Wie viel Fahrtzeit ist zu weit?

  • Frag bei der zuständigen Stelle, ob du nicht aus Klimaschutzgründen an ein näher gelegenes Seminar und eine näher gelegene Schule kommen kannst. Wenn die das ablehnen fasst du nach, ob sie dich finanziell verfassungsgemäß austatten können (Klimaschutz hat doch inziwschen Verfassungsrang) damit du dir ein Elektroauto leisten kannst.

    Sie werden schlicht darauf verweisen, dass man halt an den Schulstandort ziehen kann. Und damit hätten sie auch Recht.

  • Hallo ihr lieben,

    Ich habe für das ref im November für gymge das zfsl Minden bekommen, 80km,1h Fahrt entfernt. Die Schule wäre 35km und knapp 35 Minuten entfernt. Montags ist immer Seminartag.
    Meint ihr das ist zu viel Fahrtzeit?

    Ich bin 16 Jahre lang täglich One-way 35 Kilometer zur Schule gefahren - auch 35 Minuten. Auf dem Weg zur Schule wach geworden und den Plan noch einmal durchdacht. Auf dem Rückweg Musik aufgedreht, den Rauch abgelassen und wieder halbwegs entspannt Zuhause angekommen. Mit ökonomischer Fahrweise und einem sparsamen Fahrzeug gut mach- und finanzierbar. Kritisch war es nur im Winter, weil die Strecke am höchsten Punkt über 800 m ü.NN. über die Alb ging und ab und an quer stehende LKW die Straße versperrten. Doch mit genügend eingeplanter Pufferzeit war auch das leistbar. Mit dem Puffer war ich auch immer rechtzeitig vor dem "Pulk" am Kopierer und an der Kaffeemaschine im LZ. :top:
    Es kommt natürlich darauf an, wie wohl man sich an der Schule fühlt, damit man diese Anreise auf sich nimmt.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Und ob man auch beim Stundenplan selber Einfluss nehmen und Wünsche äußern dart, wie z.B. nicht ewig viele Freistunden dazwischen eben weil man nicht um die Ecke wohnt

    Du unterrichtest Mathe? Die Hohlstunden hatte ich dafür verwendet, mich ins Computersystem einzuarbeiten und bin so zum Admin geworden. Vorteil: Man kann selbst bestimmen, welche Programme für den eigenen Unterricht verfügbar sind, zudem gibt ein solcher Einsatz Sympathien und ein Standing im Kollegium und bei den Kids. Oft habe ich auch die Mittagspause im Computerraum verbracht, weil sich die Fahrt Nachhause nicht rechnet. Als Ausgleich gab's dann Mathetraining mit den Schülern im Computerraum. Gut vorbereitet sind das stressfreie Selbstläuferstunden. Du kannst auch schauen, ob du eine Ermäßigungsstunde für die Betreuung der Schulbibliothek und/oder EDV bzw. andere Aufgaben bekommst. Dann gleicht sich das aus.

    Das Engagement hat mir dann auch eine Berufung in die erweiterte Schulleitung, ans Schulamt und eine höhere Gehaltsstufe eingebracht - die sich nun auch in der Pension auszahlt. Man weiß nie, wozu etwas am Ende gut ist :cash:

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Was "zuviel" ist, ist ja höchst individuell. Meine Ausbildungsschule war 45 Min (im Winter 60 Min) entfernt, das Seminar auch. Schule - Seminar (nachmittags) auch nochmal 35 Minuten. Aber für zwei Jahre war es in Ordnung. Musste mir ein Auto kaufen damals, aber allemal besser als in die Einöde zu ziehen 😆.

  • Wolfgang Autenrieth Du schreibst gerade an eine (zukünftige!) Referendarin.
    Sie soll erstmal klarkommen und ihren Unterricht vorbereiten, bevor sie über die Computerprogramme entscheidet, die im Matheunterricht eingesetzt werden, Mathe in der Mittagspause anbietet oder an ihre Behördenkarriere denkt ... ;)

  • Was mir bei solchen Diskussion immer wieder auffällt: Wie sehr einige Menschen im "Luxus" aufgewachsen sind, bzw. ich für absolut normal Sachen wahrnehme, die für Andere unzumutbar sind.
    (Vorab: Natürlich genieße ich jetzt meinen Fußweg und es ist mit ein Grund, dass ich nicht die Schule wechseln möchte, aber ich hatte für die Abordnung 90 Minuten Fahrtweg und ... es war halt so... selbst entschieden)

    Wie viele Menschen pendeln denn weniger als 30 Minuten zu ihrem Job? Insbesondere wenn man eine Haushaltskonstellation mit zwei Erwachsenen nimmt und also ggf. ein Kompromiss gefunden werden müsste bzw. insbesondere bei Akademiker*innen?
    (Mir ist auch klar, dass es bei LuL andere Faktoren gibt, weswegen ich eben nicht wegwill, für einen anderen Job aber den Weg in Kauf nehmen würde).

