• Bolzbold

    Ob die Person von den 2.224€ auskömmlich leben kann, ist eine Frage. Eine andere Frage ist, ob so eine Person im Zweifelsfall noch durch die staatliche Wohlfahrt aufstocken kann und so am Ende wesentlich mehr in der Tasche hat als der Bürgergeldempfänger. Zumal dieses Aufstocken für den Staat günstiger wäre, als wenn die Personen voll umfänglich der staatlichen Wohlfahrt zur Last fallen.

    Meine Vollzeitschüler tragen ihr Mantra "Hartz 4 und der Tag gehört dir" breit grinsend vor sich her. Das darf nicht sein. Vielmehr muss in die Köpfe rein: "Mit jeder Arbeit, egal welcher, geht es mir besser als ohne Arbeit." Es geht also nicht nur um das Geld, es geht auch um den "Verlust an Freizeit", der durch das Geld kompensiert werden muss.

  • Meine Schüler in der Ausbildungsvorbereitung haben absurde Vorstellungen von Gehältern und davon, welche Karrierewege einem so offen stehen, wenn man ggf. nichtmals einen Hauptschulabschluss hinkriegt. Praktika in realistischen Berufsbildern werden wegen "Ausbeutung" und "keine Lust" abgebrochen. Überhaupt ist alles zu schlecht bezahlt. Es gibt zig Hilfsangebote zur beruflichen Orientierung, die am Großteil dieser Klientel genauso wirkungslos verpuffen, wie der Großteil des Schulunterrichts. "Wir müssen diese Menschen qualifizieren" funktioniert nicht, das sind Ressourcengräber.

    Was sie bräuchten, wäre schnöde Notwendigkeit, den Hintern hoch zu bekommen, weil die Alternative Bürgergeld erheblich spürbar unatraktiver ist. Und ebenfalls braucht es eine stärkere Bekämpfung von Schwarzarbeit. "Mein Kumpel arbeitet seit 5 Jahren schwarz aufm Bau und fährt AMG" (ob das so stimmt, sei dahingestellt, abee die Sätze fallen) machts nicht besser.

  • Was sie bräuchten, wäre schnöde Notwendigkeit, den Hintern hoch zu bekommen, weil die Alternative Bürgergeld erheblich spürbar unatraktiver ist.

    Wenn das Bürgergeld geringer wäre, wäre der Abstand unserer Gehälter zum Bürgergeld ja auch wieder größer und der Staat müßte unsere Besoldung nicht nach oben anpassen. So könnte er gleich doppelt Geld sparen. :flieh:

  • 2.224 Euro brutto....

    Ich habe den Eindruck, dass Social Media, Werbung etc. suggerieren, dass man mit diesem Geld nicht gut leben kann. Ich kann darüber hinaus nachvollziehen, dass dies zu Frustration führt und den Blick auf Schwächere (AsylbewerberInnen etc.) dahingehend verengt, dass diese einem etwas wegnähmen.

    Das ist keine Suggestion, mit dem Bruttolohn kann man in Deutschland nicht gut leben, wenn man nicht irgendwo kostenlos wohnen kann. Das sind knapp 1.600 € netto für einen Single. Vor 20 Jahre war das in Ordnung, aber heute sind 50 % davon locker für Wohnen weg.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Man kann als Single auch für deutlich unter 800 € wohnen. Vielleicht nicht in der Großstand aber sicherlich auf dem Land. Hier ist man eher bei 400 - 500 € am unteren Ende.

    Ich glaube, dass es tatsächlich ein großes Problem ist, dass der Abstand zum Bürgergeld zu niedrig ist und Bürgergeld "zu einfach" zu beziehen ist. Ich kenne so viele, die lieber Bürgergeld beziehen als nachher für 300 - 600 € mehr arbeiten zu gehen. Dann wird etwas schwarz gearbeitet etc. und man lebt vor sich hin. Das ist natürlich auch eine Frage der Lebenseinstellung. Aber wenn schon die Familie Bürgergeld bezieht...

  • Der Abstand zwischen sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung für Geringqualifizierte und Bürgergeld ist in der Tat zu gering; der Ansatz, die Löhne per Gesetz zu erhöhen, dürfte jedoch an der Lohn-Preis-Spirale verfangen. Preise steigen und dadurch wird auch Produktion in Deutschland für Unternehmen unattraktiver, da Lohnkosten in anderen Ländern schlichtweg niedriger sind. Im schlechtesten Fall werden so Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet und das war in den letzten 12 Monaten auch ganz real der Fall.

    Bolzbold

    Ob die Person von den 2.224€ auskömmlich leben kann, ist eine Frage. Eine andere Frage ist, ob so eine Person im Zweifelsfall noch durch die staatliche Wohlfahrt aufstocken kann und so am Ende wesentlich mehr in der Tasche hat als der Bürgergeldempfänger. Zumal dieses Aufstocken für den Staat günstiger wäre, als wenn die Personen voll umfänglich der staatlichen Wohlfahrt zur Last fallen.

