Wahlkampfideen SPD NRW

  • Es sollte nur noch die Gesamtschule geben, die zu allen Bildungsabschlüssen führt.

    Ob Hauptschulabschluss nach 9 oder 10, FOR, FOR-Q, Fachabitur nach 12 oder Vollabitur nach 13 Jahren.

    Fertig.

    Soll das eher Richtung kooperative oder eher Richtung integrative Gesamtschule gehen? Bei erster Option hättest du sicher einige Befürworter (m/w/d), auch weil die Durchlässigkeit sehr hoch ist, dadurch dass alles unter einem Dach wäre.

  • Die Schieflage entsteht nicht aufgrund eines Mitentscheidungsrechts der Eltern an sich, sondern weil es gerade durch das mehrgliedrige Schulsystem überhaupt erst passiert, dass sich an bestimmten Schulen die "Problemfälle" konzentrieren und diese entsprechend gemieden werden.

    Diese Schule werden nur gemieden, weil es halt möglich ist. Bei Zuweisung nach objektiv ermitteltem Leistungsstand wäre es auch weniger einfach, sich zu entziehen.

    Abgesehen davon werden sich an "bestimmten Schulen" immer die "Problemfälle" konzentrieren, auch in Gesamtschulsystemen. In der Regel ist das ganz einfach eine Standortfrage.

  • Diese Schule werden nur gemieden, weil es halt möglich ist.

    Stimmt, bei einer Schule für alle könnte man diese nicht meiden.

    Abgesehen davon werden sich an "bestimmten Schulen" immer die "Problemfälle" konzentrieren, auch in Gesamtschulsystemen. In der Regel ist das ganz einfach eine Standortfrage.

    Nicht über die Konzentration gewisser sozioökonomischer Bedingungen an Standorten hinaus, wenn es eine Gesamtschule für alle gäbe.

  • Auch im Dortmunder Norden scheint es die soziale Trennung zu geben, wenn ich den Sozialindex der Gymnasien dort mit denen der Hauptschule dort vergleiche. Aber generell stimmt es natürlich, dass Stadtentwicklungsplanung auch ein wichtiges Thema ist und auch da die Vielfalt in den Vierteln ein wichtiges Ziel sein muss. Ist aber auch etwas, wogegen sich die privilegierte Gesellschaft sehr wehrt.


    Sidenote: Bei der 'Gesamtschule für alle' hört sich das "zwingen" jetzt aber negativer an als die "Zuweisung nach objektiv ermitteltem Leistungsstand" bei der verbindlichen Empfehlung für die weiterführende Schule ^^

  • Heißt letztlich, man verweigert auch denjenigen, die es sich leistungstechnisch erarbeiten könnten, ein (zumindest etwas) besseres soziales Lernumfeld. Hm.

    ...und ja, ich emfinde das auch als deutlich negativer, als eine leistungsbasierte Zuweisung 😊

  • Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: Der Ansatz, bereits am Ende der 4. Klasse sicher prognostizieren zu wollen, welches Kind mal ein Abitur ablegen wird und welches nicht, ist völlig vermessen. Die Schieflage entsteht nicht aufgrund eines Mitentscheidungsrechts der Eltern an sich, sondern weil es gerade durch das mehrgliedrige Schulsystem überhaupt erst passiert, dass sich an bestimmten Schulen die "Problemfälle" konzentrieren und diese entsprechend gemieden werden. Auch das ließe sich weitgehend verhindern, wenn die Schüler auch nach der Grundschule bezüglich der besuchten Schule gut durchmischt bleiben.

    Wäre es eine bessere Lösung, die Kinder erst nach Klasse 6 zu trennen? Was sagen die Berliner dazu? Würde mich mal interessieren…

  • Man kann vollumfänglich über das amerikanische Highschool-System bzw. das Niveau im dortigen Bildungssystem diskutieren, aber die Highschools sind große Gesamtschulsysteme

    • in denen man Hauptfächer auf mehr anstatt nur zwei Niveaus unterrichtet werden,
    • in denen man im Laufe der Zeit Credit-Points sammelt
    • und auf der Basis der Anzahl dieser Credit-Points dann seinen Abschluss macht.

