MUSS ich Klassenlehrer werden?

  • Klassenlehrer zu sein und das kurz vor Beginn der Ferien mitgeteilt zu bekommen finde ich auch normal.


    Allerdings: Wenn es sich um eine 5. Klasse handelt, sollte man das vielleicht absprechen, denn die Kleinen brauchen ja doch ein geschicktes Händchen.


    Bei uns hängt beizeiten eine Liste aus mit "Klassenlehrereinsatzwünschen", da kann man sich eintragen. Lücken werde dann von der Schulleitung aufgefüllt. dieses Vorgehen finde ich ganz gut.


    Hamilkar

    • Offizieller Beitrag

    Ich persönlich halte den patriarchalisch-autoritären Führungsstil für altmodisch. Damit läuft der Laden zwar und hierarchiebedürftige Menschen werden darin voll aufblühen, aber motivierend wird es v.a. auf jüngere KollegInnen, die in ihrer Schulzeit und mit ihren Eltern mehr diskutieren durften, nicht wirken.


    ich würde das gar nicht so hoch hängen mit "patriarchalisch- autoritär". Aber man kann eben auch aus allem ein Problem machen. Muss wohl eine Frage der Gelassenheit sein. Und der Einsicht in bestimmte Notwendigkeiten.
    Wie gesagt, Klassenlehrer zu sein, gehört zum Kerngeschäft eines Lehrers.

  • Hallo,
    bei uns lief es so ähnlich wie bei Hamilkar ab. Auf der letzten Konferenz wurden die Klassen genannt, die im nächsten Schuljahr eine neue Klassenleitung benötigen und man konnte einen Zettel mit Wünschen abgeben. Das hat relativ gut gepasst.
    Wo es nicht passte wurden die Kollegen von der Schulleitung gefragt, ob sie auch eine andere Klasse übernehmen würden. Zum Schluss war jeder zufrieden.
    Wir behalten die Klasse meistens 3 Jahre. Ich freue mich auf die Klassenleitung, weil ich oft "nur" Fachlehrerin war. Außerdem habe ich noch einen Co-Klassenlehrer.
    Vielleicht wird es ja ganz schön mit deiner 5. Ärgere dich nicht über Dinge, die du sowieso nicht ändern kannst.
    Liel Glück M.

  • ich finde zwar auch, dass das dazu gehört. Aber das mal eben so spontan übergebügelt zu bekommen, finde ich trotzdem falsch.
    An meiner Ref-Schule konnte man sich in Listen eintragen. Und das hat super funktioniert, alle waren zufrieden.
    An einer anderen Schule wurde das einfach von oben bestimmt. Genau so, wie die Verteilung der Fächer. (Nein, das richtete sich nicht danach, was man studiert hat.)
    Es gab dann also Lehrer, die eine 5. Klasse bekamen, aber nunmal lieber mit den Großen arbeiten und Kollegen mit 8. Klässlern, die lieber eine 5. hätten... (Ich bekam als Anfänger übrigens eine 8. die schon x Lehrerwechsel durchhatte. Außerdem hätte Kollege A die gern übernommen, der bekam aber eine 5. aufgebrummt...)
    Ich hatte viele Stunden fachfremd Chemie, eine Kollegin (mit Chemie als Fach) machte fast nur Englisch und die andere Englisch-Lehrerin war unglücklich, weil sie nur noch ihr 2. Fach unterrichten durfte.
    Dass man künftig fachfremd unterrichtet erfuhr man durch Bekanntgabe des Stundenplans. Zitat: Oh, ich bin jetzt informatiklehrer. Ich habe keine Ahnung von Computern." Andere Kollegen bekamen ihr Neigungsfach, was sie seit Jahren fachfremd unterrichtete weggenommen. Mit der Begründung, dass es fachfremd ist....
    Falls es das Ziel war, für möglichst viel Unzufriedenheit der Lehrer zu sorgen (ich hatte manchmal den Eindruck, das war tatsächlich das Ziel): Das hat super funktioniert. Man hat es echt hinbekommen, das fast jeder unzufrieden oder sogar unglücklich ist. So war es dann zumindest gerecht.
    Ich glaube nicht, dass sich so erwas positiv auf das gesa,te Klima und damit auch auf den Unterricht auswirkt.


