Woher kommt die Beliebhteit der Kombination "Deutsch/Geschichte"?

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    • Morse schrieb:

      Ob es tatsächlich so ist (je teuer der Studienplatz desto mehr wird ausgesiebt) weiß ich nicht, aber scheint mir plausibel. Der Zweck wäre dann aber die Einsparung bzw. Kosten-Nutzung-Rechnung und nicht eine Orientierung am Bedarf (auch wenn's dasselbe Mittel wäre).
      So stringent denkt man wahrscheinlich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass man bei den teuren Studiengängen mehr darauf achtet, dass man ein mögliches Überangebot eher gering hält.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Wo ist denn der Bedarf an fachfremdem Geschichtsunterricht bei den Horden an studierten Geschichtslehrern? Den historischen Teil des Sachunterrichts in der Grundschule mal ausgeklammert...
      Du musst begreifen, dass der Bedarf an Fächern nur zum Teil was mit den zur Verfügung stehenden Lehrern und den Stellen, die sie besetzen zusammenhängt.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Miss Jones schrieb:

      Ich glaube ich mache mich jetzt gerade bei Germanisten und Historikern extrem unbeliebt, aber...
      ...das sinde eben "die Laberfächer" [...], für die du (gefühlt) nix können musst.
      Ach, unbeliebt machst du dich nicht wirklich bei mir, ich habe das schon oft gehört und der Erfahrung nach kommt das davon, dass man im Geschichtsunterricht nicht so wirklich verstanden hat, worum es ging. ;) Das liegt aber - ganz ohne Witz! - leider auch oft daran, dass das Fach nicht selten von Kolleginnen und Kollegen unterrichtet wird, die ihrerseits das sehr strenge historische Handwerk nicht vernünftig beherrschen bzw. fahrlässigerweise Geschichte auch noch fachfremd unterrichten! :tot:
      Ob das auch noch mit fachfremdem Unterricht zusammenhängt ist eine gute Frage...
      Ich habe mich gerade die ganze Zeit gefragt, was diese Fächer konkret noch gemeinsam haben, und was sie im Gegenzug von anderen (weniger als Studienfach "beliebten"?) unterscheidet... und komme da zu dem Punkt, an welchen die SuS festmachen, ob der Unterricht was taugt. Wobei ich da sowohl an meine eigenen Erfahrungen als Schülerin als auch an das denke, was mir verschiedene SuS in Vertrauensstunden berichten, wenn es um swas geht. Da komme ich zu folgendem Ergebnis:
      - ein als "schlecht" empfundener Mathe-Unterricht ist einer, in dem der Stoff einfach nicht bei den Schülern ankommt, der Lehrer vielleicht zu viel abstraktes Denken voraussetzt, den Stoff nicht verständlich vermitteln kann.
      - bei Geschichte und auch Deutsch ist "schlecht" meist schlicht gleichbedeutend mit "langweilig", also eher ein Präsentations- als ein Vermittlungsproblem.
      Habt ihr da ähnliche Erfahrungen (bei euch und euren SuS)? Und - ist das ein Faktor, der zur Frage des Threads passt? Also sozusagen "In Deutsch oder Geschichte musst du nicht erklären können"?
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • Berufsschule93 schrieb:

      Was ich noch erwähnen wollte ist, das ich nicht verstehe wieso nicht ein (hoher) NC auf die Studiengänge Lehramt an Gymnasien und Lehramt an Realschulen erhoben wird besonders in nicht gefragten Fächerverbindungen wie z.B. Deutsch/Geschichte, wo man sich gut "durchwurschteln" kann wie Wollsocken80 es beschreibt?

      Weil der NC nicht in irgendeiner Art und Weise die Lehrerausbildung steuern soll, sondern weil der NC einfach da gesetzt wird, wo Kapazitäten der Hochschulen begrenzt sind.

