Fächerkombination und Wechsel der Schulform

  • Hallo,

    ich studiere aktuell Sport und Erdkunde (L3 / Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen) an der JLU Gießen in Hessen und plane, nach dem ersten Staatsexamen für das Referendariat nach NRW zurückzukehren. Laut Rücksprache ist dies trotz aktuell nicht studierbarer Fächerkombination mit Zustimmung der Bezirksregierung grundsätzlich möglich.

    Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und u. a. die im Bildungsportal des Landes veröffentlichten „Vorausberechnungen zum Lehrkräftearbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen“ (März 2023) gelesen. Dort werden für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen für das Fach Sport eingeschränkte bis gute Einstellungschancen bei mittlerer bis großer quantitativer Bedeutung sowie für das Fach Geographie gute Einstellungschancen bei mittlerer bis geringer quantitativer Bedeutung ausgewiesen.

    Meine zentrale Frage bezieht sich weniger auf die generellen Einstellungschancen, sondern darauf, ob ich mit abgeschlossenem GymG-Studium (L3) in NRW grundsätzlich auch an einer Schule der Sekundarstufe I verbeamtet werden kann, falls keine Planstelle am Gymnasium verfügbar sein sollte. Da dort für beide Fächer hervorragende Einstellungschancen bestehen. In diesem Zusammenhang treiben mich – offen gesagt – auch gewisse Zukunftssorgen um, da ich eine realistische Perspektive suche und eine spätere Arbeitslosigkeit natürlich vermeiden möchte.

    Ich komme aus dem Sauerland und könnte mir gut vorstellen, dort langfristig zu bleiben, was meine Chancen im ländlichen Raum ggf. zusätzlich erhöhen könnte. Über eine realistische Einschätzung aus der Praxis würde ich mich daher sehr freuen.

    Darf ich außerdem fragen, ob Sie selbst in NRW tätig sind?

    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

  • Grundsätzlich sind die Chancen am besten im Ruhrgebiet, im Sauerland und der Region Aachen. Mit Sport/Erdkunde hast du tatsächlich keine wahnsinnig gesuchte Kombination. In der Sek I ist das Problem, dass du zwei Fächer mit wenig Stunden hast...

    Du kannst aktuell natürlich OBAS für Sek I machen und damit dann die Lehrbefähigung HRSGe erwerben, allerdings kannst du dann nicht mehr ans Gymnasium oder Berufskolleg (was aber wegen Erdkunde ohnehin schwierig sein wird).

    Gute Chancen hast du trotzdem, wenn du dir auch eine Anstellung an einer Haupt- oder Realschule vorstellen kannst (das geht auch mit GyGE Lehramtsreferendariat nachrangig, da es kaum Absolventen für HRSGe im Moment gibt). Auch Privatschulen haben oft Mangel und sind auch flexibel, was den Abschluss und das genaue Lehramt angeht. Theoretisch müsste sogar OBAS für die Grundchule möglich sein. Da würdest du dann im Ref 24 Monate in Deutsch oder Mathe und in einem deiner studierten Fächer (vermutlich Sport, das ist in der Grundschule Mangelfach!) ausgebildet.

    Welche der Optionen wären für dich denn denkbar?

  • Ich will auf jeden Fall das Referendariat in Sport und Erdkunde machen (Gym/Ge in NRW.)

    Meine Frage war eher, ob ich mit dieser Ausbildung trotzdem auch an Haupt-, Real- oder Gesamtschulen unterrichten kann – also auch verbeamtet werden kann –, falls es mit einer Planstelle am Gymnasium nicht klappt.

    Für mich ist der Raumfaktor nämlich entscheidend: Ich würde gern in meiner Umgebung bleiben (Arnsberg/Hagen, eher ländlicher Raum und kein klassischer Ballungsraum). Wenn es hier keine Gymnasialstelle gibt, könnte ich mir Haupt-, Real- oder Gesamtschule gut vorstellen.

    Mir wurde auch schon mehrfach gesagt, dass hier inzwischen „an sek 1 alles genommen wird“, und dass die Chancen insgesamt sehr gut stehen, was ja auch zur Lehrkräftebedarfsprognose passt (Im Bezug auf Sek 1 und müsste ich GL Fächer fachfremd machen oder, wegen der stunden)

    Deshalb die Kernfrage:

    👉 Mit GyGe-Ref in Sport/Erdkunde: Ist Einsatz + Verbeamtung an HRSGe/Gesamtschule realistisch, gerade im ländlicheren Raum?

  • Wenn du das 2. Staatexamen für Gym/Ge abgelegt hast, kannst du dich auf für Gym/Ge-Bewerber geöffnete Sek I Stellen bewerben. Der normale Weg ist meines Wissens, dass man dann zunächst im Angestelltenverhältnis eingestellt wird und berufbegleitend die Lehramtsbefähigung für Sek I erwerben kann. Liegen die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen dann vor, erfolgt auch eine Übernahme ins Beamtenverhältnis.

