Erfahrungen zu Teildienstfähigkeit gesucht

  • Ich will nicht ins Detail gehen, aber es ist auffällig, wie viele Ärzte / Menschen keine Vorstellung von unserem Arbeitsplatz haben. Angefangen (betrifft mich ausdrücklich nicht, aber als Beispiel) von "dann arbeiten Sie jeden Tag zwei Stunden, aber erst ab 9 Uhr, wenn es vorher nicht geht" bis "Jede Woche eine Stunde mehr".

    Das kann man recht gut über den Vertretungsplan umsetzen.

  • Was meine Ärztin manchmal fantasiert, sind Sachen, die man vielleicht in einem außerschulischen Setting gut umsetzen kann, aber nicht in einer Schule. Ich will nicht ins Detail gehen, aber es ist auffällig, wie viele Ärzte / Menschen keine Vorstellung von unserem Arbeitsplatz haben.

    Das finde ich auch immer wieder erstaunlich.

    Besonders überfordernd scheint für Ärzte auch zu sein, dass wir nicht im 45min-Takt unterrichten.

    Wir regeln solche Wiedereingliederungen oder Anforderungen über den Vertretungsplan.
    Meist dann aber auch gepaart mit gekoppeltem Unterricht oder mit Stützkursen.

    Machen wir auch so. Führt dann für den Betroffenen zu einem noch sanfteren Einstieg als vorgesehen, wo dann zu Wiedereingliederungsende und zum Stundenplanwechsel die Belastung sprunghaft steigt. Und die Ressourcen zur Absicherung völlig weltfremder Wiedereingleiderungspläne fehlen natürlich an anderer Stelle.

    Glücklicherweise denken meine Kollegen in der Regel mit und sagen dem Arzt, wenn er völlig daneben liegt.

  • An meiner Schule werden Wiedereingliederungen, die sich ja i. d. R. über mehrere Monate ziehen, mit wochenweiser Steigerung der Stundenzahl (also z. B. alle drei oder vier Wochen eine Doppelstunde mehr) meist auch über den Vertretungsplan geregelt. Im Moment ist ein Kollege im Wiedereingliederungsverfahren, der sukzessive wieder in seinen zu Beginn des Schuljahres vorgesehenen Stundenplan einsteigt: Er übernimmt nach und nach wieder die Stunden, die während seiner Abwesenheit von anderen Lehrkräften übernommen/vertreten wurden.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ach, was wäre das schön. Leider gehört das ganz klar in den Bereich "Mythen und Legenden".

    In NRW beispielsweise übernimmt man für eine A14-Beförderung eine außerunterrichtliche Zusatzaufgabe, die in der Regel nicht mit Entlastungsstunden vergütet wird. Deswegen ja die Beförderung.

    Mit praktisch jeder Übernahme eines höheren Amtes steigt die Arbeitsbelastung erst mal.

    In einigen Fällen sinkt sie dann mit Routine dann wieder etwas, das muss man sich aber erarbeiten und erfordert auch Kompetenz und Selbstdisziplin. (Außerdem sinkt die Arbeitsbelastung auch so in einem ganz normalen Lehrerberufsleben, auch wenn man im Eingangsamt bleibt.)

    Die Idee, dass man sich mit einem Beförderungsamt aus belastenden Tätigkeiten vor der Klasse wegbewerben kann und dann entspannter lebt, ist Selbstbetrug. Die Lehrkräfte, die Schwierigkeiten damit haben, vor der Klasse zu stehen, haben genau so Schwierigkeiten damit, organisatorische Aufgaben in der Schule unter mindestens genau so großem Zeitdruck zu bewältigen.

    Trotzdem hält sich dieser Mythos und wird selbst von Teilnehmern hier immer mal wieder vertreten.

  • ...Ich will nicht ins Detail gehen, aber es ist auffällig, wie viele Ärzte / Menschen keine Vorstellung von unserem Arbeitsplatz haben. ...

    Absolut! Ein Arzt meinte lachend zu mir, ich sollte doch als Lehrer nicht TZ arbeiten, lieber immer mal eine Woche krankschreiben lassen. Eine andere stellte sich die Wiedereingliederung so vor, dass man nach 8 Wochen beim vollen Deputat ist.

    Die Vorstellung ist, dass 5x45 min Unterricht täglich lächerlich wenig sei.

    Ich würde dann gerne mal sagen, dass es ein fantastisches Leben sein muss, immer mal einen Patienten reinzubitten, Antibiotika aufzuschreiben oder schlaue Tips zu geben wie "Rauchen sie mal weniger" und dann in die Mittagspause zu gehen, während sich alle im Wartezimmer 3 Stunden lang gegenseitig anstecken. Mache ich natürlich nicht, weil ich mitdenke.