    Das könnten wir hier auch einführen - Gesamtschulen mit vier- oder fünffach differenzierten Hauptfächern und entsprechend gestaffelten Abschlüssen auf der Basis der Niveaus der besuchten und erfolgreich abgeschlossenen Kurse. So hätten auch "SpätzünderInnen" die Chance, sich ohne frühzeitige Selektion zu entwickeln und ggf. ein Abitur zu erlangen.

    Gleichwohl wären das sehr große Systeme, da eine solche Differenzierung, wenn sie nicht zu grob und zu pauschal sein soll, ein Minimum an SchülerInnen benötigt. Ich denke, da kommen wir dann schnell an Schulgrößen von 1.500 bis 2.000 SchülerInnen.

    Solange wir in Deutschland aber immer noch Klassen- und Standesbewusstsein und entsprechenden Dünkel haben, wird das natürlich schwierig. Eine bürgerlich-(rechts)konservative Mehrheit, die wir in diesem Lande vorfinden, wird einem solchen System niemals zustimmen. Und für ein rot-rot-grünes Lager gibt es auf absehbare Zeit in diesem Lande keine Mehrheit.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Soll das eher Richtung kooperative oder eher Richtung integrative Gesamtschule gehen? Bei erster Option hättest du sicher einige Befürworter (m/w/d), auch weil die Durchlässigkeit sehr hoch ist, dadurch dass alles unter einem Dach wäre.

    Ich meine eher die integrative Gesamtschule!

  • Ich meine eher die integrative Gesamtschule!

    Dann möchtest du, dass sehr leistungsstarke Schüler (m/w/d) mindestens 9 Jahre lang in gleichen Klassen mit sehr leistungsschwachen Schülern (m/w/d) unterrichtet werden? Ich halte es für unwahrscheinlich, dass man dann wirklich allen Leistungsniveaus gerecht wird. Nach oben wird man sich da garantiert nicht orientieren, sondern allenfalls an einer Leistungsmitte, ggf. sogar am schwächsten Glied.

    Das kann man natürlich machen, aber es ist insgesamt die Frage, wenn Kompromisse eingegangen werden müssen, wovon der Bildungsstandort Deutschland (bzw. hier konkret das Land NRW) am meisten profitiert:

    - weniger Schüler (m/w/d) verfehlen die Mindestkompetenzen (selbst wenn sich das Leistungsniveau an der Leistungsspitze reduziert)

    ODER

    - mehr Schüler (m/w/d) erreichen die Höchstkompetenzen (selbst wenn sich das Leistungsniveau am Leistungsende reduziert)

  • Die bekloppten Vorschläge werden einfach täglich mehr, nun also das "brilliante" Wahlkampfprogramm von Jochen Ott, SPD: zukünftig ausschließlich zweigliedriges Schulsystem in NRW (Gy +Ge), kann doch echt nicht sein! Leider unwählbar.

    Das ist doch richtig. Es ist eine Anerkennung der Realität.

    Mit dem Tod der Hauptschulen ist in NRW diese Zweiteilung defakto Realität, nur dass man noch Altschulformen hat, die unter schlechteren Bedingungen arbeiten müssen.

    Wenn man es zukünftig schaffen würde, diese unbürokratisch umzuwandeln ohne durch zwangsweise Auslaufen und parallele Neugründung funktionierende Schulen zu zerstören, wie es derzeit der Fall ist, dann kann ich das nur begrüßen.

    In meiner Stadt sind wir Realschulen übrigens auch noch stark, aber auch wir merken, dass das Gymnasium in den letzten Jahrzehnten unser oberes Drittel weg gewildert hat und unsere Gesamtschulen sind in der Realität Hauptschulen mit katastrophal verhaltensauffälligen Schülern. Das ist eigentlich kein hinnehmbarer Zustand. Von daher wäre aus systemischer Sicht eine Neuaufstellung dringend erforderlich.

