Leben und verhindert, dass sie aus Perspektivlosigkeit destruktives Verhalten zeigen. Daher ist es essentiell, dass die Beschäftigungsquote vor allem in dieser Bevölkerungsgruppe hoch bleibt, sei es durch Tätigkeiten in der freien Wirtschaft oder, sollte die Anzahl nicht deckend sein, durch staatlich organisierte Aufgaben.

    Du widersprichst dich doch gerade. Um diese Menschen in Lohn und Brot zu bekommen, muss man sie qualifizieren. Viele von Ihnen fehlt es sogar an den Basisfähigkeiten. Ich habe eine Verkäuferin erlebt, die die Hälfte von 2 € mit dem Taschenrechner ausgerechnet hat. Es gibt Menschen, die nicht sinnentnehmend lesen können. Die nicht richtig schreiben können. Und ich rede da nicht von perfekten Deutsch. Es gibt Menschen, die nicht gelernt haben, jeden Tag pünktlich aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Die nicht Deutsch sprechen. Usw. Wir müssen diese Menschen qualifizieren. Und genauso müssen andere Menschen qualifizieren, die später Ärzte oder Lehrkräfte werden können. Wir müssen versuchen, dass jeder das beste aus seinen Möglichkeiten rausholen kann. Und das schaffen wir nicht mal in Ansätzen. Auch gute Schüler sind viel zu oft gut, weil die Elternhäuser viel geleistet haben. Der Anteil an Schule ist viel zu gering für den Aufwand den wir betreiben. Wir verlieren viel zu viele Kinder. Und andere werden nicht optimal gefördert und gefordert.

  • und Reduktion des Gehalts eines Arztes (m/w/d), ohne Chefarztposition o.ä., auf circa 6.000€ statt aktuell circa 8.000€, was in meinen Augen für eine Position ohne Führungsverantwortung immer noch ein sehr gutes Gehalt wäre.

    6.000€ Brutto nach 8 Jahren Ausbildung? Das paßt nicht. Ich denke eher, dass wir zu einem System zurück müssen, in dem sich Leistung auch wieder im Nettoeinkommen lohnt. Und ja, auch wenn die SPD es nicht wahrhaben will: Mit 100.000€ Jahresbrutto ist man vielleicht ein Spitzenverdiener aber kein Superreicher, den man immer weiter finanziell ausnehmen kann.

    Wenn es darum geht, dass wir sehr viele offene Stellen für Geringqualifizierte haben, aber gleichzeitig diese Geringqualifizierten nicht bereit sind diese Arbeit aufzunehmen, wie ihr es oben formuliert habt, muss man vielleicht auch einmal darüber nachdenken, ob unser Sozialsystem nicht „zu gut“ ist, so dass der Anreiz fehlt entsprechende einfache Arbeiten aufzunehmen.

  • plattyplus : Ich gebe dir Recht, dass es Anreize geben muss, dass Geringqualifizierte auch Stellen für Geringqualifizierte annehmen. Ich würde da auch Unterschiede machen zwischen der qualifizierten und erfahrenen Fachkraft, die bedingt durch die aktuelle Wirtschaftskrise ihren Job verlor, und den Personen, die realistisch betrachtet bei allem, was über "einfache Arbeiten" hinausgeht, kognitiv überfordert sind. Wie schon zuvor geschrieben, wenn sie über diese einfachen Arbeiten ihren Lebensunterhalt verdienen können, haben sie eine Aufgabe, die ihrem Leben Struktur und Sinn gibt und damit kommen sie deutlich seltener auf die Idee, Blödsinn zu machen.


    Tom123 : Was die von dir angesprochenen Niedrigstqualifizierten angeht: Hier finde ich ebenfalls die Vermittlung von Basisqualifikationen wichtig. Jede/r kann zwar irgendetwas, aber die Stellen, die so niedrige Anforderungen haben, dass es legitim wäre, die Hälfte von 2€ mit dem Taschenrechner zu berechnen, sind sehr rar - allenfalls noch im geschützten 2. Arbeitsamt. Bei diesen Menschen stimme ich dir zu, dass es Sinn macht, das Maximale an Potential auszuschöpfen.

    Ich schreibe bewusst "bei diesen Menschen", weil ich der Auffassung bin, dass "mehr = mehr" nicht allgemeingültig ist. Überqualifizierung ist im Jahr 2026 leider auch eine traurige Tatsache. Es gibt top ausgebildete Fachkräfte, die aufgrund ihrer Qualifiktionen von Unternehmen als "zu teuer" wahrgenommen werden und dadurch Schwierigkeiten haben, einen Job zu bekommen. In solchen Fällen wäre es sogar kontraproduktiv, eine weitere formale Qualifikation zu erwerben.

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