• Ich schaue auch manchmal nach, was früher so war.

    Das tue ich übrigens auch manchmal, wenn ich mich über die Suchfunktion zu einem bestimmten Thema informieren will. Ich käme allerdings nicht auf die Idee, einen Thread, in dem vor 19,5 Jahren zum letzten Mal etwas geschrieben wurde, wieder aufleben zu lassen und dort Userinnen zu antworten, die schon seit über 10 Jahren hier nicht mehr im Forum angemeldet waren. Aber da "ticke" ich vielleicht anders als Andere.

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  • woher kommt es eigentlich, dass alles, was so richtig lecker ist (wie leckeres aroma oder milch oder wölkchen im tee), keine kultur sein soll? ich nenne es nihilistische tee-guerilla-kultur!

  • woher kommt es eigentlich, dass alles, was so richtig lecker ist (wie leckeres aroma oder milch oder wölkchen im tee), keine kultur sein soll? ich nenne es nihilistische tee-guerilla-kultur!

    Zumindest das "Wulkje" ist doch definitiv Teil der ostfriesischen Teekultur und Milch im Tee Teil der englischen Teekultur :) .

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  • Kann man die ostfriesische Teekultur mit der englischen, türkischen, indischen, russischen, US-amerikanischen usw. vergleichen?

    Nein, das schrieb ich ja bereits:

    Dass die "ostfriesische Teekultur" und die "japanische Teekultur" oder "chinesische Teekultur" - genauso wie "russische" oder "türkische Teekultur" - unterschiedlich sind, dürfte klar sein.

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  • "Touristische bzw. Marketing-Gründe"... Ja, sicher :D! Wow, du kennst dich echt gut mit ostfriesischer (Tee-)Geschichte aus :rolleyes:...

    Wie gesagt: Lies aus dem Buch "Geschichte des Tees" von Martin Krieger den Abschnitt "Mythos Ostfriesland".

    Hier eine KI-Zusammenfassung zu seinen Erkenntnissen oder Thesen:

    Spoiler anzeigen

    Nach Forschungen des Historikers Prof. Martin Krieger ist die spezifisch "ostfriesische Teezeremonie" jünger, als es der Mythos vermuten lässt. Krieger zufolge ist sie keine jahrhundertealte Tradition, sondern eine Konstruktion des frühen 20. Jahrhunderts.

    [...]

    Hier sind die Kernpunkte nach Martin Krieger:

    Mythos vs. Realität: Die Vorstellung, dass Ostfriesen schon immer Tee in der heutigen Form (mit Kluntje und Sahne) getrunken haben, ist ein Mythos, der um 1900 konstruiert wurde, um eine ostfriesische Identität zu schaffen.

    19. Jahrhundert: Die Art und Weise, wie der Tee im 19. Jahrhundert in Ostfriesland serviert wurde, entsprach dem, wie Tee damals fast überall in Deutschland getrunken wurde.

    Wahrheit hinter dem Mythos: Unbestritten ist jedoch, dass die Ostfriesen schon viel früher dem Verbot der Obrigkeit trotzten und sich den Teekonsum nicht nehmen ließen.

    Kulturgeschichte: Krieger ordnet die Teekultur in seinem Werk „Geschichte des Tees“ (2021) als Teil einer globalen Konsumgeschichte ein, die in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert populär wurde.

    [...]

    Zusammenfassend ist die ostfriesische Teekultur als eigenständige Zeremonie etwa 100 bis 120 Jahre alt, während der Teekonsum an sich natürlich schon früher begann.

    Google / Gemini

    Ähnlich vielleicht wie bei der italienischen Küche, die in ihrer heutigen Form wohl auch nicht so alt ist, wie sie sich selbst darstellt (siehe z. B. https://www.br.de/nachrichten/ku…-kueche,UE8xF7i).

  • In dieser Zusammenfassung finde ich aber nun nichts darüber, dass - wie du behauptest - die Ostfriesen aus "touristischen bzw. Marketing-Gründen" ihre Teekultur, wie sie heute "zelebriert" wird, erfunden hätten.

    Also kann man nichts vergleichen, weil alles unterschiedlich ist?

    Verstehe ich nicht, aber ist auch egal. So wichtig ist mir das Thema nun nicht, als dass ich darüber seitenlang philosophieren wollen würde.

    Ich melde mich jetzt hier ab und mache mit meinem Mann einen schönen Sonntagsspaziergang (beides ist mir dann doch deutlich wichtiger) 8). Have a nice Sunday!

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  • Und natürlich machen auch Chinesen und Japaner Marketing um Tee, siehe z. B. den aktuellen Matcha-Hype

    Soweit ich das mitbekomme sind die eher genervt davon dass diese komischen Westler ihnen plötzlich die Bestände wegkaufen (und dann bereiten die noch nicht mal ordentlichen Tee damit sondern rühren es in Kuchen oder sonstige Späße).