      Wenn ich als Beispiel in Physik pro Semester 50 Leute ausbilden kann, dann werden nur 50 Leute aufgenommen. Wenn ich hingegen in Deutsch beispielsweise durch eine Vielzahl an Angeboten und keine Beschränkung auf z.B. Labore 5000 Leute ausbilden kann, es aber sich nur 4000 bewerben, dann gibt es halt keinen NC.
    • Miss Jones schrieb:

      Habt ihr da ähnliche Erfahrungen (bei euch und euren SuS)? Und - ist das ein Faktor, der zur Frage des Threads passt? Also sozusagen "In Deutsch oder Geschichte musst du nicht erklären können"?
      Ich habe jetzt im Abschlussjahr bei der Wahl der Ergänzungsfächern eine recht spannende Beobachtung dazu gemacht. Ganz kurz das Unterrichtsgefäss erklärt: Nach drei Jahre am Gym "sterben" einige Fächer, die man nur im Grundlagenfach (vergleichbar mit einem Grundkurs) belegt, dafür wird im letzten Jahr das Ergänzungsfach gewählt, das man mit mehr Stunden noch mal ein bisschen vertieft. Ich führe dieses Jahr ein EF Chemie, in dem 11 SuS aus ganz unterschiedlichen Schwerpunktfachprofilen (Spanisch, Wirtschaft, Mathe/Physik, Musik, Zeichnen) sitzen. Die hatten also davor die drei Jahre Chemie nur als Grundlagenfach.

      Einige meiner ehemaligen Grundlagenfach-Schüler meinten bzgl. der EF-Wahl zu mir sowas wie ... Wissen Sie, ich interessiere mich schon für Chemie, aber da muss ich für eine gescheite Note viel mehr lernen, als wenn ich jetzt Psychologie, Geschichte oder Geographie als EF wähle. Meine EF-Leute können nun wählen, ob sie als 5. Maturprüfungsfach eben das EF nehmen, oder lieber Englisch. Nur 2 machen die Matura im EF mit der Begründung ... na Englisch, das kann ich jetzt ja irgendwie, da muss ich dann nicht mehr wirklich was lernen.

      Ich bin diesen Aussagen mal ein bisschen auf den Grund gegangen und habe dazu folgende Erklärung: Interessiert sich ein Schüler für ein Fach wie Geschichte, Geographie oder Psychologie, ist es relativ leicht, sich einigermassen verständliche Literatur zu holen und diese zu lesen. Es gibt Museen in die man gehen kann und Dokumentarfilme, die man schauen kann. In einer Fremdsprache erledigt man das ebenfalls über Bücher und Filme, dazu kann man sie noch im Urlaub gebrauchen. Tatsächlich machen die interessierten SuS das, bemerken aber gar nicht, dass sie sich zu heimlich und nebenbei irgendwie weiterbilden und vielleicht deswegen das Gefühl haben, sie müssten in der Schule dafür nicht so viel tun. Bei Fächern wie Chemie, Physik oder Informatik sind es immer nur wenige SuS, die dann gerne auch mal als "Freaks" bezeichnet werden, die sich auch in ihrer Freizeit damit beschäftigen. Weil es tatsächlich sehr viel schwieriger ist, sich autodidaktisch zu versorgen! Hin und wieder kommen mir SuS unter, die sich zu Hause im Keller sowas Laborähnliches einrichten, da sind wir dann aber leider sehr schnell an der Grenze zum Illegalen und Gefährlichen. Also sind die meisten SuS, die sich für mein Fach interessieren, zumeist nur in der Schule damit konfrontiert bzw. nur dort in der notwendigen Tiefe, die dafür sorgt, dass man das Gefühl hat "man kann das jetzt einfach so".
    • Meerschwein Nele schrieb:

      aber über die Konsequenzen werden die jungen Leute normalerweise nicht aufgeklärt
      Wird darüber überhaupt irgendwo in der Schule aufgeklärt? Als ich noch Referendar war, konnten es die Kollegen nicht verstehen, daß ich eine Sozialwohnung haben wollte und nicht bekommen habe. Ich wäre da als Reffi der Sozialschmarozer, so gut wie ich im Ref. verdienen würde, nach sowas überhaupt zu fragen. Am Ende des Refs., als feststand, daß ich nicht übernommen werde, auch an keiner anderen Schule unterkomme und zumindest 6 Monate arbeitslos sein werde, kam nur noch: "Sie Glücklicher, jetzt können sie die Welt bereisen..." Von welchem Geld denn?

