Welche Fremdsprache darf es sein?

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    • mi123 schrieb:

      Viele eher schwache SuS, gerade solche mit Migrationshintergrund, haben im Englischunterricht endlich einmal Erfolgserlebnisse. Es geht auch viel mehr als Farben, Begrüßungen und ein paar englische Lieder. Im ersten Halbjahr der dritten Klasse bilden wir natürlich schon vollständige Sätze (I am wearing... He/She has... I like/don't like... usw.), lesen gemeinsam authentische Kinderbücher, üben einfache Grammatikregeln (Verwendung von 'a/an' bei Sg./Pl.; "he she it, das s muss mit!")

      Meiner Erfahrung nach tun sich schwache Schüler auch in Englisch sehr schwer. Wenn einfache Sätze zum x-ten mal wiederholt werden, dann geht es schon, aber neue Wörter, neu eingeführte Inhalte brauchen wie in anderen Fächern auch schon sehr lange, bis sie sitzen - von der Rechtschreibung ganz zu schweigen. Im Deutschen geht z. B. ja noch einiges mit Schreiben wie man es hört, im Englischen halt gar nichts.

      Auch ich bemühe mich, dass die Schüler Sätze bilden und in Sätzen sprechen. An "a/an" mühe ich mich auch schon seit Monaten in der 3. Klasse. Die fitten Kinder durchschauen es in der Theorie schnell, verwenden es nur z. T., die schwachen Kinder schauen mich an und wissen ja in Deutsch schon nicht auf Anhieb, was ein Vokal und Konsonant ist, geschweige denn, dass sie auf die Schnelle entscheiden können ob "a" oder "an" gesprochen werden muss - falls sie überhaupt daran denken, dass es "an" überhaupt gibt.
    • Wollsocken80 schrieb:

      Vielmehr muss sichergestellt sein, dass die Grundkompetenzen in Deutsch und Mathe nicht darunter leiden.
      In Bayern blieb Mathe gleich (5 Stunden in der Woche), Deutsch wurde um eine Stunde verringert (statt 7 Stunden jetzt nur noch 6 Stunden). Das Ganze seit dem Lehrplan 2000, der 1999/2000 eingeführt wurde. Jetzt haben wir den Nachfolgelehrplan, die Stundenanzahl ist gleich geblieben.
    • laleona schrieb:

      Bleibt dennoch die Frage, ob die weiterführenden Schulen davon profitieren (bzw natürlich die Schüler an der...).
      Dass es den Schülern viel Spaß macht, kann nicht allein Grund sein, das Fach aufrechtzuerhalten.
      Ich habe ja nun nicht nur beschrieben, dass die SuS Spaß an der Sache hätten (wobei das gerade an der GS nicht völlig irrelevant ist). Selbstverständlich profitieren die Kinder ganz ungemein davon. Ich finde die Frage ehrlich gesagt etwas absurd. Warum schaffen wir nicht auch Kunst, Musik und Sport ab und machen stattdessen nur noch Deutsch und Mathe?
    • Die Frage ist nicht absurd. Wenn das alles, was Deiner Aussage nach in der Grundschule gemacht wird, bei den Kinder auch nur im Ansatz hängen bliebe, hätte ich in der 5. Klasse Gymnasium kaum mehr etwas zu tun. Aber von "a/an" ... 3rd person "s" ... "I don't like" ... "She has ..." kann ich nur träumen. Wie ich weit vorne schon schrieb, ich sehe nicht, dass die Kinder "ungemein" profitieren.

      Und die Frage nach der Abschaffung von Kunst, Musik und Sport ... brauchst Du darauf wirklich eine Antwort? Das sind Fächer, die decken einen ganz bestimmten Bereich ab und in diesem Bereich gibt es sonst nix. Sie wurden auch nicht auf Kosten des Faches Deutsch eingeführt. Englisch ist eine Sprache ... Deutsch auch. Da gibt es große Überschneidungen. Wenn SuS in Deutsch bestimmte Dinge können, profitiere ich auch am Gymnasium im Fach Englisch davon. Wenn sie diese Dinge nicht können ... und auch in Englisch eigentlich nicht wirklich etwas mitbringen, liegt für mich schon die Frage nahe, ob es nicht sinnvoller wäre, die Zeit in Deutsch zu investieren.
      Die eigene Muttersprache (ich ignoriere jetzt einmal grob die Kinder mit Migrationshintergrund) ist für mich eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache. Selbst wenn man damals in Bayern nicht eine Stunde Deutsch gekürzt hätte, müsste man in der jetzigen Situation überlegen, wie man Deutsch auch an der Grundschule stärken könnte - und über Englisch an der Grundschule reden.
    • @mi123 und DeadPoet: Genau das habe ich doch gemeint, seit einigen Beiträgen: Was bleibt effektiv oder auch uneffektiv hängen an den Kindern? Ich wäre sehr dafür, in der GS eine Fremdsprache einzuführen, dann aber bitte mit mindestens 4-5 Stunden pro Woche von Lehrern, die das Fach vertieft studiert haben. Denn offenbar - so schreibt zumindest DeadPoet - bleibt eben nix hängen.
      Und ich meine das gar nicht böse :)

