Quereinstieg Berufsschule Niedersachsen über Referendariat

  • Hallo,


    Ich habe mich ja erfolgreich als Seiteneinsteiger für das Referendariat in Niedersachsen am Gymnasium für Ende Januar beworben. Erfolgreich heißt in dem Zusammenhang, dass ich am Ende einen Ref Platz bekommen habe, den aber aus persönlichen und finanziellen Gründen absagen musste. (Kurzfassung: Zusage kam erst 3 Wochen vor Beginn in einer anderen Stadt, bin Alleinverdiener mit 2 Kleinkindern --> jeden Tag 1,5h pro Richtung Pendeln und Umzug kamen daher nicht in Frage)


    Ich bewerbe mich aktuell wieder für den Sommer, habe aber auch nun von der GEW gehört, dass man mit Berufsschule unter anderem ggf. bessere Chancen hat.


    Meine Fächer sind (für Gymnasium bereits anerkannt)/wären Informatik und Mathe


    Nun habe ich jedoch GAR KEINE Erfahrung, was Berufsschule eigentlich bedeutet? Ich habe selbst klassische "Ausbildung" Grundschule->Gym->Studium.
    Ich habe versucht, mich in die Thematik etwas hereinzulesen, bin aber nicht wirklich schlau geworden. Es gibt wohl theoretische Fächer und praktische und anscheinend auch verschiedene "Schulformen" und Abschlüsse?
    Ich dachte immer, man hat schon einen Schulabschluss, wenn man auf eine Berufsschule geht, und macht dies im Anschluss an seinen Abschluss in Kombination zur Ausbildung in Betrieb und Firma?


    Kann jemand vielleicht Licht ins Dunkel bringen, sodass ich Einschätzen kann, ob dies auch für mich in Frage kommen würde?
    Generell wäre auch Quereinstieg Haupt/Realschule für mich interessant gewesen (d.h. ich würde tatsächlich auch am Gymnasium Sek 1 gegenüber Sek 2 favorisieren, zumindest ohne jetzt bereits Erfahrung zu haben), aber dort gibt es Informatik als Fach nicht (für den Quereinstieg). Will eigentlich damit sagen, dass ich es nicht tragisch finde, nicht im Detail und auf Uni Niveau wie bisher meine Fächer zu unterrichten.


    Vielen Dank

  • Da ich nicht an den beruflichen Schulen unterrichte, überlasse ich dieses Feld den Spezialisten dafür hier im Forum. Grundlegend solltest du aber sicherlich vor einer Entscheidung für eine dir noch unbekannte Schulform an dieser hospitieren, um dir selbst ein Bild machen zu können, was die Tätigkeit dort in der Realität deines Bundeslandes bedeuten kann.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich versuche mal mich kurz zu halten, aber das berufliche Schulwesen ist sehr komplex.


    • Berufsschule: das ist das, was sich die meisten Leute unter Berufsschule vorstellen. In der dualen Ausbildung gehen Azubis 1-3 Tage in der Woche zur Berufsschule, den Rest der Zeit lernen sie im Betrieb. Nach 2-3,5 Jahren machen sie eine Abschlussprüfung bei der IHK oder HWK. Die Berufe gehen von Verkäufer über Schreiner zu Frisör oder Zerspahnungsmechaniker. Ebenso das Vorwissen der Schüler. Von Förderschülern über Hauptschulabschluss, Realschule bis zu Studienabbrechern sitzt da alles. Zum Teil in der gleichen Klasse. Je nach Beruf sehr angenehm (finde ich)
    • Abitur: in fast allen Bundesländern gibt es berufliche Schulen, die zum Abitur führen. In Bayern sind das BOS und FOS. In BW gibts noch Wirtschaftsgymnasien und wo anders heißen die Schulen wieder anders. In 2-3 Schuljahren werden die Schüler dort zur Fachgebundenen Hochschulreife, Fachhochschulreife oder zur allgemeinen Hochschulreife geführt. Vom System her ähnlich, wie bei Gymnasien, allerdings teilweise mehr Berufsbezug und auch mehr Leistungsdruck.
    • Vollzeit-Berufsschule: manche Ausbildungen macht man ohne Betrieb, dann gehen die Schüler nur in die Schule und haben am Schluss eine Abschlussprüfung. Von Kinderpfleger, Erzieher, Hauswirtschafter, Altenpfleger über Physiotherapeuten zu MTA und PTA gibts da viele Berufe. Die Schüler haben wieder alle möglichen Arten der Vorbildung.
    • Weiterbildung/Technikerschule: nach einer betrieblichen Ausbildung gibt es die Möglichkeit seinen Meister/Techniker/Diplom an der Schule zu erwerben. Die Schüler sind schon etwas älter und haben Berufserfahrung (ist normalerweise Voraussetzung). Dadurch meist gutes Arbeitsklima, aber auch viel Leistungsdruck. Teilweise läuft der Unterricht abends/neben deren Hauptjob.#
    • Berufsqualifizierende Maßnahmen: Schüler, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben müssen die Berufsschulpflicht noch erfüllen, oder werden irgendwie "aufgehoben" in der Hoffnung, dass es im nächsten Jahr klappt. Von echt sinnvollen Maßnahmen, bei denen die Schüler den Quali nachholen können und Defizite abbauen über reine "Verwahrung/Beschäftigungstherapie" gibts da alles.
    • in Bayern gibt es dann noch die Wirtschaftsschule, das ist vergleichbar mit dem Wirtschaftszweig der Realschule, also deutlich jüngere Schüler.

