Exkurs: Niveau und Durchschnittsnoten Abitur (aus Pflichtlektüre)

  • Da unterscheiden sich bisher die Fächer noch:

    Ich ziehe gerade in der Unterstufe für jeden Rechenfehler etwas ab und niemand beschwert sich. Beim Französischlehrer laufen dagegen in Klasse 6 einige Eltern Sturm, wenn im Vokabeltest ein Wort wegen falscher Schreibweise oder fehlenden Accent nicht die volle Punktzahl ergibt.

    LG DFU

  • 0-1 gibt es auch in BW in Englisch kaum. Ist dank listening und der o.g. Aspekte schwer möglich.

    Ich hätte ehrlicherweise sogar gegenteilig argumentiert, dass Hörverstehen von allen sprachlichen Kompetenzen diejenige ist, bei der am ehesten null Punkte möglich sind, weil die Rezeptionsdauer im Vergleich zu anderen sprachlichen Kompetenzen deutlich eingeschränkt ist und wem es innerhalb der kurzen Zeit nicht gelungen ist, die Kernaussage des Hörtextes zu erfassen, hat keine Möglichkeit, diese Aufgabe ggf. auch nachträglich noch einmal zu bearbeiten.

  • In BW wird der Hörtext zweimal abgespielt. Bei euch nicht?

    Doch. Ich persönlich finde zweimal nicht viel, wenn man bei einem bestimmten Hörtext einen Knoten im Kopf hat. Gerade in den höheren Jahrgangsstufen werden die Texte auch nicht mehr so langsam vorgetragen, dass man fast auf die richtige Lösung gestoßen wird.

  • ... Beim Französischlehrer laufen dagegen in Klasse 6 einige Eltern Sturm, wenn im Vokabeltest ein Wort wegen falscher Schreibweise oder fehlenden Accent nicht die volle Punktzahl ergibt.

    Aber wie kann das sein? Wann hat das angefangen? Die Eltern müssen doch als SuS selbst Vokabeltests geschrieben haben und das wissen.

    Wobei verrückterweise meine Kinder keinen einzigen klassischen Vokabeltest in Englisch geschrieben haben. Ich dachte bislang es liegt daran, dass die Lehrkräfte keine Lust auf die Korrigiererei haben.

  • Ich hätte ehrlicherweise sogar gegenteilig argumentiert, dass Hörverstehen von allen sprachlichen Kompetenzen diejenige ist, bei der am ehesten null Punkte möglich sind, weil die Rezeptionsdauer im Vergleich zu anderen sprachlichen Kompetenzen deutlich eingeschränkt ist und wem es innerhalb der kurzen Zeit nicht gelungen ist, die Kernaussage des Hörtextes zu erfassen, hat keine Möglichkeit, diese Aufgabe ggf. auch nachträglich noch einmal zu bearbeiten.

    Ja, das Flüchtige ist die größte Herausforderung beim Listening, absolut. Trotzdem: Die überwiegende Mehrheit der SuS am Gym hört meiner Erfahrung nach über die Schulzeit so viel Englisch, mindestens im Unterricht, dass das Hörverstehen im Abi kein großes Problem darstellt. Diejenigen, die Englisch privat viel nutzen, sind in diesem Teil meist sehr gut, auch wenn das Schreiben dann eher meh ausfällt.
    Insgesamt ist meine Beobachtung, dass sowohl unter 5 als auch über 13 Punkte selten geworden sind und die Art der Schreibaufgaben wirklich brillante Leistung stark erschwert. Allein diese verschachtelte Aufgabenstellung (comment in blog Post an belanglose Zielgruppe über Laberthema…) verhindert das.
    Andererseits war Englisch in der Kursstufe noch nie ein ganz schweres Fach und Leute, die wirklich keinen verständlichen Satz herausbringen, sehe ich GSD auch selten.

  • Wobei ich ehrlicherweise überrascht bin, dass es bei dir, chilipaprika , Schüler (m/w/d) gibt, die auch noch von sich behaupten, "schlecht und [zu] faul zu[m] Lernen" zu sein. Die sind dann wirklich in der falschen Schulform zugeordnet.