  • ... Die Lehrkräfte, die Schwierigkeiten damit haben, vor der Klasse zu stehen, haben genau so Schwierigkeiten damit, organisatorische Aufgaben in der Schule unter mindestens genau so großem Zeitdruck zu bewältigen...

    Es geht hier um Leute, die sich mit Teildienstfähigkeit und Schwerbehinderung rumschlagen und dafür sind die Gründe durchaus vielfältig. Das mag jemandem, der ein Beförderungsamt ausübt und x Abminderungsstunden dafür erhält verärgern, weil es an seinem Selbstverständnis rüttelt, meinend, so viel mehr zu leisten als die anderen, aber deswegen muss man das trotzdem ab und an mal sagen.

    Ich will mich übrigens gerade auf gar keine Stelle bewerben, weil ich derzeit nicht die Gelassenheit habe. Das bedeutet aber nicht, dass jemand z.B. mit Hörbehinderung, dem Lautstärke und Disziplinkonflikte zu schaffen machen, nicht in der Lage wäre, Kooperationen mit Betrieben oder Kindergärten aufrechtzuerhalten oder die Computer zu administrieren o.ä.

  • Und die Ressourcen zur Absicherung völlig weltfremder Wiedereingleiderungspläne fehlen natürlich an anderer Stelle.

    Genau das.
    Ich wundere mich, dass andere Schulen die Ressourcen dafür hätten, die Leute doppeltzustecken oder als Vertretungsreserve zu haben.
    Vertretung hätte ich als Zwischenstufe gerne gehabt, denn tatsächlich steigt es jetzt am Ende krass schnell, aber ich hatte nun mal nur vier Stufen.

    Ich habe also auch mitgedacht, für mich und für die Schule.

    Eine andere stellte sich die Wiedereingliederung so vor, dass man nach 8 Wochen beim vollen Deputat ist.

    Es ist ja auch in anderen Jobs (Angestelltenverhältnis) auch so. Nur dass man da auch weiterhin im Krankenstand (und Krankengeld) ist.

    Ich würde dann gerne mal sagen, dass es ein fantastisches Leben sein muss, immer mal einen Patienten reinzubitten, Antibiotika aufzuschreiben oder schlaue Tips zu geben wie "Rauchen sie mal weniger" und dann in die Mittagspause zu gehen, während sich alle im Wartezimmer 3 Stunden lang gegenseitig anstecken. Mache ich natürlich nicht, weil ich mitdenke.

    Ich muss zugeben, dass die mich JETZT betreuenden Ärzte zwar keine Ahnung vom Schul- und Beamtensystem haben (und leider auch nicht von PKV/Beihilfe), aber ansonsten endlich GUT sind und mir keine dämlichen Ratschläge à la "Vermeide doch Stress" oder "Mach Yoga" geben.
    Das hat mich definitiv mit dem Ärztestand versöhnt.

  • Das bedeutet aber nicht, dass jemand z.B. mit Hörbehinderung, dem Lautstärke und Disziplinkonflikte zu schaffen machen, nicht in der Lage wäre, Kooperationen mit Betrieben oder Kindergärten aufrechtzuerhalten oder die Computer zu administrieren o.ä.

    DANKE!
    So ein perfektes, anschauliches Beispiel!

  • Du kannst immer Einzelfälle konstruieren, wo Aufgabe und Einschränkung eine gute Passung haben. Wenn man das für sich findet, super!

    Die Regel ist allerdings eher, dass die Beförderung das Arbeitspensum und den Stress erhöht, was dann auch wieder Auswirkungen auf andere Bereiche hat.

  • Ich wundere mich, dass andere Schulen die Ressourcen dafür hätten, die Leute doppeltzustecken oder als Vertretungsreserve zu haben.

    Eigentlich haben wir sie nicht wirklich. Man muss als Schule dann Prioritäten setzen.

    Wir haben das Glück noch nicht in der katastrophalen Unterbesetzung zu sein, die es an anderen Orten in NRW gibt. Das hilft auch.

  • Es geht hier um Leute, die sich mit Teildienstfähigkeit und Schwerbehinderung rumschlagen und dafür sind die Gründe durchaus vielfältig. Das mag jemandem, der ein Beförderungsamt ausübt und x Abminderungsstunden dafür erhält verärgern, weil es an seinem Selbstverständnis rüttelt, meinend, so viel mehr zu leisten als die anderen, aber deswegen muss man das trotzdem ab und an mal sagen.