    Ach so... und manche Schulen haben das gesamte o.g. Programm, dann unterrichtet man eben von all dem ein Bisschen. Das bedeutet, dass man sich oft umstellen muss und viele unterschiedliche Regelungen wissen muss (je nach Bildungsgang)


    ... und: man kann es sich als Lehrer nicht unbedingt aussuchen, was man von alledem abbekommt. Selbst wenn man in den ersten Jahren für die Abiturgänge eingestellt wurde, kann es später sein, dass man nur noch berufsqualifizierende Maßnahmen macht. Man kann zwar Wünsche äußern, aber man ist für all dass quailifiziert und muss es dann auch machen.


    wie CDL schrieb, am Besten, du guckst dir das mal an. Meistens sind die Kollegien an Berufsschulen ziemlich locker, viele Kollegen kommen aus der Praxis. Quereinsteiger sind da keine Exoten.



    Ah und zu den Fächern: in der Beruffschule hat man meistens eine berufliche Fachrichtung (z.B. Wirtschaft oder Metalltechnik) und dazu ein Unterrichtsfach (z.B. Mathe). In der beruflichen Fachrichtung gibt es dann Unmengen an Schulfächern, die darunter fallen.
    Ich (Fachrichtung Wirtschaft) unterrichte Betriebswirtschaftslehrer, Bürowirtschaft, Büromanagementprozesse, Einzelhandelsprozesse, Allgemeine Wirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehrer, Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung, EDV-Anwendung... (je nach Beruf heißen die Fächer unterschiedlich) zusätzlich unterrichte ich noch Deutsch und Sozialkunde.

    Sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch. (DpB):aufgepasst:

    2 Mal editiert, zuletzt von Veronica Mars () aus folgendem Grund: Ergänzungen

  • Hallo Laniyah,


    Veronika Mars hat das berufsbildende Schulsystem schon sehr gut erläutert, auch bzgl. der Fächerkombinationen! In Niedersachsen denke ich, dass du als Quereinsteiger auch mit deiner Kombination Informatik und Mathe gute Chancen auf eine Stelle hättest. Siehe dazu: http://www.eis-online-bbs.niedersachsen.de