  • Aus Sicht eines RS-Kollegens im ehemals dreigliedrigen System rächt sich jetzt bitterlich, dass damals aus Gründen von Arroganz und Überheblichkeit die Kollegen der Hauptschule und ihre Schulform von den anderen Schulformen allein gelassen wurden. Frei nach dem Motto "Ich bin etwas besseres und hab damit nichts zu tun". Das war/ist eine irrige Annahme. Die Folgen treffen jetzt die Realschulen und wenn das nicht grundsätzlich gelöst wird in 10-20 Jahren dann auch die Gymnasien, wenn die Realschulen gestorben sind.

    Von daher wäre es jetzt an der Zeit den nichtgymnasialen Bereich so aufzustellen, dass er auch eine Zukunftsperspektive hat. Und ja, dafür wird man diesen Schulen auch Ressourcen zugestehen müssen, die bisher sehr ungleich verteilt und vorzugsweise in die Gymnasien geleitet werden...

    Wenn man es wirklich ernst meinen würde, dann müsste man eigentlich bereits in den Grundschulen ansetzen und die so ausstatten, dass sie ihre Ziele gut erreichen können und nicht nur im Notbetrieb sind.Großer Respekt an die Kolleginnen und Kollegen der GS für das, was die mit diesen schlechten Bedingungen erreichen!

  • Der Ansatz ist gut, obgleich man feststellen muss, dass Deutschland im europaweiten Vergleich deutlich unterdurchschnittlich viel für Bildung ausgibt. Ich sehe da auch keine Trendabkehr, da sich mit Bildung keine Wahlen gewinnen lassen. Wir müssen uns da eingestehen, dass eine bessere Ausstattung an deutschen Schulen, was ja mit höheren Kosten verbunden wäre, eher nicht kommen wird, sondern vielmehr überlegen, wie vorhandene Mittel genutzt werden können, um die angestrebten Bildungsziele besser als bisher erreichen zu können. Bislang arbeiten wir im Bildungssystem noch sehr ineffizient (siehe Pisaergebnisse), was am Ende auch ein Zeichen von Verschwendung vorhandenen Potentials bedeutet.

  • Ich bin in den internationalen Vergleichsstudien nicht so bewandert.

    In wie viele Glieder sind den in den Staaten, die erfolgreicher sind als Deutschland die Schulsysteme aufgeteilt?

    Das war natürlich ein Scherz!

    Quasi alle Länder, die es schaffen, schaffen es in integrierten Schulsystemen.

    kodi Das Geld muss vor allem in die Grundschulen fließen, damit die Probleme garnicht erst entstehen mit denen wir abseits des Gymnasiums zu kämpfen haben.

  • Gleichwohl wären das sehr große Systeme, da eine solche Differenzierung, wenn sie nicht zu grob und zu pauschal sein soll, ein Minimum an SchülerInnen benötigt. Ich denke, da kommen wir dann schnell an Schulgrößen von 1.500 bis 2.000 SchülerInnen.

    Solange wir in Deutschland aber immer noch Klassen- und Standesbewusstsein und entsprechenden Dünkel haben, wird das natürlich schwierig. Eine bürgerlich-(rechts)konservative Mehrheit, die wir in diesem Lande vorfinden, wird einem solchen System niemals zustimmen. Und für ein rot-rot-grünes Lager gibt es auf absehbare Zeit in diesem Lande keine Mehrheit.

    Ich glaube auch, dass es diese minimale Schulgröße für ein sinnvolles Gesamtsystem braucht (eher 2000 als 1500).

    Diese Lösung hängt aber neben dem Dünkel auch an den fehlenden räumlichen Voraussetzungen. Hier gibt es zwei alteingesessene einzelne Gymnasien (mit 1200 bzw. 900 SuS), die über einen Kilometer auseinander liegen und so maximal in wenigen Kursen in den Randstunden kooperieren können. Das „Schulzentrum“ mit Real- und Gesamtschule, das so ein großes System halbwegs ermöglichen würde (momentan besuchen es zusammen 1600 SuS), liegt weiter weg. Da müsste man in etlichen Städten eben ein neues Schulzentrum „auf der grünen Wiese“ gründen und würde so die weiterführenden Schulen aus den Städten verbannen.

    Allerdings könnten sich dann nach dieser „kleinen“ Investition alle räumlichen Probleme erledigt haben. :)

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