Seminarschule Realschule

  • Hallo,


    ich studiere Chemie und Biologie für Realschulen. Für meine Kombi gibt es vier Seminarschulen. Kann es vorkommen, dass an eine Schule mehrere Refis gleichzeitig mit der selben Fächerkombi zugeteilt werden? Hat jemand Erfahrung damit;)?


    vg

  • Du stammst aus Bayern und willst da ins Ref?


    Dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sich im Seminarjahr mehrere Refs mit der gleichen Fächerkombi an einer Schule finden.
    Schließlich werden sie dort parallel im Unterricht und im Seminar ausgebildet. Diesen Aufwand betreibt man normalerweise nicht für eine Person.


    Du schreibst von vier möglichen Schulen. Beachte allerdings, dass nicht alle nächstes Jahr deine Kombi anbieten müssen. Im Moment gibt es relativ wenig Refis, deshalb ruhen manche Standorte.

  • In Niedersachsen kann das auch vorkommen. Habe ich sowohl an meiner Ausbildungsschule, wo ich das Referendariat absolviert habe, erlebt (dort waren sogar gleichzeitig drei Referendarinnen mit der Fächerkombination Gesundheit und Biologie!), wie auch an meiner jetzigen Schule.

  • jetzt gibt es vier seminarschulen. was ist, wenn du fertig bist, steht in den sternen. du kannst auch an zwei seminarschulen landen, jeweils mit einem fach an einer, wenigstens am gym ist das manchmal unvermeidbar. aber meistens sind deine beiden seminare an derselben schule, weshalb gängige kombis (d/m z.b. ist nicht gängig, obwohl erlaubt, b/ch dagegen ist ein absoluter standard) logischerweise sich dann auch in den beiden selben seminaren an derselben schule wiederfinden.

  • Hallo Tobias,
    ja, das kommt selbstverständlich vor.
    Allein an meiner Seminarschule hatten 3 weitere Kolleginnen D und E, da möchte ich gar nicht wissen, wie viele es an den weiteren Seminarschulen jeweils gibt.
    Worauf zielt deine Frage denn ab?
    Geht es um die zu erwartende Kollegialität oder Konkurrenz?

    Sometimes you look at people and wonder, how do they fit all that stupid into one head?

  • jetzt gibt es vier seminarschulen. was ist, wenn du fertig bist, steht in den sternen. du kannst auch an zwei seminarschulen landen, jeweils mit einem fach an einer, wenigstens am gym ist das manchmal unvermeidbar.

    Nur zum Verständnis: mit Seminarschule meinst du das Studienseminar oder eine "normale" Schule an der die Refs unterrichten?

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Nur zum Verständnis: mit Seminarschule meinst du das Studienseminar oder eine "normale" Schule an der die Refs unterrichten?

    Das ist in Bayern nicht getrennt.

    Seminarschulen sind Schulen in denen die Refis im ersten Jahr sind. Dort sind sie unter "Aufsicht" (das Wort passt nicht 100% mir fällt aber grad nichts besseres ein) der Seminarlehrer im normalen Unterricht und haben nebenbei die Seminare.

  • da der Thread eh abgeschlossen ist, mache ich weiter mit der Verständnisfrage:
    Wie soll man sich eine solche Seminarschule vorstellen? Wie ist das (quantitative) Verhältnis ausgebildete Lehrkräfte / Seminarlehrer*innen (oder sind das alle, die dort unterrichten / Refis? und sind die Schüler*innen und Eltern nicht furchtbar genervt? da sind wahrscheinlich ungemein viele Reffis, ganz viel Lehrerwechsel an der Tafel, usw..?

  • Die Seminarschule ist erstmal eine ganz "normale" Schule. Für die Fächer, die an diesem Schule ausgebildet werden, gibt es jeweils einen Seminarlehrer, der diese Aufgabe als A15-Funktion hat. Dazu kommen noch Seminarlehrer in Pädagogik, Psychologie und "Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung". Alle diese Lehrer sind gleichzeitig auch Kollegen an der Schule und unterrichten auch Schüler in ihren jeweiligen Fächern. Neben der A15-Vergütung ist ihr Deputat ein wenig reduziert - aber erstmal nur um wenige Stunden. Das Seminarfach "Schulrecht" wird vom Schulleiter unterrichtet, der gleichzeitig auch Seminarvorstand ist. Alles Seminare finden jede Woche zweistündig statt, außer Schulrecht, das einstündig ist - glaube ich.