    Für Niedersachsen kann ich dir zusammenfassend noch einmal die Schulformen aufführen, die es hier gibt:
    an den berufsbildenden Schulen gibt es die Berufsschule (im Rahmen der dualen Ausbildung), das berufliche Gymnasium sowie die Fachoberschule und die Berufsoberschule, jeweils mit verschiedenen Schwerpunkten (alle diese Schulformen sollen zum Erwerb der Hochschul- oder Fachhochschulreife führen) und die Berufseinstiegsschule für Schüler*innen mit schlechtem oder gar keinem Berufsabschluss, auch mit verschiedenen Schwerpunkten (derzeit gibt es noch eine Unterteilung in Berufsvorbereitungsjahr und Berufseinstiegsklasse; ab nächstem Schuljahr sollen diese unter "Berufseinstiegsschule" zusammengefasst werden).
    Daneben gibt es an niedersächsischen BBS noch Fachschulen - ebenfalls mit verschiedenen Schwerpunkten, z. B. Agrarwirtschaft, Hauswirtschaft, technischer Bereich (Elektro-, Bau-, Fahrzeugtechnik,..) oder sozialer Bereich (Heilerziehungspflege etc.). Die SuS, die diese Fachschulen besuchen, haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und i. d. R. Berufserfahrung. Sie können mit dem erfolgreichen Abschluss der Fachschule die Fachhochschulreife erwerben und erhalten einen "höherwertigen" Berufsabschluss, wie den von Veronika Mars genannten "Techniker".
    Weiterhin haben wir noch verschiedene Berufsfachschulen in Vollzeitform, ebenfalls mit unterschiedlichsten Schwerpunkten im wirtschaftlichen, technischen, sozialen,... Bereich. Eingangsvoraussetzung ist für diese Schulformen der Haupt- oder Realschulabschluss. In den einjährigen BFS werden die Kompetenzen des ersten Ausbildungsjahrs vermittelt (somit ist ein Einstieg ins zweite Ausbildungsjahr im dualen System möglich), in das zweite Jahr (also eigentlich die "zweijährige BFS") kann ein/e Schüler*in aufgenommen werden, wenn sie/er die einjährige BFS mit Notendurchschnitt 3,0 absolviert hat. Dort wird der erweiterte Sek. I-Abschluss angestrebt. Ich muss sagen, dass an meiner Schule das Interesse an dem zweiten Jahr (seit Einführung der einjährigen BFS im Schuljahr 2009/10) seeehr gering war und ist, wodurch wir diese Schulform gar nicht mehr anbieten bzw. nur ein Schuljahr lang angeboten haben...
    Als letzte mir bekannte Schulform an den BBS in Niedersachsen ist noch die "Berufsqualifizierende Berufsfachschule" zu nennen (Aufnahmevoraussetzung ist i. d. R. der Realschulabschluss), wo ein Berufsabschluss erworben wird. Auch hier gibt es wiederum verschiedene Berufsbereiche, die für dich interessant sein könnten, beispielsweise Informatik oder Kaufmännische/r Assistent/in, Schwerpunkt Informationsverarbeitung.


    Das nur als grober Überblick! Es ist - wie schon geschrieben wurde - wirklich sehr komplex!

  • Also in NRW würde man dich mit Informatik auch mit Kusshand am Berufskolleg nehmen.


    Eine Sache gebe ich zu bedenken: Viele, die eben nur Schule, Uni kennen, tun sich schwer mit einem Berufskolleg. Es ist einfacher, wenn man selbst eine Ausbildung gemacht hat oder schon gearbeitet hat.
    Man arbeitet ja sehr viel mit fachlichen Problemen.


  • Eine Sache gebe ich zu bedenken: Viele, die eben nur Schule, Uni kennen, tun sich schwer mit einem Berufskolleg. Es ist einfacher, wenn man selbst eine Ausbildung gemacht hat oder schon gearbeitet hat.
    Man arbeitet ja sehr viel mit fachlichen Problemen.

    Dem stimme ich zwar ein Stück weit zu, aber ich selber habe auch keine Ausbildung gemacht (zumindest keine im dualen System, sondern "nur" an einer der von mir o. g. berufsqualifizierenden BFS) und gearbeitet habe ich nur während des Studiums als Nebenjobs in diversen Bereichen. Allerdings habe ich schon so einige Quereinsteiger an berufsbildenden Schulen erlebt, die sich nach recht kurzer Zeit - meist ein bis zwei Jahren - doch wieder anderweitig orientiert haben, weil sie gemerkt haben, dass ihnen der Lehrerberuf doch nicht zugesagt hat. Von daher würde auch ich dem TE wärmstens empfehlen, was einige Vorschreiber*innen bereits sagten: versuche, mindestens an einer BBS zu hospitieren, am besten in verschiedensten Schulformen, damit du dir selbst ein Bild machen kannst!

  • Dem stimme ich zwar ein Stück weit zu, aber ich selber habe auch keine Ausbildung gemacht (zumindest keine im dualen System, sondern "nur" an einer der von mir o. g. berufsqualifizierenden BFS) und gearbeitet habe ich nur während des Studiums als Nebenjobs in diversen Bereichen. Allerdings habe ich schon so einige Quereinsteiger an berufsbildenden Schulen erlebt, die sich nach recht kurzer Zeit - meist ein bis zwei Jahren - doch wieder anderweitig orientiert haben, weil sie gemerkt haben, dass ihnen der Lehrerberuf doch nicht zugesagt hat. Von daher würde auch ich dem TE wärmstens empfehlen, was einige Vorschreiber*innen bereits sagten: versuche, mindestens an einer BBS zu hospitieren, am besten in verschiedensten Schulformen, damit du dir selbst ein Bild machen kannst!

