Beamtenversorgung: Fakten statt Neiddebatte

  • Ernst gemeinte Frage: Hat man das? In der Grundschule vielleicht, aber in der weiterführenden Schule? Als einzelne Lehrkraft?

    Ich habe viele jahre als Klassenlehrer an der HS die Klassen 8/9 unterrichtet und auf die Abschlussprüfungen vorbereitet sowie Berufspraktika organisiert. Die von mir betreuten Schüler haben ALLE den Abschluss geschafft. Ohne Noten zu "verschenken" - denn nicht nur in Ba-Wü werden die Aufgaben für die Abschlussprüfung zentral gestellt.
    Ja. Ich habe die Verantwortung für den weiteren Lebensweg der mir anvertrauten Schüler ernst genommen. Gemeinsam mit Eltern, Schulbegleitern, Schulsozialarbeit und KuK.
    Einige dieser Schüler sind heute selbst Arbeitgeber. Manche haben über die Berufsfachschule und das berufliche Gymnasium den Weg an die Hochschule geschafft. Oft liegen schlechte Schulleistungen an traumatischen Erlebnissen in der Kindheit, zerrütteten Familienstrukturen, störenden Peer-Groups etcpp.
    Die Verantwortung wird der Lehrkraft nicht aufgebürdet. Aber man kann sie wahrnehmen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Ich habe viele jahre als Klassenlehrer an der HS die Klassen 8/9 unterrichtet und auf die Abschlussprüfungen vorbereitet sowie Berufspraktika organisiert. Die von mir betreuten Schüler haben ALLE den Abschluss geschafft. Ohne Noten zu "verschenken" - denn nicht nur in Ba-Wü werden die Aufgaben für die Abschlussprüfung zentral gestellt.

    Herzlichen Glückwunsch, das ist schön zu hören! So sollte es Standard sein, aber leider klappt es nicht immer.

    Ja. Ich habe die Verantwortung für den weiteren Lebensweg der mir anvertrauten Schüler ernst genommen. Gemeinsam mit Eltern, Schulbegleitern, Schulsozialarbeit und KuK.
    Die Verantwortung wird der Lehrkraft nicht aufgebürdet. Aber man kann sie wahrnehmen.

    Genau das meine ich auch: Man kann und soll die SuS unterstützen, aber das schafft man nicht allein. Hinter einem erfolgreichen Weg stecken immer verschiedene Personen: verschiedene Lehrkräfte, manchmal auch Nachhilfe, AL/SL, Sozialarbeiter:innen, Beratungslehrkräfte, Familien, Peergruppen und nicht zuletzt die Schüler:innen. Ich habe viele SuS als Fachlehrkraft, Klassenlehrer oder auch als AL zum Abitur geführt, aber nie als alleinige Verantwortung betrachtet. Das zeigt sich auch daran, dass relativ problemlos auch sehr engagierte KuK während einer langen Abwesenheit ersetzt werden können, wenn das entsprechende Personal vorhanden ist.

  • Tom123 : Auch in Schulen sollte solch eine Aufgabe durch eine Verwaltungsassistenz (oder wie man diese Fachkraft auch immer bezeichnen möge) erledigt werden. Es ist schade, dass diese Aufgabe mehrheitlich noch immer an Lehrkräften hängen bleibt.

    Das Problem ist recht einfach. Wenn die Lehrkräfte solche Aufgaben konsequent in ihrer Arbeitszeit erledigen und es in ihre Arbeitszeit einrechnen, wäre es für den Dienstherr Geldverschwendung. Aber wir sind in der Regel so nett, dass wir das noch nebenbei als unbezahlte Mehrarbeit machen. Wenn ich alleine an die ganzen Menschen denke, die sich um die EDV kümmern. Das spart natürlich am Ende für den Dienstherr.

  • Ist eine gute Frage. Prinzipiell würde ich sagen ja, aber das Problem ist, dass ich eine ganz andere Sicht auf die Fächer habe, die ich für unterrichtenswert ansehe. Es gibt z.B. auch Mangel in Fächern, die aus meiner Sicht nur einen äußerst geringen Stellenwert an einem Gymnasium haben sollten (z.B. Religion, Kunst etc.)