    Natürlich muss man auch mal jemanden gegen seinen Wunsch einsetzen. Wenn sich nunmal sonst keine findet.
    Aber wenn es möglich ist, sollte man doch erstmal fragen.

  • Zumindest aus der Perspektive eines bayerischen Gymnasiums ist diese Diskussion befremdlich. Man denkt selten daran, wie anders Dinge in anderen Bundesländern wohl sein können. Klassleitung macht man je nach Fach im Schnitt in zwei von drei Jahren, da käme niemand auf die Idee, extra gefragt werden zu wollen. Gehört zum Geschäft. (Wir geben bei uns Wünsche schriftlich ab, und die werden dann berücksichtigt, soweit es geht, und wenn nicht, dann halt nicht.)

    Seit 2004 unter dem gleichen Namen im Forum, weitgehend ohne ad hominem.

  • hanuta


    Da hast du absolut Recht, wenn diese Situationen als demotivierend und enttäuschend empfindest. Hier hilft es nur, wenn man sich als Personalvertretung stark macht und offensiv das Gespräch mit der SL sucht.

  • Aber wieso fragen? Das gehört für mich mit zu meinem Beruf und die Wahl des Klassenlehrers hängt ja auch davon ab, wie viel Stunden jemand in der Klasse hat. Manche Kollegen eignen sich auch nicht so recht als Klassenlehrer, die werden bei uns auch nicht sonderlich oft eingesetzt.

  • wieso fragen? Höflichkeit, Lehrerzufriedenheit, Arbeitsklima...


    Für mich ist klar, dass Klassenleitung zum Job gehört. Trotzdem finde ich, dass man da als Lehrer Präferenzen haben darf, was die Klassenstufeb angeht.
    Marie 74 Naja, die kamen so oft weinen aus dem Büro der Schulleitung.
    Für mich ist klar: an dieser Schule gehörte das nicht gefragt werden zu Gesamtkonzept. Und das war eben schon patriacharisch-autoritär.

  • Zitat

    Trotzdem finde ich, dass man da als Lehrer Präferenzen haben darf, was die Klassenstufeb angeht.


    Und was mache diejenigen, die in einem System arbeiten, in dem es zum pädagogischen Konzept gehört, dass ein Klassenleitungsteam eine Klasse von der 5 bis zur 10 betreut?

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • das weiß man in der Regel, wenn man diesem System beitritt, oder?
    Und auch dort kann man sicher einem Lehrer höflicher vermitteln, dass er nun dran ist.

  • Aspie, ich kann verstehen, dass dich das aufregt, schließlich geht es ja auch darum, Klassenreisen zu planen, sich zeitnah die Schülerakten anzusehen, Listen zu erstellen, etc., alles, was auf einen als Klassenlehrer einer 5. zukommt. Das will man auch nicht alles in den einzigen Ferien, die heutzutage noch Erholungscharakter haben, erledigen, oder in den ersten Schultagen nach den Ferien, wenn ohnehin die Hütte wieder brennt. Eine Schulleitung, die etwas auf sich hält, und für die Personalführung noch einen Wert darstellt, spricht natürlich die KollegInnen vorher an. Aber vermutlich hat deine Schulleitung ohnehin Probleme bereitwillige Klassenlehrer zu finden, deshalb die unpersönliche Information in Gutsherrenart.


    Bei uns ist diese Art der Kommunikation leider auch weit verbreitet, mich demotiviert sie sehr, weil ich mich dann übergangen fühle. Wenn ich schon nicht mitentscheiden darf, dann will ich wenigstens meine Sicht der Dinge äußern dürfen.


    Ich bin auch etwas schockiert über einige Stimmen hier, für die es anscheinend schon einen Luxus darstellt, in wichtige, die eigene Person betreffende Entscheidungsprozesse mit langfristigen Auswirkungen auf das Berufsleben, eingebunden zu werden.