    Ich schrieb ja auch nur, dass es häufig einfacher ist. Es ist einfach eine völlig andere Einrichtung, wenn man nur ein Gymnasium kennt. Daher schließe ich mich der Empfehlung mit der Hospitation vollumfänglich an. Und gerade da sollte man wirklich in alle Bildungsgänge schauen und nicht nur ins berufliche Gymnasium.



    Ich selber tue mich zum Beispiel auch schwer in dem Fach, wo ich keine Ausbildung gemacht habe, da mir die Praxis fehlt. ;)

  • Daneben gibt es an niedersächsischen BBS noch Fachschulen - ebenfalls mit verschiedenen Schwerpunkten, z. B. Agrarwirtschaft, Hauswirtschaft, technischer Bereich (Elektro-, Bau-, Fahrzeugtechnik,..) oder sozialer Bereich (Heilerziehungspflege etc.). Die SuS, die diese Fachschulen besuchen, haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und i. d. R. Berufserfahrung. Sie können mit dem erfolgreichen Abschluss der Fachschule die Fachhochschulreife erwerben und erhalten einen "höherwertigen" Berufsabschluss, wie den von Veronika Mars genannten "Techniker".

    die Studierenden der Fachschule können die Fachhochschulreife erwerben das stimmt. Wie in Hessen auch, berechtigt allerdings der Abschluss der Fachschule zum Studium egal welches Fach und egal ob Fachhochschule oder Universität. Damit ist die erworbenen Fachhochschulreife nur Dekoration.


    Siehe Absatz (4)


    http://www.nds-voris.de/jporta…bsvorisprod.psml&max=true

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Also in NRW würde man dich mit Informatik auch mit Kusshand am Berufskolleg nehmen.

    Mit Informatik küssen dir die noch gnaz woanders hin. Aber, da es sowieso keine Informatik-Lehrer gibt, schreiben viele schon gar keine Informatik-Stellen aus. Da hilft es, mit den Schulen Kontakt aufzunehmen, zu kucken, ob man zusammenkommt.


    An beruflichen Schulen gibt es traditionell Quereinsteiger. Das kann ein Vorteil sein, wenn sich die Schule daraus ableitet, wie man so jemanden ausbildet. Das aknn ein Nachteil sein, wenn alle denken, dass das schon passt, die anderen hätten das ja auch hingekriegt.

    "Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert."
    Matthäus 10.34

  • Hallo Zusammen und vielen Dank erstmal für die ausführlichen Antworten.


    Quereinstieg würde ich auch an der Berufsschule über das Referendariat machen wollen, einfach auch, um später einen grundständig ausgebildeten Lehrer gleichgestellt zu sein.


    Nach den 2 ausführlichen Anworten von Veronica und Humblebee weiß ich nun auch, warum mir ein langer Nachmittag/Abend nicht gereicht hat, um das System hinter "Berufsschule" zu verstehen.
    Das ist ja mehr als komplex.


    Ich werde auf jeden Fall mal versuchen eine Möglichkeit zur Hospitation zu finden.
    Aktuell bin ich aber gerade erst aus meine Elternzeit wieder in meinen Vollzeitberuf eingestiegen, dass ich das noch etwas schieben muss. Aber die Frist zur Bewerbung ist ja auch erst im Mai.


    Mein Fach Informatik (in Niedersachsen Fach besonderen Bedarfs) ist ja eigentlich ein Glücksgriff, auch für den Quereinstieg ins Ref. Aber leider ist es, wenn man an einen der beliebtesten Ref Orte wohnt, manchmal nicht ausreichend.


    Da im letzten Bewerbungszyklus sich bei mir (lag nicht an mir, woran es lag weiß ich auch nicht) alles nach hinten verschoben hat (Bewerbungsschluss war Ende September, Zusagen ab Anfang November und mein Eignungsgespräch zur pädagogischen Eignung war erst vor ~1 Woche) waren natürlich auch mit Informatik alle Plätze hier weg. Ich hoffe einfach, dass ich als Quereinsteiger diesmal mehr Chancen habe und zumindest vor die ganzen Studienorttauschwünsche rutsche.


    Wenn ich den Menschen in der Schulbehörde richtig verstanden habe, werden zwar vorab 20% an die Bedarfsfächer verteilt, aber da rutsche ich als Quereinsteiger nicht rein. Sondern halt erst nach allen anderen.