    Aus meiner Sicht sollten Fächer wie Französisch, Religion etc. stark reduziert werden und dafür Fächer wie Informatik stark ausgebaut werden.

    Ich verstehe den Ansatz eines allgemeinbildenden Gymnasiums und da haben auch andere Fremdsprachen (neben dem wirklich wichtigen Englisch) und Fächer wie Kunst, Musik, Religion einen Platz. Dennoch finde ich, dass viel zu viel Zeit in Fächer wie Geschichte gesteckt wird (historisch bedingt, ist klar) und auch die zweite Fremdsprache (insbesondere Französisch) finde ich viel weniger sinnvoll als ein Fach wie Informatik. Ich kritisiere also Umfang, also die Verteilung der Kontingentstunden auf die Fächer. Aus meiner Sicht müssten SuS durchgängig 6 Stunden Mathematik und logisches Denken durch alle Jahrgänge haben. Ein Fach wie Religion könnte man so extrem kürzen und als Teilgebiet in Philosophie oder Geschichte mit unterrichten.

    Während man sich in anderen Ländern damit beschäftigt Rohstoffe zu sichern und technische Innovation zu betreiben wird in Deutschland disktutiert und gelehrt, wieviele Geschlechter es gibt. Damit schafft sich Deutschland als wirtschaftsstarkes, wohlstandsreiches Land selbst ab.

    Würde man den Fächerkanon so ausrichten, wie ich mir das vorstelle, dann fände ich eine Bezahlung nach Mangelstatus sinnvoll. Solange es aber Fächer gibt, für deren Ausübung man außerhalb der Schule kaum Geld bekäme, diese aber im schulischen Mangel vorliegen können, finde ich eine Bezahlung nach Mangel absurd.

    Ich halte die Forderung nach einer stärkeren Gewichtung von Informatik und Mathematik grundsätzlich für nachvollziehbar. Daraus folgt jedoch nicht, dass Fächer wie Geschichte oder Geografie an Bedeutung verlieren sollten. Im Gegenteil: Wer davon spricht, dass Deutschland sich stärker mit Rohstoffsicherung, globalen Machtverschiebungen oder wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit beschäftigen müsse, beschreibt damit bereits klassische Themen der Geografie und Geschichte.

    Geografie vermittelt das Verständnis für Ressourcenverteilung, Lieferketten, Energieversorgung, Migration, Demografie und geopolitische Konflikte. Geschichte erklärt, warum Staaten und Gesellschaften heute so funktionieren, wie sie funktionieren, und vermittelt die Fähigkeit, politische Entwicklungen, Propaganda, Extremismus und internationale Krisen einzuordnen. Gerade in einer Zeit von Desinformation, sozialen Medien und künstlicher Intelligenz sind Quellenkritik und historisches Urteilsvermögen keine Nebensächlichkeiten, sondern Schlüsselkompetenzen.

    Zudem ist die Vorstellung eines Gegensatzes zwischen MINT-Fächern und gesellschaftswissenschaftlicher Bildung künstlich. Erfolgreiche Volkswirtschaften benötigen nicht nur Ingenieure und Programmierer, sondern auch Menschen, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen. Technologische Innovation allein schafft weder stabile Demokratien noch kluge politische Entscheidungen.

    Problematisch erscheint mir daher weniger die Forderung nach mehr Informatik als die Abwertung anderer Fächer. Wer glaubt, wirtschaftlicher Erfolg entstehe allein durch mehr Mathematik und Programmierung, unterschätzt die Bedeutung von politischer Bildung, gesellschaftlichem Verständnis und kritischem Denken. Die großen Herausforderungen unserer Zeit – von geopolitischen Konflikten über den Klimawandel bis zur Regulierung von KI – lassen sich gerade nicht rein technisch lösen.

