Private KV zum Höchstsatz oder in der Gesetzlichen KV bleiben?

  • Hallo zusammen,

    ich starte nächstes Jahr im Februar in Baden-Württemberg ins Referendariat.

    Aktuell gibt es einige Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Versicherungen, die für (angehende) Beamte relevant sind.

    Da ich leider eine längere Liste an Vorerkrankungen mitbringe, komme ich ausschließlich über die „Beamten-Öffnungsklausel“ und einem Risikozuschlag von 30% in die private Krankenversicherung. (Mein Berater hat bereits mehrere Versicherungen angefragt.. ohne Erfolg. In eine Berufsunfähigkeitsversicherung komme ich übrigens nicht. Alle 25 angefragten Versicherer haben mich sofort abgelehnt.)


    Nun frage ich mich, was finanziell sinnvoller ist:

    a) In die private Krankenversicherung wechseln, trotz Höchstsatz + 30 % Risikozuschlag
    oder
    b) in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben und als Beamter in Baden-Württemberg nur ca. 50 % der Beiträge selbst zahlen, da das Land die andere Hälfte übernimmt (pauschale Beihilfe, einschließlich Pflegeversicherung)

    Mein Berater nennt mir leider keine konkreten Zahlen und rät mir nur zur Privaten (weil er dadurch etwas vom Kuchen abbekommt). Im Internet konnte ich keine genauen Angaben finden.. Ich habe nur gehört, dass die PKV im Alter stark ansteigt und dies meine ohnehin extrem hohen Beiträge noch weiter nach oben katapultieren wird.


    Allgemeine Infos:

    • aufgrund meiner Vorerkrankungen besuche ich sehr regelmäßig Ärzte
    • ich bin lebenslang auf Medikamente angewiesen

      -> Es werden also vermutlich langfristig viele Arztbesuche, Rechnungen und ggf. auch Operationen anfallen.

    Hat jemand vielleicht Erfahrung mit einer ähnlichen Situation oder kann einschätzen, welche Variante in meinem Fall sinnvoller wäre?

    Vielen Dank! :)

  • Pauschale Beihilfe. Ganz klar.

    Ausnahme, wo ich drübet nachdenken würde: eine meiner bisherigen Krankheiten konnte bisher nicht richtig /optimal behandelt werden, weil viele Therapien Privatpatienten vorbehalten werden UND ich würde sie sofort und langfristig (und hohem Umfang) bekommen.

    (Und selbst da klären, ob es nicht so wäre, dass du als GKV-versicherter Beamter suf leistungen, welche die GKV NICHT übernimmt nicht Anspruch auf Beihilfe hättest (nur den jeweiligen Antril)

    Und in BaWü gibt es diese 22 Euro für irgendetwas… bringen sie dir auch nicht etwas?


    Also für mich ganz klar PB. Ist auch später ggf bei TZ ein Vorteil, auch bei Kindern…

  • Sehr gut, du kümmerst dich direkt.

    Geh zu einem Makler, der soll die Angebote für dich einholen. Spätestens nach dem Ref, wenn du voll verdienst, ist eine private Krankenversicherung deutlich billiger und leistungsstärker als die gesetzliche Krankenversicherung.

    In deinem Fall wählst du die PKV eben nach Stabilität der Beiträge aus und nicht nach einer möglichst hohen Beitragsrückerstattung.

  • 30% klingt schlimmer, als es ist.

    Mir ging es genauso.

    Ich würde immer die PKV vorziehen. Wartezeiten bei Terminen kenne ich nicht. Da, wo ich arbeite, gibt es viele Fachärzte, die nur Privatpatienten nehmen.

    Soo viel teurer als die GKV ist die PKV bei mir auch nicht. Mit 2 Kindern war sie sogar günstiger - trotz 30% Aufschlag.

    Tipp: Lass Die Finger von den Startup-PKV. Im Kleingedruckten finden sich Ausschlüsse, die man nicht will.

    "Höchstsatz" gibt es in der PKV afaik nicht. Die Tarife kosten für jeden gleich viel, können vielleicht altersabhängig sein. Bis zu 30 % kommen für die Öffnungsklausel oben drauf.

    Noch ein Tipp: Die Debeka ist die einzige PKV, die auch per Öffnungsaktion eine Zusatzversicherung anbietet. Die übernimmt z.B. die Laborkosten, die die Beihilfe nicht übernimmt.

    Ergänzend: Ich habe allerdings keine Ahnung, wie die Pauschale Beihilfe funktioniert. Gibt's nicht in SH.

  • "Höchstsatz" gibt es in der PKV afaik nicht. Die Tarife kosten für jeden gleich viel, können vielleicht altersabhängig sein. Bis zu 30 % kommen für die Öffnungsklausel oben drauf.

    Ohne Öffnungsklausel können die Zuschläge auch höher sein.

    Es gibt den "Basistarif", zu dem man unter bestimmten Bedingungen immer aufgenommen werden muss. Kostet bei 50% Beihilfe aktuell ca. 470€.

