Dienstunfähigkeit

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    • Dienstunfähigkeit

      Ich hätte eine Frage an euch: Seit etwa 3 Jahren bin ich immer wieder im Langzeitkrankenschein aufgrund von immer wieder kehrenden schweren Depressionen. Zwei Wiedereingliederungen sind gescheitert... Gibt es für verbeamtete Lehrer die Möglichkeit anderweitig eingesetzt zu werden und wenn ja, wie geht man da vor?

      Lg missy
    • Und ein Tipp aus meinem Kollegium wegen zweier konkreter Fälle: Große Vorsicht im Umgang mit der Schulleitung. In der Regel sind die sehr empfindlich beim Thema Dienstunfähigkeit und betreiben dann zusätzlich Bossing, wiegeln die Kollegen gegen Dich auf und verschweigen, welche Schritte für dich sinnvoll wären.
      Hast Du rechtzeitig an eine Dienstunfähigkeitsversicherung mit entsprechender Beamtenklausel gedacht? Unter entsprechenden Umständen musst Du dann nicht anderweitig eingesetzt werden, wenn der Amtsarzt die Dienstunfähigkeit feststellt. Die Versicherung zahlt dann zusätzlich zu dem Anteil des Dienstherren auch, wenn Du gar nicht mehr arbeitest.

      Neben dem Gespräch mit dem Schwerbehindertenbeauftragten würde ich auch unbedingt rechtlichen Beistand einholen. Du kannst davon ausgehen, dass die SL als verlängerter Arm des Dienstherren alles zu Deinem Nachteil drehen will. Versäumnisse der Fürsorgepflicht durch SL dokumentieren ebenso wie alle Äußerungen / Umstände, die man so auslegen kann, dass sie Deinen Zustand verschlechtert haben und dadurch die Wiedereingliederung zum Scheitern gebracht haben.

      Im Gegensatz zu vielen Berufen, bei denen Berufskrankheiten besser anerkannt und abgesichert sind, wird man als Lehrer, der aufgrund berufsbedingter, psychischer Belastungen erkrankt, oft abgespeist. Der Dienstherr stellt sich seiner Verantwortung nur mit Nachdruck, windet sich schlimmer als viele Versicherungen.
      So geschehen bei einer Kollegin und einem Kollegen, die sich allerdings mit Hilfe von rechtlichem Beistand gut wehren konnten und nun nicht mehr vor existentiellen Problemen stehen.
      Viel Kraft und Erfolg im Kampf um Dein Recht! Der Beruf birgt riesige Belastungen und wenn man dadurch krank wird, dann hast Du ein Recht darauf, dass der Dienstherr dafür Verantwortung übernimmt. Unbedingt rechtlichen Beistand holen!
    • Bossing: Wenn man vom Vorgesetzten gemobbt wird.
      [img]http://www.tibet-initiative.de/images/tibetflag-ani.gif[/img]Free Tibet!!
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      Die meisten meiner Beiträge entstehen auf einer tablet-Tastatur. Da es dort kein haptisches Feedback gibt, schleichen sich schneller Tippfehler ein. Sorry.
    • Firelilly schrieb:

      Große Vorsicht im Umgang mit der Schulleitung. In der Regel sind die sehr empfindlich beim Thema Dienstunfähigkeit und betreiben dann zusätzlich Bossing, wiegeln die Kollegen gegen Dich auf und verschweigen, welche Schritte für dich sinnvoll wären.
      Es kommt darauf an. Viele Schulleitungen kennen ihre rechtlich gesetzte Fürsorgepflicht und nehmen sie ernst. Und vor allem wissen sie, dass langfristig erkrankte Kolleginnen und Kollegen aus dem Kollegium nicht so einfach abgeschoben und ersetzt werden können und es deshalb sinnvoller ist, sie in ihrer Situation aufzubauen, so dass sie so bald wie möglich wieder in der Schule mitarbeiten können.

      Es gibt im Schulsystem allerdings auch jede Menge vollkommen inkompetente Schulleiter, leider bevorzugt an Grundschulen, die weder durch ihre Rechtskenntnisse noch von ihrer Führungskompetenz her qualifiziert wären, eine Führungsposition auszufüllen. Das Kollegium an diesen Schulen, sei es der eine, sei es der andere Fall, spiegeln in der Regel die Kompetenz der Schulleitung, denn der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.

      Wie man mit seiner individuellen Krankheitssituation umgeht, hängt von diesen Umständen ab. Ich in dieser Situation, habe mich meiner Schulleitung anvertraut, den das war in meinr persönlichen Situation ohnehin nicht zu vermeiden. Es hat mir nicht geschadet, denn mir wurde von vorne bis hinten geholfen. In anderen Schulen, in denen ich war, hätte ich allerdings meine gesundheitliche Situation so gut wie möglich verborgen!

      Man sollte in dieser Hinsicht seinem Bauchgefühl kritisch vertrauen. Das gibt gute Ratschläge!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Meerschwein Nele ()

    • Du meinst, weil sie eh genug mit sich selbst zu tun hat, wäre sie in einer Funktionsstelle am falschen Platz?

      Mag sein. Ich bezog mich eigentlich nur auf die Frage, "welche anderen" Möglichkeiten es denn für Lehrer gäbe, denn als Lehrer "am Kind" eingesetzt zu werden.