      Mein Fazit daraus: Aus unseren gesicherten sozialen Verhältnissen heraus können wir niemandem irgendetwas raten. Unsere Lebenswelt unterscheidet sich nämlich signifikant von der unserer Schüler.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von plattyplus ()

    • @plattyplus
      Ich finde schon, dass man der Generation google mal zumuten kann, die Suchmaschien zu bemühen, um herauszufinden, wie es derzeit und vermutlich später mit dem Wunschberuf aussieht. Vor allem diejenigen, die Lehramt studieren, und somit Abitur haben, wird man das schon noch zutrauen können. Die Entscheidung trifft man doch wohl sehenden Auges.
    • Schön wärs.
      Leider werden die immer unselbstständiger.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • Frapper schrieb:

      Vor allem diejenigen, die Lehramt studieren, und somit Abitur haben, wird man das schon noch zutrauen können. Die Entscheidung trifft man doch wohl sehenden Auges.
      Deine Worte in Gottes Gehörgang.

      Als ich damals studiert habe, hieß es: Ihr müßt vor 2010 fertig werden mit dem Referendariat, besser noch vor 2005, wenn ihr einen Job haben wollt. Insb. zwischen 2015 und 2020 würden praktisch keine Lehrer benötigt, weil die, die damals in den 1980ern nicht eingestellt wurden, genau dann nicht in Pension gehen. So, wie sieht es jetzt mit dem Bedarf in 2017 aus? Im Berufskolleg machen die Quereinsteiger über 75% aller Neueinstellungen aus, weil es anscheinend keine Lehramts-Absolvent gibt und der Bedarf wohl doch da ist.

      Dabei haben die Lehramts-Absolventen doch nur sehenden Auges auf die Verlautbarungen der Ministerien vertraut und eben nicht studiert.
    • Dennoch gibt es bestimmte Tendenzen. Und D/GK ist schon von jeher eine Kombination bei welcher das Angebot sehr viel höher als die Nachfrage von Seiten der Schulen ist.

      Klar kann man das studieren. Aber man darf sich nicht über die wesentlich größere Konkurrenz beschweren als bei anderen Fachkonstellationen. Dass man dann selbst mir einer sehr guten Abschlussnote keinen Job findet sollte einen nicht überraschen.
    • plattyplus schrieb:

      Aus unseren gesicherten sozialen Verhältnissen heraus können wir niemandem irgendetwas raten. Unsere Lebenswelt unterscheidet sich nämlich signifikant von der unserer Schüler.
      Naja ... zumindest meine Lebenswelt war auch mal ne ziemlich andere. Ich sage Schülern eigentlich immer sehr direkt, wenn es am Gym nicht läuft, sie sollen sich rechtzeitig eine Lehrstelle suchen. Hab auch schon Händchen gehalten, wo man dann nachgucken muss. Wieso sollte ich Jugendliche da nicht beraten können?
    • Mal zurück zur Eingangsfrage...
      Ich finde die Kombination schon naheliegend.
      Wenn du gerne mit Texten arbeitest, dann bietet sich Geschichte doch als Begleitfach zur Germanistik an. Schließlich stützt sich das Fach vor allem auf Textquellen, wenn man nicht gerade Archäologie macht.
      Zudem hat jeder eine Vorstellung aus der Schule, wie das (vermeintlich) läuft.
    • Es bezweifelt auch keiner, dass sich beide Fächer thematisch ergänzen, gerade wenn es um den Umgang mit anspruchsvollerer Literatur in der Sek II, bei der man den historischen Kontext braucht, um Entstehung und inhaltliche Vorgänge noch umfassender verstehen zu können. Problematischer ist eher, dass Lehramtsabsolventen beider Fächer (vor allem in der Kombination beider Fächer), insbesondere mit Zielform Gymnasium, in deutlich zu hohem Maße vorhanden sind. Und obwohl Lehrerbedarfsprognosen vorhanden sind, die eher von besagten Fächern abraten, ist in nächster Zeit eher nicht von einem abweichenden Studienauswahlverhalten auszugehen.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Es bezweifelt auch keiner, dass sich beide Fächer thematisch ergänzen, gerade wenn es um den Umgang mit anspruchsvollerer Literatur in der Sek II, bei der man den historischen Kontext braucht, um Entstehung und inhaltliche Vorgänge noch umfassender verstehen zu können. Problematischer ist eher, dass Lehramtsabsolventen beider Fächer (vor allem in der Kombination beider Fächer), insbesondere mit Zielform Gymnasium, in deutlich zu hohem Maße vorhanden sind. Und obwohl Lehrerbedarfsprognosen vorhanden sind, die eher von besagten Fächern abraten, ist in nächster Zeit eher nicht von einem abweichenden Studienauswahlverhalten auszugehen.
      Viele Lehramts-Studenten gehen davon aus, dass sie sich in der Konkurrenz um Stellen gegen andere durchsetzen werden.
      Viele Lehrer-Foristen geht davon aus, dass sie sich in einer Konkurrenz bei leistungsgerechter Bezahlung gegen andere durchsetzen würden.
      Jeder kann gewinnen, aber halt nicht alle, gell!
    • Einige meiner Bekannten halten wie bereits erwähnt nichts von den Bedarfsprognosen der Kultusministerien, bzw der KMK. Viele gehen mit der Einstellung ins Studium, dass sie bestimmt Bestnoten schreiben werden bzw in einem anderen Bundesland gebraucht werden würden. Dies legt sich aber auch wieder schnell, wenn die ersten Klausuren geschrieben werden...

      Eine Bekannte, die Deutsch und Geographie (eine ähnlich schlechte Kombi) studiert, meinte, dass selbst die Professoren in den ersten Vorlesungen gesagt haben, dass sich die Aussichten bestimmt bessern werden würden. Da wundert mich also garnichts mehr.
      Teacher - a person who helps you solve problems you'd never have without them.
    • Wollsocken80 schrieb:

      Wissen Sie, ich interessiere mich schon für Chemie, aber da muss ich für eine gescheite Note viel mehr lernen, als wenn ich jetzt Psychologie, Geschichte oder Geographie als EF wähle.
      Auch das ist bei uns das große Kriterium. Es gibt Fächer, die einfach nicht so kompliziert sind und in denen man nicht Gefahr läuft etwas nicht zu verstehen. Mit moderatem Lernaufwand überblickt man da zumindest die meisten Dinge und kann eine gute Note anpeilen. Was die sehr gute Note angeht ist es dann wieder so, dass auch diese Fächer (z.B. gerade Deutsch bei Literatur) einen großen Einsatz verlangen. Aber für den durchschnittlichen Schüler ist es in den von Dir genannten Fächern mit mittlerem Aufwand eher möglich gute Noten zu bekommen als in Chemie, Mathe oder Physik.
    • Was das Beraten angeht: ich gebe meinen künftigen Abiturienten einen ungeschönten Einblick, was die Berufschancen eines Geisteswissenschaftlers auf dem Arbeitsmarkt angeht. Da kann ich nämlich aus eigener Erfahrung vieles berichten - Lehrer bin ich nämlich auch nur geworden, weil das für mich die beste Möglichkeit ist, meine Brötchen zu verdienen.

      Wenn sie denn - Gott bewahre! - wirklich aus tiefem Herzenzwunsch Lehrer werden wollen, dann kann ich ihnen zumindest schon mal das eine oder andere über die Berufswirklichkeit erzählen und zumindest von Killerkombinationen wie Deutsch/Englisch abraten. Zu meiner eigenen Schulzeit waren nämlich noch Beratungen à la "ach du bist doch so gut in Schulfach XY, studier das doch" gang und gäbe. Als ob es keine interessanten Studiengänge außerhalb des Fächerkanons gäbe...
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