  • Also meine Angebot der DeBeKa und der HUK liegen beide (ohne die 30%) bei 300€ inkl Pflegepflichtversicherung.


    Da drin sind aber bereits Bausteine wie Chefarzt, 1-2-Bettzimmer, Brille, Zähne etc.

    Sprich zwei Zusatzbausteine.


    Die 30% beziehen sich auf den Grundtarif, der irgendwo bei 230€ liegt. Sprich dann landest du irgendwo bei 375€, sofern die 30% voll berechnet werden.

    Der Zuschlag wird individuell berechnet.

    Können auch krumme Zahlen sein


    PS: das alles bei 70% Beihilfe, da zwei Kinder.

  • Bei Nutzung der Öffnungsklausel schließen afaik alle PKV alle Zusatzbausteine aus, bis auf die Debeka, die einen einzigen Zusatztarif bei Nutzung der Öffnungsklausel anbietet.

  • Dank pauschaler Beihilfe würde ich in der gesetzlichen bleiben, wenn sie bisher alles notwendige gezahlt hat. Die Basisversicherung der PKV ist auf jeden Fall schlechter bei Ärzten angesehen.

    Begründung, bei PKV musst du Rechnungen selbst zahlen und reichst sie anschließend ein (und diskutierst evtl., ob sie nicht überteuert oder gar nicht notwendig sind). Du legst also erst einmal Geld aus. Auch die PKV zahlt nicht alles, z. B. Familienhilfe gibt es nur in der GKV, bei PKV muss sie wie z. B. auch Kur extra bezahlt werden. Außerdem kommen aktuell noch 180 Euro Kostendämpfungspauschale (bei A13) pro Jahr in Baden-Württemberg bei Beihilfe hinzu, wenn du dich für PKV entscheidest.

    Die Erhöhung der PKV im Alter würde ich für Beamte nicht so hoch werten. In Baden-Württemberg zahlst du ab 3 Kinder nur noch 30 % auf Dauer, im Alter auch ohne Kind. Und ich zahle jeden Monat 10 % mehr als Altersrückstellung, damit die Beiträge bleiben. Leider gab es noch keine pauschale Beihilfe, als ich begann.

    Die angesprochenen 22 Euro Extra in Baden-Württemberg spielen hier keine Rolle bei der Entscheidung. Sie berechtigen nur zu Chefarztbehandlung, Einzelzimmer im Krankenhaus und bei Verzicht Tagegeld. Ich würde (und habe es) sie abschließen, wenn du dich für PKV entschieden hast. Auch diese Entscheidung kannst du nur einmal zu Beginn treffen.

    Zu Vorteilen bei Arztsuche, davon merke ich nichts. Zum Gegenteil, wäre ich AOKversichert, hätte ich einen Hausarzt. Auch mit PKV suche ich seit über 20 Jahren vergebens. (Da ich zum Glück gesund bin nicht intensiv.)

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Bei Nutzung der Öffnungsklausel schließen afaik alle PKV alle Zusatzbausteine aus, bis auf die Debeka, die einen einzigen Zusatztarif bei Nutzung der Öffnungsklausel anbietet.

    Die HUK bietet auch im Rahmen der Öffnungsklausel Zusatzmodule an. Hat man mir zumindest am Telefon gesagt.

  • Zu Vorteilen bei Arztsuche, davon merke ich nichts. Zum Gegenteil, wäre ich AOKversichert, hätte ich einen Hausarzt. Auch mit PKV suche ich seit über 20 Jahren vergebens. (Da ich zum Glück gesund bin nicht intensiv.)

    Merkwürdige Region, in der du wohnst. Hier wartet man als GKV Versicherter 8 Monate auf rinen Kardiologen Termin, 4 Monate auf einen MRT Termin und ca. 12 Monate auf einen Termin im Schlaflabor. Als Privat Versicherter kann ich am kommenden Dienstag (übermorgen) bei Ärzten meiner Wahl doppelt so lange wie ein GKV Versicherter mit einem Kardiologen sprechen, ein MRT machen lassen und ins Schlaflabor.

    Für Privat Versicherte gibt es auch eigene Hausarztpraxen, die gerne noch aufnehmen.

  • Hausarztpraxen bevorzugen bei uns keine Privatversicherten. Aber man bekommt bei Fachärzten schneller einen Termin (MRT u.ä.) und zum Teil überhaupt einen Termin (Orthopädie), obwohl eigentlich ja keine Neupatient*innen mehr angenommen werden.

    Man kann als PKV-Versicherter Privatpraxen aufsuchen, bei denen man in aller Regel nur 5 min im Wartezimmer sitzt. Die besseren Ärzt*innen sind das natürlich nicht automatisch.

    Großer Vorteil: Termine bei Psychotherapeut*innen, die keine Kassenzulassung haben.