    Deshalb sollte die Debatte nicht „Geschichte oder Informatik“ lauten, sondern wie ein modernes Gymnasium sowohl technologische als auch gesellschaftliche Kompetenzen vermitteln kann. Denn ein guter Programmierer ohne Verständnis für Geschichte, Politik oder Geografie ist ebenso unvollständig gebildet wie ein Historiker ohne grundlegende digitale Kompetenzen.


    Wohl dem, der gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann.

    Der Himmel ist nicht mein Limit, ich bin es.

  • Tom123 : Da es ja immer mal wieder die Vergleiche zwischen freier Wirtschaft und Schule/öffentlicher Dienst gibt: In der freien Wirtschaft hat jedes Unternehmen eine eigene IT-Abteilung. Da es auch viele kleinere Schulen gibt, kann ich mir, selbst wenn genug Geld vorhanden wäre, nicht vorstellen, dass jeder Schule eine eigene I-Fachkraft zur Wartung der technischen Geräte zugeteilt werden würde. Was ich mir aber in einem "Was wäre wenn.."-Szenario vorstellen könnte, wäre, dass auf Kreisebene ein kleineres Team an IT-Fachkräften angestellt wäre und die Schulen könnten diese, immer sobald sie Bedarf an Reparaturen oder Wartungen haben, abrufen.

    Man überlege sich einfach, wie viel Zeit wir für unser Kerngeschäft hätten, wenn wir nicht diese ganzen Extraaufgaben (die in der Gesellschaft im Übrigen auch gar nicht wahrgenommen werden) nebenher machen würden, sondern Fachkräfte, die sich tatsächlich damit auskennen und extra hierfür mal ausgebildet wurden.

  • Da es auch viele kleinere Schulen gibt, kann ich mir, selbst wenn genug Geld vorhanden wäre, nicht vorstellen, dass jeder Schule eine eigene I-Fachkraft zur Wartung der technischen Geräte zugeteilt werden würde. Was ich mir aber in einem "Was wäre wenn.."-Szenario vorstellen könnte, wäre, dass auf Kreisebene ein kleineres Team an IT-Fachkräften angestellt wäre und die Schulen könnten diese, immer sobald sie Bedarf an Reparaturen oder Wartungen haben, abrufen.

    Nur mal zum Vergleich: Bei uns im IT-Service der Kreisverwaltung ist eine Vollzeit IT-Kraft für 250 Computer zuständig. Jetzt könnt ihr mal anfangen die Rechner an Euren Schulen zu zählen. Also bei uns bräuchten wir allein drei Vollzeit-Kräfte im IT-Service.

    Man überlege sich einfach, wie viel Zeit wir für unser Kerngeschäft hätten, wenn wir nicht diese ganzen Extraaufgaben (die in der Gesellschaft im Übrigen auch gar nicht wahrgenommen werden) nebenher machen würden, sondern Fachkräfte, die sich tatsächlich damit auskennen und extra hierfür mal ausgebildet wurden.

    Wie viele Bürokräfte können wir einstellen, um den ganzen Papierkram, der vom Ministerium und den Bezirksregierungen kommt, abzuarbeiten? Ich denke da insb. an die statistischen Daten, die wir liefern sollen. Mein erster Vorschlag wäre ein Büro, wo alle Schüler ihre Entschuldigungen und Atteste abgeben können und das dann eigenständig beim Überschreiten der Schwellenwerte die Erinnerungen, Mahnungen, ... an die Eltern schickt.

  • Tom123 : Da es ja immer mal wieder die Vergleiche zwischen freier Wirtschaft und Schule/öffentlicher Dienst gibt: In der freien Wirtschaft hat jedes Unternehmen eine eigene IT-Abteilung.