  • wie alt ne kultur ist, ist mir für meinen hedonismus wurscht - ich sitze hier gerade mit schwarztee "orange-butterreis" mit viel "not milk". beides noch sehr jung. innovationen haben schon was für sich.🫖

  • Ich möchte keine Ostfriesen beleidigen.

    Nicht?

    Hast du aber

    Sehe ich auch so.

    EDIT: Ich bin keine Ostfriesin, finde aber einige deiner Ausführungen im Beitrag Nr. 32 reichlich abwertend.

    Ich bin eine Ostfriesin und finde es auch abwertend.

    Es ist schon sehr speziell hier, aber das macht es gerade schön.

    Dabei muss ich mich nicht an ein Zeremoniell halten, ich kann Tee (also schwarzen) auch anders trinken, in gewissen Grenzen. Ich halte mich nicht an Zeiten und brauche meist kein Wulkje, ich kann mit Tee aus Tee Beuteln leben, die ich in den Süden schleppe, und nein, Wasser nehme ich nicht mit, auch das kann ich aushalten.

    Auch muss ich mich nicht mit Zeremonien anderswo messen und sie nicht gegen etwas anderes auf- oder abwerten. Man kann sie miteinander vergleichen, klar, sich über Abläufe oder Anlässe austauschen, aber warum muss das eine toller als das andere sein?

    Es ist gesellig, beim Wein in Rheinhessen zu sitzen und dem Fachsimpeln über Weinan- und -ausbau zuzuhören. Mag ich. Darum werde ich nicht zur Winzerin und die Rheinhessen mögen in Ostfriesland den Tee trinken, der da unten nicht schmeckt … so wie andere regionale Spezialitäten manchmal nach Hause mitgenommen werden, aber manchmal die Atmosphäre der Region benötigen.

    Es ist schön, wenn du, Plattenspieler , dich mit Kulturen und Zeremonien beschäftigen magst, du magst Regeln und Regelhaftes in mehreren Bereichen und bist dann auch sehr genau in deinen Betrachtungen und Feststellungen.

    Aber dass man dann mit anderer Meinung oder Erfahrung generell verurteilt wird, ist abwertend … sagt die Ostfriesin.

    Ich zünde mal ein neues Teelicht an. ☕️ 🫖

  • Soweit ich das mitbekomme sind die eher genervt davon dass diese komischen Westler ihnen plötzlich die Bestände wegkaufen (und dann bereiten die noch nicht mal ordentlichen Tee damit sondern rühren es in Kuchen oder sonstige Späße).

    Jein.

    Also zum einen gibt es ja neben der klassischen Teezeremonie* auch in Japan Kuchen, Eis, Bonbons usw. mit Matcha. Auch Nudeln. Sicherlich auch "Matcha Latte"**, den ich ja oben sinngemäß als westliche Unart bezeichnet hatte.

    Zum anderen sind die Meinungen zum weltweiten Matcha-Hype in Japan wohl gemischt. Auf der einen Seite lohnt sich das für die Industrie finanziell schon und man kann das Image des Landes nach außen transportieren; auf der anderen Seite besteht ja zeitweise wirklich Knappheit und der Preis steigt auch für die japanischen Konsumenten.

    * Im Alltag werden eher Sencha und Bancha, regional auch Kamairicha (nicht gedämpft, sondern pfannengeröstet), ggf. (teil)beschattete Tees wie Kabusecha oder seltener Gyokuro getrunken. Oder Genmaicha - das wäre dann auch kein reiner Tee mehr (mit geröstetem Reis aromatisiert). Oder Buchweizentee - das wäre dann gar kein Tee mehr, sondern Kräutertee.

    ** Ist "Matcha Latte" eigentlich eher eine Verhohnepiepelung der japanischen Teekultur oder der italienischen Kaffeekultur? Oder einfach Fusionsküche?

  • In dieser Zusammenfassung finde ich aber nun nichts darüber, dass - wie du behauptest - die Ostfriesen aus "touristischen bzw. Marketing-Gründen" ihre Teekultur, wie sie heute "zelebriert" wird, erfunden hätten.

    Das stimmt, das war ungenau oder verkürzt von mir ausgedrückt.

    Die heute oft vorkommende Aussage oder Darstellung, dass die ostfriesische Teezeremonie schon Jahrhunderte alt sei, hat auch Marketinggründe.

  • Mein Favorit ist Schwarzer Tee von den Azoren.

    Also konkret: Cha Gorreana :zungeraus:

    Und ja, auch das alte Europa (Portugal) kann Tee produzieren.

    Auch auf dem portugiesischen Festland wird Tee angebaut.

    https://chacamelia.com/en/

    Kann man neben dem eigenen Online-Shop auch bei verschiedenen Teehändlern in Deutschland erwerben.

    Lohnt sich, mal zu probieren.

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