    Die Refs kommen zum Schuljahresanfang an die Schule, bekommen ihre Ausbildung in den Seminaren und hospitieren viel - zuerst bei den Seminarlehrern, dann auch bei "normalen" Kollegen der Schule. Nach so 2-3 Wochen beginnen die ersten Lehrversuche in einzelnen Klassen, in denen sie hopsitiert haben. Auf Basis dieser Lehrversuche, also je nachdem, in welchen Jahrgangsstufen es gut und weniger gut geklappt hat, bekommen die Refs nach den Herbstferien "eigene" Klassen, eine pro Fach. Der bisherige Fachlehrer der Klasse wird zum Betreuungslehrer und bleibt erstmal auch verantwortlich für alle formalen Fragen: Lehrplaneinhaltung, Notenvergabe etc. D.h. er sitzt am Anfang viel mit im Unterricht, dann weniger, muss aber eigentlich immer zumindest im im Haus sein, wenn der Ref in seiner Klasse unterrichtet. Er segnet Stoffverteilungspläne, Klausurentwürfe und Korrekturen ab etc.

    Weitere Entlastung gibt es dafür nicht, nur eben die Stunden, die der Ref ja mehr und mehr in der Klasse übernimmt.

    Die Seminarlehrer machen auch weiterhin Unterrichtsbesuche, häufig unangekündigt.

    Im ersten und zweiten Halbjahr gibt es jeweils irgendwann eine Lehrprobe, für die man das Thema zwei Wochen vorher erhält und einen Entwurf schreiben muss. Hier muss man zeigen, was man im Idealfall leisten kann - hat also nichts mehr mit Alltag oder Unterrichtsrealität zu tun.

    Nach dem ersten Halbjahr wechseln die Refs die Schule und gehen an irgendeine Realschule in Bayern, die sogenannten "Einsatzschule". Das kann dann zufällig auch eine Seminarschule sein, aber man hat dann mit dem Seminarbetrieb nichts zu tun.

    Dort unterrichtet man bis zu 17 Stunden, hat pro Fach einen Betreuungslehrer, ist mehr in das Schulleben und das Kollegium eingebunden. Insgesamt ist das deutlich näher am Berufsalltag, auch was Freiheit etc. angeht. Man ist hier auch selbst für Lehrplaneinhaltung, Noten etc. verantwortlich. Die Betreuungslehrer kommen pro Halbjahr dreimals zu einem Unterrichtsbesuch - meist angekündifgt, meist ohne Entwurf oder so. Es gibt auch wieder eine Lehrprobe, zu der Seminarvorstand und Seminarlehrer angereist kommen.

    Am Ende des zweiten Jahres gibt es einen Prüfungstag mit mündlichen Prüfungen in den Seminarfächern - aber ohne Lehrprobe.


    Die Note des zweiten Staatsexamen setzt sich zu fast 50% aus den Lehrproben, zu fast 50% aus deinem Gesamtgutachten mit schwammigen Kriterien und zu ein paar Prozent aus den mündlichen Prüfungen zusammen. Ach ja, es gibt noch eine Examensarbeit über ein Unterrichtsprojekt, das mit einfließt.


    Am Gymnasium ist es genauso, nur dass man hier ein halbes Jahr an der Seminarschule ist, dann ein Jahr an der Einsatzschule, und dann nochmal für ein Jahr an seiner Seminarschule ist.


    Ich habe sicherlich Details nicht mehr ganz richtig im Kopf gehabt, also verbessert mich gerne.