    Gymshark ich weiß nicht, wer ‚die‘ ist, und ich glaube nicht, dass sie in der falschen Schulform zugeordnet seien.
    Aber was weiß ich, vielleicht bin ich an der falschen Schulform, mit meinem schlechten Deutsch…

  • Da unterscheiden sich bisher die Fächer noch:

    Ich ziehe gerade in der Unterstufe für jeden Rechenfehler etwas ab und niemand beschwert sich. Beim Französischlehrer laufen dagegen in Klasse 6 einige Eltern Sturm, wenn im Vokabeltest ein Wort wegen falscher Schreibweise oder fehlenden Accent nicht die volle Punktzahl ergibt.

    Ich habe schon sehr viele meiner Maßstäbe aufgegeben, aber in Vokabeltests, nee.

  • Aber wie kann das sein? Wann hat das angefangen? Die Eltern müssen doch als SuS selbst Vokabeltests geschrieben haben und das wissen.

    Wobei verrückterweise meine Kinder keinen einzigen klassischen Vokabeltest in Englisch geschrieben haben. Ich dachte bislang es liegt daran, dass die Lehrkräfte keine Lust auf die Korrigiererei haben.

    Kann mir vorstellen. Ich war jahrelang mit einer Kollegin parallel, die 2-3 Tests pro Halbjahr schrieb. Ich schreibe in den ersten 2 Lernjahren 1-2 Tests pro Woche (fester Tag, immer Vokabel, oft Grammatik dazu. Also beides klein und sehr viele Noten für stumpfes, regelmäßiges Lernen.
    Die Korrigierei ist mir das wert, das Fach muss von Anfang an als Fleiss-/Lernfach begriffen werden.

  • Kann mir vorstellen. Ich war jahrelang mit einer Kollegin parallel, die 2-3 Tests pro Halbjahr schrieb. Ich schreibe in den ersten 2 Lernjahren 1-2 Tests pro Woche (fester Tag, immer Vokabel, oft Grammatik dazu. Also beides klein und sehr viele Noten für stumpfes, regelmäßiges Lernen.
    Die Korrigierei ist mir das wert, das Fach muss von Anfang an als Fleiss-/Lernfach begriffen werden.

    So kenne ich es als Schülerin auch. Jede Fremdsprache jede Woche ein Vokabeltest und auch pro Schreibfehler ein Punkt Abzug. Man muss doch das Lernen auch erst mal lernen.

  • Man muss doch das Lernen auch erst mal lernen.

    Genau das.
    Und ausgerechnet in NRW (sorry fürs Betonen) ist es besonders wichtig, da die Kids wirklich viel weniger regelmäßig und systematisch lernen (Arbeiten nur in den 3 Hauptfächern in der Orientierungsstufe, Französisch ist das 4. Fach ab Klasse 7, es bricht den meisten das Genick ... oder auch nicht, weil wir alle Mitleid haben).
    Da Englisch in den ersten Jahren vergleichsweise super einfach ist, kaum Grammatik hat, kein Genus UND allgegenwärtig ist, wird die Hürde zur zweiten Fremdsprache umso größer (und unüberwindbar) wahrgenommen.
    (ich habe mich umgekehrt in der 9. Klasse gefragt, was die anderen denn seit der 6. Klasse gemacht haben ... Ich hatte erst ab der 8. Klasse Englisch und wir hatten die Grammatik aufgeholt. Den Wortschatz natürlich nicht.)

    Lernen lernen ist für die allermeisten Kids das Schwierigste.
    Erst recht diejenigen, bei denen bis Klasse 6 / 7 alles flutschte.

  • Von den 20 Punkten (von 120) kann ich maximal 4 für sprachliche Richtigkeit vergeben, und daneben noch ein paar für schlüssige Formulierung. Die zusätzliche Abwertung habe ich dann gemacht wenn Rechtschreib- und Satzbaufehler sich so massiv häuften, dass immer wieder mehrmaliges Lesen nötig war um einzelne Wörter oder Gedankengänge zu erkennen oder auch verschluderte Satzteile zu erschließen. Ursache war wohl teilweise, dass die Schülerschaft sich unter Zeitdruck fühlt und nicht so schnell schreiben kann wie die Gedanken vorauseilen (und hinterher auch keine Zeit mehr für einen Korrekturdurchgang ist).