  • Ich will auf jeden Fall das Referendariat in Sport und Erdkunde machen (Gym/Ge in NRW.)

    Meine Frage war eher, ob ich mit dieser Ausbildung trotzdem auch an Haupt-, Real- oder Gesamtschulen unterrichten kann – also auch verbeamtet werden kann –, falls es mit einer Planstelle am Gymnasium nicht klappt.

    Ich verstehe die Frage nicht.

  • Wenn die Offenheit gegenüber Schulen im Sek I-Bereich besteht, spricht irgendetwas dagegen, direkt auf ein Studium mit Schwerpunkt Sek I zu wechseln?

    Und beide Fächer haben im Sek I-Bereich in NRW hervorragende Aussichten? Das hätte man bei der Fächerkombination vor ein paar Jahren sicher noch nicht gedacht. Aber gut, dann bei der Fächerwahl wohl alles richtig gemacht.

  • Wenn die Offenheit gegenüber Schulen im Sek I-Bereich besteht, spricht irgendetwas dagegen, direkt auf ein Studium mit Schwerpunkt Sek I zu wechseln?

    Und beide Fächer haben im Sek I-Bereich in NRW hervorragende Aussichten? Das hätte man bei der Fächerkombination vor ein paar Jahren sicher noch nicht gedacht. Aber gut, dann bei der Fächerwahl wohl alles richtig gemacht.

  • Ja, wie Maylin85 schon geschrieben hat, die Stelle muss geöffnet sein für GyGe und es darf sich kein richtiger HR-Lehrer bewerben. Dann ist das möglich...

    GL gibt es meist nur an Gesamtschulen und Hauptschulen. An Realschulen sind es meist einzelne Fächer

  • Im Sauerland gibt es in der Sek. I durchaus gerade viele Stellen und der Bedarf wird auch in den nächsten Jahren noch bestehen bleiben. Dabei ist Sport sicherlich eher interessant als Erdkunde, weil das in meiner Schulform zum Beispiel meist fachfremd unterrichtet wird. Oft wird aber für Sport nicht ausgeschrieben, weil es da sowieso keine Bewerbungen mit dem Fach gibt, also würde es sich zu gegebener Zeit empfehlen, Kontakt zu einigen Schulen aufzunehmen.

    Wir haben zwei Kolleginnen, die ursprünglich Sek II studiert haben und bei uns fest angestellt und verbeamtet sind. Sie mussten aber - wie oben schon geschrieben - parallel nochmal ein begleitendes Seminar besuchen und eine Prüfung ablegen, damit das möglich war.

  • ChatGBT?

  • ChatGBT?

    at your service:


    Kurzfassung: Ja – das ist realistisch, gerade in NRW und erst recht im ländlicheren Raum 👍
    Aber es gibt ein paar wichtige Feinheiten, die man kennen sollte.


    Die lange, ehrliche Antwort (NRW-Realität):

    1. Formale Lage: GyGe ≠ HRSGe

    Mit einem Lehramt Gymnasium/Gesamtschule (GyGe) bist du formal für Gymnasien und Gesamtschulen ausgebildet.
    ➡️ Gesamtschule: völlig unproblematisch, auch Verbeamtung.

    Für Haupt- und Realschulen (HRSGe) gilt:

    • Du bist formal nicht exakt passend ausgebildet
    • ABER: In der Praxis wird das regelmäßig über Mangelfallregelungen gelöst

    2. Praxis in NRW (2024/25): Sek I frisst alles

    Das, was du gehört hast – „in Sek I wird alles genommen“ – ist keine Legende, sondern Alltag.

    Gerade:

    • ländlicher Raum
    • Sauerland / Märkischer Kreis / Hagen / Arnsberg
    • Sport + Erdkunde (beides sehr gut einsetzbar)

    👉 Schulen sind froh, überhaupt jemanden zu bekommen, der:

    • voll ausgebildet ist
    • Sport abdecken kann
    • langfristig bleiben will

    Da wird nicht kleinlich aussortiert.


    3. Verbeamtung an HRSGe mit GyGe-Ref

    Das ist der entscheidende Punkt – und auch hier: Ja, möglich.

    Typischer Ablauf:

    • Einstellung an Haupt-/Realschule zunächst tariflich
    • Nach kurzer Zeit:
      • Verbeamtung nach Einzelfallprüfung oder
      • Planstellenöffnung speziell für GyGe-Abschlüsse

    In Mangellagen (und die hast du dort):

    • wird das aktiv unterstützt
    • teilweise sogar direkt mit A13, je nach Schulform / Konstellation

    ⚠️ Ein Restrisiko bleibt immer – aber kein realistisches Ausschlusskriterium.