      PS Edit: Die Erfahrung, dass nichts hängen bleibt, deckt sich mit den Erfahrungen meiner Gymnasialfreunde.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von laleona () aus folgendem Grund: Was vergessen

    • Hier vielleicht einmal ein Link, was bei uns erwartet wird in der Grundschule:
      lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/grundschule/3/englisch
      lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/grundschule/englisch/3

      Irgendwo ist auch der Wortschatz alphabetisch aufgelistet, aber den finde ich jetzt nicht.

      Die schwachen Kinder besuchen die Mittelschule. Da geht Englisch ganz langsam los im Vergleich zum Gymnasium. Da mache ich mir keinen Kopf @felis, wenn sie das nicht anwenden können bzw. den Hintergrund nicht verstanden haben. Das verbessere ich beim Sprechen und belasse es dann dabei. Der bayerische Grundschullehrplan in Englisch erwartet das grammatikalische Verständnis nur sehr anfanghaft. (siehe Link). Die Schwerpunkte sollten in der Grundschule eben nicht auf Grammatik und traditionellem Vokabellernen liegen. (siehe Links)
      Als man mit Englisch in der Grundschule angefangen hat, hat man schwerpunktmäßig auf das intuitive Lernen im "Sprachbad" Wert gelegt, weil man dachte, dass Grundschüler ähnlich wie Kleinkinder die Sprache so erfassen können. Deswegen wurde empfohlen, viel authentische Bilderbücher herzunehmen und den Unterricht mit action rhymes und songs zu bestücken. Jetzt kam man bei der Überarbeitung der Lehrpläne den weiterführenden Schulen etwas entgegen und nahm auch anfanghaft systematische Elemente auf.
    • Freakoid schrieb:

      Englisch, Türkisch, Polnisch, Russisch oder vielleicht gar keine Fremdsprache mehr in der Grundschule unterrichten? Was meint ihr?

      rp-online.de/nrw/landespolitik…chten-lassen_aid-36638745

      Ich bin der Meinung, wer in Deutschland lebt, muss perfekt Deutsch beherrschen. Ist also klar, Deutsch muss sein.

      Außerdem bin ich der Meinung, dass Englisch für die weltweite Kommunikation unerlässlich ist. Englisch muss also auch sein. (Und es wäre gut, wenn alle Menschen auf der Welt Englisch als 1. Fremdsprache lernen, damit künftig alle Menschen auf der Welt miteinander kommunzieren können.) Weil nicht jedes Kind von Hause aus Deutsch als Muttersprache mitbringt, sollte meiner Ansicht nach die 1. Fremdsprache frühestens ab Klasse 3 folgen, gerne auch erst ab Klasse 5 (und dann entsprechend intensiv).

      Jeder weitere Sprache zu lernen, denke ich, kann interessant oder auch "eine nette Geste" sein, sollte aber freiwillig sein (je nach den Möglichkeiten, die eine Schule hat), also vor allem kein MUSS!
      Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • @DeadPoet
      Hörverstehen müssten die Schüler schon sehr viel mitbringen, ebenso gewisse Sprachhandlungen.
      Vom einem systematischen grammatikalischen Verständnis darf man nicht ausgehen, das ist nicht die Aufgabe vom Grundschulenglisch.
      Bitte schau dir den Lehrplan an im oberen Link an. Genau das machen wir und das ist abgedeckt. Unser Buch - Sally - das die meisten verwenden, erfüllt dies und sogar etwas darüber hinaus.
      Die LehrplänePLUS der weiterführenden Schulen müssten doch darauf abgestimmt sein! (was vorher nicht war).
    • DeadPoet schrieb:

      Wenn SuS in Deutsch bestimmte Dinge können, profitiere ich auch am Gymnasium im Fach Englisch davon. Wenn sie diese Dinge nicht können ... und auch in Englisch eigentlich nicht wirklich etwas mitbringen, liegt für mich schon die Frage nahe, ob es nicht sinnvoller wäre, die Zeit in Deutsch zu investieren.
      Anekdote hierzu: Vor wenigen Wochen unterhielt ich mich nach Stundenende noch ein wenig mit ein paar Schülern, es ging um eine Englisch-Förder-AG. Eine Schülerin sagt: "Seit wir Englisch lernen, weiß ich was der Unterschied zwischen einem Subjekt und einem Objekt ist. Das hab ich früher nie kapiert." Drei weitere anwesende SchülerInnen nicken heftig mit dem Kopf.
      Ich habe mir meinen Teil gedacht... ja, das ist etwas, was ich eigentlich gerne als von der Grundschule her bekannt voraussetzen würde. Geht aber nicht, weil viele Schüler die Unterscheidung nicht beherrschen.
      Mir ist klar, dass das in bestimmt vielen Grundschulklassen behandelt wurden. Aber es zeigt sich, dass selbst Gymnasialschüler da weiterhin Probleme mit haben. Daher würde ich, wie gesagt, die Englischstunden an der Grundschule gern als weitere Übungsstunden für Deutsch zur Verfügung stellen, damit die in Klasse 5 dann schon mehr Verständnis für Sprachstrukturen im Allgemeinen (Subjekt, Prädikat, Objekt, Adjektiv, Adverb, etc.) mitbringen. Das erleichtert mir dann die Arbeit - plus ich muss, wie gesagt, keine Fehlvorstellungen über die englische Sprache aus den Köpfen austreiben (was oft nur mäßig gelingt).
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Caro07 schrieb:

      @DeadPoet
      Hörverstehen müssten die Schüler schon sehr viel mitbringen, ebenso gewisse Sprachhandlungen.
      Vom einem systematischen grammatikalischen Verständnis darf man nicht ausgehen, das ist nicht die Aufgabe vom Grundschulenglisch.
      Bitte schau dir den Lehrplan an im oberen Link an. Genau das machen wir und das ist abgedeckt. Unser Buch - Sally - das die meisten verwenden, erfüllt dies und sogar etwas darüber hinaus.
      Die LehrplänePLUS der weiterführenden Schulen müssten doch darauf abgestimmt sein! (was vorher nicht war).
      In unserem (neuen) Englischbuch sind ja sogar die Wörter extra markiert, die den Kindern aus der Grundschule bekannt sein sollten (wie Du sagst, da gibt es einen "verbindlichen Wortschatz") ... da ist so gut wie nichts da. Und es würde mich auch wundern, denn ich merke ja selbst, wie schwer es ist, sogar am Gymnasium dafür zu sorgen, dass den SuS Wortschatz und Grammatik im Ansatz einigermaßen geläufig bleiben (und das bei 3-5 Wochenstunden).

      Das ist nur meine Erfahrung, evtl. haben wir an meiner Schule einfach wenig Glück mit dem, wie an den Grundschule in unserem Einzugsgebiet gearbeitet wird. Ich kenne die Grundschullehrpläne - das ist die Theorie ... meine Praxis schaut anders aus, leider.
      Und dann wäre noch die Frage, ob mir das, was der Lehrplan für Englisch vorsieht, selbst wenn es erfüllt wird, wirklich mehr bringt, als bessere Grundkenntnisse in Deutsch ... (ich brauch einfach das sichere Wissen, was Subjekt, Verb und Objekt sind - unabhängig davon, ob die Schüler diese Begriffe oder Satzgegenstand, Satzaussage etc verwendet haben).
    • laleona schrieb:


      PS Edit: Die Erfahrung, dass nichts hängen bleibt, deckt sich mit den Erfahrungen meiner Gymnasialfreunde.
      ... deckt sich aber weder mit meiner Erfahrung im Bereich Französisch, noch mit der meiner Kollegen (oder der der Lehrbeauftragten am Seminar), die bereits seit deutlich mehr Jahren Französisch unterrichten und den Unterschied teilweise noch kennen von vor der Einführung des Französisch-Unterrichts an den GS. Insofern kann man also weder davon ausgehen, dass unser aller Individualerfahrungen repräsentativ wären, noch davon, dass deshalb per se der Fremdsprachenunterricht in der GS sinnvoll oder sinnlos wäre. Es kommt defintiv auf die Qualität des GS-Unterrichts an, ob und in welchem Ausmaß SuS davon profitieren können (was schriftlich eingeführt wird muss nunmal ganz klar korrekt geschrieben werden, ganz gleich, was der Bildungsplan vorsieht) und möglicherweise ist der Effekt an den Gymnasien mit dem schnelleren Lernfortschritt bei meist deutlich leistungsstärkeren SuS auch nicht so deutlich zu spüren wie bei uns in der Sek.I.