  • Wolfgang Autenrieth Du schreibst gerade an eine (zukünftige!) Referendarin.
    Sie soll erstmal klarkommen und ihren Unterricht vorbereiten, bevor sie über die Computerprogramme entscheidet, die im Matheunterricht eingesetzt werden, Mathe in der Mittagspause anbietet oder an ihre Behördenkarriere denkt ... ;)

    Und? Ich habe mich auch bereits im Ref da mit eingemischt, um mir die Zeit zu vertreiben. Geht schon.
    Wo du aus meinem Beitrag den Vorschlag herausliest, in der Mittagspause Mathe anzubieten, ist mir schleierhaft... und die "Behördenkarriere" hat sich ergeben. Da wird man "berufen", wenn sich nützliche Fähigkeiten zeigen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Wie viele Menschen pendeln denn weniger als 30 Minuten zu ihrem Job? Insbesondere wenn man eine Haushaltskonstellation mit zwei Erwachsenen nimmt und also ggf. ein Kompromiss gefunden werden müsste bzw. insbesondere bei Akademiker*innen?
    (Mir ist auch klar, dass es bei LuL andere Faktoren gibt, weswegen ich eben nicht wegwill, für einen anderen Job aber den Weg in Kauf nehmen würde).

    Ja, das stimmt, insbesondere bei LuL in dem recht unflexiblen Versetzungssystem und bei unserer "Präsenzpflicht" (viele mir bekannte Akademiker*innen sehen ihre Arbeitsstelle max. 1x/Woche und sind im Homeoffice, ausgenommen natürlich Gesundheitswesen usw.).

  • Was mir bei solchen Diskussion immer wieder auffällt: Wie sehr einige Menschen im "Luxus" aufgewachsen sind, bzw. ich für absolut normal Sachen wahrnehme, die für Andere unzumutbar sind.
    (Vorab: Natürlich genieße ich jetzt meinen Fußweg und es ist mit ein Grund, dass ich nicht die Schule wechseln möchte, aber ich hatte für die Abordnung 90 Minuten Fahrtweg und ... es war halt so... selbst entschieden)

    Wie viele Menschen pendeln denn weniger als 30 Minuten zu ihrem Job? Insbesondere wenn man eine Haushaltskonstellation mit zwei Erwachsenen nimmt und also ggf. ein Kompromiss gefunden werden müsste bzw. insbesondere bei Akademiker*innen?
    (Mir ist auch klar, dass es bei LuL andere Faktoren gibt, weswegen ich eben nicht wegwill, für einen anderen Job aber den Weg in Kauf nehmen würde).

    Ich glaube, dass das weniger Luxus ist als vielmehr Lebensgewohnheiten. Die prallen dann auf die Realität. Und das tut dann mitunter weh.

    Als ich damals meinen Wunschseminarort zugewiesen bekam, habe ich mich gefreut, dass ich an meinem Wohnort wohnen bleiben konnte. Das ermöglichte mir, mein Drittfach parallel zum Referendariat abzuschließen.

    Dann bekam ich aber eine Schule zugewiesen, die ca. 40-50km weit weg war auf dem platten Land und wo man mit dem ÖPNV tatsächlich fast zwei Stunden pro Tour brauchte. Der Ausbildungskoordinator rief mich damals an, um mich zu begrüßen. Als ich ihm sagte, dass ich ja jetzt jeden Tag um 5 Uhr aufstehen müsse, war er nicht begeistert. (So viel zu "ich spreche den Stundenplaner an...")
    Ich hatte damals mehr als 20 Jahre in dieser Stadt gelebt, wo man alles schnell mit Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad erledigen konnte. Für die nächsten zwei Jahre sah mein Leben also so aus, dass ich fast jeden Tag in der Woche um 5 Uhr aufstand, dann Schule hatte, dann wahlweise Seminar bis 18 Uhr oder eben noch an der Uni in der Nachbarstadt fertigstudiert habe. Umziehen kam für mich nicht infrage, weil ich abends ohne Auto auf dem platten Land gestrandet gewesen wäre und ich gerade nach der Zuweisung des Seminarorts mir eine zentral gelegene Wohnung gesucht hatte.