    Das ist nicht mein Selbstverständnis, sondern das Wesen des Beamtendienstes in Schule. Für ein höheres Amt ist man insbesondere dadurch geeignet, dass man sich besonderes bewährt hat und im Stande ist, die Arbeit des Ausgangsamtes in eines Arbeitszeit zu erledigen, die unterhalb dessen liegt, was andere KuK mit dem gleichen Amt aufbringen müssen (eine Umschreibung dieser Aussage wird in jeder positiven Bewerbungsbeurteilung zu finden sein). Das ist nicht meine Meinung, sondern eine Argumentation, die den roten Faden für eine Vielzahl von Gerichtsentscheidungen bildet, dass zB A14er keine Stundenentlastungen für die übernommenen Aufgaben erhalten und A15er nur wenig im vergleich zur dokumentierbaren Mehrarbeit.

    Das bedeutet aber nicht, dass jemand z.B. mit Hörbehinderung, dem Lautstärke und Disziplinkonflikte zu schaffen machen, nicht in der Lage wäre, Kooperationen mit Betrieben oder Kindergärten aufrechtzuerhalten oder die Computer zu administrieren o.ä.

    Natürlich können und müssen Aufgaben in Schulen so verteilt werden, dass objektive Belastungsfaktoren dabei berücksichtigt werden. Du stellst es aber in einen Kontext mit der Übernahme von Funktionen und höheren Ämtern und damit hat es absolut nichts zu tun.
    Abgesehen davon beschreibst du Aufgaben, die entweder überhaupt nichts mit dem Tätigkeitsfeld von Lehrkräften zu tun haben oder die üblicherweise mit minimalen Entlastungen verbunden sind, aber nicht mit höheren Ämtern.

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    Natürlich können und müssen Aufgaben in Schulen so verteilt werden, dass objektive Belastungsfaktoren dabei berücksichtigt werden. Du stellst es aber in einen Kontext mit der Übernahme von Funktionen und höheren Ämtern und damit hat es absolut nichts zu tun.
    Abgesehen davon beschreibst du Aufgaben, die entweder überhaupt nichts mit dem Tätigkeitsfeld von Lehrkräften zu tun haben oder die üblicherweise mit minimalen Entlastungen verbunden sind, aber nicht mit höheren Ämtern.

    In einigen Schularten kriegt man die A14 doch sogar automatisch, ohne dass man was dafür tun muss.

    Und selbstverständlich sind Kooperation mit außerschulischen Partner*innen, Koordination von Berufsvorbereitung, Gestaltung von Übergängen A-14-Ämter. Es sind alles Tätigkeiten, die andere "nebenher" machen müssen.

    Ich weiß es schon deswegen, weil es in Sachsen vor einigen Jahren kein Beamtentum gab und mit der Verbeamtung Beförderungen geschaffen wurden. Da wurden plötzlich auch weit weniger bedeutsame Tätigkeiten zur Beförderung gelobhudelt, der Hygieneverantwortliche während Corona und Ähnliches.

    Aber nenne gerne mal 3 A14-Aufgabenbereiche aus deiner Schule, die den Kolleg*innen ein weitaus höheres Stressmanagement und Verantwortung abverlangen als den Kolleg*innen mit A13.

    Und zum kommenden Zitat: echt? Voraussetzung ist, dass man schneller vorbereitet, Elterngespräche abkürzt und Förderpläne eindampft, um dieselbe Arbeit in weniger als der veranschlagten Arbeitszeit zu schaffen?

    ... Für ein höheres Amt ist man insbesondere dadurch geeignet, dass man sich besonderes bewährt hat und im Stande ist, die Arbeit des Ausgangsamtes in eines Arbeitszeit zu erledigen, die unterhalb dessen liegt, was andere KuK mit dem gleichen Amt aufbringen müssen (eine Umschreibung dieser Aussage wird in jeder positiven Bewerbungsbeurteilung zu finden sein).

  • Abgesehen davon beschreibst du Aufgaben, die entweder überhaupt nichts mit dem Tätigkeitsfeld von Lehrkräften zu tun haben oder die üblicherweise mit minimalen Entlastungen verbunden sind, aber nicht mit höheren Ämtern.

    Na ja, in Bayern ist die IT Administration, die sie ja explizit erwähnt, eine A15 Funktion, wobei ich jetzt nicht weiß welcher Wertigkeit. Die Wertigkeit beschreibt, stark verkürzt erklärt, wie lange man nach Übernahme der Aufgabe auf die Beförderung warten muss.

  • Und zum kommenden Zitat: echt? Voraussetzung ist, dass man schneller vorbereitet, Elterngespräche abkürzt und Förderpläne eindampft, um dieselbe Arbeit in weniger als der veranschlagten Arbeitszeit zu schaffen?

    Es gibt keine veranschlagte Arbeitszeit (vielleicht abgesehen vom Faktorisierungsmodell in Hamburg) und ja, das ist ein Beurteilungskriterium und Voraussetzung für die Eignungsbewertung im Bewerbungsverfahren.