      Ganz unabhängig davon bin ich eine große Befürworterin eines echten Erstsprachunterrichts der es Mehrsprachlern erlaubt ausgehend von einer sauberen Basis Zweitsprache (oft ist das Deutsch) oder Fremdsprachen zu erlernen. Auch die Anerkennung von Prüfungen in der Erstsprache im schulischen Kontext wie in anderen Ländern üblich und dafür weniger Fremdsprachen an der Schule bei mehr Unterrichtstunden in der Landessprache würde vermutlich vielen Kindern mit Migrationshintergrund helfen. Andererseits sind gerade diese Kinder häufig ganz ausgezeichnete Mehrsprachler und erleben insbesondere im Fremdsprachenunterricht endlich einmal Erfolgserlebnisse. Einer meiner SuS in 6 gehört so in seiner Klasse zu den leistungsschwächsten SuS, steht fast durchgehend zwischen 4 und 5. Im Französisch-Unterricht versteht er jedes Wort das ich sage, hat eine hervorragende Aussprache und muss nur noch durch gezieltes Vokabeln lernen die korrekte Schreibweise dessen lernen, was er bereits zu sagen weiß. Da profitiert er ungemein davon, dass er italienischer Muttersprachler ist und hat eben endlich auch einmal das Gefühl "ich kann etwas".
      Generell geben die meisten meiner SuS an, dass der Französisch-Unterricht in der GS ihr Lieblingsfach war und sind hochmotiviert gezielt weiterzulernen, weshalb sie freiwillig an einem Nachmittag extra pro Woche in 5 und 6 in die Schule kommen zum Französisch-Unterricht während ihre Mitschüler bereits frei haben. Soviel Motivation und Begeisterung wünschen wir uns doch alle für unsere Fächer.
    • DeadPoet schrieb:

      Die Frage ist nicht absurd. Wenn das alles, was Deiner Aussage nach in der Grundschule gemacht wird, bei den Kinder auch nur im Ansatz hängen bliebe, hätte ich in der 5. Klasse Gymnasium kaum mehr etwas zu tun. Aber von "a/an" ... 3rd person "s" ... "I don't like" ... "She has ..." kann ich nur träumen. Wie ich weit vorne schon schrieb, ich sehe nicht, dass die Kinder "ungemein" profitieren.

      Und die Frage nach der Abschaffung von Kunst, Musik und Sport ... brauchst Du darauf wirklich eine Antwort? Das sind Fächer, die decken einen ganz bestimmten Bereich ab und in diesem Bereich gibt es sonst nix. Sie wurden auch nicht auf Kosten des Faches Deutsch eingeführt. Englisch ist eine Sprache ... Deutsch auch. Da gibt es große Überschneidungen. Wenn SuS in Deutsch bestimmte Dinge können, profitiere ich auch am Gymnasium im Fach Englisch davon. Wenn sie diese Dinge nicht können ... und auch in Englisch eigentlich nicht wirklich etwas mitbringen, liegt für mich schon die Frage nahe, ob es nicht sinnvoller wäre, die Zeit in Deutsch zu investieren.
      Die eigene Muttersprache (ich ignoriere jetzt einmal grob die Kinder mit Migrationshintergrund) ist für mich eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache. Selbst wenn man damals in Bayern nicht eine Stunde Deutsch gekürzt hätte, müsste man in der jetzigen Situation überlegen, wie man Deutsch auch an der Grundschule stärken könnte - und über Englisch an der Grundschule reden.
      Englisch ist eine Fremdsprache! Sorry, "Deutsch ist auch schon eine Sprache" zieht doch als Argument überhaupt nicht.

      Und zum Rest, noch einmal: Ja, es gibt sicher eine Menge schlechten Englischunterricht in Deutschland, gehalten von LK, die da reingezwungen wurden, als Sprachvorbilder nicht taugen und entsprechend wenig vermitteln können. Jetzt bilden wir aber seit Jahren schon kompetente, junge LK, fast immer mit Auslandserfahrung, (nahezu) perfekter Aussprache und dem nötigen Fachwissen aus. Diese LK können den Englischunterricht jetzt übernehmen und effektiv in der GS eine Fremdsprache vermitteln. Den Gedanken, diese teuer ausgebildeten LK und die Weltsprache Englisch wieder rauszunehmen weil die Xte Stunde Deutsch/Mathe ja solche Leistungsschübe erwirken könnte, finde ich völlig absurd.
    • mi123 schrieb:

      DeadPoet schrieb:

      Die Frage ist nicht absurd. Wenn das alles, was Deiner Aussage nach in der Grundschule gemacht wird, bei den Kinder auch nur im Ansatz hängen bliebe, hätte ich in der 5. Klasse Gymnasium kaum mehr etwas zu tun. Aber von "a/an" ... 3rd person "s" ... "I don't like" ... "She has ..." kann ich nur träumen. Wie ich weit vorne schon schrieb, ich sehe nicht, dass die Kinder "ungemein" profitieren.