    Studium und Wohnungswahl mag man als "selbstgewähltes Leid" ansehen, aber für mich war diese Zeit aufgrund der äußeren Parameter sehr "intensiv", um es diplomatisch auszudrücken. Da half/hilft es sicherlich nicht, wenn man gesagt bekommt "stell Dich nicht so an, andere Leute haben es auch nicht besser."

    Von daher kann ich das Ansinnen der TE sogar im Kern verstehen, aber ich habe damals bereits lernen dürfen, dass auf persönliche Gewohnheiten keine Rücksicht genommen wird.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Habe auch nie verstanden, dass der Wechselwunsch so schwer gemacht wird. Lebenssituationen ändern sich, neue Partner, Familie....

    Wenn dann noch sehr viel Energie gespart wird, ärgert mich das unflexible Verhalten des Schulsystems.

  • Da half/hilft es sicherlich nicht, wenn man gesagt bekommt "stell Dich nicht so an, andere Leute haben es auch nicht besser."

    Das habe ich auch nicht geschrieben, es war rein faktuell gemeint: Natürlich ist es schöner, aber ich wundere mich alleine über die Fragen, wenn sie hier gestellt werden. Ich rede nicht über 80km, sondern über 35Minuten. Was ist die Alternative? Keinen Job annehmen? Kein Ref machen? Deswegen stellt sich mein Hirn nicht mal die Frage.
    Und ja, ich habe schon eine Reffi gehabt, die "für A12 nicht pendelt" (Sek1-Stelle an einer Gesamtschule, mit vll Aussicht auf A13) und wir redeten über 35-40 Minuten maximum.
    Wir haben schon viele Vertretungslehrkräfte gehabt (80-100%), die kurzfristig mit der Begründung abgesagt haben, nee, es sei zu weit zum Pendeln.
    Ich wurde von einem Uniprof bei einer Bewerbung gefragt, warum ich soweit pendeln würde (35km) und nicht eine Vertretungsstelle in der Unistadt gesucht hätte (aus dem Gespräch war klar, dass es keine 2 Stunden waren, ich hatte damals fast 70%).
    Aber ich bin im Großraum Paris groß geworden, da pendelt JEDE*R. Vielleicht ist es die Sozialisation, keine Ahnung.
    Ich meine nicht "stell dich nicht an", sondern: "Interessant, mein Suchradius bei Stellenausschreibungen war eindeutig größer als der von 80% meiner Mitmenschen."

    Und dass wir keine Möglichkeit der Wegbewerbung und Neueinstellung haben, da braucht man mir das nicht zu sagen, ich leide seit Jahren drunter. NICHT wegen des Pendelns, sondern wegen der Abwechslung.

  • Das habe ich auch nicht geschrieben, es war rein faktuell gemeint: Natürlich ist es schöner, aber ich wundere mich alleine über die Fragen, wenn sie hier gestellt werden. Ich rede nicht über 80km, sondern über 35Minuten. Was ist die Alternative? Keinen Job annehmen? Kein Ref machen? Deswegen stellt sich mein Hirn nicht mal die Frage.

    Ich habe mich damit gar nicht auf Dich direkt bezogen. Es war eher eine grundsätzliche Aussage. :)

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Und? Ich habe mich auch bereits im Ref da mit eingemischt, um mir die Zeit zu vertreiben. Geht schon.
    Wo du aus meinem Beitrag den Vorschlag herausliest, in der Mittagspause Mathe anzubieten, ist mir schleierhaft... und die "Behördenkarriere" hat sich ergeben. Da wird man "berufen", wenn sich nützliche Fähigkeiten zeigen.

    Ich hatte entweder zu schnell gelesen oder in meinem Kopf falsch kombiniert: Du bist in der Mittagspause im Computerraum, die Kids bekommen Mathe am Computer, usw..

    Und dass die "Behördenkarriere" sich ergibt und nicht planen lässt (lassen soll), weiß ich, vermutlich habe ich zu schnell reagiert, weil ich immer wieder von jungen Kolleg*innen / Referendar*innen oder gar Praktikant*innen verblüfft bin, was sie manchmal selbst erzählen. Kein Jahr im Beruf aber schon die Schulamtspläne, weil sie eigentlich nicht sooo gerne unterrichten und/oder wissen, dass ihre Fächerkombi ungünstig ist und eine Teilabordnung doch so gut wäre, weil die Schule sie eh nicht braucht, blabla...
    Dass du es nicht mit Absicht gemacht hast, weiß ich.
    und ich glaube, es sind die besten "Karrieren": Wenn jemand richtig Spass an etwas hat und es ergibt sich eine Expertise.

Werbung