  • An meiner "kleinen" 3-zügigen Schule (Gym) bekommen wir immer ca. 6 Reffis gleichzeitig. Es ist je nach Jahrgang okay, aber in einzelnen Fächern (Deutsch, Geschichte, ..) sicher eine Belastung in der Oberstufe, wo die Referendare sich ggf. die Klinke in die Hand geben. In der "größeren" Stadt, in der das Studienseminar ist, haben auch einige Schulen 15 Referendar*innen, davon 5 mit dem Fach Deutsch. Selbst bei 4-Zügigkeit sehr belastend.
    Irgendwie stelle ich mir eine bayrische Seminarschule mit 20 neuen Reffis zu Jahresbeginn vor, die nach den Herbstferien ganz viel übernehmen, und dann zu Februar verschwinden (und die nächsten Reffis kommen doch erst im nächsten Schuljahr, oder?)

  • Danke WillG für diese ausführliche Erläuterung! Da ich es völlig anders kenne (quasi praktische Ausbildung in der Ausbildungsschule und theoretische im Studienseminar), finde ich diesen Einblick in die bayrische Referendarsausbildung sehr spannend.

  • Irgendwie stelle ich mir eine bayrische Seminarschule mit 20 neuen Reffis zu Jahresbeginn vor, die nach den Herbstferien ganz viel übernehmen, und dann zu Februar verschwinden (und die nächsten Reffis kommen doch erst im nächsten Schuljahr, oder?)

    Genau so. Wer das als Eltern nicht will, muss sich ein Landgymnasium suchen, die sind selten Seminarschule. In Würzburg z. B. sind alle acht staatlichen Gymnasien Seminarschule.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • die Seminarlehrer*innen sind doch ähnlich den Fachleiter*innen in den anderen Bundesländern? Da bekommen sie auch meistens A15? (also im Gymbereich. Ist ja klar, dass man in den anderen Lehrämtern mit einem Händedruck belohnt wird. [Sarkasmus aus]).
    In Bayern steigt die Sek1 auch mit A13 ein und es gibt ansonsten noch die Regelbeförderung ...

  • Achtung, ich spreche von dem "richtigen" Ausbilder, der die Seminarsitzung (fachdidaktisch, methodisch, ...) macht. Nicht von dem Fussvolk, das an einer normalen Schule die komplette Arbeit mit dem Reffi vor Ort hat. DIE Lehrer*innen bekommen einen Händedruck. (und wenn sie Glück haben, sind sie auch Betreuer*innen / Ausbildungskoordinator*innen und es gibt ein bisschen Anrechnung (ca. 1/3 Stunde), es geht aber dabei nicht um den Unterricht in einer bestimmten Lerngruppe, sondern um andere Inhalte und übergreifende Betreuung)

  • In Niedersachsen erhalten meines Wissens Fachleiter*innen an den Studienseminaren für zukünftige Gymnasial- und BBS-Lehrkräfte auch A15 (mit den andernen Lehrämtern kenne ich mich leider gar nicht aus). Es gibt in den Seminaren aber auch eine Menge sog. "mitwirkende Lehrkräfte", die weiterhin A13 und m. E. eine Stellenzulage erhalten. Wo genau der Unterschied in der Tätigkeit der Fachleiter*innen und der Mitwirker*innen ist, weiß ich allerdings nicht; dazu bin ich selber schon zu lange aus dem Ref. 'raus und ich kenne niemanden näher, der im Studienseminar tätig ist.


    EDIT: Wie chilipaprika gerade schon schrieb: es sind wirklich die Fachleiter*innen gemeint, nicht die Ausbildungslehrer*innen an den Schulen (wir bekommen an unserer Schule höchstens eine halbe Anrechnungsstunde, wenn wir mehrere LiV betreuen).

  • ... Nicht von dem Fussvolk, das an einer normalen Schule die komplette Arbeit mit dem Reffi vor Ort hat. DIE Lehrer*innen bekommen einen Händedruck. (und wenn sie Glück haben,

    ...ist der Händedruck feucht (dachte ich, käme da noch^^)


    In Niedersachsen erhalten meines Wissens Fachleiter*innen an den Studienseminaren für zukünftige Gymnasial- und BBS-Lehrkräfte auch A15

    Krass, das ist hier anders. A15 kriegt der Schulleiter! Edit: wenn er verbeamtet ist, wenn nicht, guckt er auch bloß in den Mond)

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