      Und die Frage nach der Abschaffung von Kunst, Musik und Sport ... brauchst Du darauf wirklich eine Antwort? Das sind Fächer, die decken einen ganz bestimmten Bereich ab und in diesem Bereich gibt es sonst nix. Sie wurden auch nicht auf Kosten des Faches Deutsch eingeführt. Englisch ist eine Sprache ... Deutsch auch. Da gibt es große Überschneidungen. Wenn SuS in Deutsch bestimmte Dinge können, profitiere ich auch am Gymnasium im Fach Englisch davon. Wenn sie diese Dinge nicht können ... und auch in Englisch eigentlich nicht wirklich etwas mitbringen, liegt für mich schon die Frage nahe, ob es nicht sinnvoller wäre, die Zeit in Deutsch zu investieren.
      Die eigene Muttersprache (ich ignoriere jetzt einmal grob die Kinder mit Migrationshintergrund) ist für mich eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache. Selbst wenn man damals in Bayern nicht eine Stunde Deutsch gekürzt hätte, müsste man in der jetzigen Situation überlegen, wie man Deutsch auch an der Grundschule stärken könnte - und über Englisch an der Grundschule reden.
      Englisch ist eine Fremdsprache! Sorry, "Deutsch ist auch schon eine Sprache" zieht doch als Argument überhaupt nicht.
      Und zum Rest, noch einmal: Ja, es gibt sicher eine Menge schlechten Englischunterricht in Deutschland, gehalten von LK, die da reingezwungen wurden, als Sprachvorbilder nicht taugen und entsprechend wenig vermitteln können. Jetzt bilden wir aber seit Jahren schon kompetente, junge LK, fast immer mit Auslandserfahrung, (nahezu) perfekter Aussprache und dem nötigen Fachwissen aus. Diese LK können den Englischunterricht jetzt übernehmen und effektiv in der GS eine Fremdsprache vermitteln. Den Gedanken, diese teuer ausgebildeten LK und die Weltsprache Englisch wieder rauszunehmen weil die Xte Stunde Deutsch/Mathe ja solche Leistungsschübe erwirken könnte, finde ich völlig absurd.
      Du hast nicht so ganz verstanden, was ich mit Deutsch/Englisch und der Aussage, beides ist eine Sprache gemeint habe. Aber egal.
      Ich weiß ja nicht, wie es in Deinem Bundesland ausschaut, aber in meinem werden Grundschullehrkräfte verzweifelt gesucht. Es gibt mithin eben nicht die große Zahl "teuer ausgebildeter LK", die effektiv in der GS die Fremdsprache vermitteln können, im Gegenteil, die Alten dürfen nicht frühzeitig in Pension.
    • In Hamburg wird Englisch ab Klasse 1 unterrichtet. Ich würde gerne drauf verzichten (ab 3. Klasse vielleicht) und dafür mehr Deutsch und Mathe machen.

      Aber! Meine Tochter ist ja nun in Klasse 6 und liebe Sek1-Lehrer, wenn die Kinder keine, also wirklich null, Vorerfahrungen mitbringen würden, müsste der Unterricht aber massiv umgestellt werden. Hier ging es ab Woche 1 los mit Grammatikstrukturen, Satzbau etc. pp. Da bräuchtet ihr doch mindestens Klasse 5 dafür erstmal in die Sprache einzuführen...
    • Interessant, den Vorwurf musste ich mir beim Elternsprechtag anhören :)
      Obwohl ich/ wir die ersten Wochen echt langsam einsteigen (2. Fremdsprache, 6. Klasse), war eine Mutter in November irritiert, dass wir schon ‚soviel‘ und ‚so schnell‘ Grammatik gelernt hätten, sie würde es aus Englisch anders kennen, mit den ersten Monaten nur Singen und Spielen.
      Zu dem Elternsprechtag-Zeitpunkt konnte besagte Klasse gerade ein Verb konjugieren, die bestimmten und unbestimmten Artikel, ein paar Präpositionen und halt den Wortschatz, den man mit so wenig Grammatik gebrauchen kann.
      :)
    • Wieso Vorwurf? Würdest du den Unterricht genau so planen, wenn die Kinder kein Wort Englisch könnten? In Französisch ist meine Tochter nämlich ganz anders und deutlich langsamer eingestiegen... und damit meine ich nicht singen und klatschen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Anja82 ()