    In einigen Schularten kriegt man die A14 doch sogar automatisch, ohne dass man was dafür tun muss.

    Und selbstverständlich sind Kooperation mit außerschulischen Partner*innen, Koordination von Berufsvorbereitung, Gestaltung von Übergängen A-14-Ämter. Es sind alles Tätigkeiten, die andere "nebenher" machen müssen.


    Aber nenne gerne mal 3 A14-Aufgabenbereiche aus deiner Schule, die den Kolleg*innen ein weitaus höheres Stressmanagement und Verantwortung abverlangen als den Kolleg*innen mit A13.

    Die Regelbeförderung gibt es fast nirgendwo mehr, Aufgabenkataloge für A14- und A15 Stellen kannst du gerne googeln, wenn es dich interessiert, die sind öffentlich. Und noch mal: ich gebe hier nicht meine persönliche Meinung wieder, sondern die Rechtslage.
    In Niedersachsen ist inzwischen (zumindest indirekt) ziemlich genau festgelegt, dass A14-Stelleninhaber Funktionen im Umfang von 3-4 Zeitstunden pro Woche zu übernehmen haben, wobei die Arbeitszeit und Unterrichtsverpflichtungen zu A13 identisch bleiben, das Land erwartet also, dass die Stellininhaber ihre "normalen" Aufgaben in diesen 3-4 Stunden weniger erledigen können, als A13-Lehrkräfte.

  • Na ja, in Bayern ist die IT Administration, die sie ja explizit erwähnt, eine A15 Funktion, wobei ich jetzt nicht weiß welcher Wertigkeit.

    Man muss vielleicht spezifizieren, was damit gemeint ist. IT Administration in Schule hat eine pädagogisch-didaktische Komponente, für die sollte eine Lehrkraft verantwortlich sein. Sie hat auch eine technische Komponente, ganz platt gesagt die Rechner in lauffähigem Zustand zu halten, das ist die Aufgabe das Schulträgers und damit ausdrücklich nicht vom Land(esbediensteten).
    Mir ist klar, dass die Realität in vielen Schulen anders aussieht, aber eigentlich sollte es so sein.

  • Aber nenne gerne mal 3 A14-Aufgabenbereiche aus deiner Schule, die den Kolleg*innen ein weitaus höheres Stressmanagement und Verantwortung abverlangen als den Kolleg*innen mit A13.

    Ich kann nur von mir selber sprechen, erw. Schulleitung an einer Gesamtschule in NRW, in meinem Fall mit A14 besoldet, wesentlich mehr Stress und Verantwortung als bei den Kollegen mit A13

  • Es gibt keine veranschlagte Arbeitszeit (vielleicht abgesehen vom Faktorisierungsmodell in Hamburg)

    Ich weiß jetzt nicht, ob das in Niedersachsen grundsätzlich anders ist, aber in den Bundesländern, in denen ich mich ein wenig besser auskenne, gibt es eine sehr klar definierte Wochenarbeitszeit für Landesbeamte, die per Verordnung festgelegt ist und natürlich auch für Lehrer gilt. Dass es bei diesen ein wenig schwieriger ist, da Unterrichtsdeputate und Ferienzeiten (außerhalb des zustehenden Erholungsurlaubs) einbezogen werden müssen, ändert nichts daran, dass es eine veranschlagte Arbeitszeit gibt. Ist das in Niedersachsen grundsätzlich anders? Das würde mich wundern, vor dem Hintergrund, dass die niedersächsischen Lehrkräfte sich vor ein paar Jahren erfolgreich gerichtlich gegen eine Anhebung des Deputats gewehrt haben.

  • Zur eigentlichen (Teil-)Debatte: Ich kenne zwei Schulleiter, die sich gezielt für Schulleitung entschieden haben, um den Korrekturen zu entgehen. Beide haben mir das mit meinen Fächern (Deutsch / Fremdsprache) sehr empfohlen, sie scheinen den Schritt also nicht bereut zu haben.

  • Habe gegoogelt. Ist jetzt sehr klein, Kurz: Beratung von SuS in besonderen Lebenslagen, Weiterentwicklung der Förderplanarbeit, Ausgestaltung des Schwerpunkt Musiks.

    Das mache ich ehrenamtlich in Arbeitsgruppen, für die ich mich auch noch selbst einsetze, weil ich das für wichtig halte. Dass derlei Planung stattfindet, dafür bekomme ich also nicht mal ein Dankeschön und es kotzt mich ehrlich an, wenn hier immer so dahergeschwätzt wird, was für Überperformer hier angeblich unterwegs sind.

    Siehe Zitat vom Raketenwissenschaftler, auf das ich keine Lust habe, es nochmal rauszusuchen.

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