    Vorsicht, ich bin einst belehrt worden, dass ein doppeltes Strafen nicht möglich ist. Sprich, kann nicht z.B. 0 oder 1 von 4 Punkten geben und dann noch zusätzlich abwerten, sondern wenn ich abwerten möchte, muss ich absurderweise vorher volle Punktzahl bei der Sprachrichtigkeit eintragen.


    Ich verstehe das Zögern bei der Anwendung der Abwertungsoption nicht. Habe davon in Geoklausuren sehr oft Gebrauch gemacht, weil es die einzige Möglichkeit ist, einer sprachlich katastrophalen Darstellung überhaupt halbwegs angemessen zu begegnen.

  • Vorsicht, ich bin einst belehrt worden, dass ein doppeltes Strafen nicht möglich ist. Sprich, kann nicht z.B. 0 oder 1 von 4 Punkten geben und dann noch zusätzlich abwerten, sondern wenn ich abwerten möchte, muss ich absurderweise vorher volle Punktzahl bei der Sprachrichtigkeit eintragen.

    Jein. Doppelter Abzug ist verboten, wenn die maximal mögliche Abwertung (eine Notenstufe in der EF, zwei Punkte in der Q1/Q2) in der Summe überschritten wird. Bei der EF ist es also wohl ein entweder/oder, weil die einzige Möglichkeit der Abwertung gleichzeitig das Maximum darstellt. In der Q1/Q2 sind die 4/120 EWH-Punkte aber weniger als ein Notenpunkt, so dass ein kleiner Spielraum bleibt. Sonderlich sinnvoll erscheint mir diese Konstruktion aber nicht. Ein blödes Problem ist da, dass es zu unsinnigen Diskussionen einlädt: "Warum haben Sie meine Note abgewertet, im EWH haben Sie mir doch die volle Punktzahl gegeben!"

    Eine SL hat mal die Ansicht vertreten, dass hier tatsächlich verschiedene Dinge bewertet werden, nämlich über den EWH die Fehler an sich und über die Abwertung das dadurch erschwerte Verständnis des Geschriebenen. Das erscheint mir plausibel, ich würde es aber jedenfalls in der Q1/Q2 nicht unbedingt darauf ankommen lassen wollen, aus dem unrühmlichen Grund dass ich mir schlichtweg die eventuelle Diskussion ersparen möchte. Ich habe da eh nur die leise Hoffnung, dass die Abwertung an sich ein Signal sendet.

  • Das mit der doppelten Abwertung (einmal Erwartungshorizont einmal §13 Absatz 2 APO-GOst und für die SI VV 6.6.2 APO-SI) ist nicht verboten. Woher kommt diese Information?

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Das mit der doppelten Abwertung (einmal Erwartungshorizont einmal §13 Absatz 2 APO-GOst und für die SI VV 6.6.2 APO-SI) ist nicht verboten. Woher kommt diese Information?

    Zitat

    Für alle Korrekturen gilt der Grundsatz, dass ein und derselbe Fehler nicht zu einer doppelten Abwertung führen darf. [...] Sollten Kombinationsmöglichkeiten, d. h. reduzierte Punktevergabe innerhalb der Darstellungsleistung und Anwendung des § 13 Abs. 2 APO-GOSt, in Erwägung gezogen werden, so ist ebenfalls sicherzustellen, dass in der Summe keine Abwertung um mehr als zwei Notenpunkte erfolgt.

    https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/system/files/m…richtigkeit.pdf

    Es geht in dieser Handreichung zwar konkret um die Vorgehensweise beim Zentralabitur, da sie aber sehr allgemein auf die entsprechende Regelung der APO-GOSt verweist (und die APO-SI analog formuliert ist) erscheint es mir zweifelhaft, dass vorher unter derselben Regel ein breiterer Spielraum angedacht ist. Eine vergleichbare Handreichung zur SI/EF/Q-Phase kenne ich aber nicht.

  • Warum sollte jemand auch 0 Punkte bekommen, wenn er Englisch versteht?

    Eben. Trotzdem für mich unbefriedigend, weil fürs Abiergebnis der Unterricht im LK nur noch eine marginale Rolle spielt. Ich fände inzwischen eine separate Sprachprüfung besser, die dann mit einem inhaltlich und sprachlich anspruchsvollen LK-Abi von mir aus verrechnet wird.

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