    Großer Nachteil: Die Abrechnerei. Wenn man ernsthaft krank ist, ist das ein Arsch voll Arbeit und nervig, weil man Geld vorstrecken muss und weil man immer erst hinterher sieht, was alles nicht übernommen wird. Dann muss man kontrollieren, ob alles seine Richtigkeit hat und irgendwas nachweisen und nachreichen, damit man gnädigerweise doch noch sein Geld wiederkriegt. Oder auch nicht.

    Und Rehas beantragen ist wohl auch kompliziert.

    Ich würde vielleicht die pauschale Beihilfe auch vorziehen. Kenne allerdings niemanden, der so versichert ist und welche Nachteile das wiederum hat.

  • Merkwürdige Region, in der du wohnst. Hier wartet man als GKV Versicherter 8 Monate auf rinen Kardiologen Termin, 4 Monate auf einen MRT Termin und ca. 12 Monate auf einen Termin im Schlaflabor. Als Privat Versicherter kann ich am kommenden Dienstag (übermorgen) bei Ärzten meiner Wahl doppelt so lange wie ein GKV Versicherter mit einem Kardiologen sprechen, ein MRT machen lassen und ins Schlaflabor.

    Für Privat Versicherte gibt es auch eigene Hausarztpraxen, die gerne noch aufnehmen.

    Es gibt zu wenig Ärzte und niemand, der nur PKV Versicherte nimmt, es gibt hier vermutlich zu wenige. Ich wohne in einer Arbeiterstadt.

    Als ich vor ca. 3 Jahren ernsthaft erkrankt war, musste ein Hausarzt mich sofort nehmen und überwies mich sofort an einen Facharzt. Mit diesem Schrieb konnte ich umgehend hin. Aber PKV war hier auch kein Vorteil.

    Der Papierkram und das Auslegen des Geldes regt mich selbst bei den wenigen Rechnungen auf. Ich hätte pauschale Beihilfe gewählt, hätte ich die Wahl gehabt.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ergänzung, meine Tante gesetzlich versichert, erhielt vor einer Woche übrigens sofort einen Termin im Schlaflabor. Auch der Rest der Familie hatte nie mehr Probleme als ich. Beim Hausarzt bekam ich damals mit, dass ein anderer mit Diabetes, gesetzlich versichert und neu hierher gezogen, genommen wurde und ich nicht (nur für die aktuelle Erkrankung).

    Meine Erfahrung, wenn es notwendig ist, erhält man sofort einen Termin, wenn nicht, keinen. Schickimickiärzte gibt es hier nicht.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Die Rechnungen nerven, insbesondere, wenn dann noch jedes Labor extra eine Rechnung schickt.

    Bei PVS und mittlerweile auch DZR kann ich alle Rechnungen digital empfangen, so dass mittlerweile weniger per Post kommt.

    Nervig ist, dass man Medikamente idR. sofort bezahlt und dann entsprechend umso länger aufs Geld wartet. Bei sehr teuren Medikamenten gibt es aber wohl auch hierfür geeignete Lösungen.

    Die Vorteile bei den Terminen sind aber klar spürbar. Termine noch am gleichen Tag, MRT-Termin in einer Woche statt in 6 Wochen etc. Reine Privatpraxen kann man auch beanspruchen. Psychotherapie kann man auch eher bekommen, weil auch alle Psychotherapeuten ohne Kassensitz in Frage kommen. Wenn man gezielt nach diesen sucht, konkurriert man nur mit anderen Privatpatienten und den gesetzlich Versicherten, die das Kostenerstattungsverfahren nutzen. Hier haben viele GKV aus Kostengründen die Hürden erhöht, so dass es seltener Anwendung findet. Man kommt also auch hier eher in Behandlung.

    Und die Rezepte... gesetzliche sind 28 Tage gültig, private ganze 3 Monate. Wenn der erste Physiotermin erst in über einem Monat stattfinden kann, muss man nochmal zum Arzt als GKV-Versicherter, weil das Rezept zu alt ist. Als Privatpatient ist das nicht der Fall.

    Man ist auch nicht vom Budget "betroffen": "Nee, das kann ich ihnen erst im nächsten Quartal ausstellen." - "Ich bin privat." - "Achso, dann ist das kein Problem."

    Es gibt Behandlungen, die werden bei der GKV nur in sehr eingeschränktem Rahmen übernommen (Nachweise, Wartezeiten) und bei der PKV/Beihilfe sofort.

    Die Leistungen bei Zähnen sind idR. deutlich besser.

    Heilpraktiker kann man auch beanspruchen. Auch da zahlen Beihilfe und idR. die PKV.

    Die Leistungen bei Brille/Kontaktlinsen sind idR. besser (tarifabhängig). Die GKV zahlt erst bei einer bestimmten Dioptrienzahl oder bei Minderjährigen.

    Und noch Weiteres:
    In der GKV werden nach und nach immer mehr Leistungen gestrichen werden. Damit ist zu rechnen. Der Vertrag der PKV bleibt.

    Bei der pauschalen Beihilfe zahlt man die Pflegeversicherung selbst, ohne Zuschuss.

    Wenn du pensioniert bist, beträgt der Beihilfesatz (in deinem Fall weiterhin) 70%.

Werbung