    4. Fächerkombination: Sport / Erdkunde = Joker

    Extrem günstig für Sek I:

    • Sport: Dauerbrenner, kaum Vertretungsreserve
    • Erdkunde:
      • in Sek I stark vertreten
      • oft fachfremd unterrichtet → echte Fachlehrkräfte willkommen

    Ja, es kann sein, dass du:

    • GL-Anteile fachfremd bekommst
    • oder ein Nebenfach „mitziehst“

    ➡️ Das ist völlig normal und kein Nachteil für Verbeamtung oder Bewertung.


    5. Dein Standortfaktor (sehr wichtig!)

    Dass du ortsgebunden bleiben willst, ist kein Nachteil, sondern oft ein Plus:

    • Schulen im ländlichen Raum suchen keine Durchgangslehrer
    • jemand, der bleiben will, wird gezielt gehalten

    Gerade in deiner Region gilt:

    Zitat

    Lieber ein GyGe-Lehrer an der Realschule
    als gar kein Lehrer.


    Klare Antwort auf deine Kernfrage:

    👉 Ja – mit GyGe-Ref in Sport/Erdkunde sind
    Einsatz UND Verbeamtung an HRSGe / Gesamtschule realistisch,
    insbesondere im ländlicheren Raum in NRW.

    Wenn du willst, kann ich dir auch sagen:

    • wie du deine Chancen strategisch erhöhst
    • worauf du im Ref achten solltest, wenn du Sek I im Blick hast
    • oder wie Bezirksregierungen in deiner Region ticken

    Sag einfach Bescheid 🙂

  • Vielleicht solltest du als zusätzliche Option auch eine Stelle an einem Berufskolleg in Betracht ziehen.
    Sport wird in sehr vielen Bildungsgängen unterrichtet und an einigen BKs besteht ein erheblicher Mangel an Sportlehrkräften, sodass sie auch in Kauf nehmen könnten, dass dein Zweitfach Erdkunde ist. Erdkunde wird nämlich nicht an BKs unterrichtet. Aber es gibt auch BKs mit kaufmännischen Schwerpunkt, an denen im Differenzierungsbereich das Fach Wirtschaftsgeographie angeboten wird.

  • Überlege dir gut, ob du wirklich Spaß an ausschließlich Sek I hättest. In Geographie habe ich die Oberstufe sehr gerne gemacht, dort finden sich auch interessante Themen im Lehrplan. Speziell die erste Hälfte der Sek I ist aber extreeem zäh und inhaltlich schnarchlangweilig (daher wenig überraschend, dass Schüler das Fach meist nicht so dolle finden). Ich war immer dankbar, wenn ich erst ab Klasse 9 eingesetzt war. An Gesamtschulen gibts Erdkunde meist auch gar nicht als eigenständiges Fach, sondern es wird in Kombination mit Geschichte als Gesellschaftslehre unterrichtet.

    Ich würde wohl eher ein gesuchteres Drittfach dazu nehmen, als auf Sek I zu wechseln.

  • Ich bin dankbar, dass es Leute gibt, die es gerne machen, aber für mich ist "nur Sek1" ebenfalls in keinster Weise nachvollziehbar. An Gymnasien und Gesamtschulen toleriert man die Sek1-Stunden ja, weil man in der Regel auch noch einen guten Teil der Stunden in der Sek2 verbringt.

  • Überlege dir gut, ob du wirklich Spaß an ausschließlich Sek I hättest. In Geographie habe ich die Oberstufe sehr gerne gemacht, dort finden sich auch interessante Themen im Lehrplan. Speziell die erste Hälfte der Sek I ist aber extreeem zäh und inhaltlich schnarchlangweilig (daher wenig überraschend, dass Schüler das Fach meist nicht so dolle finden). Ich war immer dankbar, wenn ich erst ab Klasse 9 eingesetzt war. An Gesamtschulen gibts Erdkunde meist auch gar nicht als eigenständiges Fach, sondern es wird in Kombination mit Geschichte als Gesellschaftslehre unterrichtet.

    Ich würde wohl eher ein gesuchteres Drittfach dazu nehmen, als auf Sek I zu wechseln.

    Danke, für die Antwort. Das Problem ist nur, dass ich in Hessen studiere (Sport/Geo L3 also Gym/Ge) und das Drittfach von der hessischen Lehrkräfte akademie ausgestellt wird ind vermutlich in NRW keine Rolle spielt . Da ich jedoch zum Ref zurück nach NRW möchte( was möglich ist nach Absprache mit BRD, obwohl Kombination nicht von den Unis angeboten wird), habe ich mich halt erkundigt ob ich halt auch an eine SEK 1 Schule kann, bevor ich später NIE verbeamtet werde… Bzw. kann ich das 3. Fach noch berufsbegleitend machen um meine Chancen zu erhöhen?

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