    Momentan bin ich ja noch in Anstellung, und kann mich "gemütlich" bewerben. Informatik ist ja "geplant" in Niedersachsen Pflichtfach zu werden. Aber wenn es nicht genug "Ausbildsungplätze" gibt, hilft es mir ja auch nicht so ganz.

  • Hallo,
    Ich habe nochmal anschließende Fragen:


    Ich habe mich nun tiefer in die Thematik eingelesen und habe nun den Eindruck gewonnen, dass man von einem Schulabbrecher (Berufseinstiegsschule) bis zum Abiturienten (Berufliches Gymnasium) jeden Typ von Schüler treffen kann.
    Hat man denn später im Berufsleben wirklich diese Heterogenität? Oder ist man Entweder "an einer" Berufseinstiegsschule" oder zb. beruflichen Gymnasium?


    Entfallen solche Aufgaben wie Pausenaufsicht und zb. Elternarbeit oder hat man das auch?


    Ich würde auf jeden Fall noch mal den Kontakt zu einer BBS aufnehmen wollen und ggf. hospitieren wenn möglich, aber aktuell ist es halt leider nicht möglich, da kein Urlaub und bestehende Vollzeitarbeit.

  • Die Schulen sind sehr unterschiedlich. Manche haben ein wirklich breites Spektrum, manche ein weniger breites.
    Manche sind auf einen Bereich (z.B. Wirtschaft oder Naturwissenschaften...) fokussiert, manche auf mehrere.
    Je nach Bereich musst du statt mit Eltern mit Betrieben kommunizieren.
    Zumindest bei uns gibt es auch Pausenaufsichten, keine Ahnung ob das überall so ist. Wir haben auch eine reguläre Oberstufe.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Es kommt letztlich auf deine Fächer und auf die Ausrichtung der Schule an.
    Ich könnte in allen Anlagen/Bildungsgängen eingesetzt werden.
    Inklusive noch die Fachschule für Techniker, die noch eine Weiterbildung ist und in Richtung Bachelor geht vom Niveau her.


    Ich unterrichte aktuell duales System (Berufsausbildung) im Handwerk und in der Industrie (die unterscheiden sich schon extrem), Berufsfachschule (Vollzeit-Oberstufe mit Ziel FHR) und Fachschule für Technik. Davor war ich auch noch im Beruflichen Gymnasium tätig.


    Elternarbeit - Kommt auf die Bildungsgänge an. Hat man auch noch, aber weniger.
    Pausenaufsichten gibt es bei uns auch regulär.

  • Wir haben nur die duale Ausbildung und eine 2 jährige Berufsfachschule (Vollzeit mit Ziel FHR) und sind fachlich sehr spezialisiert. Pausenaufsicht gibt es bei uns nicht. Aber wir haben in dem Sinne auch keinen Pausenhof. Für minderjährige SuS muss ein entsprechendes Formular von den Erziehungsberechtigten unterschrieben werden, dass diese eben unbeaufsichtigt in den Pausen das Schulgebäude verlassen dürfen. Elterngespräche gibt es wenn am ehesten in der Berufsfachschule, sonst eher mit den Betrieben. Aber das ist dann eher bei Bedarf.
    Aber wir sind generell eher eine spezielle Schule.

  • ... 2 jährige Berufsfachschule (Vollzeit mit Ziel FHR) ...

    Echt komisch wie sich Bildungsgänge in den Ländern unterscheiden. In Hessen gibt es keine Berufsfachschule die FHR als Abschluss einschließt. Allerdings kann man den schulischen Teil der FHR durch Zusatzprüfungen erlangen.


    Ich glaube alle Schulen in der beruflichen Bildung sind speziell.


    Bei uns an der Schule gibt es die höhere Berufsfachschule, 3 jährige Berufsfachschule und Fachschule. Pausenaufsicht gibt es bei uns nicht und auch Elternabend habe ich noch keinen erlebt.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Eltern gibt es bei uns nicht, Pausenaufsichten sind sehr sparsam. Dafür unterrichtet man aber quasi zu 80% schwache Hauptschüler auf unterirdischem Niveau. Das berufliche gymnasium ist bei uns sehr klein, die eigentliche Berufsschule bis auf einen Beruf nicht existent. Die Fachabiturienten sind eher schwache Realschüler und die Berufsfachschüler aka angehende Realschüler sind eigentlich Hauptschüler mit geringen Deutschkenntnissen. Ein Großteil verlässt die Schule ohne Abschluss wieder. Wer damit professionell umgehen kann, für den ist das ein toller Beruf. Ich würde nichts anderes machen wollen ☺ Geschmackssache und Gewohnheit halt ☺

  • Hannelotti: Bei den Bedingungen noch eine positive Einstellung zu haben - alle Achtung!