    Sehe ich genauso. Was sind denn das für Äußerungen, dass man selber ja erst ein Tag vorher erfahren habe, dass man an eine andere Schule abgeordnet wurde. Dass zeugt von einem beschissenen Schulsystem, dass die Lehrer wie letzten Dreck behandelt und die Kinder damit ebenso.


    Die ursprüngliche Frage lautete ja auch, wie denn die rechtliche Lage aussehe und nicht, ob andere noch etwas Schlimmeres erlebt haben und dass das Anliegen des TE deswegen ein Freches sei.

  • Hat man in irgendeiner Form ein Recht, eine Klassenlehrerfunktion abzulehnen?
    Ich würde gerne weiterhin Fachlehrer sein, doch meine Schulleiterin hat mir mitgeteilt, dass sie mich nach den Ferien als Klassenlehrer einer 5. Klasse braucht.
    Wie sieht das rechtlich aus?


    In welchem Bundesland unterrichtest du?
    Und was ist bei euch so schlimm an einer Klassenleiterfunktion?
    Was kommt da als Zusatzaufgaben auf dich zu?

  • Es geht mir auch darum, dass ich nicht einmal gefragt wurde. Ich wurde informiert. Und das paar Tage vor den Sommerferien, das ist dreist ohne Ende!!


    <Ironie>Mich hat man gestern informiert, dass ich auch nächstes Jahr wieder unterrichten muss. ich wurde nicht mal gefragt, ich finde das völlig dreist. ich verlange in diese wichtigen beruflichen Entscheidungen eingebunden zu werden </Ironie>

    »...Aus Mettwurst machste kein Marzipan! «
    Bernd Stromberg

  • Zitat Hamikar :

    Zitat

    Wenn es sich um eine 5. Klasse handelt, sollte man das vielleicht absprechen, denn die Kleinen brauchen ja doch ein geschicktes Händchen.

    Und vor allem durchsetzungsfähige und durchgreiffreudige Lehrer, die die Kinder erstmal auf Spur bringen und mit den Eltern sofort Tacheles reden ! Man muss stark und kämpferisch veranlagt sein, aber das muss man ja als Lehrer sowieso, um nicht unterzugehen !


    Über die Mimosenhaftigkeit und Anspruchshaltung der TE bin ich sehr erstaunt. Wer Lehrer wird, muss ggf. auch eine Klasse leiten, genauso wie er die Pflicht hat, den Schülern Fachunterricht zu erteilen, Punkt !


    An meiner Schule, an der ich zuletzt angefangen habe, wurde ich schon während des Bewerbungsgesprächs als Klassenlehrer einer 5. Klasse zugeteilt,trotz meiner Null-Erfahrung hinsichtlich Fachunterricht in Klasse 5, von Klassenleitung mal ganz abgesehen.


    Seit dieser Zeit bin ich an unserer Schule immer als Klassenlehrer 5-7 tätig und habe/werde meinen Kollegen passable Klassen hinterlassen, mit denen man ganz best arbeiten kann.


    Im Vergleich zu den KollegInnen, die keine Klassen führen, hat man schon einiges an Mehrarbeit. Auf der anderen Seite gehört es für mich zur Berufs-Ehre, wenn man eine Klasse leitet. Ohne Klasse würde ich mich nur als halber Schulstubenmeister fühlen. Und ich sag mir auch immer wieder, dass man selbst in den finsteren Zeiten des chaotischen Bildungskommunismus als (konservativer) Klassenlehrer einige Möglichkeiten hat, pflichtbewusste Schüler mit Benehmen und Leistungsorientierung heranzuziehen. 8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Noch ein Tipp für den Fall, dass ihr euch unsicher fühlt bei der ersten Klassenlehrertätigkeit. Mit hat es beim ersten mal geholfen, mich mit Kollegen aus den Parallelklassen abzustimmen. Wir haben auch ein regelmäßiges Treffen der Klassenlehrer, um über Probleme zu sprechen. Sprecht einfach im Kollegium miteinander.