    Staatliches Aufstocken bei einer Beschäftigung ist nicht nur günstiger, sondern auch sozialverträglicher im Vergleich zur Person, die zuhause nur Däumchen dreht und wartet, dass der Tag herumgeht. Wie schon zuvor beschrieben: Die Person, die arbeitet, kommt seltener auf die Idee, aus Perspektivlosigkeit oder Langeweile Straftaten zu begehen. Dadurch sind auch die Opportunitätskosten für den Staat geringer.

  • Wenn besagte Person aus einer regelmäßigen Arbeit subjektiv empfunden weder ausreichend Geld zieht noch ausreichend Sinn findet, dürfte das schwierig werden.
    Die Medien suggerieren ja auch, dass jeder ohne Begabung InfluencerIn werden kann und im Schlaf eine Menge Kohle scheffeln kann.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Wenn das Bürgergeld geringer wäre, wäre der Abstand unserer Gehälter zum Bürgergeld ja auch wieder größer und der Staat müßte unsere Besoldung nicht nach oben anpassen. So könnte er gleich doppelt Geld sparen. :flieh:

    Nach dem letzten Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist der Abstand zum Grundsicherungsniveau für die Beamtenbesoldung nicht mehr relevant. Als neue Untergrenze gilt die Prekaritätsschwelle, die bei 80% des Medienäquivalenzeinkommens liegen soll.

    Beste Grüße

    yunai


  • Die Medien suggerieren ja auch, dass jeder ohne Begabung InfluencerIn werden kann und im Schlaf eine Menge Kohle scheffeln kann.

    Das stimmt, ist aber leider keine neue Entwicklung. Bereits in den 00er-Jahren wurde der Anschein geweckt, jede/r könne wahlweise Topmodel, Superstar oder Fußballer (m/w/d) werden. Dass es nur ein Bruchteil langfristig wirklich schafft, sich karrieretechnisch zu etablieren, fällt gerne unter den Tisch. Ich möchte auch nicht in Abrede stellen, dass Unterhaltung einen gesellschaftlichen Zweck erfüllt und dass hinter diesen Branchen auch einiges (meiner Meinung nach sogar zu viel) an Geld steckt.

    Gleichzeitig muss man aber auch feststellen, dass die Person, die sich entscheidet, Influencer (m/w/d) zu werden, an anderer Stelle in der Berufswelt fehlt, da sich ja keine/r vierteilen kann. Wir können dann nicht über Fachkräftemangel klagen, wenn wir uns als Gesellschaft eine größere Menge an Unterhaltungskünstlern (m/w/d) im weitesten Sinne erlauben.

  • Arzt (m/w/d) ist unter jungen Menschen ein sehr beliebter Beruf, aber wir bilden seit langer Zeit aufgrund hoher Studienplatzkosten zu wenig aus. Die Anzahl an Studienplätzen könnte ausgeweitet werden durch Finanzierung in Form einer Verkürzung der Ausbildung zum Facharzt (m/w/d) von aktuell durchschnittlich 11 auf 8 Jahre (Eine lange Ausbildungszeit bedeutet nicht automatisch, dass die Arbeitsqualität höher ausfällt.) und Reduktion des Gehalts eines Arztes (m/w/d), ohne Chefarztposition o.ä., auf circa 6.000€ statt aktuell circa 8.000€, was in meinen Augen für eine Position ohne Führungsverantwortung immer noch ein sehr gutes Gehalt wäre.

    Du "argumentierst" mit falschen Zahlen.

    Die Regelstudienzeit im Medizinstudium beträgt 6 Jahre und 3 Monate. In der Regel (so meine Erfahrung mit den Ärzten in meinem familiären Umfeld) kommt noch ein Jahr für die Promotion oben drauf. Damit sind es bis zum Abschluss des Studiums bereits 7 Jahre. Und nein - wegen der Komplexität des Studiums und der Vielzahl an Krankheiten und Therapien bin ich absolut gegen eine Verkürzung. Ich möchte nicht von Ärzten mit Schmalspurstudium behandelt werden.

    Die Weiterbildung zum Facharzt dauert nach dem Studium – je nach gewählter Fachrichtung – in der Regel zwischen 5 und 6 Jahren.
    Im Schnitt erreicht man die Prüfung zum Facharzt daher nach 12 bis 13 Jahren Ausbildung, zzgl. der Zeit bis zum Abitur.
    Gegenüber einem Facharbeiter, der seinen Gesellenbrief 3-4 Jahre nach Hauptschule / Mitterer Reife erhält, sind das ca. 12 Jahre Lebenszeit ohne Verdienst on top. Das muss sich - neben der immensen Verantwortung, die man als Arzt trägt, auch finanziell auszahlen, damit der "Lebenszeitverdienst" den Aufwand rentiert.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

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