    Das System ist teilweise großer Mist, v.a. was die Internationalen Förderklassen betrifft. Die sus hängen halt teilweise in einem Kacksystem, in dem man sich an die Systemregeln halten muss, obwohl das Klientel ganz andere Bedürfnisse hat. Trotzdem macht die Arbeit mit den SuS sehr viel Spaß, wenn man nicht gerade ein absoluter Idealist ist. Wenn man den Anspruch hat, jeden retten zu wollen oder Bilderbuchunterricht zu halten, geht man vor die Hunde. Mit dem credo "wir holen das Bestmögliche raus" kann man aber sehr gut leben und arbeiten und wenn das Bestmögliche ist, dass ein Schüler zwar ohne Abschluss die Schule verlässt, dafür aber Pünktlichkeit und Umgangsformen gelernt hat, kann bzw muss man das als Erfolg verbuchen :rose:

  • Eltern gibt es bei uns nicht, Pausenaufsichten sind sehr sparsam. Dafür unterrichtet man aber quasi zu 80% schwache Hauptschüler auf unterirdischem Niveau. Das berufliche gymnasium ist bei uns sehr klein, die eigentliche Berufsschule bis auf einen Beruf nicht existent. Die Fachabiturienten sind eher schwache Realschüler und die Berufsfachschüler aka angehende Realschüler sind eigentlich Hauptschüler mit geringen Deutschkenntnissen. Ein Großteil verlässt die Schule ohne Abschluss wieder. Wer damit professionell umgehen kann, für den ist das ein toller Beruf. Ich würde nichts anderes machen wollen ☺ Geschmackssache und Gewohnheit halt ☺

    Junge, Junge, das klingt ja ziemlich übel! Also, ein derart schlechtes Niveau haben die SuS bei uns nicht. Zwar verlässt auch ein Teil der SuS, die ohne jeglichen Schulabschluss zu uns kommen, die Schule wieder, ohne einen Abschluss erlangt zu haben, aber ich schätze diesen Anteil bei max. 25%. Das betrifft nur die SuS im BVJ und den Berufseinstiegsklassen sowie der Berufsvorbereitung Integration/Sprachförderung für junge Flüchtlinge, die alle bei uns die Möglichkeit hätten, ihren Hauptschulabschluss zu erwerben.
    An unserer Schule gibt es "normale" Pausenaufsichten; jede/r KuK hat i.d.R. zwei Pausenaufsichten pro Woche (zweimal je 20 Minuten), die in Zweierteams durchgeführt werden, die Teilzeitkräfte und Referendare müssen nur eine machen. Wer die "Frühaufsicht" vor der 1. Stunde hat, braucht ebenfalls nur einmal Aufsicht zu führen, da diese Aufsicht 35 Minuten vor Unterrichtsbeginn startet.
    Elternarbeit müssen wir nur noch teilweise leisten, da recht viele unserer Schülerinnen und Schüler bereits volljährig sind.

  • Ich bin zwar ein anderes Bundesland, kann aber dennoch meinen Senf zur Schulart BBS dazu geben.


    Je nachdem, an welcher Schule du landest, kannst du von der zielbewussten Abiturientin Franziska über den 23-jährigen Marius, der mal wieder versucht, seine Mittlere Reife zu machen bis hin zum kleinen Lucas, der nach dem Besuch der Förderschule nun probieren möchte, die Berufsreife zu erlangen, alle in einem Schuljahr unterrichten. Bzw., je nach Stundenplan, an einem Tag.


    Wir an unserer BBS haben Pausenaufsicht, aber die besteht im Großen und Ganzen darin, ein paar nette Worte mit den Schülern zu wechseln und durch Schwaden von Cannabisduft zu laufen.


    Elternarbeit hat man eher selten - zu 95% sind die Schüler erwachsen oder haben Erziehungsberechtigte, die sich nicht für sie interessieren.


    Was ich persönlich blöd an BBS finde: die Fluktuation an Schülern. Man kann gar nicht so schnell kucken, wie sie kommen und wieder gehen.


    Ich sehe es wie Hannelotti: Wenn die Schüler in den 1-2 Schuljahren, in denen sie bei uns sind, Pünktlichkeit und Bitte/Danke gelernt haben, haben wir BBS-Lehrer was erreicht. Unterricht ist oft Nebensache (überspitzt gesagt).

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