      Wo wäre es denn passend?
    • Welche Funktionsstellen (außer SL am Gy, und da auch nur seltem vollständig) gibt es denn, ei der man nicht mehr unterrichten muss?
      Man hat einen Haufen Arbeit für max 10 Stunden weniger. In den GSen unterrichten ja sogar die SLen noch mit bis zu halber Stelle, plus den ganzen Hölenstress der Leitung einer Schule, Konflikte, Eltern/Kolegen... - das halte ich für völlig inkompatibel mit Depressionen.

      In den Schulämtern gibt es manchmal Zuarbeits - Stellen, meist temporär als Abordnung - aber das sind wenige. Zuallererst würde ich da nachfragen bzw mich an den Gesamtschwerbehindertenvertreter wenden, der im SSA arbeitet. Auch die dortige Frauenbeauftragte kann man einschalten und fragen, ob es freie Stellen gibt. Diese Zuarbeit-für-die-Dezernenten-Stellen sind aber sehr begrenzt im Haushaltsbudget und gleichzeitig sehr beliebt. Nicht nur bei den Langzeitkranken, auch bei den Karrierewilligen. Man bekommt sie, indem man sich ganz normal bewirbt, normalerweise wird den Schulene ine Ausschreibung geschickt, manchmal wird das auch intern gehandelt, deshalb macht es Sinn deine am SSA arbeitenden Vertreter/innen zu fragen. Auch im HKM gibt es Referentenstellen, die finden sich meistens in den landesüblichen Stellenportalen.

      Anonsten tröstet vielleicht das Wissen darum, dass keine Dienstunfähigkeit dauerhaft sein muss, sollte es so weit kommen. Man kann immer auf Antrag wieder eingesetzt werden, wenn es einem besser geht.
      WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
      World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
      yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Das ist bei jemandem, der um seine Arbeitskompetenz im Alltag kämpft, der falscheste Ratschlag überhaupt.
      Warum? Es gibt sicherlich auch Stellen (Funktionsstellen??) im Schulamt. Und da hat man ja keinen direkten Kontakt täglich mit Schülern oder Eltern. Wenn das Unterrichten mit ein Auslöser für die Depression und folgende Dienstunfähigkeit ist, dann ist vielleicht doch eine Lösung in einen "Bürojob" z.B. im Schulamt zu wechseln.
    • Die Anzahl der Stellen mit A14 und aufwärts in einem stinknormalen Schulamt kann man vermutlich mit der Lupe suchen, zumal Lehrer die geforderte Qualifikation dort nicht besitzen. Das muss man einfach so sagen.

      Beispiel: Ein Abteilungsleiter bei der Stadt Dortmund bekommt A14.

      In den Ausschreibungen steht z.B. folgendes drin:



      Die Ausschreibung richtet sich an Beamtinnen und Beamte der Laufbahngruppe 2, Ämtergruppe des 2. Eingangsamtes des allgemeinen nichttechnischen Verwaltungsdienstes sowie an Beschäftigte und Beamte/Beamtinnen des allgemeinen nichttechnischen Verwaltungsdienstes, die über ein abgeschlossenes für den allgemeinen Verwaltungsdienst anerkanntes wissenschaftliches Hochschulstudium (Master- oder Dip-lomabschluss) verfügen.

      In der Regel ist das Studium Betriebswirtschaftslehre oder Volkswirtschaftslehre.


      Wer jetzt davon ausgeht, dass das "chillige Bürojobs" sind, vertut sich hier glaub ich ganz deutlich.

      Anforderungen beispielsweise


      • überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft und Engagement (die Aufgabenwahrnehmung erfolgt auch außerhalb der üblichen Dienstzeiten),
      • Durchsetzungsvermögen und Konfliktlösungspotenzial,
      • Fähigkeiten zum fachspezifischen Krisenmanagement,
      • Interkulturelle Kompetenz und fundierte Kenntnisse der sozialen, wirtschaftlichen und gesell-schaftlichen Kenntnisse der Hauptherkunftsländer,
      • hohe psychische und physische Belastbarkeit, hohe Stressresistenz,



      Aufgaben sind:



      • Fachliche und personelle Leitung einer komplexen und heterogenen Organisationseinheit mit rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Zielset-zungen,




      Sicherlich perfekt geeignet für Personen mit zwei gescheiterten Wiedereingliederungen und schweren wiederkehrenden Depressionen.
    • Welche Möglichkeiten gibt es denn nun? Klingt ja alles nicht so rosig für jemanden, der Alternativen sucht :ka:

      Mir fielen noch Abordnungen an die Uni/Studienseminar ein, da fliehen KollegInnen immer mal hin. Stressig ist alles irgendwo aber wenn man aus irgendeinem Grund die Kinder nicht mehr erträgt, hätte man dort zumindest nur mit (mehr oder weniger) Erwachsenen zu tun.
    • Krabappel schrieb:

      Stressig ist alles irgendwo aber wenn man aus irgendeinem Grund die Kinder nicht mehr erträgt, hätte man dort zumindest nur mit (mehr oder weniger) Erwachsenen zu tun.
      Der staatliche zweite Bildungsweg - Abendrealschulen, Abendgymnasien, Weiterbildungskollegs - wären in der Hinsicht auch immer noch eine Alternative. Man sollte sich allerdings nicht einbilden, dass die Arbeit dort weniger pädagogisch wäre. Nur eben anders.