    Sicherlich nicht. Aber die haben dann externe Dienstleister. Das wäre auch durchaus im Schulwesen machbar. Der Schulträger könnte z.B. 3-5 Mitarbeiter haben, die die Schulen entsprechend betreuen. Das gibt es auch schon oft. Nur in der Regel sind diese Leute zu wenige oder für vieles nicht zuständig etc.. Beispiel aus der Praxis: Dienstgerät verbindet sich nicht mit dem WLAN/Internet funktioniert nicht. EDV kommt. Antwort: Unser WLAN ist ok. Das liegt am Gerät. Dafür ist das Land zuständig. Das gucken wir nicht an. ... Ich habe gefragt, ob ich wenn das nächste Mal irgendwelche Kleinigkeiten an der EDV sind sie direkt anrufen soll, wenn das Aufgabe des Schulträger sind. Daraufhin haben sie sich das Gerät angesehen und den Fehler innerhalb weniger Minuten gefunden. Es lag daran, dass das WLAN-Profil vom Schulträger nach der Anschaffung nicht richtig installiert wurde ...

  • Sicherlich nicht. Aber die haben dann externe Dienstleister. Das wäre auch durchaus im Schulwesen machbar.

    Damit werden jedoch viele Probleme nicht gelöst. An einer mir bekannten Schule wurden in den Computerräumen keine Updates installiert und viele Anwendungen waren dadurch nur noch eingeschränkt nutzbar, weil Onlinetools aktuellere Java-Umgebungen vorausgesetzt haben.
    Auf Anfrage, weshalb das so sei und nicht aktualisiert werde kam die Antwort: Die betreuende Firma stelle bei jeder Anfrage eine Servicerechnung über mehrere hundert €uronen. Das gebe der Schulhaushalt nicht her. <sic!>
    An der von mir betreuten Schule war die Linuxmusterlösung für Schulen installiert. Für mich als Admin bedeutete dies:
    - einen Musterclient updaten
    - diesen per Batch über Nacht an alle Clients ausrollen. Am nächsten Tag war alles gut ;)

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Noch mal: Mir ist bewusst, dass es in den meisten Fällen nicht gut läuft.

    Aber es ist wirtschaftlich eigentlich nicht sinnvoll, wenn teure gut ausgebildete Pädagogen sich um die EDV kümmern statt sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Hier ist es sinnvoll preiswerteres und vor allem entsprechend ausgebildetes Person einzusetzen. Dass man das nicht macht, ist mir bewusst. Das liegt aber auch daran, dass wir Lehrkräfte so nett sind, so etwas in unserer Freizeit zu erledigen...

  • Der Punkt ist, dass das nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein sollte. Und es gibt ja Fälle, bei denen eine Informatik-Lehrkraft oder im schlimmsten Fall jemand, der sich privat etwas eingelesen hat, solche Aufgaben neben dem Deputat und vielleicht für eine Ermäßigungsstunde übernimmt.

    Wenn es an einigen Schulen bereits etablierte Prozesse wie von dir beschrieben gibt, ist ja alles gut.

    Dieses "Wir sind dafür nicht zuständig." ist immer problematisch, weswegen ich auch für Verantwortlichkeitsbündelungen, wann immer möglich und alltagspraktikabel, plädiere.

  • Es gibt ganz viele Bereiche, wo wir Lehrkräfte Aufgaben übernehmen, die besser und preiswerter eine andere Person machen könnte.
    Das Holz für den Werkunterricht sägen. Könnte oft besser der Hausmeister machen.
    Kopieren, Bastelmaterialien aufhängen, etc. könnte ein Schulassistent preiswerter machen.
    Viele Bereiche in der Schulsozialarbeit (Da fängt es bei uns gerade an, dass die Schulen dafür eine Expert:in bekommen
    Reinigungsaufgaben. Wir müssen beispielsweise offiziell das Geschirr im Lehrerzimmer selbst reinigen. Als Ausgleich dürfen wir auch ran, wenn der Hausmeister gerade mal nicht im Haus ist und sich ein Kind in der Klasse übergeben hat. Materialien kaufen, holen, ... Wenn der Schulträger etwas von A nach B haben möchte, holt es der Betriebshof. Wenn wir etwas aus dem Bestand des Schulträgers haben möchte, holen es viele Lehrkräfte privat ab.

    Mir geht es auch keineswegs darum, dass man diese Arbeiten nicht erledigen will. Jeder kann seinen Kaffeebecher selbst abwaschen. Aber es ist halt ein Muster. Und das läuft halt in der Wirtschaft oft anders.

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