    Wenn die Kommunikation nicht klappt und man einfach so eingeteilt wird, hilft es auch, mal den Lehrerrat anzusprechen. Man kann ein sinnvolles Prozedere auch auf einer Lehrerkonferenz beschließen.

  • Wichtig ist mir auch immer, in den Hauptfächern wenigstens Kollegen zu haben, die mit mir an einem Strang ziehen. Denn so ganz allein auf weiter Flur zu kämpfen ist stressiger als es sein müsste.
    Ansonsten finde ich die Klassenlehrertätigkeit, trotz deutlicher Mehrbelastung, als Bereicherung. Ohne Klasse fühle ich mich wie ein Fisch ohne Wasser. Ich käme gar nicht auf die Idee, dagegen vorzugehen.

  • Also, ich kann aspies Bedenken gut verstehen - aber auch problemlos ausräumen. Es gibt immer wieder Kollegen, die selbst nach jahrelanger Tätigkeit zum ersten Mal Klassenlehrer werden (das ist ja mit mancher Fächerkombination schwieriger zu organisieren) - und dann auch als "alte Hasen" Angst haben vor dem Job. Muss man aber nicht haben. Das "läuft".


    Ich selbst hatte bisher drei Mal eine 5. Klasse als Klassenlehrer. Grundsätzlich ist man in der Klasse ja auch Fachlehrer, vielleicht auch mit beiden Fächern und zusätzlich einer Verfügungsstunde. Der intensive Kontakt zur Klasse hat den Vorteil, dass man entsprechend weniger andere Klassen/Schüler/Eltern hat und dafür mehr Zeit hat, diese eine Klasse kennenzulernen und zu betreuen. Ist insofern auch stressfreier.
    Eigentlich ist man als Klassenlehrer (wenn's läuft) erst einmal nur die Person, die Elternbriefe weiterreicht, Entschuldigungen archviert, zu Beginn des Schuljahres Klassensprecher wählt & Klassenregeln aufstellen lässt. Aber ansonsten macht man halt seinen Unterricht (ist jetzt vielleicht etwas pauschal, aber die Hauptsache bleiben eben doch die Fachinhalte). Und wenn's Probleme gibt, dann gibt es die ja genauso auch im Fachunterricht. Da muss ich auch als Nicht-Klassenlehrer Schüler motivieren, unterstützen oder zur Ordnung mahnen, Elterngespräche führen etc. Und wenn ein Schüler fachliche Probleme an der Schule hat, dann verweise ich als Klassenlehrer natürlich als erstes auf den Fachlehrer (was soll man als Deutschlehrer schon über die Probleme in Mathe sagen...).


    Insofern: Alles halb so wild. Einfach auf den Job einlassen. Für alles, was passieren muss, wird es Informationen der Schulleitung oder entsprechenden Organisatoren geben. Die "To-Do-Listen" arbeitet man dann eben ab.

  • Es geht mir auch darum, dass ich nicht einmal gefragt wurde. Ich wurde informiert. Und das paar Tage vor den Sommerferien, das ist dreist ohne Ende!!

    Aha, wirklich schlimm schlimm schlimm... Nur 6 Wochen unterrichtsfreie Zeit zur emotionalen und fachlichen Einstimmung, das ist hart...


    Gruß Jenny, die sich nach vielen Jahren als Angestellte (mit Halbjahresverträgen und ohne bezahlte Ferien plus feste Stundenplan- und Klassenzuweisungen oft erst NACH Schuljahresbeginn) ein wenig Augenrollen leider nicht verkneifen kann :autsch:

  • Ich denke schon, dass es zu einer guten Planung gehört, dass die Klassenlehrer mit einer gewissen Vorlaufzeit informiert werden. Gerade, wenn man die Funktion zum ersten mal ausfüllt. Eine schlechte Planung an anderen Schulen kann nicht als Maßstab dienen.

Werbung